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Festival-Bericht

Summer Breeze 2025

mit Machine Head, Gojira, Blind Guardian, Dimmu Borgir, Gutalax, Hellripper, The Halo Effect, Destruction, Agnostic Front, Lost Society, Donots, Unleashed, Obituary, Warbringer, Randale, Vader & Suffocation

Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl 13.08 - 16.08.2026

Samstag, 16.08.2025

Man möchte meinen, Dinosaurier in Kostümen auf dem Summer Breeze - das klingt nach Kinderprogramm. Man möchte es, aber man muss feststellen: dem ist mitnichten so. Heavysaurus sind das finnische Wunder des Festivaltages. Der T-Square ist brechend voll mit einer Mischung aus kleinen Fans, die auf den Schultern ihrer Eltern sitzen, und ausgewachsenen Metalheads mit Kutten, die genauso begeistert sind. Das muss man auch erst mal schaffen.
Die Dinos liefern ordentlichen Kinderrock ab, der auch für die erwachsene Begleitung kurzweilig ist, und die Stimmung vor der Bühne ist schlicht phänomenal. Mehrere riesige Polonaisen schlängeln sich durch das Rund, der Grinse-Faktor ist außergewöhnlich hoch, und als einer der Dinosaurier von der Bühne klettert und im Publikum versinkt, ist das restlose Begeisterung von Klein und Groß gleichermaßen. Das Summer Breeze kann sich glücklich schätzen, mit Heavysaurus eine Attraktion im Programm zu haben, die man so schnell nicht vergisst. Hut ab vor so viel Spaß.

Auch Randale sind das, was man auf einem Metal-Festival nicht erwartet und dann doch sofort versteht: eine Kinder-Punk-Band, die vor der Bühne nicht nur die Kleinen, sondern auch deren Eltern und einen erstaunlich großen Teil des erwachsenen Festivalpublikums komplett einwickelt. Kurze Hosen, laute Gitarren, Texte auf Augenhöhe der Jüngsten - und trotzdem geht es ordentlich ab. Mehrere Kinder in den Schultern ihrer Eltern, Polonaise-Ansätze, kollektives Mitsingen: Randale haben das Rezept für maximale Stimmung bei minimalem Durchschnittsalter offenkundig perfektioniert. Nicht die lauteste Show des Festivals - aber mit Abstand eine der herzlichsten.

Peter und seine Polen kommen, sehen und siegen - das ist bei Vader traditionell so, und das Summer Breeze 2025 macht dabei keine Ausnahme. Was die Warschauer seit Jahrzehnten auf die Bühne bringen, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Death Metal mit militärischer Präzision und einem Groove, der einen physisch umhaut. Schon beim ersten Song ist die Messe gelesen.
Peter ist und bleibt einer der charismatischsten Frontmänner der europäischen Death-Metal-Szene. Er braucht keine langen Ansagen, kein Brimborium - ein kurzes "Are you ready for Vader?" und das Areal ist bereits in Bewegung. Songs wie "Carnal" oder das unvermeidliche "Sothis" werden vom Publikum gefeiert als wären es Volkssongs, der Pit dreht zuverlässig und die Nacken werden beansprucht. Man muss Vader schlicht attestieren: gelungener und überzeugender Gig, wie immer.

Brutal Death Metal der härtesten Sorte: Extermination Dismemberment machen keine halben Sachen. Der Gig ist kurz, extrem und polarisiert entsprechend - wer auf diese Art von Brutalität steht, hat seinen Spaß gehabt. Allen anderen sei der Gang zum Bierstand empfohlen.

Suffocation gehören zu den Gründungsvätern des Technical Brutal Death Metal und sie tragen diese Verantwortung mit angemessener Ernsthaftigkeit. Das Rund vor der Bühne ist gut besetzt, die Kenner der Zunft sind erschienen und werden mit einem Set bedacht, das keine Kompromisse kennt. "Pierced From Within", "Infecting The Crypts" und "Liege Of Inveracity" sind nach wie vor Referenzpunkte des Genres - live klingen sie noch schwerer als auf Platte. Der Pit dreht, der Nacken schmerzt, die Band spielt tight. Was will man mehr?

Es gibt Auftritte, die man im Nachhinein Freunden und Bekannten beschreibt, und die dabei unweigerlich an Glaubwürdigkeit verlieren, weil das, was man erlebt hat, zu groß ist für eine nüchterne Erzählung. Der Machine Head-Gig am Samstagabend des Summer Breeze 2025 ist solch ein Auftritt. Robb Flynn und seine Mitstreiter sind seit Jahren für brutale Live-Erlebnisse bekannt, aber was an diesem Abend auf der Hauptbühne passiert, übertrifft selbst die hochgesteckten Erwartungen des gut vorbereiteten Festivalbesuchers. Das Infield ist restlos voll.
Flynn betritt die Bühne nicht - er übernimmt sie. Mit "Imperium" gibt es direkt in der Eröffnung keine Gnade, der Sound ist auf Anschlag, die Lichtshow auf Verdunkelung und Explosion ausgelegt und das Publikum reagiert wie elektrisiert. Was folgt, ist eine Achterbahnfahrt durch drei Jahrzehnte Oakland-Metalgeschichte: "Davidian" lässt das Rund kollektiv explodieren, bei "Ten Ton Hammer" herrscht im vorderen Drittel des Infields ein Zustand, der von außen wie kontrolliertes Chaos aussieht und sich von innen wie der beste Moment des Jahres anfühlt. Die Gitarrenarbeit des Duos Flynn/Vogg ist dabei von erschreckender Präzision, der Tieftöner Jared MacEachern liefert einen Basswall, der den Brustkorb physisch bewegt.
Robb Flynn ist, man muss das so sagen, einer der besten Frontmänner, die das Heavy-Metal-Genre hervorgebracht hat. Er singt, schreit, redet, baut Brücken zum Publikum, reißt Brücken wieder ein und baut neue. Zwischen "Halo" und "Aesthetics Of Hate" nimmt er sich Zeit für eine seiner berühmten langen Ansagen - politisch, persönlich, bisweilen pathetisch, aber auf eine Art, die man ihm nicht übel nehmen kann, weil man ihm schlicht glaubt. Das Publikum hängt an seinen Lippen. Als er das Mikro sinken lässt und "Old" ankündigt, gibt es kein Halten mehr.
Den Abschluss bildet eine ausufernde Version von "Davidian", in der Flynn das Publikum dreimal die berühmte Schlusszeile wiederholen lässt - und dreimal kommt sie lauter zurück. Wer bis dahin noch irgendwelche Reserven hatte, hat sie jetzt verbraucht. Als die Band die Bühne verlässt, steht das Infield noch einen Moment lang da, als würde es begreifen müssen, was gerade passiert ist.

Das war kein Gig, das war ein Ereignis. Selten hat ein Band-Auftritt auf dem Summer Breeze derart verdient, den Abend zu beschließen. **Ganz großes Kino.**

Vier Tage, ein Flugplatz, ein strapazierter Nacken und ein Vorrat an
Erinnerungen, der für mindestens einen Winter reicht - das Summer Breeze 2025 ist Geschichte, und was für eine. Man verlässt Dinkelsbühl in jenem Zustand
angenehmer Erschöpfung, der einem sagt: ja, das war es wert. Jede Stunde
davon.

Wer das Festival auf Highlights abklopfen will, dem sei gesagt: Gojira am Donnerstagabend haben das Infield derart in Beschlag genommen, dass der Begriff "Publikum" kaum noch zutraf - das war eine Masse, die atmet und pulsiert. Blind Guardian haben am Freitagabend bewiesen, dass Hansi Kürsch und die Seinigen auf einer Festivalbühne schlicht in einer eigenen Liga spielen, mit oder ohne ausufernde Zwischenansprachen. Und Machine Head am Samstag - aber das ist oben hinreichend beschrieben worden. Wer dabei war, weiß. Wer nicht dabei war, dem kann man es nicht erklären. Man muss es erlebt haben.

Daneben haben LIK und Unleashed der Death-Metal-Fraktion am Freitag gezeigt, was handwerkliche Verlässlichkeit bedeutet. Vader haben dem Samstagnachmittag die nötige Würde verliehen. Heavysaurus und Randale haben bewiesen, dass das Summer Breeze auch als Familienfestival funktioniert - sofern die Familie Kutten trägt und Growls als Einschlafmusik akzeptabel findet.

Unterm Strich: Jahrgang 2025 - **Volltreffer**. Das Summer Breeze hat sich einmal mehr selbst übertroffen, und man darf, nein: muss attestieren, dass man im August 2026 wieder hier sein wird. Traditionen haben schließlich so ihre Tradition.

Lord Obirah

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