Review
Finsterforst - Still

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Gerade still geht es auf dem neuen Finsterforst-Album natürlich nicht zu, richtig laut allerdings auch nicht! Klammert man das Minialbum Jenseits aus dem Jahr 2023 aus, so ist Still der erste Langspieler seit sieben Jahren. Wie schon in der Vergangenheit lässt sich das Schwarzwälder Kollektiv auch dieses Mal nicht lumpen und reizt das Fassungsvermögen einer Compact Disc in vollem Umfang aus. Auf satte 78 Minuten Spielzeit soll es der neue Dreher bringen. Lange Laufzeiten pro Song sind also abermals vorprogrammiert, wie uns gleich eine gut achtminütige "Obduktion" belehren soll.
Mit behäbiger Taktung starten Finsterforst ins Geschehen, fahren getragene Verse, kraftvolle Chöre und cineastisch-monumentale Klangeffekte auf. Die kompositorische Dichte, die vielen Details und Raffinessen wissen zu beeindrucken. Dennoch macht es einem die vermeintliche Stille nicht immer leicht, was wohl in erster Linie daran liegen mag, dass ein Gros der Kompositionen demselben Muster folgt: gemächliches Tempo, harsche Vocals in den Strophen, Klargesang oder Chöre in den Refrains, dazu ausgedehnte Instrumentalpassagen von erhabener Atmosphäre. Für sich allein betrachtet funktioniert jeder einzelne Song im Grunde ganz hervorragend. Nach 20 Jahren im Geschäft wissen die beteiligten Musiker schließlich ganz genau, was sie wollen und wie sie ihre Vision am besten umsetzen können. Im Gesamtpaket schleicht sich allerdings doch die eine oder andere Länge ein, die man sicherlich hätte vermeiden können. Gerade das 25-minütige "Leere" lässt den bei dieser Spielzeit notwendigen Spannungsbogen vermissen, was womöglich auch daran liegen mag, dass die Verwandtschaft zu den übrigen Songs zu nahe ist. "Fels" weiß dagegen mit seinen Akustikgitarren das etablierte Raster zu durchbrechen und in "Stille Nacht" darf man sich auf ein paar extraschwere Riffs gefasst machen. Hier ein wenig Gothic Feeling, dort Death, Doom oder Folk Metal - die Inspirationen für Still sind vielseitig und in eine vorgefertigte Schublade will die Musik von Finsterforst schon lange nicht mehr passen.
Am Ende erwarten uns zwei Cover-Versionen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Wo sich Immortals "Beyond The North Waves" respektvoll nahe am Original bewegt und dieses lediglich durch seine monumentalen Effekte noch überflügelt, löst sich die Version des großen Pink Floyd-Klassikers "Another Brick In The Wall" doch deutlich von der Vorlage, so dass sie sich am Ende stimmig in das klangliche Konzept von Still einreiht. Respekt! Das Resultat ist nicht nur mutig, sondern auch ein Highlight auf diesem Album geworden!
So kennzeichnen viel Pathos, viele erhabene Melodien und Refrains, die unter die Haut gehen, ein Album, das man vermutlich etwas komprimieren und mittels variierender Tempi auch kurzweiliger hätte gestalten können. Fans der Band werden über diese Kritikpunkte hinwegsehen und die neuen Geschichten aus dem Schwarzwald dennoch lieben.


