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Iron Maiden - Death On The Road

Iron Maiden - Death On The Road
Stil: Heavy Metal
VÖ: 29. August 2005
Zeit: CD1 50:21 - CD2 44:05
Label: EMI Music
Homepage: www.ironmaiden.com

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Bei vielen anderen Truppen müsste man diese Veröffentlichungspolitik als Beutelschneiderei bezeichnen. Da bringen uns die Herren um den Vorstandsvorsitzenden Mr. Harris erst 2002 mit Rock In Rio ein - zugegebenermaßen herausragendes - Live-Dokument von der Metal 2000-Tournee - und zwar gleich auf Doppel-CD und fetter DVD. Dann folgte 2003 mit Visions Of The Beast eine Sammlung aller Videos der Eisernen Mädels, und letztes Jahr ereilte uns mit den Early Days der History of Iron Maiden die nächste DVD - wieder hieß es "musst käff", schließlich leckt sich jeder Maiden-Afficionado nach diesen Bild- und Tondokumenten die vor Erwartung schon verschwitzten Finger. Und jetzt biegen sie schon wieder mit einer Doppel-Live-CD um die Ecke, der - wie könnte es anders sein - noch eine DVD auf dem Fuße folgen wird. Das Problem mit diesem Vorgehen ist schon angeklungen: man kann auf keine dieser Scheiben verzichten. Es sind keine lahmen Zusammenstellungen, es sind essentielle Dokumente, an denen für jeden mit Selbstrespekt versehenen Kopfschüttler kein Weg vorbei führt. Denn wer mag schon abwägen, ob er jetzt lieber sehen will, wie die Herren von abertausenden Fans in Rio den "Wicker Man" klopfen, oder doch besser nochmal das legendäre Rockpalast-Konzert von der World Piece Tour einlegen möchte? Da gibt es kein oder - nur ein und. Aber seht's doch positiv: auf der anderen Seite weiß man, dass man jeweils für kurze Zeit in der Gegenwart der besten Band der Welt weilt. Auch schön.

Jetzt zum eigentlichen aktuellen Objekt der Begierde: Death On The Road, ein Mitschnitt eines Auftritts im Rahmen der Dance Of Death-Tour in der Dortmunder Westfalenhalle. Mit dieser Gastspielreise zementierten Maiden ja imposant ihre Rückkehr auf den Olymp, die sie rechtzeitig zum neuen Jahrtausend mit Brave New World vollzogen hatten. Nachdem Maiden sich ja zukünftig nur noch auf Festivals die Ehre geben werden, ist diese Dokumentation eines Hallenkonzerts um so interessanter. Maiden-Live-Alben an sich haben eine gemischte Geschichte: es gibt legendäre (Live After Death), schlechte (A Real Live/Dead One) und verdammt gute (Rock In Rio). Dass die Instrumentalisten über jeden Zweifel erhaben sind, darüber muss man nichts mehr sagen. Es kommt also mehr darauf an, wie der Soundteppich, den die Saitenhelden Harris, Smith, Murray (Gers? Später mehr) und Felldrescher Flachnase McBrain zaubern, in der jeweiligen Situation rüberkommt. Entscheidend ist aber immer, ob der entsprungene vierte Tenor Bruce Dickinson stimmlich auf der Höhe ist. Wenn das klappt, ist das Ergebnis berauschend wie Rock In Rio, wenn etwas nicht stimmt, dann breitet man lieber ein Mäntelchen drüber (wie bei den Real Live/Dead-Scheiben, jenen unseligen Sound-Experimenten von Steve Harris, die laut Dickinson ihr Schärflein zum Ausstieg des Sängers beitrugen). Der Gig in Dortmund wurde ursprünglich für Viva mitgeschnitten und schon in Ausschnitten innerhalb der Clip-Strecke Hell's Kitchen gesendet. Auf der CD kann der Hörer nun das Konzert in seiner Gänze verfolgen, und, um die Antwort vorwegzunehmen: es stimmt alles. Der Bass ballert, die Gitarren harmonieren prächtig, der Sound ist kompakt. Unser aller Held Bruce zeigt einmal mehr, dass seine Maiden-Auszeit in jedem Fall seinen Live-Performance-Künsten zuträglich war. Was auf den letzten Konzerten vor dem Ausstieg manchmal doch arg unmotiviert klang, das ist hier wieder mitreißend und beeindruckend. Die hohen Töne werden getroffen, die tieferen Passagen klingen aggressiv und doch melodiös. Hat man den Opener "Wildest Dreams", live genauso schmal wie auf CD, hinter sich gebracht, galoppiert einen ein grandioses "Wrathchild" schon mal gnadenlos um. Warum sie das unsäglich poppige "Can I Play With Madness" immer noch im Gepäck haben, wissen sie wohl nur selbst, aber dann regiert die schiere Qualität. Die Jungs schaffen es, sogar unzählige Male gespielte und fast schon zu Tode genudelte Reißer wie "The Trooper" frisch und neu klingen zu lassen - nicht zuletzt aufgrund der virtuosen dreistimmigen Gitarrenfraktion, die hier insbesondere im Solo-Part in ganzer Macht erstrahlt. Und dann die Perlen vom letzten Studioalbum: bei diesen druckvollen Darbietungen wird überdeutlich, warum Dance Of Death trotz einiger Füller gegen Ende zu den ganz großen Maiden-Alben gehört. Der Titel-Track, vom akustischen Intro über die stampfenden folkloristischen Melodien, ist absolut großes Kino (und wird von einem schicken Hamlet-Zitat eingeleitet - there are more things in heaven and earth than are dreamt of in your philosophy), der "Rainmaker" ist die beste Maiden-Single seit Jahren mit absolut genialer Stimmung, und mit "No More Lies" gelingt den Jungs endlich wieder ein beeindruckendes Epos vom alten Schlag. "Journeyman" markiert mit seinen akustischen Gitarren sogar eine Premiere für Maiden - eine echte Ballade als Zugabe. Schön! Selbst aus der unseligen Blaze-Ära bringen sie uns etwas mit, und in den Händen von Dickinson klingt sogar der "Lord Of The Flies" schmissig (aber ich hätte aus dieser Phase trotzdem lieber die Knaller "Futureal" oder "The Clansman" gehört. Frrihdom!).
Die Standards dürfen natürlich nicht fehlen, und da ist alles beim Alten: "Fear Of The Dark" ist eine Lehrstunde in Sachen Melodieführung, "Hallowed Be Thy Name" brettert noch immer gut, "Iron Maiden" kommt wunderbar räudig, und "Run To The Hills" geht in Ordnung. Tiefpunkt ist wie stets "Number Of The Beast": live macht es Spaß, man ruft bgeistert "666", auf CD überspringt man das. Die Studiofassung werden sie live nie erreichen. Sucht man einen Schwachpunkt, dann ist das vielleicht ohnehin die Setlist: es gibt viele alte Schätze, die wir gerne mal wieder hören würden - wie wärs mit "Prowler", "Murders In The Rue Morgue" oder dem sträflich vernachlässigten "Flight Of Icarus"? Aber daran kann diese CD nix ändern, das muss sich Staiv 'Arris für die nächsten Auftritte überlegen.

So, und eins habe ich mir jetzt noch aufgehoben, und das ist der Song, der allein es schon wert ist diese Scheibe zu kaufen: das übermächtige "Paschendale". Mit diesem Song in dieser Live-Fassung beweisen Maiden allen anderen kurz im Vorbeigehen, warum sie die Herren sind und alle anderen zwar mitspielen dürfen, aber ganz klein und hinten im Eck. Schon der Einstieg belegt, dass Maiden Metal für den denkenden Menschen machen: Dickinson, bekanntlich ein Kenner der englischen Lyrik (The Chemical Wedding etwa basiert auf dem Werk des englischen Romantikers William Blake, den er uns auf seiner eigenen Gastspielreise auch immer zu Gehör brachte), verliest nach einem Intro mit Gewehrsalven einige Zeilen aus Wilfred Owens "Anthem For Doomed Youth". Owen ist der große englische Dichter, der die verlorene Generation des ersten Weltkriegs festhielt und selbst 1918, vier Tage vor Waffenstillstand, im Alter von 25 Jahren im deutschen Kugelhagel starb. "Only the shrill demented chaos of wailing shells", so liest Dickinson, bildete für diese Soldaten den Totengesang. Und genau darum geht es auch in diesem Song - der Ort Paschendale in Australien markiert eine der schrecklichsten Schlachten des sogenannten Großen Krieges. Bei einem Ansturm auf deutsche Befestigungen ließen allein auf alliierter Seite über 40.000 Soldaten ihr Leben. Wer diese Ereignisse in einen beklemmenden Text verpackt ("Friends and foe will meet again - those who died at Paschendale"), daraus eines der beeindruckendsten Metal-Werke der letzten Jahre schmiedet und das live dann auch noch bringt - ja wer liebe Freunde sollen denn sonst die Könige sein. Wenn sie jetzt noch diesen Kasper Gers an der Gitarre rausschmeißen, dann wird alles gut. Wir freuen uns auf die DVD.

Holgi

5 von 6 Punkten

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