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Konzert-Bericht

Lynyrd Skynyrd & Blackberry Smoke

Messehalle Erfurt, Erfurt 17.06.2019

Wenn sich eine der ganz großen Rockbands unseres Planeten verabschiedet, dann nimmt man auch gerne eine etwas längere Anreise in Kauf. Um Lynyrd Skynyrd auf ihrer Farewell-Tour zu sehen, bin ich daher auf dem Weg zu Erfurts Messehalle. Bei schönem Wetter pilgern bereits Massen an Menschen in Richtung Veranstaltungsort, als ich dort eintreffe. Auf dem weitläufigen Vorplatz sind einige Essens - und Getränkestände aufgebaut, die von dem kunterbunt gemischten Publikum auch gerne angenommen werden. Von Rockern über Metalheads bis hin zu ganz gewöhnlich und vor allem farbenfroh gekleideten Menschen findet man so ziemlich jede Art von Konzertbesucher. Eines fällt allerdings schon auf und zwar das hohe Durchschnittsalter der Anwesenden. Da fühlt man sich auch mit 40 noch wie ein Jungspund. Aber wen wundert's? Schließlich geht die Bandgründung der Skynyds auf die Mitte der 1960er zurück! Aus jener Zeit ist Gitarrist Gary Rossington zwar mittlerweile das einzig verbliebene Mitglied, dennoch sind Lynyrd Skynyrd auch heute noch eine der wichtigsten Bands in Sachen Southern Rock. Aber dazu gleich mehr.

Als Support haben sich die Rockveteranen keinen geringeren Act als Blackberry Smoke ins Boot geholt. Das Kollektiv aus Atlanta / Georgia steht derzeit an der Spitze der jüngeren Generation an US-amerikanischen Southern-Rock-Bands und darf sich spätestens seit ihrem 2012 Erfolgsalbum The Whippoorwill auch in Europa einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreuen. Dass es aus diesen Reihen nicht wenige nach Erfurt geschafft haben, zeigt sich am lauten und stürmischen Beifall, der nach jedem einzelnen Song die Halle erfüllt. Gerade Nummern wie gleich der locker-flockig rockende Opener "Six Ways To Sunday", das schwer groovende "Flesh And Bone" und natürlich die großartige Ballade "One Horse Town" werden von der Audienz besonders abgefeiert. Mit ihren meist eher gemächlichen bis melancholischen Nummern sorgen Blackberry Smoke knapp eine Stunde lang für eine gute und atmosphärische Einstimmung auf das kommende Großereignis und es wäre nicht verwunderlich, wenn sie an diesem Abend ein paar neue Fans dazu gewinnen konnten.

Noch geschwind auf der Plaza eine Currywurst und ein kühles Blondes gezogen und schon ist es soweit. Zum Sound von AC/DCs "Thunderstruck" kann man die letzten Minuten herunterzählen bis Lynyrd Skynyrd mit "Working For MCA" gleich zu Beginn des Sets einen ihrer Hits platzieren. Die Bühne ist gut ausgefüllt mit den insgesamt neun Musiker/innen, im Hintergrund hängt eine LED-Leinwand, auf der abwechselnd das Geschehen auf der Bühne oder aber Animationen und Videos passend zum jeweiligen Song gezeigt werden. Dazu eine amtliche Lichtshow, ein monströser Sound und eine Bande alter Herren, die immer noch ganz genau wissen, wie man eine große Bühne rockt - was will man mehr? Gut, wer nun darauf gehofft hat, einen guten Querschnitt aus allen Schaffensphasen der Band zu bekommt, wird womöglich etwas enttäuscht. Denn die Skynyrds legen den Focus klar auf ihre Frühwerke. Der zweite Song - "Skynyrd Nation" - ist der einzige Beitrag aus der jüngeren Bandgeschichte. Schade eigentlich. Denn auch was Lynyrd Skynyrd seit ihrem Comeback-Album 1991 (aus demselben Jahr) so abgeliefert haben, geizt nicht mit hochwertigem Material. Unvergessen allerdings bleiben wohl für alle Ewigkeit die Hits aus den Siebzigern, von denen es heute einen nach dem anderen zu hören gibt. Schwerpunkt bilden da ganz klar die beiden ersten Alben Pronounced Leh-nerd Sin-nerd und Second Helping, welche über die Hälfte des Sets ausmachen. Aber auch Nuthin' Fancy, Gimme Back My Bullets und Street Survivors kommen zum Zug. Begleitet von zwei Background-Sängerinnen führt Johnny Van Zant cool und souverän durchs Programm, während aus der Gitarrenfraktion besonders Rickey Medlocke die Blicke auf sich ziehen kann. Auch er ist einer aus Skynyrds alter Garde, war er doch schon von 1971 bis 73 als Schlagzeuger mit an Bord. Erstes Gänsehaut-Feeling provoziert nach dem lockeren Rock'n'Roller "What's Your Name" einer der großen Hits, nämlich "That Smell". Spätestens jetzt haben die Jungs und Mädels aus Florida (nein, die kommen wirklich nicht aus Alabama) wohl den letzten Zuschauer in ihren Bann gezogen. Wie froh bin ich, hier unten in Bühnennähe stehen zu dürfen. Bei solch feiner Mucke könnte ich wohl unmöglich regungslos auf meinen fünf Buchstaben auf den Rängen sitzen...

Rock'n'Roll steht auch weiterhin auf dem Programm und zwar mit "I Know A Little". Da fängt doch glatt ein Pärchen neben mir zu tanzen an! Auf den klassischen Southern-Rocker "The Needle And The Spoon" und den mitreißend inszenierten Hit "Saturday Night Special" folgt das Balladen-Doppel "The Ballad Of Curtis Loew" und "Tuesday's Gone". Letzteres erhält ein Mundharmonika-Intro und gerät zum echten Highlight, wenn nach dem beschwörenden Eröffnungs-Riff die Saitenfraktion eine meterdicke Gitarrenwand errichtet. Da ist sie wieder... die Gänsehaut... und nun geht es Schlag auf Schlag. Eingebettet zwischen den tanzbaren Nummern "Don't Ask Me No Questions" und "Gimme Three Steps" erstrahlt "Simple Man" wie ein Stern am Firmament des Rock-Himmels. Der Vergleich sei gebracht, weil auf der Videowall nun tatsächlich ein Sternenhimmel zu sehen ist. Das Publikum singt fleißig mit und die Gänsehaut steht immer noch. Kurze Verschnaufpause mit "Call Me The Breeze" und es darf weitergesungen werden zu jenem Song, auf den die meisten Konzertbesucher wohl sehnsüchtig warten. Richtig! "Sweet Home Alabama" bildet das vorläufige Finale und wird erwartungsgemäß abgefeiert. Lange lassen sich die Skynyrds dann nicht bitten und kehren für eine Zugabe zurück. Ja, einer dieser ganz großen Hits fehlt schließlich noch: "Free Bird" - jene Powerballade, welche für ein ganzes Heer von nachrückenden Bands ab den 70ern zur Blaupause eines archetypischen Southern-Rock-Songs werden sollte. Auf der Leinwand zu sehen sind nun Kreuze und die Namen von elf bereits verstorbenen Bandmitgliedern. In kaum einer anderen Kapelle hat der Sensenmann derart pflichtbewusst seine Ernte eingefahren wie eben bei Lynyrd Skynyrd. Ganz oben an der Tafel zu lesen ist "Ronnie" für Sänger und Gründungsmitglied Ronnie Van Zant, nach dessen tragischem Tod bei einem Flugzeugabsturz im Jahr 1977 die Band auch vorübergehend zu Grabe getragen wurde. Nach der ersten Strophe macht Johnny schließlich den Platz frei für seinen verstorbenen älteren Bruder. Der ist nun in Form einer alten Aufnahme auf der Videowall zu sehen und setzt an "Bye, bye baby, It's been a sweet love...". Da läuft einem glatt ein letzter Schauder über den Rücken, ehe die Saitenfraktion zu einem der genialsten XXL-Gitarrenduelle der Rockgeschichte ansetzt. Ganz großes Klang-Kino! Gleichzeitig ein letzter Glanzpunkt eines wundervollen Konzerterlebnisses!

Nun heißt es schnell sein, ehe auf dem Sammelparkplatz das Abreise-Chaos beginnt. Die Heimfahrt soll aufgrund eines verhexten (oder einfach zu selten aktualisierten) Navigationsgeräts zu einer kleinen Odyssee geraden. Aber das macht nichts. Schließlich hallen Lynyrd Skynyrd noch lange nach. "And be a simple kind of man... oh, be something, you love and understand..."

Dagger

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