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Riverside - Anno Domini High Definition

Riverside - Anno Domini High Definition
Stil: Dark Progressive Rock/Metal
VÖ: 19. Juni 2009
Zeit: 44:44
Label: Inside Out
Homepage: www.riverside.art.pl

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Gott sei Dank gibt es gerade im Bereich der hart und schwer metallisch rockenden Musik noch genügend Bands, die sich über alles Mögliche Gedanken machen und auch deswegen einen hohen Anspruch an sich selbst stellen. Dazu zählt auch die polnische Band Riverside. Ihr viertes Album hört auf den Namen Anno Domini High Definition (grob übersetzt: Im Jahre der Hochauflösung) und weist eine Spielzeit von 44:44 auf. Zufall? Nein, denn Riverside spielen gern mit Symboliken und widmen sich Themen wie der Schnelllebigkeit der Zeit, der dadurch entstehenden inneren Unruhe, der Hatz nach Aktualität und der Haltbarkeit in jedem Sinne. Ist übrigens ein gutes Stichwort in Zeiten des Castingshow-überfluteten Fernsehprogramms und den Stars, die daraus folgen und in den meisten Fällen die Haltbarkeit eines Joghurts haben. Doch zurück zum polnischen Quartett und der bereits erwähnten Symbolik. Denn wenn der Albumtitel auf die Anfangsbuchstaben reduziert wird, also ADHD, erhält man die in der Medizin bekannte Abkürzung für das Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (englisch: Attention-Deficit Hyperactivity Disorder), was wiederum treffsicher zu den Hauptthemen des Albums passt.

Da ist es nur mehr als logisch, dass der Opener den Titel "Hyperactive" trägt. Der Song beginnt ruhig und nur am Piano bevor sich nach etwas mehr als einer Minute ein Instrumentengewitter anbahnt. Riverside drücken das Gaspedal ordentlich durch und variieren dabei permanent die Rhythmik. Der pumpende Bass liefert die Grundlage für die verzerrten und ordentlich bratenden Gitarren, den schon phasenweise extrem wirren Orgelsound von Michal Lapaj und den teilweise schrägen aber insgesamt sehr eindringlichen Gesang vom Kopf der Band, Mariusz Duda (Gesang, Bass). "Driven To Destruction" beginnt ähnlich ruhig wie der Opener, legt aber mit zunehmender Dauer an Härte zu. Da darf es dann ruhig auch mal ein bisschen aggressiver zur Sache gehen. Bei "Egoist Hedonist" stehen flächendeckende Keyboards im Vordergrund, die zusammen mit der Rhythmusabteilung den Song stetig nach vorne treiben und genügend Platz lassen für geschickte Laut-/Leisedynamiken, einen intelligenten Spannungsaufbau und jazzige Trompeten. Und wenn dann noch von Herrn Duda ständig in hypnotischer Weise die Zeilen "Just let me live without your pain..." wiederholt werden, dann zieht sich schon mal eine Gänsehaut über den Körper. HAMMER! Doch Riverside können noch viel mehr. Nämlich richtig emotional, nachzuhören in "Left Out". Der Beginn ist abermals sehr ruhig gehalten, doch mit intensiven Gitarren-Arpeggien und fettem Orgelsound baut sich der Song zu einem Monumentalwerk auf, das trotz der Komplexität sofort zupackt. Bei der Gitarrenarbeit - speziell in den Soli - kommen Pink Floyd-Vorlieben mal eben zum Vorschein und bieten eine gute Basis für die gefühlvolle, melancholische Gesangsleistung. "Hybrid Times" beschließt das fünf Track starke Album in einem Zusammentreffen der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Hektisch, aggressiv, energetisch, hypnotisch und eindringlich fräst sich der Song immer tiefer in das Kleinhirn hinein und lässt nicht mehr los. Auch hier wieder Laut-/Leisedynamiken mit entsprechendem Gesang und der nötigen Atmosphäre. Ein wunderbares Gitarrensolo von Piotr Grudzinski sowie ein darauf folgendes unglaublich verrücktes Keyboard/Schlagzeug-Duell läuten das Ende ein, bei dem technoide Klänge den Hörer dann letztendlich völlig platt machen.

Danach Stille. Was war denn da los? Wir hatten es hier mit progressivem Rock bzw. Metal zu tun, der für diese Tatsache zwar recht kurz war, aber dennoch unglaublich viel passiert ist. Und was ist denn jetzt alles genau passiert? Klassische Elemente des Art Rocks (Genesis, Rush) wurden geschickt mit Hard Rock-Klängen (Deep Purple, Led Zeppelin) und moderneren progressiven Elementen (Tool, Opeth, Dream Theater) verbunden und sind zu einer zu einer pulsierenden Ader mit hoher Eigenständigkeit und mindestens genauso viel Energie verschmolzen. Die Phrasendrescherei zu den Themen Anspruch und Komplexität lassen wir hier jetzt mal außen vor. Aber die Kreativität und die traumwandlerische Sicherheit solche Songs zu schreiben ist schon enorm und verdient Respekt und Anerkennung. Hier sitzen die Töne nicht nur am richtigen Fleck, nein sie stehen auf und beklatschen Riverside, denen man auf Anno Domini High Definition überhaupt gar nichts vorwerfen kann. Weder an den Songs noch an der Produktion oder sonst irgendwas. Besser geht das somit schon fast gar nicht mehr. Zeit also sich mit Riverside zu beschäftigen, um die man sich in der Form absolut keine Gedanken machen braucht. Somit Applaus Applaus und ein dreifaches Dankeschön für ein großartiges Album!

Andi

6 von 6 Punkten

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