Festival-Bericht
Summer Breeze 2025
mit Machine Head, Gojira, Blind Guardian, Dimmu Borgir, Gutalax, Hellripper, The Halo Effect, Destruction, Agnostic Front, Lost Society, Donots, Unleashed, Obituary, Warbringer, Randale, Vader & Suffocation
Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl 13.08 - 16.08.2026
Donnerstag, 14.08.2025
Hanabie sind neu auf meiner persönlichen Landkarte, entsprechend gespannt nähere ich mich der Bühne, vor der sich eine ungewöhnlich bunte und auffallend junge Menge eingefunden hat. Die japanischen Metalcore-Damen liefern von der ersten Sekunde an Vollgas und beweisen dabei eindrucksvoll, dass Spielfreude und technisches Können sich nicht gegenseitig ausschließen. Die Songs, mal auf Japanisch gesungen, mal auf Englisch, haben allesamt Killerrefrains - und die Band hat offenkundig sehr viel Spaß in den Backen, was sich unmittelbar auf das Publikum überträgt, das von Song zu Song ausgelassener wird. Crowdsurfer, Pit und anfangs noch grübelnde Stirnrunzler, die dann doch mitmachen: Hanabie haben sich an diesem Donnerstag mächtig viele neue Fans ersungen.
Landmvrks aus Frankreich servieren ihren Melodic-Metalcore solide und ohne große Überraschungen. Das Publikum ist zufrieden, hie und da bewegen sich ein paar Körper, die Band gibt ihr Bestes. Kein Highlight, aber auch kein Ausfall - ein ordentlicher Gig für alle, die zwischen zwei größeren Acts eine entspannte halbe Stunde verdient haben.
Eine Lesson In German Thrash Metal, Teil... man verliert inzwischen den Überblick. Aber Schmier und seine Mitstreiter verlieren nie den Faden, und das ist das Entscheidende. Destruction gehören zu jenen Bands, bei denen man schlicht weiß, was man bekommt: tighte Thrash-Granaten, ein Fronter der Extraklasse und ein Publikum, das jeden Riff kennt und mitzieht als gäbe es kein Morgen mehr. Genau das liefern sie auch beim Summer Breeze 2025 ab, keine Sekunde geziert, keine Sekunde langweilig.
Schmier ist gut gelaunt, charmant prollig und weiß genau, wie man das Summer-Breeze-Volk anfasst. "Mad Butcher", "Cracked Brain" und das unausweichliche "Bestial Invasion" lassen keine Fragen offen: der Pit dreht, der Schädel nickt, die Meute singt mit. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Destruction auf dem Summer Breeze sehe - und ich hoffe inständig, dass es nicht das letzte war. Verlässlicher geht es kaum.
Wer Agnostic Front kennt, der weiß was kommt. Wer sie noch nicht kennt, der weiß es danach. Roger Miret, seit Jahrzehnten das Herzstück der New Yorker Hardcore-Urgesteine, hat von seinem jugendlichen Furor nicht das Geringste eingebüßt - stattdessen kommt zu den Breitseiten aus der Bronx eine gewisse Würde des Urgesteins dazu, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Das Areal vor der Bühne ist vor allem mit Langzeitfans bestückt, die jeden Text auswendig kennen.
"Gotta Go", "Toxic Shock" und "United And Strong" werden von ebenjenen mit einer Inbrunst mitgegrölt, die man sonst eher von viel größeren Bühnen kennt. Dann ist da noch Vinnie Stigma - was für ein Typ -, der wie immer überall gleichzeitig ist: stachelt an, lacht, spielt und genießt sichtlich jeden einzelnen Moment. Das ist kein Gig, das ist ein Klassentreffen der härtesten Sorte, und man freut sich ein zweites Loch in den Bauch, dabei sein zu dürfen.
Wenn es eine Band gibt, der man auf einem Festival im Jahr 2025 beim besten Willen nicht ausweichen will, dann sind das Gojira. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren von einem Geheimtipp zu einem der wichtigsten Metal-Acts weltweit entwickelt, und das Summer Breeze-Publikum vor der Hauptbühne macht eindrucksvoll klar, dass diese Entwicklung nicht unbemerkt geblieben ist. Das Infield ist gestopft voll, die Stimmung bereits vor dem ersten Ton angespannt wie eine Saite kurz vor dem Riss.
Joe Duplantier und seine Mitstreiter legen los wie besagte Feuerwehr: die Groove-Monster pulsieren durch die PA und walzen über das Publikum wie ein gut koordinierter Angriff. "Stranded", "Flying Whales" und "L'Enfant Sauvage" erzeugen Gänsehaut-Momente en masse, und man muss - bei aller Trockenheit der Beschreibung - attestieren, dass der Sound schlicht perfekt sitzt. Die Rhythmusarbeit von Mario Duplantier am Schlagwerk ist dabei eine eigene Show wert: präzise wie ein Uhrwerk, druckvoll wie ein E-Motor. Das Publikum honoriert das mit einer Energie, die in Mark und Bein übergeht. Absolutes Highlight des Donnerstags, im Festival-Gesamtranking ganz weit vorne.
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