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Alice Cooper - Along Came A Spider

Alice Cooper - Along Came A Spider
Stil: Hard Rock
VÖ: 25. Juli 2008
Zeit: 50:40
Label: SPV
Homepage: www.alicecooper.com
MySpace: www.myspace.com/officialalicecooper

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Nein, Vincent Damon Furnier ist nicht Alice Cooper. Sonst könnte er ja nicht jeden Sonntag mit seinen Kindern zur Kirche gehen, so wie er es jetzt in einem Interview mit Bayerns bester und schönster Zeitung erzählt hat. Sonst könnte er nicht mit seinen Kindern die Auftritte von Alice im Fernsehen verfolgen und sagen: schaut mal, was der da wieder macht. Das kann nicht gut gehen.

Alice Cooper ist eine Kunstfigur, seine Auftritte sind Moralitätenspiele, in der man, fein nach dem griechischen Tragödienkonzept, die wüstesten Vorgänge auslebt, nur um zum Schluss gereinigt und als besserer Mensch von dannen zu ziehen. Aggressionsabbau nennt man das, und der Böse geht zum Schluss immer unter. Aber dazwischen, da liefert uns diese seltsame Gestalt ein Budenfest der Absonderlichkeiten, ohne das es Szenegrößen wie Kiss, Marilyn Manson, Nine Inch Nails, Mötley Crüe, Slipknot oder Rob Zombie in dieser Form nie gegeben hätte (bei einigen wäre das auch nicht weiter schlimm, jeder kann sich aussuchen wer gemeint sein könnte).

In den 90ern kam Alice im Zuge des Stadion-Hard Rock a la Whitesnake, Mötley Crüe und anderen auch kommerziell ganz groß raus, "Poison" leierte auf MTV rauf und runter und machte den Erfinder des Schockrocks auch beim Mainstream-Publikum bekannt und beliebt. Denkwürdige Auftritte wie in Wayne's World (die geniale "We're not worthy"-Szene und seine Rede über die Indianer) taten ein Weiteres.

Fast vergessen wurde zu jener Zeit, dass der typische Cooper-Sound eigentlich nicht der Bombast oder die Stadion-Hymne ist, sondern eher der knarztrockene, groovige Hard Rock, der zum Beispiel auch die ersten drei Kiss-Scheiben ziert. Zu genau diesen Qualitäten findet der Herr mit dem aktuellen Werk zurück und geht somit massivst back to the roots.

Auch thematisch fügt sich Along Came A Spider in den Cooper-Kanon ein: vom ersten Soloalbum Welcome To My Nightmare (1969) bis zu den Veröffentlichungen The Last Temptation (1994) und Brutal Planet (2000) waren Konzeptalben immer eine besondere Spezialität von Alice Cooper. Auf seiner neuen Scheibe erzählt er die Geschichte eines Massenmörders (ah ja - daher also der Titel, das ist ja auch so ein Irrer-Schlitzer-Roman, geschrieben von Alex Patterson und verfilmt mit Morgan Freeman), der sich selbst als größtes Raubtier aller Insekten sieht, sein Beutetier einfängt, es tötet, dann seine acht Opfer in Seide einwickelt und von jedem ein Bein abtrennt, um seine eigene Spinne zu basteln. Bis er sich ins letzte Opfer verliebt. Eine lustige Geschichte, aber wir wissen es ja: Furnier ist nicht Cooper, und Cooper schlüpft wiederum in eine Rolle - und der Übeltäter wird selbstverständlich gefangen, am Ende in einer Zelle hält er dann im Geiste von Norman Bates Zwiegespräche mit sich selbst... oder mit Steven, dem Protagonist von Welcome To My Nightmare...? Gruselich, das sag ich euch.

Zurück zur Musik: der Opener "I Know Where You Live" bildet einen etwas unglücklichen Einstieg, da die Nummer nicht gerade zündend ist. Aber ab dem zweiten Liedchen "Vengeance Is Mine", zu dem Slash eines seiner beliebten Gniedelsolos einnudelt, atmet die Scheibe die Atmosphäre von alten Cooper-Classics. Mit Songs wie "Catch Me If You Can" and "I'm Hungry" kommt die Sache dann so richtig in Schwung, man erfreut sich an frischem, unbekümmertem Garagenband-Rock'n'Roll und fühlt sich an "Under My Wheels" und "Elected" erinnert. Nach meinem Dafürhalten liefert "In Touch With Your Feminine Side" das Highlight des Albums: subversiver Text, gradeaus-Rock, unentrinnbarer Groove. Im weiteren Fortgang des Geschehens gibt es mit "Killed by Love" und "Salvation" auch noch zwei amtliche Rockballaden im Geiste von "Only Women Bleed" und "I Never Cry". Das Ende bestreitet, wie erwähnt, das monströse "I Am The Spider" und der gespenstische Selbstdialog.

Insgesamt darf Along Came A Spider als mittlerweile 25.(!!) Album des Herren einen würdigen Platz im Gesamtopus verlangen. Die Jungspunde, die mittlerweile auf der Spielekonsole bei Guitar Hero "School's Out" und "No More Mr. Nice Guy" zocken, dürften erstaunt sein - allen, die nur "Hey Stoopid" oder "Feed My Frankenstein" kennen, ist der Sound wohl etwas zu spröde - aber wer den alten wahren Cooper mag, der sollte auch seine Freude an diesem Werk haben. Vielleicht ja sogar Vincent selbst.

Holgi

5 von 6 Punkten

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