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Various Artists - Live At Wacken 2008 (2-DVD)

Various Artists - Live At Wacken 2008 (2-DVD)
Stil: -1
VÖ: 31. Juli 2009
Zeit: DVD 1: 183 min - DVD 2: 187 min
Label: zyx Music

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Wie schon gewohnt und in üblicher Manier gibt es auch in diesem Jahr rechtzeitig zum aktuellen Wacken-Festival die Nachlese zum letztjährigen Event. Auch dieses Mal kann man auf zwei DVDs und insgesamt mehr als sechs Stunden Spielzeit (!) die Highlights des Festivals bestaunen, die in mehr oder weniger chronologischer Ordnung an einem vorbeiziehen. Durchzogen wird das Ganze von kurzen Interview-Schnipseln und diversen Späßen.

Also von vorne: dass Wacken mittlerweile zum weltweit relevantesten Metal-Festival avanciert sein dürfte, zeigen nicht nur die teilweise um den halben Globus gereisten Fanscharen (da kommen sie aus doch tatsächlich aus Argentinien und freuen sich wie die Kinder, im "Holy Wacken Land" zu sein - unglaublich), sondern vor allem die hochkarätigen Acts. Klares Highlight 2008 war natürlich der Auftritt von Iron Maiden, die auf ihrer Somewhere Back In Time-Tour (zu erleben auch im herausragenden Kinofilm Flight 666) Deutschland nur in Wacken beehrten und eine grandiose Vorstellung ablieferten. Davon kann man sich anhand des hier servierten Sahnestückchens "2 Minutes To Midnight" ein lebhaftes Bild machen. Maiden sind einfach die Herren im Ring, wenn die Setlist und die Qualität stimmt, und vor allem Bruce Dickinson steigert sich in letzter Zeit immer mehr in einen Rausch, der meilenweit weg ist von den müden Einlagen der 90er Jahre. Groß. Bitte die Setlist nie mehr ändern. Oder vielleicht doch? Hauptsache wieder vorbeikommen. Aber auch die "kleineren" Acts des ersten Tages, wie etwa Girlschool ("Hit And Run"), Mustasch (launige Ansage: "I suck at football, but I rock in Metal") und die Jungspunde von Sturm Und Drang ("Rising Son") überzeugen auf ganzer Linie. Himmelstürmerisch präsentieren sich die Newcomer des Jahres 2008: Airbourne ballern mit "Girls In Black" los, als ob es noch Zweifel zu beseitigen gäbe, dass sie die wahren Erben von AC/DC sind. Frontmann Joel O'Keeffe krabbelt fast den kompletten Beleuchtungsaufbau hinaus und rockt von oben freudig weiter. Im Interview erläutert Herr O'Keeffe dann seine Lebensphilosophie: es geht einfach Rock'n'Roll und Metal gegen Emo, das ist alles. So muss das sein! Alestorms "Captain Morgan's Revenge" macht trotz schwächlichen Gesangs durchaus Freude, und Leaves' Eyes beeindrucken bei "New Found Land" mit einem massiven Wikingerschiff und fetter Pyro-Show, auch wenn der Gesang von Frau Espenaes wieder einmal nicht gerade Berge versetzt.

Am Tag Zwei müssen Primordial ihren düsteren Sound wieder (wie auch dieses Jahr beim Bang Your Head) viel zu früh am Tag zelebrieren ("it's 11 am", stellt Sänger Alan Averill fest), aber "Gallow's Hymn" gefällt trotzdem. Mortal Sin bieten feines Gebolze ("Out Of The Darkness"), aber so richtig zur Sache geht's dann bei Job For A Cowboy: Wall Of Death, Circle Pit und alles was dazugehört. Die jungen Leute haben ihren Spaß, die anderen wundern sich. In die gleiche Metalcore/Hardcore-Kerbe schlagen dann Unearth mit "The Great Divide", wo sich der Shouter bei strömendem Regen in die Menge wirft und solange weiterröhrt, bis er in den Massen untergeht. Einsatz: vorbildlich. Im Kurzinterview bestätigen die Recken - so wie viele Bandkollegen - dass Wacken selbst in den USA mittlerweile Referenz-Größe besitzt. Schmiers Nebenkommando Headhunter liefert eine gute Leistung bei etwas geringem Zuspruch, und Kamelot ziehen die ganz große Pyro-Show ab. Fett. Die Jungs von Soilwork ersaufen zwar fast im strömenden Regen des zweiten Tages, was die Menge aber nicht von einem feinen Circle Pit zu "As The Sleeper Awakes" zurückhalten kann. In der spaßigen Rubrik "Wacken Fashion Week" dürfen wir dann Abseitiges von der Kleidungsfront bewundern, wobei nicht nur Lordi, sondern auch jede Menge Schlachtenbummler mit feschem Zwirn glänzen. Weitere Highlights des zweiten Tages liefern die True Metaller Sabaton ("Attero Dominatus"), wobei hier fast noch interessanter ist, dass sie sich im Interview angesäuselt zur These ihres Produzenten Peter Tägtgren bekennen, der ihnen allen gleichgeschlechtliche Neigungen bescheinigt. Sonata Arctica schaffen eine beeindruckende Mitklatschwelle zu "Don't Say A Word", aber in der Folge lassen Qualität der Aufnahme und Musik teilweise deutlich zu wünschen übrig: die Aufnahmen aus dem Partyzelt sind vor allem in den Totalen teilweise recht unscharf und finster (darunter leiden z.B. Psychopunch und Nifelheim, die ansonsten tadellos auftrumpfen, mit Halbglatze inklusive), und die Beiträge von Massacre und Stamina haken wir mal als Geschmackssache ab. The Haunted ballern zuverlässig (und stellen im Interview zu mancher Frage einfach fest: "We're The Haunted!"), und Opeth zelebrieren ihren proggigen Death in gewohnt feiner Manier. Corvus Corax fahren ein ganz massives Brett auf und stellen gleich das Babelsberger Filmorchester nebst einem Chor auf die Bühne. Das sind die Momente, für die Wacken eigentlich gemacht ist, die Aufführungen eben, die es nur hier und heute gibt. Die Nummer "Fortuna" zeigt, dass Dudelsäcke und sonstige historische Instrumente eben doch irgendwie auch Metal sein können - Gitarren müssen nicht immer sein. Groß! Tobi Sammet lässt sich dann mit seiner Rock-Oper Avantasia als Headliner noch gebührend feiern und legt eine souverände Leistung hin.
De gustibus non est disputandum, wie der Innzeller sagt, oder Geschmackssache, sagte der Affe, als er in die Seife biss. Erzählen Gaahl und sein Kollege King von Gorgoroth, die als God Seed auftreten, im Interview noch was von Gesamtkunstwerk, subjektives Erlebnis etc., verlangt einem die Rekonstruktion der berüchtigten Skandalshow von 2004 schon einiges ab: Schafsköpfe und diverse Nackerte auf der Bühne. "Art shouldn't be explained", meint der gute King. Na, das lassen wir mal so stehen und versuchen auch gar keine Erklärung. Nachdem wir dann noch das ca. zehn Sekunden dauernde namensgebende Werk der Excrementory Grindfuckers erleben dürfen, ist für diesen Tag Sense.
Letzter Tag - neue Freuden! Von den Melodic-Helden Machine Men (herausragender Gesang, leider kaum Publikumsmassen in Sicht) über die unverwüstlichen Holy Moses ("Through Shattered Minds" - bestens) bis hin zu Exodus (gleiche Star Spangled Banner-Hose am Shouter wie in Balingen - gleiches Gerammel - Circle Pit zu "Piranha") gibt es immer wieder schöne Beiträge zu bestaunen. Zwischendrin gibt's die Metalympics: die Disziplinen lauten Crowd Surfing (Rekord: 2100 Surfer bei einer Band - Respekt), Mad Posing und Camp Grounding. Und natürlich nicht zu vergessen die Interviews, die die holde Sabina Classen selbst durchführt: mit Gary Holt sinniert sie im buseigenen Whirpool (echt!) darüber, dass sie bei ihrem ersten Exodus-Interview vor 20 Jahren für die selige Sendung Mosh kein Wort Englisch verstand. Na gut zu wissen, und Hauptsache englische Texte ge"sungen". Der Gaukler am Mittelaltermarktstand nimmt dann leider keine American Express, aber einige Irre duschen sich dafür freudig mit Gießkannen. Die Hartwurst-Fraktion bekommt mit Warbringer, As I Lay Dying und Carcass (beeindruckend: Ex-Drummer Kenneth Owen schlägt trotz schwerer überstandener Erkrankung mit Koma und Gehirnoperation noch mal respektabel in die Felle!) die Vollbedienung, und die Freunde harmonischerer Gangart laben sich gerne an Krypteria, deren Sängerin Ji-In Cho sich als durchaus trittsicher erweist. Bei Killswitch Engage ("Rose Of Sharyn") kreist der Pit, aber an die schrägen Outfits und die Alberei von Alan D. gewöhne ich mich wohl nie - zu sehr hat man den Eindruck, dass der ja durchaus talentierte Mensch die ganze Chose nicht ernst nimmt. Höchst spannend dann auch Nightwish, die als große Ausnahme - neben Lordi und God Seed - mit zwei Stücken und Interview gewürdigt werden. Den schlechtesten Gig der Karriere habe man vor kurzem bei Rock am Ring geliefert, erzählt Tuomas, und das möchte man natürlich nun wettmachen. Aber die entscheidende Frage ist und bleibt, kann sie's oder nicht? Antwort: sie kann, aber etwas anderes. Nämlich Rock und nicht Oper. Sicher legt sich Anette Olzon ins Zeug, singen kann sie zweifelsohne, aber "Nemo" klingt schlicht und ergreifend wie eine sehr gute Nightwish-Coverband, die eine mitreißende Instrumentaldarbietung nebst massiver Show und fetten Pyros bietet, bei der aber das Sahnehäubchen einfach fehlt, und das ist und bleibt die opernhafte Gesangsdarbietung. Weniger eklatant kommt das beim zweiten Beitrag "The Poet And The Pendulum" zum Vorschein, was als Komposition ja ohnehin schon auf Frau Olzon zugeschnitten ist - aber auch hier fragt man sich immer, wie das Ganze denn mit Tarja klingen würde. Also, das ist natürlich beileibe nicht schlecht, aber, wie sagte der Stoibär, da bin ich gerne Dr. No: nein, das ist nicht wie es sein soll. Bleibt zu hoffen, dass sich die holde Turunen mit ihrem südamerikanischen Göttergatten verkracht und reumütig zur Herde zurückkehrt. Und jetzt verkaufe ich weiter T-Shirts für den Club der Ewig Gestrigen.
Nachdem die alten Recken von Axxis mit "Blood Angel" überzeugen, zeigt der Gig von Lordi, wie gut die Horrortruppe um den bekennenden Kiss-Anhänger Mr Lordi ist (oder war?). Zu "They Only Come Out At Night" entert niemand anders als Duett-Partner Udo Dirkschneider himself die Bretter, und das unvermeidliche "Hard Rock Hallelujah" setzt einen würdigen Schlusspunkt. Zu schade nur, dass die neue Scheibe so schwach und der Zuspruch auf Tour in diesem Jahr entsprechend war...

Alles in Allem also wieder ein gelungenes Erinnerungsstück an das mittlerweile größte Festival weit und breit - Eigenwerbung kommt natürlich nicht zu knapp, aber das sei ihnen zugebilligt. Einziger Faktor, der bei der vorigen Ausgabe besser war: die eingestreute Dokumentation, die im Gegesatz zu den diesjährigen Beiträgen nicht komplett sinnfrei war. Aber sei's drum, fett ist das Paket, und es sollte jeder fündig werden.

Holgi

5 von 6 Punkten

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