Festival-Bericht
Summer Breeze 2025
mit Machine Head, Gojira, Blind Guardian, Dimmu Borgir, Gutalax, Hellripper, The Halo Effect, Destruction, Agnostic Front, Lost Society, Donots, Unleashed, Obituary, Warbringer, Randale, Vader & Suffocation
Flugplatz Sinbronn, Dinkelsbühl 13.08 - 16.08.2026
Freitag, 15.08.2025
Die Finnen Lost Society um Sänger Samy Elbanna verschwenden beim Summer Breeze 2025 keine Zeit mit Höflichkeiten. Thrash Metal heißt hier: von Null auf Hundert, direkt in den ersten Song, direkt in den ersten Pit. Das Publikum dankt's, der Nacken leidet - und beides auf die beste erdenkliche Art.
LIK geben beim Summer Breeze 2025 ihr Festival-Debüt - und der Stockholmer Fünfer macht keinen Hehl daraus, dass man sich das lange verdient hat. Der Beweis folgt prompt: Swedish Death Metal, ordentlich, trocken und mit einem Groove, der das Nackenband auf die Probe stellt. Das Areal ist gut gefüllt, die Death-Metal-Gemeinde hat sich eingefunden und wird nicht enttäuscht. Songs wie "Degenerate" kommen druckvoll aus den Boxen, der Pit kreist zuverlässig und die Band macht sich ordentlich ans Werk. Kein Spektakel, aber handwerklich auf sehr hohem Niveau - das ist bei dieser Musikrichtung alles andere als eine Kleinigkeit.
Punk-Rock auf dem Summer Breeze - das klingt nach einer Gleichung, die nicht aufgehen kann. Ingo Knollmann und seine Ibbenbürener Recken lösen diese vermeintliche Widerspruchslage beim ihrem ersten Gastspiel in Dinkelsbühl auf die denkbar direkteste Art: indem sie einfach losspielen. Dann geht die Rechnung auf, ohne Wenn und Aber. Knollmanns Frontalangriff auf die gute Laune des Publikums funktioniert vom ersten Takt an einwandfrei, und wer bei "Whatever Happened To The 80s" und anderen Donots-Klassikern nicht wenigstens mit dem Fuß wippt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Das Infield ist ordentlich voll und bestens aufgelegt. Punk-Rock auf Festivalniveau: genau das, was man an einem Freitagnachmittag braucht, um den restlichen Abend zu überstehen.
Johnny Hedlund und Unleashed sind seit 1989 dabei, und dem Gutesten ist das schlicht und ergreifend egal. Nicht im negativen Sinne - nein, Hedlund gehört zu jenen Veteranen, die ihre Energie aus dem reinen, unverfälschten Spielspaß beziehen und das konsequent auf die Bühne bringen. Swedish Death Metal at its finest, kompromisslos und mit einem Tieftöner, der so wirkt, als hätte er seit drei Jahrzehnten täglich an genau diesem Gig gearbeitet.
"Where No Life Dwells" und "Execute Them All" machen das Feld vor der Bühne zum Schlachtfeld der schönsten Sorte. Wer Viking Death Metal in seiner ureigensten Form sucht - ohne Orchestrierung, ohne Konzept-Album-Ambitionen, ohne Schnickschnack - der ist hier richtig. Das Publikum gibt es ebenjenen dankend zurück mit ordentlichem Pit und lautem Beifall. Solide Vorstellung.
Die Belgier Evil Invaders haben für Grübeleien oder ruhige Momente schlicht keine Zeit eingeplant. Gitarrero Joe Evans jagt wie ein Derwisch über die Bühne und das Tempo der Band lässt kaum Luft zum Durchatmen. Für Fans von Speed Metal alten Schlags ist das ein Fest - für alle anderen ein angemessen kurzes, aber sehr intensives Erlebnis.
Blind Guardian auf dem Summer Breeze, das ist, muss man attestieren, inzwischen eine fest gesetzte Angelegenheit - und wie schon beim ersten Besuch 2022 gerät auch dieser Auftritt zu einem der stimmungsstärksten Momente des Festivals. Hansi Kürsch ist als Fronter schlicht in einer eigenen Liga: er singt, er redet, er nimmt das Publikum mit - und das Infield, das sich bis weit nach hinten gefüllt hat, hängt an seinen Lippen. Die Power-Metal-Gemeinde: vollständig mobilisiert.
Wer 2022 dabei war, dem fällt auf: Hansi hat seine berühmten Zwischenansprachen diesmal merklich gestrafft. Weniger Philosophieren, dafür mehr Musik - und das tut dem Set gut, ohne den Hansi-Kürsch-Faktor zu schmälern. Was bleibt, sind Songs wie "Imaginations From The Other Side", "Mirror Mirror" und das allgegenwärtige "Bard's Song - In The Forest", bei dem das komplette Summer Breeze in einem gewaltigen Chor antwortet. Solche Momente sind der Grund, warum man Jahr für Jahr nach Dinkelsbühl fährt. Ganz großes Kino.
Von Obituary bekommt man, was man von Obituary erwartet: stampfenden Florida Death Metal, der sofort in Mark und Bein übergeht und das Publikum in einen kollektiven Genickbruch treibt. John Tardy growlt, was das Mikro hergibt, die Band spielt tight und ohne Firlefanz - das Rund honoriert dies mit zuverlässigem Headbanging und einem ordentlichen Pit. Keine Überraschungen, keine Experimente, und das ist bei Obituary bekanntlich genau richtig so. Wer bei "Slowly We Rot" oder "Chopped In Half" noch ruhig stehen bleibt, ist schlicht fehl am Platz.
Warbringer aus Los Angeles haben für Grübeleien oder ruhige Momente schlicht nichts eingeplant. Der Thrash-Fünfer zieht sein Set durch wie eine Kettenreaktion: ein Riff zündet das nächste, der Pit dreht, der Frontderwisch brüllt. Kurz, laut, auf den Punkt.
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