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Saxon - The Carrere Years (1979 - 1984)

Saxon - The Carrere Years (1979 - 1984)
Stil: Heavy Metal
VÖ: 20. April 2012
Zeit: ca. 275 Min.
Label: EMI Music
Homepage: www.saxon747.com
MySpace: www.myspace.com/planetsaxon

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Where were you in 79, when the dam began to burst? Nun, diese Frage stellt uns ja ein gewisser Biff Byford zu Beginn eines beschaulichen Liedchens, und das kann zumindest ich nur teilweise beantworten, denn meine Karriere in metallischen Gefilden begann einige Jahre später - aber durchaus in Begleitung der Kombo, um die es hier geht. Wir springen hier ins Jahr 1983, als ich nach einer berauschten Besprechung in einer Publikation namens PopRocky (das war die Bravo-Konkurrenz, wir erinnern uns) die Saxon-Scheibe Power And The Glory erstand. Ja, das gefiel durchaus, das ergänzte die gerade entdeckten Iron Maiden und rockte härter als die bis dahin favorisierten KISS. Zu Weihnachen gabs dann obendrein die Live-Aufnahme The Eagle Has Landed und Wheels Of Steel, wodurch ich mich mit dem Grundgerüst des Werks der Briten bestens vertraut machen konnte. Crusader stellte dann 1984 das Ende dieser Phase dar - wir wandten uns enttäuscht ab, das war nix mehr, aber davon gleich mehr.

Genau diese Ära umfasst auch das hier von EMI vorgelegte fette Paket, das auf nicht weniger als vier CDs die ersten sieben (!) Scheiben derjenigen Herren präsentiert, die zumindest für eine kurze Zeit Anfang der 80er auf Augenhöhe mit Iron Maiden und Def Leppard die NWOBHM verkörperten. Auch wenn sie nie die gleichen Höhen wie Maiden erklommen haben, blieben sie über die Jahre doch eine verlässliche Größe und sind gern gesehene Gäste auf jedem Festival - es gibt kaum ein Wacken, wo sie nicht spielen, und dass das auch gut so ist, davon kann sich der geneigte Mensch hier ein Bild machen.

Los geht's mit dem selbstbetitelten Debut, das 1979 entstand und noch von Stilsuche und nicht gerade unbedingt treffsicherem Songwriting geprägt ist. Saxon glänzt zwar in Form von "Frozen Rainbow" mit einem feinen 70er-Flair-Stück, aber außer "Stallions Of The Highway" und "Still Fit To Boogie" ist nicht viel enthalten, was auf die kommenden Attraktionen verwiesen hätte. Ganz anders schon Wheels Of Steel, auf dem 1980 zumindest eine perfekte Seite (Platten hatten Seiten, liebe Kinder!) aufgetischt wurde: "Motorcycle Man" kämmte uns die Frisur und war schon fast Speed Metal, "Stand Up And Be Counted" kracht, und mit "747 (Strangers In The Night)" lieferten sie Melodie, Atmosphäre und einen bis heute ungeschlagenen Live-Knaller. Klar einer der besten Songs, den sie im Gepäck haben. "Wheels Of Steel" dann vielleicht die beste Definition eines Saxon-Stücks: nicht gerade filigran, aber ungemein einprägsam und Live unübertreffbar. Klar gibt es hier keine Harmonie-Duelle a la Priest oder Maiden, die Technik war in keinster Weise so im Zentrum wie bei den beiden anderen Flaggschiffen, aber der Spaßfaktor war unübersehbar. Dann allerdings zeigte die Scheibe auch ein stets anzutreffenden Zug der Produktion: es gab nie eine durchgängig überzeugende Leistung, immer standen neben den Killern auch viele Filler, wie die zweite Seite von Wheels Of Steel ankündigt - mit Ausnahme des Single-Hits "Suzie Hold On" ist nicht mehr viel Durchschlagendes zu vermelden.
Gleiches gilt für das 1980er-Werk (ja, die Herren hauten teilweise zwei Scheiben pro Jahr raus!) Strong Arm Of The Law: mit "Heavy Metal Thunder" kracht gleich die Hymne schlechthin aus den Boxen, der Titeltrack gehört bis heute zum unverzichtbaren Live-Repertoire, und "Dallas 1 PM" grenzt für Saxon-Verhältnisse schon an ein kleines Epos - aber daneben eben auch Material aus der zweiten Reihe, oder wann habt ihr euch zuletzt "Taking Your Chances" und "Sixth Form Girls" angehört? Dachte ich mir.

1981 brachte Denim And Leather und ein weiteres hymnisches Werk, das live nicht totzukriegen ist - ein genial einfaches Riff, ein unentrinnbarer Kopfschüttel-Groove, das ist Saxon at its best. "Princess Of The Night", "Never Surrender", "Play It Loud", "And The Bands Played On", die Hit-Dichte ist hier einen Zacken höher, vielleicht ist Denim And Leather die beste Studio-Gesamtleistung der Kollegen. Wie ein feines Best Of kommt dann The Eagle Has Landed daher, die erste Live-Aufnahme, von der es ja mittlerweile drei Inkarnationen gibt. Hier war dann auch der Sound endlich mal besser, bislang hatten die Scheiben alle geklungen wie bessere Demos, und auch wenn wir es hier ausschließlich mit Remasters zu tun haben, ist der Unterschied nach wie vor eklatant. Herr was ist dieses Ding auf meinem Märchenplattenspieler gelaufen, vom "Motorcycle Man" ab gab's auf die Mütze, "747" ist genial, ebenso "Strong Arm Of The Law", und jetzt verstehe ich auch endlich Biffs Ansagen, wurde auch Zeit.

Power And The Glory markierte dann einen Wendepunkt, der Sound wurde kraftvoller und klarer, die Songs teilweise schweine-heavy, wie z.B. der Titeltrack oder auch "Warrior". Die Nummern krachen massiv, aber bis auf das Titelstück hat es keines bis ins heutige Live-Programm geschafft - mit Ausnahme des Weltraum-Reißers "The Eagle Has Landed", der auf der Live-Platte spaßigerweise eben nicht enthalten war, obwohl zu dem Zeitpunkt längst Teil der Show. Spannenderweise funktioniert das Stück auf Konserve nicht, macht live aber regelmäßig alles platt. Schau an.

Tja, und dann kam das Jahr 1984, wir hielten gespannt ein Aufklapp-Album in der Hand, ein mächtiges Cover mit einem Kreuzritter drauf, und die Frage war zunächst, ist das jetzt der internationale Durchbruch? Saxon wollten schon immer auch in Amerika punkten, und Maiden setzten in diesem Jahr mit Powerslave einen unvergleichlichen Glanzpunkt. Also aufgelegt, Schlachtgetümmel, balladeskes Intro, und dann ein verschleppter Hammer-Rhythmus, der seines Gleichen sucht. Sagenhaft. Atmosphärisch, dicht, gesteigert zum Knaller-Refrain. Hossa, wenn das so weitergeht, dann ist das ein Geniestreich, "Crusader" war eines der besten und ambitioniertesten Stücke, das sie bislang abgeliefert hatten. Aber oh weh, welche Ungemach erwartete uns - nach dem heftigen "A Little Bit Of What You Fancy" und dem noch feinen "Sailing To America" war Schluss. Da war aber so gar nix mehr Brauchbares dabei, sondern Beiläufigkeiten wie "Set Me Free" oder gar Komplettausfälle wie "Just Let Me Rock". Sogar ein auf MTV-Kitsch getrimmte Ballade war an Bord ("Do It All For You"), nichts war geblieben von der Räudigkeit der Anfangstage - das Schielen auf den US-Markt (das die Band teilweise dem Produzenten anlastete, aber auch das Video zeigt klar eine Tendenz Richtung Poser-Bands) war grandios am eigenen Anspruch gescheitert. Wir wandten uns Maiden zu, das war mittlerweile Lichtjahre voraus, und wenn schon Kommerz, dann Def Leppard. Es dauerte lange, bis Saxon zumindest in mein Blickfeld zurückkehrten, das war nach der Jahrtausendwende auf der Heavy Metal Thunder-Tour, wo ich entzückt feststellte, dass sie a) die alten Sachen spielen und b) die nach wie vor knallen ohne Ende. Und deshalb pilgern wir immer gerne hin, wenn der mittlerweile schlohweiße Biff ruft, und lassen uns sagen, wo man denn abhing, als 1979 die ganze Chose ihren Anfang nahm. Als Dreingabe finden wir viele rare B-Seiten mit Live-Aufnahmen, darunter so illustre Dinge wie eine Interpretation von "Bap Shoo Ap" auf dem legendären Donington-Auftritt von 1980. Insgesamt ein pralles Paket, das trotz der genannten Defizite essentielles Material enthält.

Holgi

5 von 6 Punkten

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