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Atari Teenage Riot - Is This Hyperreal?

Atari Teenage Riot - Is This Hyperreal?
Stil: Industrial, Electro Metalpunk
VÖ: 07. Juni 2011
Zeit: 43:11
Label: Brainstorm Music
Homepage: www.atari-teenage-riot.com

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"Achtung, Achtung, hier spricht Atari Teenage Riot! Wir haben uns verbündet und wir werden über den Rasen zum Bundestag marschieren. Einem Bundestag, der nicht mehr das Volk vertritt, sondern die Konzerne. Und wir werden sagen: Hände hoch! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus. Verbrennen Sie Ihre Ausweise. Sie sind verhaftet!" Eigentlich könnte man das Review zur Comeback-Scheibe von Alec Empire, CX KiDTRONIK und Nic Endo hier abbrechen. Die politische Schieflage anno 1992, im Gründungsjahr von Atari Teenage Riot, hat sich zwar hinsichtlich ihrer Auswüchse und Dringlichkeiten verändert, die Kluft zwischen denen da oben und denen da unten klafft jedoch genauso - ach, was - in weitaus bedrohlicherer Art und Weise auseinander. Die seit der Auflösung im Jahr 2000 nie verstummende Forderung der Anhänger nach der Band, einer Band, die schlichtweg den Finger in die Wunde legt und einfach das Maul aufmacht, dürfte sicher genauso großen Anteil daran haben, wie die allgemeine Situation in deutschen Landen, die die Berliner dazu bewog, wieder zum Megaphon zu greifen. Nach dem Tod von Carl Crack (Voc.) und dem Ausstieg von Hanin Elias (Voc.) schien eine Wiederauferstehung von Atari Teenage Riot in weite Ferne gerückt, doch Empire muss die Zeit für reif genug gehalten haben, mit seinen zwei neuen Mitstreitern erneut zum Angriff aufs Establishment und die Polit-Kaste zu blasen.
Das Album Is This Hyperreal? lässt sich als roher Auswurf direkt ins Gesicht auch jener verstehen, die dachten, dass Industrial und Electro Metal an ihre Grenzen gestoßen seien. Schon das Eröffnungs-Schreckensszenario "Activate" macht da weiter, wo bspw. Killing Joke mit Pandemonium aufgehört haben, schleudert einem die Bass Drum-Beats entgegen und ist als Song ganz der darin angelegten Irritation, Verstörung und Aufrüttelung verschrieben. Die früher omnipräsenten Breakbeats weichen auf der Scheibe ein ums andere Mal ultra-verzerrten Gitarrenwänden, die sich einen ständigen Kampf mit Electro-Loops liefern, wie sich beispielweise im völlig irren "Rearrange Your Synapses" nachzuhören lässt. Eine weitere neue Facette im ATR-Sound bringt die klassisch ausgebildete Soundscape-Künstlerin und Programmiererin Nic Endo mit, die in Stücken wie "Shadow Identity" oder "The Only Slight Glimmer of Hope", der einst von Enzensberger beschriebenen und nun losgelassenen Furie gleich, in den zwischen "episch-unterschwellig brodelnd" und "zur Detonation gebracht" hin und her wabernden Passagen stimmlich Reizpunkte und Widerstücke zu den Vocals Empires setzt. Erinnerungen an Patti Smith werden da unweigerlich wach; auch deshalb weil die Radikalität von Nummern wie "Digital Decay" oder "Black Flags" aus Punkrock-Versatzstücken (Punk, wie er im ursprünglichen Sinne gemeint war und gespielt wurde) in Kombination mit den mal schweren, mal im Hyperspeed heraus geschossenen Industrial-Streckenabschnitten der Marke Ministry erst entsteht.
Zehn Tracks. Zehn Statements. Sicherlich zehn Kunstwerke. Zehn "Hetzjagden", die schwer oder besser gar nicht zu verdauen und auch nicht so gemeint sind. Die neuen Atari Teenage Riot spielen mit ihrer Hinterlassenschaft und führen ihre Musik in ein neues Zeitalter. An Biss, Schärfe und Aktualität hat diese Band nichts verloren.

Fuxx

5 von 6 Punkten

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