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Metallica - Through The Never (DVD)

Metallica - Through The Never (DVD)
Stil: Heavy Metal
VÖ: 28. Januar 2014
Zeit: ca. 92 Min
Label: Ascot Elite Home Entertainment
Homepage: www.metallica.com
MySpace: www.myspace.com/metallica

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Die Geschicke von Metallica teilen sich seit einiger Zeit in zwei durchaus diametral verlaufende Entwicklungen: gelinde gesagt kontroverse, offen gesagt oft nur beklagenswerte Studioalben (was genau sie sich bei Lulu gedacht haben, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben) auf der einen Seite, fast schon etatmäßig beeindruckende, je nach Setlist sogar berauschende Live-Darbietungen, die sich in erster Linie auf Festivals beschränken (so etwa 2015 beim Rockavaria auch in unserer schönen Stadt!). Das scheint man auch im Hause Hetfield, Ulrich und Freunde so zu sehen, sprang man doch in diesem Jahr auf den Tross der Metal-Filme auf, der in den letzten Jahren mit Iron Maidens Flight 666 und dem anrührenden Dokudrama über die traurigen Helden von Anvil mächtig Fahrt aufnahm.

Dabei wählte man jedoch durchaus mit Bedacht ein ganz spezielles Format - anstelle einfach ein Konzert abzufilmen (wie geschehen bei Quebec Magnetic), stellte man eigens für das Filmprojekt die Metallica Best Ever Setlist zusammen, kramte für die eigens konstruierte, nur einmal verwendete Bühne jede Menge Stageprops aus der reichen Live-Vergangenheit aus der Mottenkiste und stellte Starregisseur Nimrod Antal (der unter anderem auch für Predators und Kontroll verantwortlich zeichnete) ein Budget von schlappen 32 Millionen Dollar zur Verfügung, um das Ganze noch mit einer Spielfilmhandlung zu kombinieren.

Herausgekommen ist dabei ein zweifelsohne atemberaubendes 3D-Spektakel, das einen Metallica-Gig so inszeniert, wie man ihn nicht einmal livehaftig vor Ort miterleben kann: auf der nach allen Seiten hin offenen Bühne holzen die Artisten um Herrn Hetfield - kurze Haare, muskulös, mit Kutte, Respekt - Nummern wie "Creeping Death" mit der gnadenlosen Präzision herunter, die von den Festival-Bühnen der Welt mittlerweile bekannt ist. Gleichzeitig entspinnt sich eine fiktive Handlung um einen Laufburschen mit dem durchaus symbolträchtigen Namen Trip, der losgeschickt wird, um ein nicht näher definiertes Objekt zu besorgen. Dabei gerät er auf seinem Weg in eine immer apokalyptischere Mischung aus der Klapperschlange, Mad Max und Judge Dredd: eine finstere Bande von Unholden entfesselt Chaos in der Stadt und zieht dabei eine Schneise der Zerstörung. Trips Weg wird dabei von den Songs vorangetrieben - als Hetfield die Football-Hymne "Fuel" herausfeuert (bitte beachten Sie auch das hübsche Wortspiel) und die Bühne in Pyros fast abzufackeln droht, gibt auch Trip in seinem Kleinbus Vollgas, bevor er für den Rest des Geschehens von einem maskierten Reiter gejagt wird ("Four Horsemen", jemand?).

So variiert das Spektakel von der Konzertbühne, die mit Spezialeffekten fast überbordert, hin zu Spielfilmparts, die allerdings eine untergeordnete Rolle spielen. Im Mittelpunkt bleibt die Livemacht Metallicas, die insbesondere bei den legendären Klassikern wie "Ride The Lightning" (massiver elektrischer Stuhl und Blitze a la Frankenstein-Labor), "And Justice For All" (Justitia bricht in tausend Teile) oder auch "For Whom The Bell Tolls" (Ulrich springt wie immer vom bemerkenswert überschaubaren Schlagzeug auf) ihre ganze Kraft entfaltet, die aus der ureigenen Symbiose von Speed, Ruppigkeit, Virtuosität und Melodik entspringt, die Metallica zu Recht auf den Olymp des Thrash beförderte. Bei "One" gerät die ganze Bühne zum Schützengraben, "Master Of Puppets" beeindruckt neben einer frenetischen Fangemeinde durch aus dem Boden emporsteigende Grabkreuze - so gut waren die Herren einmal, so kreativ, so heftig drauf. Hetfield bellt die Lyrics in seine Retro-Mikrofone und post auf Teufel komm raus, Ulrich verdrischt die Felle mit erstaunlicher Wucht, Kirk Hammett demonstriert einzigartiges Spiel und seinen ganzen Fundus an Boris Karloff/Bela Lugosi-Gitarren, und Rob Trujillo watschelt in gewohnter Urmanier über die Bühne. "The Memory Remains" aus der Load/Reload-Phase geht in Ordnung, und "Cyanide" ehrt effektvoll das letzte richtig herausragende Studioalbum Death Magnetic. Dagegen stehen die auf Stadion-Appeal gebürsteten Songs des kommerziellen Durchbruchs fast wie Fremdkörper: "Nothing Else Matters" und "Enter Sandman" werden für immer Monumente des MTV-Zeitalters sein, mit der Thrashband Metallica haben sie wenig gemein. Das Ende macht das - absichtlich? - mehr als deutlich: das Alptraumhafte von "Enter Sandman" zeigt sich durchaus effektvoll in Form einer zusammenbrechenden Bühne, worauf Hetfield feststellt, man brauche das ganze Brimborium ja auch gar nicht. Man setzt sich im Kreise zusammen, "like in the garage", und dann voll auf die Zwölf mit ihrem krassen Album-Opener "Hit The Lights". Damit kann die Gemeinde des Black Album auf den Festivals ja üblicherweise nichts anfangen, und das passt auch ganz genau so. Dann ist Schicht, zum Abspann sieht man die Herren noch entspannt das Instrumental "Orion" herunterzocken. Die Filmhandlung ist dabei natürlich Nebensache, in Videoclip-Ästhetik besorgt Trip tatsächlich das Objekt der Begierde - aber das genau ist, werden wir in diesem Leben nicht mehr erfahren.

Das Paket bietet somit ein eindrucksvolles Dokument einer Band, die in ihren Sternstunden absolut unangreifbar ist - am besten natürlich genossen auf großer Leinwand mit einer 3D BluRay, der Sound in DTS HD Master Audio 7.1 ist brachial (daneben gibt es noch eine Doppel-DVD-Ausgabe und ein Steelbook).

Holgi

5 von 6 Punkten

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