Review
Grabunhold - Frostheim

VÖ: 05. Juni 2026
Zeit: 41:14
Label: Iron Bonehead Productions
Homepage: www.facebook.com/grabunhold
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In J.R.R. Tolkien geschulte Fantasy-Fans werden wissen, dass die Wortschöpfung Grabunhold aus dessen Meisterwerk Der Herr der Ringe stammt. Die Hobbits auf ihrem Weg nach Bruchtal müssen unangenehme Bekanntschaft mit solch einem Unhold machen, ehe sie von Tom Bombadil gerettet werden. Man assoziiert also nicht gerade Positives mit diesem Term, was sich ein Dortmunder Kollektiv im Jahr 2016 zu Nutze machte und kurzerhand seinem musikalischen Projekt denselben Namen verlieh. Die Gesellschaft derer, die sich in metallischen Kreisen bei dem britischen Autor bedienten, ist im Grunde unüberschaubar. Da kommt es auf eine weitere Band auch nicht mehr darauf an!
Frostheim, so der Name des aktuellen Drehers, ist das zweite Studioalbum der Band und startet mit atmosphärischen Klängen von Akustikgitarre und Synthesizer ins Geschehen. Die obligatorische Ruhe vor einem wütenden Black-Metal-Sturm, wie sich alsbald herausstellen soll. Schnell und ruppig geht es zur Sache, wenn wir erfahren: "Der Tod Wohnt In Carn Düm"! Der auserkorene Bandname ist also keinesfalls willkürlich gewählt. Geschichten aus Mittelerde bilden den lyrischen Grundstock von Frostheim, was an weiteren Titeln wie "Grambergs Fluch", "Eärnurs Verderben" oder "In Mordor, Wo Die Schatten Drohn" abgelesen werden kann. Musikalisch pflegt der Grabunhold das Erbe der ersten teutonischen Black-Metal-Welle, wie wir sie in der zweiten Hälfte der 1990er erleben durften, also vor jener Zeit, als die meisten Genre-Kollegen sich einbildeten, besonders intellektuelle und kompositorisch komplizierte Musik machen zu müssen. Das Material auf Frostheim klingt stattdessen klar strukturiert, ist druckvoll und doch erdig produziert und liefert allerhand hymnische Melodik, zu der sich bei zumeist gehobenem Tempo ganz prima die Matte kreisen lässt.
Ein kleines Manko bei diesem nostalgischen Blick in die Vergangenheit: Viele der Songs liegen in Sachen Aufbau und Tempo doch ziemlich nah beieinander. Eine Zäsur bildet da lediglich das Instrumentalstück "Über Grat Und Kalten Gipfel". Auch der Rausschmeißer "Eärnurs Verderben" weiß sich mittels gedrosselter Taktung von seinen Gefährten zu separieren, die allesamt im Eiltempo durch Mittelerde galoppieren, als säßen ihnen die Nazgul höchstpersönlich im Nacken. Ein paar mehr Pointen hätten Frostheim also gutgestanden. Was bleibt, ist ein durch die Bank authentisches und irgendwie sympathisches Stück Schwarzmetall, das selbst den gedungenen Unhold aus den Hügelgräbern in ein positives Licht zu rücken weiß.


