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Green Day - 21st Century Breakdown

Green Day - 21st Century Breakdown
Stil: Punk Rock
VÖ: 15. April 2009
Zeit: 69:10
Label: Reprise Records
Homepage: www.greenday.com
MySpace: www.myspace.com/greenday

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"Billboard on the rise / In the dawn's landscape / Working your insanity / Tragic a la madness and concrete / Coca Cola execution / Conscious on a cross and / Your hearts in a vice" tönt Billie Joe Armstrongs unverwechselbare Stimme im Song "The Static Age" aus den Boxen meiner heimischen Minianlage. Solches als eine von vielen Kampf-Ansagen kann nur bedeuten, Green Day melden sich 2009 zurück - und zweifelsohne stärker und erwachsener denn je. Die nicht totzukriegende Frage "Wie toppt man einen Millionenseller?", der dem Punkrock-Trio aus Berkeley, CA mit American Idiot gelang, beantworten Armstrong, Mike Dirnt und Tre Cool, indem sie es erst gar nicht darauf anlegen, den Megaseller von 2004 zu übertrumpfen, sondern unbeirrt ihren Weg fortsetzen, den Green Day-Sound sukzessive weiterzuentwickeln, ohne die bekannten Trademarks außer acht zu lassen. Schon auf dem Vorgänger von 21st Century Breakdown war eine gewisse konzeptionelle Ausrichtung nicht zu übersehen. Mit dem aktuellen Werk liegt nunmehr jedoch eine lupenreine Rockoper in der Tradition von Quadrophenia, Ziggy Stardust oder gar The Crimson Idol von W.A.S.P. vor - allerdings, und hier liegt der Reiz, eben im Green Day-Stil.
Die Storyline entfaltet sich rund um den Werdegang des Working-Class-Teenagers Christian und seiner Muse Gloria (das Klischee sprechender Namen wird hier mit aller nötigen Ironie auf die Spitze getrieben), die der Ohnmacht gegenüber Systemzwang, staatlicher Überwachung und individueller Gleichschaltung nach diversen Umwegen letztlich nur ihre Liebe und Leidenschaft entgegenzusetzen haben. Der Teufelskreis aus Gewalt, Alkohol und Drogen bestimmt Christians Alltag, aus dem er nur in Momenten auszubrechen vermag, in denen Glorias Nähe ein Stück Geborgenheit verspricht. Was sich hier zunächst nach Platitüden anhört, wird relativiert, beschäftigt man sich eine Weile mit den Lyrics. Denn Armstrong vermag der allzu vorhersehbaren Geschichte bisweilen ein fast poetisches Fundament zu verleihen. Ein charakteristisches Beispiel wären die Anfangsverse der zweiten Strophe von "Mass Hysteria": "True sounds of maniacal laughter / and the deaf-mute is / misleading the choir / and it's sung by the unemployed / fight fire with a riot / the class war is hanging on a wire".
Die Overtüre bildet der von Armstrong mit Telphonhörer-Stimme gesäuselte "Song Of The Century", bevor der Titelsong des Albums den ersten, "Heroes And Clons" betitelten Akt der Trilogie eröffnet. Der Track startet in gemächlichem Tempo, um im Zwischenteil das Gaspedal durchzutreten und anschließend wieder gemütlich auszuschwingen. Die erste Single-Auskoppelung "Know Your Enemy" ist bewusst schlicht gehalten und erinnert entfernt in seiner Drei-Akkorde-Müssen-Genügen-Struktur an Ramones-Klassiker wie "I Don't Wanna Walk Around With You" oder "Judy Is A Punk". Ein erstes Highlight findet sich in "¡Viva La Gloria!", wo ein zuckersüßes Klavier-Intro nahtlos überleitet in eine Green Day-typische Punkrock-Nummer der Marke "Basket Case". "Before The Lobotomy" zeigt in Aufbau und Dynamik Parallelen zum vorhergehenden Song, kann aber nicht ganz das Niveau der ersten Stücke halten. Dagegen bietet das folgende "Christian's Inferno" eine willkommene Abwechslung, da zumindest die Strophe extrem roh und erbittert im Stil von Iggy and the Stooges daherkommt, was seine Entsprechung in den Lyrics findet, die transportieren, wie aus Frustration, bedingt durch soziale Ausgrenzung, überschäumende Wut und Gegengewalt entsteht. Zum Abschluss des ersten Aktes wird auf Kontrastprogramm umgeschaltet mittels der stark an "In My Life" von den Beatles orientierten Ballade "Last Night On Earth", wo erneut Piano-Klänge dominieren.
Im zweiten Komplex "Charlatans And Saints" kommt es zur Generalabrechnung mit System, Gesellschaft, Mitlebendigen und im Eröffnungsstück "Eat Jesus Nowhere" mit den amerikanischen Kirchen oder sogenannten kirchlichen Vereinigungen. Armstrong spuckt hier Gift und Galle, wenn es da heißt: "Raise your hands now to testify / Your Confession will be crucified / You're a sacrificial suicide / Like a dog that's been sodomized". In "Peacemaker" scheint Christian allen verbliebenen Halt zu verlieren ("A spasm of love and hate / for what will devide us?"), wobei das gänzlich mit Akustik-Gitarren unterlegte Lagerfeuerliedchen bei mir Assoziationen zum uralten Ärzte-Gassenhauer "El Cattivo" wachrief. "Last Of The American Girls", das summa summarum die allgemeine soziale Verblendung thematisiert, hätte mit seiner eingängigen Melodieführung und den "UuUuUu"-Surfrock-Chören gut auf eins der ersten Weezer-Alben gepasst. Tempoverschärfung a'la NOFX in "Murder City", bevor Christian auf der emotionalen Achterbahn in "?Viva La Gloria? [Little Girl]" zur Angebeteten und damit zu sich selbst zurückzufinden scheint. Wiederholt die Beatles oder auch die Small Faces könnten hier Pate gestanden haben. Lennon, Harrison und Co. schimmern auch in der den zweiten Teil abrundenden (Power-) Ballade "Restless Heart Syndrom" durch.
Weitaus rotziger beginnt der finale Akt "Horseshoes And Handgrenades" in Form des gleichnamigen Openers, der so auch auf Smooth 1990) oder Kerplunk (1991) hätte stehen können. Das anschließende "The Static Age" stellt aus meiner Sicht den Höhepunkt der Scheibe dar und reiht sich ein in die Green Day-Klassiker-Reihe, wo Tracks wie "When I Come Around", "Holiday" oder "Good Riddance (Time Of Your Life)" bereits ihren festen Stellplatz haben. Sehr fein! Die bereits bekannte zweite Single "21 Guns" strotzt nur so von Melancholie und "No-Way-Out"-Attitüde und wird sich wohl zum festen Bestandteil eines jeden Green Day-Konzerts mausern. Daraufhin holt die Band in "American Eulogy" (unterteilt in "Mass Hysteria" und "Modern World") nochmal in aller Radikalität zum sozialkritischen Kahlschlag aus und bewegt sich dabei größtenteils in Grenzen des U.S.-Punk-Genres. Eingeflochten wird dabei ein Selbstzitat aus "Jesus Of Suburbia", das schon im Original bei Mötley Crües "On With The Show" "entliehen" wurde. Rockoper-like setzt den Schlussakkord eine Nummer mit textlich offenem Ausgang, wie es The Who mit "See Me, Feel Me/ We're Not Gonna Take It" institutionalisierten. "See The Light" hat zwar nicht die Hit-Qualitäten anderer Stücke des Albums, wartet dafür mit einer die Story würdig zu Ende reitenden inneren Dynamik auf.
Die kompositorische Vielschichtigkeit, in der sich jedoch nie der rote Faden verliert und die Synergy-Effekte, die das Wechselspiel von Lyrics und Instrumentalisierung erzeugt, machen "21st Century Breakdown" nicht nur für den gemeinen Punkrocker zur Bereicherung seiner CD-Sammlung, sondern könnte bei jedem Metalhead Anklang finden, der vorurteilsfrei an das Konzeptalbum herangeht und dem rebellischen Grundtenor nach dem Motto "I Don't Wanna Live In A Modern World" etwas abgewinnen kann.

Fuxx

5 von 6 Punkten

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