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Slayer - World Painted Blood

Slayer - World Painted Blood
Stil: Thrash Metal
VÖ: 30. Oktober 2009
Zeit: 39:51
Label: Sony Music
Homepage: www.slayer.net
MySpace: www.myspace.com/slayer

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Wir schreiben das Jahr 1989: Bush Senior übernahm das Amt von Ronald Reagan, die Ostblockstaaten spalteten sich nach und nach von der Sowjetunion ab und am 9. November fiel die Berliner Mauer, worauf sich "Birne" Kohl als Wiedervereiniger feiern ließ. Chomeini erklärte Salman Rushdie zum Vogelfreien, es starben Salvador Dali und Samuel Beckett, in Berlin fand die erste Love-Parade statt und Mike Tyson wurde Schwergewichtsweltmeister. Es war das Gründungsjahr von Marilyn Manson, Monster Magnet, Helmet und Kyuss, mein Vater fuhr noch einen Audi 80, wir trugen hohe Converse, Stretch-Jeans und, wer durfte, eine Kutte. An dieser konnte leicht festgestellt werden, ob sich derjenige zur Poser- oder zur Thrasher-Fraktion zählte, wobei in unserem Dorf eigentlich alles unter Pose-Metal fiel, was nicht die Bandnamen Sodom, Kreator, Testament, Metallica, Megadeth, Death Angel, Assassin oder eben Slayer trug. Just in diesem Jahr kaufte sich mein jüngerer Bruder, evtl. um seinen ersten jugendlichen Rebellionsanwandlungen Ausdruck zu verleihen, seine erste Platte: South Of Heaven!!! Die Faves meiner Wenigkeit waren damals eher Running Wild, Alice Cooper oder Mötley Crüe und ich hatte mich noch kaum mit Araya, Hannemann, King und Dave Lombardo beschäftigt. Als wir die Scheibe auflegten und der Titeltrack sich düster und bedrohlich aus den Boxen unserer Schneider-Kompakt-HIFI-Anlage wand, jagte es einem Schauer um Schauer über den Rücken - 'grausliger' als jeder Freitag 13.-Streifen. Yep, das war jene Musik aus der Hölle, vor der wir in den TV-Nachrichten und in der Bild-Zeitung gewarnt worden waren. Als ob der Gefallene höchst selbst zu uns sprach. Bocksgesang! Kurzum, Slayer war das Gefährlichste, Extremste und damit auch Verbotenste und Verderblichste, das man damals hören konnte. Slayer waren EVIL in Reinform. Wir waren vom ersten Ton an infiziert.
Nach Seasons In The Abyss und der nachfolgenden Doppel-Live-Cd Decade Of Aggression (1991) warf Dave Lombardo vorerst das Handtuch, was eine große Zäsur im Werk der Thrash-Vorreiter bedeutete. Trotz beachtenswerter Veröffentlichungen wie Divine Intervention (1994) und vor allem God Hates Us All (2001) ist es der Band meines Erachtens nie ganz gelungen besagten "Spirit In Black" wieder einzufangen. Allerdings deuteten nach der Reunion einige Tracks von Christ Illusion wie "Flesh Storm", "Skeleton Christ" oder "Jihad" bereits vor drei Jahren an, dass Slayer immer noch in der Lage waren, Kinder und Eltern gleichermaßen zu erschrecken und noch lange nicht fertig hatten. Die Vorzeichen finden dieses Jahr ihre Erfüllung in World Painted Blood!
Wer sich vorher den Splatter-Kurzfilm reinzieht, der dem Digipack als DVD beigegeben ist und von dem nicht allzu viel verraten werden soll, um den intendierten Schock nicht zu verderben, der weiß worauf er sich einzustellen hat. Slayer knüpfen nahtlos dort an, wo sie mit Seasons In The Abyss aufgehört hatten, ohne jedoch in irgendeiner Form von gestern oder gar altbacken zu klingen. "Parental Advisory. Explicit Content. Strong Language. Sexual + Violent Content" trifft diesmal wie die Faust auf's Auge, denn das Quartett erzählt in allen blutigen Facetten die Lifestory eines Serienkillers von Kindesbeinen an über die ersten Morde bis zum Grande Finale und verquickt diese mit höchst sozialkritischen Inhalten und plakativen Anprangerungen. Die transportierte Brutalität kommt jedoch erst in den entsprechenden Vertonungen zum Tragen. Slayer bieten den Millionen von Fanscharen ein Gemetzel erster Kajüte und ja, der Horror-Terror-Effekt stellt sich nach 20 Jahren wieder ein.
Nach einer Art verkürztem "Hell Awaits"-Intro wird schon im Titelsong, der an den Anfang von World Painted Blood gerückt wurde, nach der Holzhammer-Methode vorgegangen. Abgehacktes King-/Hannemann-Riffing und ein stumpf-minimalisierter aber dabei unwiderstehlicher Drum-Rhythmus bereiten die Highspeed-Thrash-Umgebung, in der Tom Araya seine vor Wut und Hass nur so triefenden Schreie auf sein Publikum loslässt. Ohne Unterhalt wird dieses anschließend von "Unit 731" überfahren, wobei die Temposchraube noch ein Stück weiter angezogen wird. Da klappen die Kinnladen erstmal runter. Nicht umsonst hat sich der Begriff 'Slayer-Solo' zum institutionalisierten Prädikat entwickelt, denn Jeff Hannemann quält seine ESP in den ersten beiden Songs nach allen Regeln der Kunst und entlockt dem Instrument wirrste Atonalitäten, die zwar traditionelles Slayer-Gut darstellen aber so noch nicht gehört wurden. Es bietet sich an Slayer mir Slayer zu vergleichen: "Unit 731" würde so als das "War Ensemble" von World Painted Blood durchgehen und das folgende "Snuff" als dessen "Captor Of Sin", beginnend mit einem Überschall-Solo, das sich King und Hannemann teilen, und mit einem Dave Lombardo in Bestform, der seine Felle verdrischt, als gäbe es kein Morgen. Damit ist der als Anschlag auf den Hörer konzipierte Triple-Thrash-Treat, in dem die Platte förmlich explodiert, komplett.
Im darauf folgenden "Beauty Through Order" begibt sich die Band zwar in Midtempo-Thrash-Bereiche, verliert jedoch nicht den Hauch an Aggressivität. Es lässt sich eher Gegenteiliges behaupten, denn die Nummer findet ihren Platz im gleichen Vorhölle-Saal, in dem sich "Mandatory Suicide" seit Jahren breit gemacht hat. Bösartige, bösartige Sprechgesänge und Akkordfolgen, plus Highspeed-Solo im Mittelteil verleihen "Beauty Through Order" das Potential zum zukünftigen Klassiker. Im Anschluss wird die Geschwindigkeit der ersten Songs wieder aufgenommen und Slayer schleudern "Hate World Wide" ohne jegliche Umschweife und in aller Kürze hervor. "I stab you / Right between the eyes / You awaken from the lies". Die ersten Verse können locker als Motto betrachtet werden. Ein weiteres Highlight findet sich darauf in "Public Display Of Dismemberment", das mit einem andersartig als die Vorgänger variierten, aber trotzdem hyper-schnellen Schlagzeug-Rhythmus aufwartet, so dass die Nackenmuskulatur schon nach knapp der Hälfte des Albums zu schmerzen anfängt. Der Wahnsinn, den die Welt, wie sie sich uns heute darstellt, wird eins zu eins in Jeff Hannemanns Leads gespiegelt. Irrsinn trifft's tatsächlich am besten.
Das etwas gemäßigtere "Human Strain" erinnert noch am ehesten an die erste Hälfte von God Hates Us All. Der Schauer stellt sich dabei im Zwischenteil ein, wo einzelne auf der Gitarre nur kurz angeschlagene Disharmonien den Bodensatz für Arayas Vocals bilden, der auf die ganze Platte bezogen gelungen die Extreme seiner stimmlichen Fähigkeiten auslotet. Ganz die Power der ersten sechs Stücke wird jedoch nicht erreicht und will man von einer Schwäche der Scheibe sprechen, so findet sich diese im folgenden "Americon", das für Slayer-Verhältnisse viel zu bieder daherkommt, in dem die Vocals fast nur auf einem Ton herumreiten und auch die dort präsentierten Wah-Wah-Leads letzten Endes ein wenig deplatziert wirken.
Macht aber nix, denn mit dem schon seit Längerem bekannten "Psychopathy Red" lassen die Herren erneut eine Highspeed-Granate los, die auf einer Linie mit "Angel Of Death", "Dittohead" oder "Born Of Fire" liegt. Der Angriff geht unterschwellig weiter im atmosphärisch zähflüssig gehaltenen "Playing With Dolls", das hauptsächlich über "For Those About To Rock"-Gitarren-Effekte konzipiert ist und in dem Araya zum wiederholten Male Schreie loslässt, dass man vor Schreck zusammenfährt. Zum Abschluss fahren Slayer noch mal alle zur Verfügung stehenden Speed-Thrash-Geschütze auf und ballern uns das einen letzten und echten Höhepunkt markierende "Not Of This God" um die Ohren. In bester "Chemical Warfare"-Manier und mit einem Mittelpart, der wie der verkrüppelte Bruder von Marilyn Mansons "The Beautiful People" erscheint, beendet die Band stilecht das Blutbad.

World Painted Blood könnte die Slayer-Platte sein, die sich alle loyalen Anhänger seit Jahren gewünscht haben. Den kurzen Tiefpunkt, den "Americon" darstellt, macht das übrige Material locker wett. Zu EVIL ist die Angelegenheit geraten, als dass etwas Anderes als die Höchstnote fällig wäre. Der heutigen Jugend dürfte beim Auflegen dieses infernalischen Thrash-Massakers ähnlich, wenn nicht genauso ergehen wie uns anno 1989. Wir feiern also neben 20 Jahren Mauerfall Slayer at ist best! Play that thing loud!

1 KommentarFuxx

6 von 6 Punkten

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