Review
Udreka - Nieistnienie

VÖ: 30. Januar 2026
Zeit: 38:43
Label: Godz Ov War Productions
Homepage: www.facebook.com/udreka
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Es tut sich was im polnischen Untergrund! Nachdem Czart mit KI-generierten Videos und Songs derzeit das Netz aufmischen, geht es die Band Udreka (zum Glück) noch traditionsbewusst an, komponiert und spielt ihre Lieder selbst, wie es eben auch sein soll. Dabei versuchen sich die vier Musiker zunächst rein optisch von den gängigen Klischees einer Black-Metal-Band zu distanzieren. Ihr Schriftzug hat wenig gemeinsam mit einem konventionellen Black-Metal-Logo. Auch die Promo-Fotos entsprechen nicht dem üblichen Gehabe des Genres, zeigen stattdessen vermummte Männer im Jogginganzug mit Macheten vor alten Gebäudefassaden, die mit Graffitis beschmiert sind.
In musikalischer Hinsicht darf man sich dennoch auf eine geballte Ladung unverfälschten Black Metal freuen, der über große Strecken hinweg vom Treiben der norwegischen Kollegen beeinflusst zu sein scheint. Nach verzweifeltem Schreien startet "Do Bolu" schnell und hektisch ins Geschehen, weckt Erinnerungen an Mayhem und liefert neben Blastbeats auch allerhand Atmosphäre, wilde Soli, schwere Riffs und unterschiedliche Tempi. Überhaupt spielen die Polen gerne mit unterschiedlichen Stimmungen, lassen Dissonanzen in ihre Songs mit einfließen oder rocken auch mal dreckig drauf los, während sämtliche Lyrics in ihrer Landessprache verfasst werden.
Mit "Rozklad" folgt auf den wilden Einstieg zwar eine überraschend ruhige, melodische und schwermütige Nummer, doch sollte man sich deswegen nicht in Sicherheit wiegen. Der Titeltrack "Nieistnienie" liefert Up-Tempo nach skandinavischem Vorbild, bleibt vor einer Kulisse aus klirrenden Gitarrenwänden eingängig, kalt und grimmig. Spätestens an dieser Stelle dürfte dem werten Konsumenten das handwerkliche und auch kompositorische Geschick dieser Newcomer aufgefallen sein, die sich zum Glück für eine saubere und kraftvolle Produktion ihres Materials entschieden haben.
Es soll also spannend bleiben! Auch wenn herausstechendes Hitmaterial nicht zwingend zu entdecken ist, kommen Genrefans mit Nieistnienie auf ihre Kost. Das garantiert allein der beklemmende Rausschmeißer "Swiatlo", der sich über lange acht Minuten hinweg zum Finale hin regelrecht zu verdichten scheint und am Ende noch mit einem Hidden Track aufwartet, der bei unterirdischer Rehearsal-Tonqualität so klingt, als hätten ein paar Zombies ihr letztes bisschen Grips zusammengenommen, um 40 Sekunden lang "Musik" zu spielen... Jetzt wissen wir zumindest, wofür die Macheten gut sind! Die braucht man schließlich, um sich in einer endzeitlichen Welt seinen Weg durch Heerscharen von Untoten zu bahnen!


