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Babylon Bombs - Babylon's Burning

Babylon Bombs - Babylon's Burning
Stil: Rock'n'Roll, Sleaze Metal
VÖ: 23. September 2009
Zeit: 49:40
Label: Deaf & Dumb Music
Homepage: www.babylonbombs.net

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Load - aim - fire - Babylon' Burning! In der Tat explosives Material bescheren uns diesen Oktober die Babylon Bombs. Zusammen mit Crash Diet, den Crazy Lixx, Hardcore Superstar, Danger und zahlreichen weiteren Acts reiten die vier Skandinavier seit einiger Zeit die NWOSSM - die sogenannte New Wave of Swedish Sleaze Metal. Von der Druckwelle selbst erfasst, wie auf dem Cover zur Scheibe ersichtlich wird, zeigen sich Dani (Voc., Git.), Jon (Git.), Ricky (Bass) und Swaint (Drums, Perc.) diesen Herbst bereit, mit ihrem dritten regulären Album nach Cracked Wide Open And Bruised (2005) und Doin' You Nasty (2006) vollends durchzustarten. Das Wetter, so trübe es draußen auch aussehen mag, scheint momentan günstiger denn je, das Vorhaben gelingen zu lassen, denn nicht nur hat die internationale Musik-Szene mittlerweile das ein oder andere Auge auf die in den späten Achtzigern/frühen Neunzigern verwurzelte Sweden-Sleaze-Bewegung geworfen, Babylon's Burning besitzt mehr noch als die beiden Vorgänger die Klasse und Kompaktheit, um die Babylon Bombs einem weiter gefächerten Publikum zugänglich zu machen.
Nachdem das Quartett durch Endlos-Tourneen die Lunte selbst gelegt und angefeuert hat, findet die erste Explosion in Form des Openers "Liberation" statt. "The clock is tickin you need to get away / Paint the night with your hairspray / Your soul is restless and your life is a bitch / You're knocked down your head in the ditch" lauten die ersten Verse und führen analog zur Mucke sogleich in die Zone, in der sich die Scheibe bewegt. Schnörkelloser Kickass-Rock mit gehörigem Sleaze-Anteil, direkt transportiert von einer verdreckten Hinterhofgasse ins kuschelige Wohnzimmer. Das Ganze wird aufgepeppt durch teilweise die Melodieführung übernehmende Streicher - eigentlich atypisch, aber hier so in den Song eingebettet, dass der Satz quasi die Rolle einer weiteren Lead-Gitarre übernimmt und gleichzeitig der Nummer eine bemerkenswerte Note verleiht. Optimaler Einstieg!
Der darauffolgende Titletrack steht dem Opener in Sachen Explosivität in nichts nach und besticht durch einen genre-typischen Mitgröl-Chorus und vor allem das den Song antreibende Faster Pussycat-meets-The Sea Hags-Mainriff.. One more for the bad guys! "Resurrection Love" beginnt mit fragil vorgetragenen Vocals, besitzt durch den akustischen Gitarren-Sound und die eingestreuten Vocal-Effekte einen etwas moderneren Touch, knallt dabei aber deutlich weniger als die beiden vorherigen Stücke. Solches kann von "Nobody's Home" keinesfalls behauptet werden, das als flotter Rock'n'Roller die Initialzündung liefert, um das Album in die Bahnen zu lenken, die von nun an eingeschlagen werden - und jene sind die gleichen Umlaufbahnen, auf denen seinerzeit Aerosmith (etwa mit Get Your Wings, Rocks und Draw The Line) Mitte der Siebziger und vor allem Cinderella (mit Night Songs und Long Cold Winter) Mitte/Ende der Achtziger die Stratosphäre unsicher machten. Das rasante "Angel Eyes" geht dabei locker als '2009er-Spielzeug in the Attic' durch, bietet einen mehrstimmigen Refrain mit Zuckerguss und leitet ideal über zum (subjektiven) Höhepunkt von Babylon's Burning: "It's Allright". Heutzutage gelingt es den wenigsten Combos - auch im Sleaze-/Hardrockbereich - Stücke zu schreiben, die den Titel Powerballade, so wie er in den Achtzigern erfunden wurde, verdienen. Im Falle von "It's Allright" ist dem nicht so, denn die Nummer gehört ins gleiche Schmuckkästchen, in dem "Something To Believe In" (Poison), "I Hate Kissin' You Goodbye" (Tuff) oder "You Don't Know What You Got ('Til It's Gone)" (Cinderella) ihren angestammten Platz haben. Kann man kaum besser machen: stimmige Background-Chöre, akustische Western-Gitarren, Power-Refrain bzw. -Solo und eine äußerst respektable vor Emotionen strotzende gesangliche Leistung.
Wünsche sind ja bisweilen erlaubt und auf dem Zettel des Rezensenten für nächstes Jahr steht ganz weit oben ein Live-Package das Cinderella als Headliner und die Babylon Bombs als Opener zu bieten hätte. Denn letztere würden Tom Kiefer und Co. hervorragend ergänzen, was die elektrifizierte Bluesrock-Nummer "Anywhere The Wind Blows" (mit Mundharmonika-Solo und Kinderchören im Refrain) und "Winding Road", Nachkomme eines Verwandten mit dem Vornamen "Gypsy...", deutlich unter Beweis stellen. Auch "Rattle My Bones" fährt auf den gleichen Schienen und wartet abermals mit einem exzellenten Chorus, samt Rückkoppelungsfeuerwerk im Solo auf. Der Follower "Shine On" hält seinerseits das Niveau, die Sleazerock-Party am Laufen und den frühen Vorgängern, die in diesem Falle auch auf den Namen Warrant hören könnten, die Stange.
"Goodbye Good Luck" entfaltet anschließend seinen Straßencharme über einem stilecht derben Riff, das in seiner Machart und Funktion für den Song erneut die Spuren einer Jugend im berühmt-berüchtigten "Cathouse" oder gar "In The Cellar" trägt. Der Umstand, dass in "Fade Away" zum Ende hin nochmal einige Sprengsätze zur Detonation gebracht werden und die Band für Babylon's Burning keinen seichten Abgang, wie der Titel der letzten Nummer suggeriert, wählt und nochmal ein echtes Highlight zu setzen weiß, spricht dafür die Höchstnote rauszurücken.
Außer vielleicht "Resurrection Love" sind keine Schwächen auszumachen, die druckvolle doch jederzeit transparente Produktion Chris Laneys tut ihr Übriges und mit "Liberation", dem Titelsong, "It's Allright", "Winding Road", "Rattle My Bones", "Shine On" und "Fade Away" finden sich gleich ein halbes Dutzend überdurchschnittliche Songs, ja Hits auf der Platte, wobei der Rest keinesfalls qualitativ abzufallen droht. Genau dieses Album hat man sich von den Schweden gewünscht - äußerst empfehlenswert auch für Metalheads, die normalerweise seltener in der Sparte Sleazerock stöbern, und aus persönlicher Sicht bisher eines der besten fünf Alben dieses Jahres.

Fuxx

6 von 6 Punkten

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