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Festival-Bericht

Wacken Open Air

mit Scorpions, Machine Head, In Flames, Dimmu Borgir, Saxon, Volbeat, Amon Amarth, Ministry, U.D.O., Testament, Overkill, Cradle Of Filth, The BossHoss, Sacred Reich, Gamma Ray, Dark Funeral, Oomph!, Broilers, Kamelot, Napalm Death, Delain, Axel Rudi Pell, Coroner, Sick Of It All, Megaherz, Leaves' Eyes, Skyline, Gehenna, Russkaja, Santiano, Insomnium, Danko Jones, Henry Rollins, Faanefjell, Dead By April, Wölli & Die Band Des Jahres, Hone Your Sense, Kellermensch, The Falling, Amaranthe, Hammercult, Keule, Chthonic, Winterstorm, Mono Inc., Crimes Of Passion, Liquid Meat, Jim Breuer, Kobra And The Lotus, Athonite, W:O:A Firefighters, Volksmetal & Blechblos'n

Wacken, Wacken 01. - 04.08.2012

(Fotogalerien: Wacken2012 )

Freitag, 03.08.2012

Heute Morgen ist es nicht ganz so heiß wie gestern, so dass man auch etwas länger an der Isomatte lauschen kann. Ewig lassen wir uns jedoch sicherlich nicht Zeit, denn bereits für 12:15 Uhr wurde ein ganz besonderes Schmankerl verpflichtet, der Audienz die letzten Restchen Kater und Müdigkeit auszutreiben...

Nach dem vor ein paar Jahren gefeierten Gig von Sacred Reich geben sich die Amis erneut die Ehre. Vor großer Kulisse starten sie den Tag auf dieser Bühne und ihr Konzert mit "Death Squad" , gefolgt von "Love... Hate". Unglaublich, dass diese Songs schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben! Der Set entwickelt sich schnell zu einer Zeitreise. Und auch nach dieser langen Zeit sitzen bei vielen Fans noch die Texte, die lauthals mitgesungen werden. Jetzt teilt sich die Menge vor der Bühne und die Fans machen sich bereit für die Wall Of Death, doch Sänger/Bassist Phil Rind (wo ist sein Hals eigentlich geblieben?) macht ihnen hier charmant, aber bestimmt einen Strich durch die Rechnung. Er will bei seinem Set keine Verletzten und meint "You want a Wall Of Death??? Don't do that..." Danach folgt Klassiker, gereiht an Klassiker: "Ignorance", "The American Way", "Crimes Against Humanity", "Who's To Blame" und nicht zuletzt eine Coverversion von Black Sabbaths "War Pigs". Vor der Bühne ist mächtig was los, der Fixstern brennt vom Himmel herunter und eine mächtige Staubwolke erhebt sich inmitten eines nicht gerade kleinen Circle-Pits. Doch alles Schöne hat auch mal ein Ende, und dieses hier heißt - nicht ganz überraschend - "Surf Nicaragua". Jetzt ist aber Schluss mit der Schreibarbeit, denn jetzt geht es für den Schreiberling rund und ab in den wohlverdienten Circle-Pit.
(Ray)

Crimes Of Passion

Saxons Biff Byford hat in irgendeinem Interview gemeint, dass ich mir unbedingt die Nachwuchsrocker Crimes Of Passion anschauen soll. Was soll ich machen, wenn so eine Koryphäe der Musikgeschichte mal etwas empfiehlt?! Also verabschiede ich mich von Sacred Reich, die gerade noch auf der Hauptbühne zugange sind, und marschiere los durchs Wackinger-Dorf. Da es gerade mal ein Uhr ist und sich viele noch vom gestrigen Rausch erholen müssen, komme ich zu früh am Bullhead City Circus an und sehe noch die letzten beiden Songs von Liquid Meat, die ihren Auftritt quasi ohne Publikum absolvieren. Auch auf der Bühne ist nicht wirklich viel los, denn Liquid Meat sind eine Zwei-Mann-Kombo aus einem Schlagzeuger und einem Sänger, der nebenbei die Gitarre malträtiert - oder einem Gitarristen, der sein Instrument malträtiert und nebenbei singt. Wie auch immer, es gibt weder Bass noch Keyboards, dafür wirre Songstrukturen mit rauen Riffs, ein paar Screams und ein überzeugendes Proberaumfeeling. Noch dazu steht der Gitarrist in Lederhosn auf der Bühne, da er ein Einwohner Münchens ist oder war.
Aber ich bin ja auch wegen Crimes Of Passion hier und da sieht die Welt schon anders aus. Melodischer Hard Rock meets English Heavy Metal sozusagen. Sehr vernünftiger, ernster und erwachsener Stoff, der von den Mannen auf der Bühne und insbesondere von Sangeswunder Dale Radcliffe stimmlich und visuell zu einem Erlebnis gemacht wird. Überhaupt ist die ganze Truppe trotz immer noch nur mäßig gefülltem Zelt (wo kommen denn plötzlich die vielen Pretty-Maids-T-Shirts her?) sehr aktiv mit Posing auf und vor der Bühne beschäftigt. An Songmaterial und Darbietung gibt es für den Melodic-Metal-Fan, der es dieses Jahr durchaus schwer hat in Wacken, nichts zu meckern: Die Riffs sind kernig, die Hooks sitzen, Dale zeigt seine Haarpracht und die Band ist überaus motiviert. Daumen hoch für Biffs Empfehlung!

Während ich auf dem Weg nach draußen bin, komme ich noch an der Headbanger Stage vorbei und frage mich gerade, ob ich mir nicht noch ein paar Takte von Wüterich Henry Rollins reinziehen sollte? Aber Pustekuchen, ähnlich wie Danko Jones gestern steht er alleine auf der Bühne und erzählt Schwänke aus seinem Leben. Immerhin hat Herr Rollins, im Gegensatz zu Kiss-Verschwörungs-Danko, in seinen über fünfzig Jahren Metal-Zirkus schon so einige Höhen und Tiefen erlebt und weiß durchaus überzeugend und mit Nachdruck davon zu berichten.
(Sebbes)

Oomph!

Unterdessen im Infield sammeln wir den ollen Ray ein, der in dieser Massenkarambolage von Sacred Reichss Circle Pit doch glatt ein wenig außer Puste (komm du mal in mein Alter! - Ray) geraten ist, und wandern im Stechschritt zur benachbarten Party Stage! Dort wartet gleich im Anschluss nämlich ein Programm, das kontrastreicher nicht sein könnte. Ein Nebelhorn erklingt und auf die Bühne marschieren als Matrosen verkleidet - nein, nicht Santiano - sondern Deutschlands Elektro-Combo Nr. 2, nämlich Oomph! (wer Nr. 1 ist, wissen wir wohl alle). Mit Stücken vom Kaliber "Unzerstörbar" und "Labyrinth" hat der charismatische und durchaus etwas verrückte Sänger Dero das Publikum schnell im Griff. Zum Song "Träumst Du" und seiner Textzeile "Springst Du mit mir heut Nacht?" hüpft die Masse vor der Party Stage, was das Zeug hält. "Mitten Ins Herz" trifft auch die nächste Nummer, zu der Dero einen Moshpit fordert und so gleich selbst ins Publikum springt, um sich tragen zu lassen. "Gott Ist Ein Popstar" nennt sich der nächste Hit aus dem Hause Oomph! Zur "Seemannsrose" beginnen Tausende im Takt zu schunkeln, ehe sich wie aus heiterem Himmel ein paar Hundert Menschen auf den Boden setzen und anfangen zu rudern. Kein Witz! Und bestes Zeugnis für die geniale Stimmung in diesen Augenblicken! Die hält natürlich auch zu "Sandmann" und dem Radio-Hit "Augen Auf!", welche noch einmal Dutzende von Crowdsurfern auf den Plan rufen. Mit Monty Pythons "Always Look On The Bright Side Of Life" verabschieden sich schließlich nach einer Stunde die amüsanten Braunschweiger und hinterlassen ein zufriedenes Publikum.
(Dagger)

Kamelot

Jetzt wird es Zeit für Bombast-Metal und die Frage, wie sich denn der neue Kamelot-Sänger Tommy Karevik mit den epischen Ungetümen an Songs schlagen wird. Als er dann vor dem riesigen Kamelot-Backdrop auf der Bühne steht und lauthals "Rule The World" vom letzten Album Ghost Opera mit seiner Stimme veredelt, muss ich schon zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit in der Stimme und im Äußeren zu Roy Khans ist unfassbar. Ich denke mal, dass viele gar nicht gemerkt haben, dass Kamelot den Sänger ausgetauscht haben. Das lässt auf einen unterhaltsamen Nachmittag hoffen, der dann mit "Ghost Opera" und "Center Of The Universe" seinen Lauf nimmt. Bis... ja, bis ... Was hat bis jetzt noch gefehlt? Ach ja, genau, der Regen! Und der kommt dann auch... aber wie! Wie gut, dass ich gestern in weiser Voraussicht noch ein paar Euro in einen Poncho investiert habe! Auf der Bühne ist inzwischen reges Treiben angesagt, da mehrere Roadies, während Kamelot unentwegt weiterspielen, versuchen, teure Gerätschaften mit Plastikfolien zu verpacken. Bei "The Great Pandemonium" kommt der Regen dann quasi waagerecht daher, während Keyboarder Oliver Palotai nur noch mit einer Hand die Tasten und mit der anderen einen Wischlappen bedient, was recht witzig anzuschauen ist. Weiterhin spannend ist es auch mitzuerleben, wie sichtlich stolz der neue Sänger auf sich und die trotz aller Regenmassen nicht kleiner werdende Menge vor der Bühne ist. Feuerprobe bestanden, würde ich sagen - und das, obwohl Roy Khan dank seiner prägnanten Stimme und Bühnenpräsenz sicherlich nicht einfach zu ersetzen ist. Und wie um das noch mal unter Beweis zu stellen, feuern Kamelot dann noch die Gassenhauer
"Forever", "Karma" und "March Of Mephisto" in die Menge, die nass, aber begeistert mitsingt.
(Sebbes)

Vor zwei Jahren spielten die Düsseldorfer noch auf der (damals noch kleinen) W.E.T. Stage und legten diese vor proppevollem Zelt in Schutt und Asche. Nun muss also die Party Stage dran glauben. Als Die Broilers beginnen, ist schon ordentlich was los vor der Bühne, auch wenn schlamm-/wasserlochbedingt so einige Lücken im Auditorium sind. Diese werden aber im Laufe des Sets noch gefüllt werden durch ein paar Schlammtänzer, vor denen man sich durchaus in Acht nehmen sollte... Sänger Sammy meint noch, dass es noch nie bei einem Broilers-Gig geregnet hätte, und zu Anfang schaut auch alles noch gut aus, doch jede Serie reißt irgendwann und so ist es auch heute. Mitten im Set fängt es wieder an zu schütten, doch die Fans lassen sich davon ihre Feierlaune nicht verderben. Auch die Band gibt alles und Sammy freut sich wie ein kleines Kind, als er die schlammverklebten Leiber sieht, die sich da vor der Bühne auf dem Boden tummeln und eine Schlammrutsche veranstalten. Die Band tut ihres dazu, dass die Feierwütigen was zu feiern haben und schießen ihre Mischung aus Punk Rock und Ska in Form von "In Ein Paar Jahren...", "Harter Weg", "Weckt Die Toten" oder "33 rpm" durch die PA. Sammy ist im Laufe des Gigs nicht mehr ganz nüchtern, was angesichts der sich stetig leerenden Weinflasche auch kein Wunder ist. Auch Bassistin Ines hilft hier kräftig nach. Es folgt eine Ansprache über Heavy Metal, gefolgt von einer Ska-Version von "Run To The Hills", die man so wohl noch nicht gehört hat. Die Verlegung von der kleinen W.E.T. Stage auf die große Party Stage war genau richtig, vielleicht sehen wir die Broilers ja demnächst auf einer der beiden Hauptbühnen? Verdient hätten sie es nach diesem Set!
(Ray)

Wacken unter Wasser 2012

Nach knapp einer Stunde Starkregen steht das Gelände unter Wasser! Pünktlich zum ersten Song der Thrasher Overkill verkrümeln sich jedoch die Regenwolken und allmählich füllen sich die Reihen, während die ersten beiden Songs "Come And Get It" und "Bring Me The Night" mit Trommelfell zerreißender Lautstärke aus den Boxen knallen. Bobby Blitz Ellsworth und seine Truppe ist mal wieder bestens gelaunt und diese gute Laune springt schnell auch auf uns Anwesende über. Zwar geht es aufgrund des ungewohnt schlüpfrigen Bodens unter unseren Sohlen zunächst noch recht ruhig vor der Bühne zu, doch als die ersten Riffs der "Wrecking Crew" ertönen platzt der Knoten und die ersten Circle Pits geraten schnell zur Schlammschlacht. Unter diesen Umständen bekommen Titel wie "Hello From The Gutter" und vor allem "Save Yourself" doch gleich eine ganz neue Bedeutung!

Overkill

Am Ende werden wir und unsere Stimmbänder dann noch einmal ordentlich in die Pflicht genommen beim fulminanten Finale aus "In Union We Stand", "Rotten To The Core" und "Fuck You". Sagenhaft! Mit diesem Gig haben Overkill mal wieder alle Register gezogen!
(Dagger)

The BossHoss

Nach dieser mehr als ordentlichen Schippe Metal - meine Ohren dröhnen immer noch - kann ein wenig vegetarische, also metallfreie Kost sicherlich nicht schaden. Spätestens seit ihrem Jurorenjob bei einer gewissen Casting-Show und dem zeitgleichen Erfolg ihres aktuellen Albums Liberty Of Action kennt wohl jedes Wesen hierzulande den Namen The BossHoss. In Wacken waren sie jedoch schon vor ihrem großen Durchbruch und heute kehren die sieben Berliner Cowboys zurück auf die Bretter der True Metal Stage. Die Sonne meldet sich ebenfalls zurück und siehe da: es ist auch richtig was los, als Boss und Hoss mit "Last Day (Do Or Die)" ihr Spiel eröffnen. Drei als Mexikaner verkleidete Mariachi-Trompeter komplettieren den ohnehin schon dichten Sound, den The BossHoss für dieses spezielle Publikum mit einer E-Gitarre gehärtet haben. So verbreiten ihr Country-Rock und eingängiges Liedgut der Marke "Rodeo Radio" eine prächtige Stimmung. Überall sieht man Menschen in Cowboy-Manier auf der Stelle tanzen (wie tanzen Cowboys?? - Kara) und dem Aufruf "Run Run Devil" wird sogleich Folge geleistet. Man muss ja auch in Bewegung bleiben, wenn man nicht im Schlamm stecken bleiben oder gar darin versinken will. Bei dieser ausgelassenen Party darf der aktuelle Hit "Don't Gimme That" natürlich auch nicht fehlen. Ihn gibt es - ebenfalls in deutlich härterer Variante - als Bonusbonbon zum Schluss.
(Dagger)

Das Gastspiel der Sonne ist heute nur von kurzer Dauer. Eine dunkle Wolkenwand schiebt sich gleich einem gewaltigen Raumschiff in Richtung Festivalgelände und treibt die Heavyhardes-Crew zu einer kleinen Pause in den Schutz ihres Pavillons. Dort wartet schließlich noch ein 5er-Fässla allerfeinstes und gar nicht mal so warmes Lagerbier auf seinen Endzweck. Lange dauert es auch nicht, bis eine ältere Dame von unserer guten Laune angezogen wird und doch tatsächlich wissen will, ob wir etwas Gras übrig hätten. Sie wolle das nämlich mit ihrem 16-jährigen Sohnemann rauchen! Aber wir brauchen für eine gute Stimmung keine Drogen, nein sicher nicht - nur Alkohol. Unverständlich, dass die Dame unseren Vorschlag ablehnt, ihren Nachwuchs doch eine Stunde in unsere Obhut zu geben, um ihm zu zeigen, wie man richtig trinkt. Aber so Vertrauen erweckend waren wir dann wohl doch nicht...

Nach den letzten Regengüssen gleicht das Festivalgelände einer einzigen Schlammgrube! Ob wässrig, puddingförmig oder zäh und schmierig - hier findet man Schlamm in seinen unterschiedlichsten Konsistenzen. Am heimtückischsten sind jedoch jene Plätze, an denen eine oberflächliche Schicht Hackschnitzel das falsche Gefühl von Trittsicherheit vermittelt. Aber Vorsicht! Gerade dort kann man manch ahnungslose Passanten regelrecht versinken sehen. Also Treibschlamm, getarnt durch Hackschnitzel! Wirklich sehr heimtückisch!
Dass es auch auf den Campingplätzen nicht viel anders aussieht, kann man sich ja denken. Unser werter Fuxx weilt ja seit einigen Tagen dort und gibt sogleich einen Lagebericht:
(Dagger)

Melde mich von der etwas aufgeweichten - die Untertreibung schlechthin - Basis, was soviel heißen soll, wie mitten aus dem W:O:A-Schlamm, der bereits heute Nachmittag unseren Campingplatz erreicht hat. Gekostet hat mich die Mud-Party u.a. meine Schuhe, die sich sprichwörtlich im Untergrund aufgelöst haben, sodass ich barfuß zum anderen Ende des Geländes waten musste, um mir am St. Pauli-Stand schicke Gummistiefel zu holen, die letztendlich die beste Anschaffung des Wochenendes waren. Aber dies nur am Rande.

So ist der Weg bis vor die Party-Stage schon nicht mehr ganz so weit und frisch "gebootet" macht Thrash Metal ohnehin mehr Spaß, denn auf der Agenda steht das Züricher Trio rund um Gitarrenhexer Tommy Vetterli, berühmt und berüchtigt unter dem Namen Coroner. Nach dem stimmigen Intro von "Golden Cashmere Sleeper, Pt. 1" steigen die Tech-Thrasher artgerecht mit "Internal Conflicts" von der letzten offiziellen Fullength Grin ins Set ein. Der Regen hat zur Folge, dass das Publikum vor der Bühne wohl zu 80% aus eingefleischten Fans (und natürlich dem einen oder anderen Unkaputtbaren) besteht, die der Band von Beginn an regelrecht huldigen. Ist ja auch eine ganze Weile her... 1993 (!) kam Grin heraus! Leider muss konstatiert werden, dass der Sound hier direkt vor der Bühne kaum Coroner-Ansprüchen genügt, d.h. schlichtweg zu leise und sogar ein wenig verwaschen ist, aber whatever! Sparkles! Weiter geht's mit Grin-Material in Form von "Serpent Moves" und die drei Schweizer zeigen, warum sie zurecht Kultstatus innehaben. Unglaublich, wie exakt und in welchem Tempo Vetterli die hochkomplexen Riffs aus der Tasche leiert. Und auch Mr. Ron und Marky Edelmann haben nix, aber auch gar nix über die Jahre verlernt. Mit "Masked Jackal" vom 88er-Output Punishment For Decadence kommt die Oldschool-Fraktion im Rund erstmals auf ihre Kosten, gefolgt von "Status: Still Thinking", erneut von der Grin-Scheibe, und einer extra-genialen Version von "Metamorphosis". Noch ist die Luft nicht raus, da Coroner jedoch weiterhin auf Stücke von Grin setzen ("The Lethargic Age" und zum Abschluss "Grin (Nails Hurt)") bzw. von Mental Vortex ("Semtex Revolution" und "Divine Step (Conspectu Mortis)") und dann auch schon wieder Schicht im Schacht ist, kann festgehalten werden: schön, dass wir die Schweizer noch mal sehen durften. Aber: keine einzige Nummer von R.I.P.? Hmmmmh, vielleicht haben sich die Jungs das für die kleinen Clubs aufgehoben.
(Fuxx)

Dimmu Borgir

Mit Nightwish... äh, Quatsch, Dimmu Borgir (kann man ja schon mal verwechseln) steht schon das nächste Highlight des diesjährigen Wacken Open Airs auf der Bühne. Da das auch der Band bewusst ist, haben sich die Dimmus etwas Besonderes ausgedacht und das komplette tschechische Nationalorchester samt Chor eingeladen, um sich auf der Bühne begleiten zu lassen. Und ich muss sagen, dass das akustische wie auch das visuelle Erlebnis herausragend ist. Die orchestralen Kompositionen des letzten Albums Abrahadabra funktionieren live großartig mit den Symphonikern im Hintergrund, von denen sich einige mit lustigen Corpse Paints versehen haben. "Getaways" wird, wie auf dem Album, durch die ausgesprochen wilde Djerv-Sängerin Agnete Kjolsrud unterstützt, die noch mal klarmacht, dass - abgesehen von Shagrats Grunts - das, was sich hier abspielt, nur noch schwerlich als Black Metal zu bezeichnen ist. Das manifestiert sich auch in der Kleidung der Schwarzheimer, die allesamt aussehen, als hätten sie komplett in Mehl gebadet. Aber auch das ist nicht schlimm, denn anstatt böse sind Dimmu Borgir heute vor allem eins - nämlich schön! Die Musik ist richtig schön und wird immer wieder von mehrminütigen reinen Orchesterstücken aufgelockert. Die Melodien sind schön, das Bühnenbild ist schön und wird wieder und wieder in surreales, rötliches Licht getaucht. Ja, alles ist schön bei Dimmu Borgir, wer hätte das gedacht?! Wie zur Entschuldigung hauen die Norweger gegen Ende dann doch noch ein paar ältere Stücke wie "Kings Of Carnival Creation", "Puritania" und "Mourning Palace" unters Volk.

Leaves' Eyes

Die bekomme ich allerdings nicht mehr mit, da ich noch einen Blick von den parallel auf der Party Stage auftretenden Leaves' Eyes erhaschen will. Goldkehlchen Liv Christine und ihre Mitstreiter haben ein riesiges Wikingerschiff auf der Bühne aufgebaut, das der Musik einen imposanten Rahmen verleiht. Liv selbst trägt Korsage und singt wie immer in höchsten Tönen Geschichten aus nordischen Gefilden. Während ich an der Bühne ankomme, höre ich gerade noch die letzten Takte von "Elegy", das fast nahtlos in das von Alex Krull gruntender Weise unterstützte "Temptations" übergeht. Wer es nicht weiß, Atrocitys Alex und Liv sind verheiratet und geben sich dementsprechend schön Küsschen auf der Bühne. Danach ist der fast noch nie gecoverte Mike-Oldfield-Schinken "To France" an der Reihe, der aber gerade deswegen für Freude im Publikum sorgt, bevor sich die gute Liv und ihre Kapelle mit "Froya's Theme", viel Gewinke und vielen Danksagungen von Wacken verabschiedet. Nun muss ich aber schnell meinen Körper um 90 Grad nach links drehen und 150 Meter geradeaus laufen, um schnell genug vor die True Metal Stage zu kommen, damit ich den nächsten Programmpunkt nicht verpasse.
(Sebbes)

Doch vorerst wieder ein kleiner Schwenk im Raum-Zeit-Kontinuum. Um Meister Ray auf den Fersen zu bleiben, der mal wieder ganz wo anders unterwegs ist, müssen wir den Zeiger etwas zurück drehen. Es ist nun (wieder) kurz vor 22:00 Uhr und wir befinden uns irgendwo zwischen Wackinger Stage und dem Bullhead City Circus...

Eigentlich will ich mir We Butter The Bread With Butter ansehen, also wieder auf zur Zeltbühne. Der Einlass dauert leider gewohnt lange, und so bekomme ich noch die letzten Momente von Jim Breuer auf der Headbanger Stage mit, der ja beim letztjährigen W.O.A. gute Erfolge erzielt haben soll. Angesichts dessen, was ich noch in den letzten Minuten mitbekomme, frage ich mich allerdings, was das soll. Ist das nun ein metal-spielender Comedian oder ein komödiantischer Metalhead? Zur Prime-Time (immerhin ist es kurz vor zehn Uhr) ist das Zelt nur (gutgewollt) mäßig gefüllt und die Fans vor der Bühne machen auch einen eher gelangweilten Eindruck. Mehr als abschließender Höflichkeitsapplaus springt hier nicht raus.
(Ray)

So, nun aber vor der W.E.T. Stage postiert, das Bierchen schnell geleert und... Gehenna entern die Bühne. Moment... Zeitsprung? Oder ist da eine Änderung der Running Order an mir vorbei gegangen? Nochmal die Uhrzeit gecheckt... eigentlich sollten nun WBTBWB spielen. Aber nachdem Gehenna auch auf meiner To-Do-Liste stehen, passt das gerade gut. Lange nix mehr von den Norwegern gehört, das letzte Album WW hat ja auch bereits sieben Jahre auf dem Buckel. Bei Black Metal-Gigs ist das ja immer so eine Sache: oft passiert auf der Bühne wenig bis gar nix, die Musiker zocken konzentriert ihre Songs herunter. So leider auch heute. Nach einem doomigen Einstieg nimmt die Black Metal-Maschinerie rasch an Fahrt auf. Der Sound ist auch nicht gerade optimal abgemischt, so dass vor allem die schnelleren Passagen verwaschen durch die PA kommen. Vielleicht lag es am Sound, vielleicht haben einfach zu wenige die Änderung im Ablaufplan mitbekommen, jedenfalls sind die Reaktionen vor der Bühne eher verhalten, Begeisterung sieht leider anders aus. Trotzdem ein solider Gig, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
(Ray)

Auf dem Weg über das Wackinger Village bleibe ich an der Wackinger Stage hängen, wo die Multi-Kulti-Truppe Russkaja ihren Set gerade vorbereitet. Hatte ich die Band schon am Mittwoch zumindest teilweise gesehen, ziehe ich mir nun die ganze Show rein, da mich die Truppe aus Russen, Ukrainern, Bulgaren und Wienern in ihren Bann gezogen hat. Und so ist es auch heute. Mit ihrer Mischung aus Polka, Ska, Rock und Metal wollen sie so gar nicht in eine Schublade passen, und das ist auch gut so. Auch heute wieder haben die Jungs und das Mädel auf der Bühne ihren Spaß, da geht es ihnen aber auch nicht anders als den zahlreichen Fans vor der Bühne. Egal ob "Da Mama" oder "Traktor", die Fans gehen mit. Ab diesem Punkt kannte ich den Set dann schon und fand es dann doch etwas schade, dass keine Umstellungen in der Setlist oder den Ansagen erfolgte. Das nimmt dem Ganzen ein klein wenig den Reiz, die Spontanität, den Witz. Und ich bin mir sicher, ich bin nicht der Einzige, der sich Russkaja an diesem Festival mehrfach gegeben hat. Der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch und es wird getanzt oder sich schlicht im Soge der Musik gewogen, je nach dem was Georgij Alexandrowitsch Makazaria (Vocals) an Aktivitäten vorgibt. Ein Gig, der definitiv Laune macht und dessen positiver Energie man sich kaum entziehen kann.
(Ray)

In Flames

Zurück ins Hier und Jetzt: 150 Meter gerade aus gelaufen und in günstiger Lage vor der True Metal Stage platziert. Von In Flames ist man aus den vergangenen Jahren einiges an Bühnen- und Pyroshow gewöhnt und so warte ich gespannt darauf, was sich die alten Schweden dieses Jahr für uns ausgedacht haben. Der Anfang ist schon mal gar nicht übel. Zu den Beats von "Cloud Connected" haben sich die Musiker auf einem überdimensionalen Baugerüst verteilt, welches von vorne mit einem durchsichtigen Vorhang verhängt ist und von Beamern so bestrahlt wird, dass man teilweise nicht mehr unterscheiden kann, was denn nun wirklich auf der Bühne vor sich geht und was nicht. Gerade der Effekt, als das Beamervideo das komplette Gestell in sich zusammenfallen lässt, ist bemerkenswert. Dasselbe kann ich von dem Sound, der mir zu Ohren kommt, nicht behaupten. Als bekennender In-Flames-Fan brauche ich durchaus länger, um die einzelnen Lieder zu erkennen, was sonst in Sekundenbruchteilen funktioniert. Was für ein Matsch! Selbst das großartige "Where The Dead Ships Dwell" und die ewige Hymne "Only For The Weak" sind wegen des Sounds weit von der Schlagkraft entfernt, die man von In Flames gewohnt ist. Gut, den Jungs auf der Bühne kann man dafür wohl nicht die Schuld geben... Optisch verausgaben sie sich jedenfalls redlich und rennen frohgemut von einer Bühnenseite zur anderen. Apropos optisch: Sänger Anders Friden steht doch tatsächlich mit Hemd, Weste und Krawatte dort oben, auch der Rest der Band ist adrett unterwegs und es sieht aus, als kämen sie direkt von einer Hochzeitsfeier. Wo soll das noch hinführen? Dimmu Borgir mit Orchester, In Flames mit Krawatte - in zwei Jahren bestuhlen die noch die Veranstaltung hier! Wie auch immer, In Flames ballern sich ansonsten routiniert durch ihr Set aus Ohrwürmern wie "Alias", "The Quiet Place", "System", "Take This Life" und so weiter. Pyroeffekte sind da, halten sich aber gegenüber vergangenen Jahren stark in Grenzen. Wenn der Sound passen würde, wäre das heute sicherlich ein tolles Ereignis geworden, aber so will zumindest bei mir nicht die richtige Stimmung aufkommen. Kein Vergleich mit den letzten Auftritten hier im Münchner Zenith.
(Sebbes)

Kobra And The Lotus

Kurz darauf im Bullhead City Circus: nur wenige Neugierige haben sich vor der Headbanger Stage eingefunden, um einen Blick auf die PS-starken Kobra And The Lotus zu werfen. Rein optisch wird auch richtig was geboten. Die junge Band aus Kanada legt sich mächtig ins Zeug, ganz besonders die wilde, in enges Leder gezwängte Amazone Kobra Paige mit ihrer hohen Stimme ist eine Poserin vor dem Herren. Vielleicht liegt es daran, dass in dem riesigen Zelt gerade nicht viel los ist, aber der Sound zu dieser Stunde ist eine wahre Katastrophe. Besonders der Gesang hallt dermaßen laut, dass von den Instrumenten kaum etwas Brauchbares beim Hörer ankommt. Wirklich schade drum. Der schnörkellose Heavy Metal der Kanadier könnte sicherlich Spaß machen. Zumindest erkenne ich die finale Hommage an Black Sabbath. Zu "Heaven And Hell" kann man auch trotz miserablem Klang die Mähne kreisen.
(Dagger)

Es ist schon spät, der lange Festivaltag steckt mir in den Knochen, und doch treibt es mich noch nicht zum heimeligen (???) Zelt zurück. Die Neugier zieht mich zur Party Stage hinüber, wo eine halbe Stunde nach Mitternacht noch ein Gig bevorsteht... doch wer mag das sein, so schlicht mit t.b.a. betitelt? Ein großer Set wird aufgebaut und ein großes Backdrop künden Athonite an. Noch nie etwas davon gehört, doch das heimische www weiß Rat. Dahinter steckt der deutsche Pianist David Bonk, der Stücke der Klassik eigens umarrangiert und mit E-Gitarre und Schlagzeug neu interpretiert. Pünktlich (mehr oder weniger) um halb eins morgens geht dann die Sause los. Das zentrale Element ist klar das Piano, um das sich das Schlagzeug, die Gitarre und eine Menge Streicher tummeln. Geboten werden bekannte Stücke klassischer Komponisten. Auch für's Auge wird etwas geboten, ist die Solo-Violistin doch hübsch anzusehen. Doch zurück zum Set, der meist ohne Gesang auskommt. Die Anwesenden schauen gebannt auf das, was an diesem Abend seine Live-Premiere feiert, der ein oder andere schüttelt sein Haupthaar, ein paar Hobby-Dirigenten sind auch auszumachen, ansonsten wird höflich zwischen den Stücken Beifall gespendet. Ich kann mir nicht helfen, irgendwie erinnert mich das Ganze an Rondo Veneziano, allerdings mit ein paar zusätzlichen Härtegraden. Ein netter Ausklang des Tages.
(Ray)

Aber Moment mal, ganz vorbei ist der Tag ja noch gar nicht! Mit Insomnium besteigt zu später Stunde noch eine Band die W.E.T. Stage, auf die ich und offensichtlich viele andere hier im Bullhead-Circus-Zelt sehr gespannt sind. Mit "Through The Shadows" eröffnen die Finnen ihren Reigen aus lupenreinem skandinavischem Melodeath-Metal. Es ist ein bisschen so, als würde man in der Zeit zurückspringen und noch einmal einen der ersten Auftritte von In Flames oder Dark Tranquillity, bevor sie zu Superstars wurden, besuchen. Die Lieder von Insomnium entfalten auf der in Schwarz gehaltenen Bühne eine unglaubliche Kraft und sind dabei so melodisch, dass man automatisch die Füße oder sogar noch mehr im Takt bewegt. Klasse Auftritt einer vielversprechenden Band!
(Sebbes)

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