Review
Megadeth - Megadeth

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50 Millionen verkaufte Alben weltweit, ein Grammy und Platten, die Platin und Doppel-Platin erreicht haben - wenn es nun so kommen soll, dass dies das letzte Megadeth-Album ist, so kann man sagen, dass einer der wirklich großen Big Player das Metal-Business verlässt.
In solch einem speziellen Fall dürften die Erwartungen seitens der Fans enorm gewesen sein, doch nun hat das Warten ein Ende. Sechs Monate nach seiner Ankündigung ist es da, das vermeintlich letzte Werk von Dave Mustaine, welches kurz und bündig den Bandnamen als Titel trägt. Also nichts wie rein damit in den Schacht, die Playtaste gedrückt und aufgehorcht! "Tipping Point", eine von bislang vier Singles, die im Vorfeld erschienen sind, eröffnet das Geschehen mit prägnantem Riff und entwickelt sich unmittelbar zum rasanten Ohrwurm-Thrasher, der Erinnerungen an Glanztaten der frühen 1990er, also an die Alben Countdown To Extinction und Youthanasia, weckt. "I Don't Care" liefert mit seinem Mix aus Thrash und Punk den nächsten Stoff zum Headbangen und zum Bearbeiten der Luftgitarre. Gleich einem roten Faden sollen sich schwindelerregende und technisch ausgefeilte Gitarrenduelle der Axtschwinger Mustain und Mäntysaari durch alle Songs ziehen. Dafür kennt man Megadeth, dafür liebt man Megadeth. Wie gut sich der finnische Wintersun-Gitarrist Teemu Mäntysaari in den klassischen Megadeth-Sound integriert, ist allerdings mehr als beachtlich!
Mit "Puppet Parade", "Another Bad Day" und "I Am War" finden sich auch einige bedächtigere Nummern, in denen Mega-Dave sich tatsächlich anschickt, mit heller Stimme zu singen, anstelle zu sprechen oder knurren. Auch "Obey The Call" startet eher wehmütig-balladesk, ehe zum Ende hin doch die Thrash-Keule geschwungen wird. Ganz anders "Let There Be Shred"! Textlich und musikalisch maximal plakativ gestrickt, kann man hier von der ersten bis zur letzten Note die Mähne kreisen. "The Last Note", der retrospektive Abschiedssong, dürfte manch langjährigem Megadeth-Vasallen eine Gänsehaut über die Glieder ziehen. Spätestens beim letzten Vers "I came, I ruled, now I disappear" sollte es uns dämmern, dass Herr Mustain seine Mission tatsächlich ernst nimmt.
Wer auf solch ein Vermächtnis blicken kann, wird natürlich niemals wirklich verschwinden, soviel ist mal klar. Als Bonus-Track serviert uns der Rotschopf seine Version von "Ride The Lightning", die er einst gemeinsam mit James Hetfield, Cliff Burton und Lars Ulrich geschrieben hat. Eine versöhnliche Geste nach all den Jahren des Heckmecks rund um seinen Rauswurf bei Metallica!
So endet das Album Megadeth mit klassisch gespieltem Thrash Metal und lieferte auch zuvor manch ein Deja Vu. Hier und dort ließe sich glatt von einem Rückblick auf das eigene Schaffen sprechen, was bei einem Abschiedsalbum auch irgendwie Sinn ergibt. Dabei finden sich im Set etliche Songs mit Hit-Potential, die zwar an unsterbliche Klassiker wie "Synphony Of Destruction", "Peace Sells" oder "A Tout Le Monde" nicht ganz heranreichen, aber zumindest wieder besser und eingängiger klingen als das Gros des Materials der letzten Studioalben.
Wenn es nun so kommen soll, dass dies tatsächlich das letzte Megadeth-Album ist, so sehe ich meine Erwartungen als erfüllt. Wir alle kennen das Metal-Business und neigen aufgrund diverser Erfahrungen zu der Floskel "Sag niemals nie!". Gerade bei einem Querkopf wie Dave Mustaine sollte man aber doch darauf gefasst sein, dass er sein Ding durchzieht...


