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Gamma Ray - 30 Years Live Anniversary

Gamma Ray - 30 Years Live Anniversary
Stil: Power Metal
VÖ: 10. September 2021
Zeit: 96:00
Label: EarMusic
Homepage: www.gammaray.org

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Was soll man auch machen!¬†Live-Alben ohne Publikum?¬†Das schien vor zwei Jahren noch so wahrscheinlich wie eine Akustikballade von Slayer. Aber diese¬†Drecks-Pandemie zwingt die Musikbranche nun mal zu ungewöhnlichen Überlebensstrategien. Das Überleben von Gamma Ray scheint dabei¬†besonders prekär. Denn während alle Welt das¬†(tatsächlich sehr gelungene) Album der wiedervereinigten Kürbisköpfe abfeiert, ist die Helloween-Reunion für alle Gamma Ray-Mitglieder, die nicht Kai¬†Hansen heißen, eher eine mittelprächtige Nachricht. Erst Unisonic, dann Covid und jetzt das. Mehr Warteschleife, also Verdienstausfall, geht nun wirklich nicht.¬†

Also feiert die deutsche Power Metal-Institution ihren 30. Geburtstag mit offenen Fragen im Kopf und¬†ohne Gäste vor der Bühne. Das aus diesem befremdlichen Event geschnürte Paket kann sich allerdings hören und¬†sehen lassen: Auf zwei¬†prall gefüllten CDs und einer BluRay bekommen die Fans ein beachtliches Best of- Set in ausgezeichneter Ton- und Bildqualität geboten. Viel Musik fürs Geld!

Wie befremdlich dieses aus dem¬†Düsseldorfer ISS Dome am 27. August per livestream verbreitete "Konzert" tatsächlich ist, wird vor allem beim Betrachten der BluRay deutlich. Verloren auf der exzellent ausgeleuchteten¬†Bühne spielt sich die Band musikalisch einwandfrei und im Blockbustersound durch zahlreiche Highlights ihrer langen Karriere. Die Resonanz auf diesen beeindruckenden Mördersound besteht aus einzeln wahrnehmbaren Applausbekundungen - mutmaßlich von einigen Tontechnikern und Roadies. Ähnelt einem Geisterspiel im Fußballstadion.¬†Wenn dann noch Neu-Sänger Frank Beck (der ist zwar schon seit 2015 dabei, nur merkten das die wenigsten - vgl. Unisonic/Covid/Kürbis) im Reflex sein Mikro in Richtung nicht vorhandenes Publikum reckt, um nicht vorhandenen Jubel einzufangen, tut das fast schon weh. Zwar bemühen er und Kai Hansen sich durch spaßige Dialoge um eine lockere Atmosphäre, was sympathisch wirkt, nicht aber die Befangenheit der Akteure zu überdecken vermag. Mal ehrlich: Wer will auch unter solchen Umständen Geburtstag feiern?

So bleibt es ausgerechnet einem Ex-Bandmitglied vorbehalten, eine Lektion in Sachen unerschütterliche¬†Performance zu geben. Ursänger Ralf Scheepers (jetzt¬†Primal Fear) entert für den Dreierpack¬†"Lust For Life", "One With The World" und "The Silence" die Bühne, versichert artig, wie toll Kai und Frank klängen, um vor allem letzteren Sekunden später mit seiner großartigen Stimme komplett an die Wand zu singen. Mit seinem imposanten Stageacting lässt er den guten Frank zudem aussehen wie einen unschlüssigen Fan, der zum Mitsingen mal eben spontan auf die Bühne gebeten wurde. In einem auf elf Minuten gestreckten "Armageddon" - es sind schon seeeehr viele Longtracks im Set - beweist Corvin Bahn, mit einer gefühlvollen Piano-Einlage, dass Keyboards auch im Power Metal zu mehr taugen als dem überzuckert bombastischen¬†Zukleistern organischer Klänge. Da ist¬†Scheepers auch¬†schon wieder zurück, um für "Heading For Tomorrow" mit furiosen Halford-Gedächnis-Screams erneut die Bühne zu beherrschen. Theatralische Breitbeinigkeit mit Hang zur Übertreibung inklusive -¬†Ralf herrscht und wertet eine ansonsten eher statische Show enorm auf.¬†

Nett sind die am Ende des Sets geteilten Posts und Bilder von Fans an den Bildschirmen, anstelle von Zugaberufen. Es bleibt ein seltsamer Beigeschmack, den Frank Beck inmitten der Show ungewollt deutlich auf den Punkt bringt: "Isn't that strange to watch a Heavy Metal Show from the sofa at home?" Very strange indeed!

Dr Drümmer

Ohne Wertung

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