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Konzert-Bericht

Anthrax & The Raven Age

Eventhalle Airport Obertraubling, Obertraubling 26.06.2017

Selbstklebende Gitarrenplektren. Zugaben von einer Band, die keine Zugaben spielt. Ein feixender Springteufel als Frontmann. NOT auf der Kappe. Jawohl: Anthrax were in da house. Und wie! Anschnallen - wir fliegen los!

Joseph Bellardini ist offenkundig bestens aufgelegt heute. Der Mann, besser bekannt als Joey Belladonna, fuchtelt mir irgendetwas zu, das ich nicht kapiere, irgendwann gibt er es auf und pappt mir eines der Gitarrenplättchen, die er von Frank Bellos Mikro stibitzt und sie freimütig in der Menge verteilt, kurzerhand auf die Stirn. Das passt ganz wunderbar zu dem Tollhaus, das in einer Großraumdisco nahe Regensburg gerade den Siedepunkt erreicht: Anthrax scheinen hier alles in Schutt und Asche legen zu wollen. Aber eins nach dem anderen.

Anfangs mag man es nämlich gar nicht glauben, dass man auf dem Weg zu einem metallischen Event ist - der Weg zum Ort des Geschehens führt von der Autobahn fast schon idyllisch über kleine Ortschaften mit klingenden Namen wie Piesenkofen. Aber man täusche sich nicht: in der selbstbetitelten "Eventhall" Airport Obertraubling findet so manches konzertante Ereignis auch der härteren Gangart seine Heimat. Nachdem es im nahegelegenen Regensburg in der Oberpfalz keine Location für mittelgroße Acts gibt, wurde die Großraumdisco 2013 runderneuert und bietet seitdem in drei Areas verschiedene Austragungsorte für Ansetzungen mit 1.000-2.500 Besuchern. Das Konzept scheint aufzugehen: auf dem Spielplan stehen in diesem Jahr noch das Metal United Festival, Prong, Wintersun, Doro oder auch der Springsteen-Klampfer Little Steven. Vor der Tür ist auch noch ein nettes kleines Flugzeug aufgestellt. Was will man mehr?

Als wir in die größte Spielfläche, das "Terminal 1", in das bei Vollbesetzung um die 2.500 Leute passen, einlaufen, geht da schon die erste Kombo des Abends beherzt zu Werke. Null Positiv sind es, die der durchaus beachtlichen Menge einheizen - was bei den tropischen Temperaturen eigentlich gar nicht nötig wäre. Dennoch legen sich die Herren und Frontfrau Elli Berlin massiv ins Zeug und zimmern ihre wilde Mischung aus neuer deutscher Härte, melodischem Death a la Arch Enemy und traditionellen Klängen unters Volk, das das Geschehen zunehmend goutiert. Frau Berlin liefert eine überzeugende stimmliche Leistung ab - von clean bis growl ist alles am Start - und feuert die deutschen Texte beim Titeltrack der aktuellen Scheibe "Koma" (dazu gibt's auch ein Video auf den einschlägigen sozialmedialen Fernsehkanälen) oder "Wo Rauch Ist, Ist Auch Feuer" inklusive agilem stageacting druckvoll heraus. Mehr als ordentliche Leistung, meine Herrschaften.

Wir nutzen die kurze Pause und wandern nach draußen zum Luftschnappen, wo die Kombo, die eben noch auf der Bühne stand, gerade auch ihre sieben Sachen einsammelt. Lange können wir hier allerdings nicht verharren, denn schon steht der nächste Programmpunkt an: auch auf diesem Teil ihrer Gastspielreise haben Anthrax nämlich die Briten von The Raven Age mit im Gepäck. Diese Formation um den Sohnemann eines gewissen Steve Harris konnte uns ja schon im Februar in München durchaus überzeugen, und auch heute können die Londoner sauber punkten. Mit ihrem höchst melodischen Metal, mit dem sich George Harris klugerweise ganz bewusst vom Werk des Herrn Papa absetzt, versetzen die Herren die Angereisten zunehmend in Wallung. Mit viel Material ihrer aktuellen Scheibe Darkness Will Rise ausgestattet, galoppiert Fronter Michael Burrough durchs Programm und kommentiert zwischendurch die gefühlten 1000 Grad in der Halle wahrheitsgemäß: "Boy, I have been in some hot locations, but this one?" Meister Harris agiert wie gewohnt mit umgedrehter Baseball-Mütze, Saitenkollege Dan Wright hat seinen Gitarrengurt offenbar im Ace Frehley-Outlet gekauft - und gemeinsam liefern sie eine formidable melodische Attacke, die mit "The Merciful One" nahtlos weitergeht. "Trapped Within The Shadows" avanciert nach einem leicht komplex-thrashigen Anfang zu einer eingängigen Nummer, bevor dann bei "Salem's Fate" doch ein paar harmonische, zweistimmige Gitarrenläufe aufblitzen. So ganz kommt man eben doch nie vom Elternhaus los, und das ist auch gar nicht negativ an dieser Stelle. Nach "Angel In Disgrace" schimpft uns Herr Burrough noch scherzhaft, weil wir nicht laut genug nach Anthrax schreien, aber insgesamt haben wir uns in diesen gut 40 Minuten doch bestens verstanden. Wieder Daumen hoch!

Nun kommen wir aber endgültig zur Hauptattraktion des Abends - der nette Security-Mann fragt mich noch, ob nun Anthrax kommen, was ich glaubhaft bejahen kann, auch wenn von der Konserve erst mal komplett "The Number Of The Beast" läuft (vielleicht hat George ja Papas Kassetten mitgenommen?). Aber dann kommt das "offizielle" Intro, das leicht manisch-stampfende Blues-Stück "I Can't Turn You Loose" von Otis Redding, das immer irgendwie an die Blues Brothers erinnert. Ein kurzer Blick auf die am Boden aufgeklebte Setlist zeigt: nein, das wird heute nicht das "Among The Kings"-Set, das wir in München erleben durften, als sie anlässlich des 30jährigen Jubiläums die komplette Among The Living-Scheibe runterrissen. Heute gibt es eine feine Mischung aus Alt und Neu, bei der allerdings leider die sanfte Weise von dem fehlt, der das Gesetz ist. Schade, aber sei's drum, jetzt wird es rot auf der Bühne, es beginnt ein unheildräuendes Intro, und ab dafür mit dem donnernden ersten Riffs von - "Among The Living", was sonst. Die Positionen auf der Bühne sind bewährt, rechts schreddert Scott in kurzer Hose und langem Bart alles in Grund und Boden, links turnt Frank Bello wie ein Flummi mit wallendem Haar, daneben nimmt sich Jungspund Jonathan Donais mit seinen gelegentlichen Kopfschüttel-Attacken schon fast zurückhaltend aus. Raumgreifend über die Bretter springt nun auch Oberindianer Joey Belladonna, der heute bei glänzender Laune sein muss. Er gestikuliert, schneidet Grimassen, sucht den Blickkontakt - und liefert einmal mehr den Beweis, dass Anthrax seinerzeit den Spaßfaktor in den sonst doch oft bierernsten Thrash einführten und diese Fahne heute noch hoch halten. Kein Spaß allerdings ist der messerscharfe Stahl, den die Stephen-King-Ode (basierend auf dem Roman "The Stand") auch nach 30 Jahren immer noch ankocht: "I'm the walking dude!", schmettert Scott, und auch heute schallt es tausendfach zurück. Der Mixer wird im Publikum noch nicht so ganz angeworfen, aber dennoch schnellt die Stimmung beim Schlachtross "Caught In A Mosh", bei dem Frank wie immer sei Mikro aufessen zu wollen scheint, noch höher. Dieser Song ist so etwas wie die Quintessenz des Thrash, mit treibender Basslinie und alles umreißendem Refrain. Vollkommen zu Recht hoch gehandelt.

Weil es ja hier drin noch nicht heiß genug ist, legen sie mit dem Joe Jackson-Cover "Got The Time" gleich noch ein rasendes Geschoss nach (zu dem mir Joey dann das eingangs erwähnte Plektrum auf die Stirn dozt). Heute scheinen die Jungs es darauf angelegt zu haben, absolut nichts anbrennen zu lassen: atemlos geht es weiter durch den Airport, mit "Madhouse" steht ein Klassiker mit Mitsing-Garantie auf dem Zettel. Die Menge gerät zusehends aus dem Häuschen, was Joey in seinem "Wardance Pale Ale"-Shirt (guter Punkt, Notiz an mich selbst: das Gebräu sollten wir mal testen hier) offenkundig wohlwollend zur Kenntnis nimmt (die anderen Herren tragen allesamt dunkle Westen mit "ATK"-Logo - also sind wir doch ein wenig among the kings...). Mit "Fight Em Till You Can't" kommt dann eine Nummer von "Worship Music" zu Ehren, bevor Scott sich an uns wendet: "Nice place! I don't think we've ever played here before [habt ihr nicht, siehe oben, das ist erst seit einigen Jahren so eingerichtet hier], but who knows - we've been coming to Germany since 1986, and that's a bloody long time! Thank you all for coming out tonight!" Nach den finsteren Jahren der 90er, in denen sich im Sumpf des Grunge kein Aas mehr um sie scherte, kommt das absolut glaubhaft rüber - und wir gönnen ihnen wie immer die wiedergefundene Kraft und Popularität. Beim knalligen "Breathing Lightning" erspäht Joey mich in der Menge, fuchtelt wieder umher ("wie, keine Fotos mehr?", soll das wohl heißen), und wirft wieder fröhlich Franks Plektren in die Menge. Gut, dass der Mikroständer vollgepackt ist mit dem Zeug. Nun wird es dann doch ein wenig düsterer, das "Intro To Reality" kommt unheilsvoll daher, bevor dann das leicht sperrige, aber mächtige "Belly Of The Beast" ganz gewaltig hereindrückt, zu dem Frank in einem kuriosen Pinocchio-Gang umherwatschelt. Jetzt sagt dann auch noch Joey hallo zu uns und kündigt vollmundig "a song from Spreading The Disease" an - aber seine Kollegen pfeifen ihn zurück. "Sorry, wrong song!", wirft er sich weg, denn erst steht einmal "All Of Them Thieves" auf der Liste - was den einzigen echten Schwachpunkt des Abends bildet. Zu komplex, verschachtelt, holprig ist die Nummer, als dass sie hier richtig knallen könnte. Da hätten wir doch um einiges lieber "Blood Eagle Wings" gehabt, das ja vor einigen Tagen noch auf der Setlist stand. Nun denn. Sodala, jetzt aber kann Joey "a song from my first album with these guys, back from 1985!" ankündigen (auf dem Debut "A Fistful Of Metal" tat bekanntlich ja noch Neil Turbin Dienst am Mikro). Yessir, Vollattacke mit dem Klassiker von der "Medusa", der wieder einmal alles niederreißt, mit absolutem Monster-Groove, zu dem uns Herr Belladonna den lustigen Waldschrat macht. So langsam kommt gewaltige Bewegung ins Publikum, was dann bei "Be All, End All" - inklusive mitgesungenem Gitarrenintro - zu einem handfesten Moshpit eskaliert, der sich immer mehr Raum greift und bald schwungvoll durch den Innenraum tobt. Mit seinem höllischen Groove walzt der Opener des insgesamt ja eher schwachen "State Of Euphoria"-Album alles um. Schön, langsam, getragen dann das Intro zum alten Scheunenstürmer "Antisocial", bevor diese Trust-Coverversion, von der mancher mittlerweile glaubt, sie gehöre zum eigenen Anthrax-Kanon, den Moshpit endgültig aufmacht: die Oberpfälzer Wurstplatte wird angerichtet, dass es eine Art hat. Aber einen haben wir noch: "Cry for the Indians", dieser Kehrreim lässt die Wände des Airport nochmal ordentlich zittern. Joey hat zwar keinen Federschmuck, aber dafür eine NOT-Kappe auf und gibt den launigen Conferencier, während unten im Saal die Waschmaschine im Schleudergang läuft. Schluss, aus, das Ende des Zettels ist erreicht, er klebte ja am Boden.

Man wirft alles ins die Menge, was noch an Plättchen da ist, Charlie Benante (oder zumindest jemand, der ihm verdammt ähnlich sieht) feuert auch seine Drumsticks unters Volk, und man schickt sich an zu gehen. Geht aber nicht. Denn die Pfälzer Meute gibt nicht nach und fordert eine Dreingabe. Aber das ist nicht eingeplant. Die Indianer halten kurzes Kriegspalaver, Scott gestikuliert: komm, einer geht noch. Problem: die Arbeitsgeräte sind nicht mehr da, wurden leichtfertig buchstäblich verschleudert. Also schnell Ersatz geschafft, und Scott verkündet: "You are absolutley insane! We don't do encores, this is the first time on the German tour that we do one! Enjoy!" Dann ist vollständiges kollektives Austicken angesagt: schließlich kommen wir doch noch in den Genuss der verloren geglaubten Hymne auf Recht und Ordnung in Megacity. "I Am The Law" wird zur massiven Abrissbirne, die den Abend im Flughafen dann endgültig besiegelt - Dredd rules ok, immer noch. So wie Anthrax auch, ohne jeden Zweifel. Wir landen wieder sicher, machen uns auf den Heimweg (auch durch Piesenkofen) und fühlen uns wie die Könige. For all kings eben. Drokk it. Oder wie man hier eher sagt: da legst di nieder.

Der Bericht erscheint auch bei Kühles Zeug.

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