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Festival-Bericht

Out & Loud

mit Helloween, Testament, Hammerfall, Arch Enemy, Subway To Sally, Moonspell, J.B.O., Grave Digger, Orchid, Eluveitie, Blues Pills, Dark Fortress, The Vision Bleak, Feuerschwanz, Insomnium, Alestorm, Majesty, Civil War, Diablo Blvd, Battle Beast, Accuser, Finsterforst, Godsized, Bloodbound, Dimeless & Dvalin

Eventhalle Strohofer Geiselwind, Geiselwind 03. - 06.06.2015

(Fotogalerien: OutAndLoud2015 )

Freitag, 05.06.2015

Die Boxen unserer Terror-Nachbarn schweigen heute Morgen, dennoch werde ich früh wach und kann es gar nicht glauben, dass es erst 7:00 Uhr schlägt, so heiß wie es nun schon im Zelt ist. Daher verlegen wir unsere Isomatten kurzerhand ins Freie, um unter dem Sonnenschirm noch etwas Schlaf zu finden, was allerdings nur bedingt gelingen will. Immerhin fällt auf, dass es auch für den restlichen Vormittag erstaunlich ruhig bleibt auf dem Zeltplatz. Die drückende Hitze und ein strahlend blauer Himmel ohne eine einzige Wolke darin schlagen offenbar nicht nur uns aufs Gemüt. Nachdem wir unser mitgebrachtes Fassl Bier, das wir freundlicher Weise bei unseren Ulmer Nachbarn einkühlen durften, mit denselben geleert haben, ist die Motivation immerhin groß genug, sich auf den Weg in Richtung Backofen, also der Mainstage, zu machen.

Godsized

Der mörderische Groove der hessischen Dimeless mit ihrer Mucke aus Doom und Thrash Metal dröhnt über das Gelände, doch hält sich die Anzahl schaulustiger vor der Bühne noch arg in Grenzen. Unser Ziel ist ja auch die 2nd Stage, wo ab 14:15 Uhr die Engländer von Godsized ihr Set absolvieren. Der bärtige Vierer bewegt sich irgendwo zwischen Stoner und Heavy Rock, weckt Erinnerungen an Black Label Society und entpuppt sich als echte Überraschung. Vor allem Sänger Glen Korner, der seine Schirmmütze so tief ins Gesicht gezogen hat, das man meint, der Kopf besteht nur aus Mütze und Bart, überzeugt mit einer wunderbar melodischen Sangesstimme. Überhaupt legen sich die Herren ordentlich ins Zeug und spielen sich vor den vielleicht 50 anwesenden Zuschauern förmlich den Allerwertesten ab. Schade, dass nicht mehr los ist - die Band hätte es sich wirklich verdient!

Vor der Bühne

Gleich im Anschluss stürmt Deutschlands Antwort auf Manowar die Mainstage - die Rede ist natürlich von Majesty, die ja letztes Jahr auch schon hier waren. Vergleicht man aber beide Gigs, dann zieht der heutige mit Abstand den Kürzeren! Deutlich weniger Fans sind gekommen und die Stimmung will auch nicht so recht an die des letzten Jahres anknüpfen. Immerhin zeigen die Fans Humor, wenn sie zwischen den Songs immer wieder "Hail And Kill"-Choräle anstimmen! Gegen die Hitze über dem heißen Asphalt helfen ein wenig die Securities, wenn sie aus dem Fotograben heraus die Fans mit Gartenschläuchen bewässern. Meine Holde und ich nutzen derweil die Zeit und durchstöbern die vorhandenen Merchandise-Stände nach etwas Brauchbarem und legen im Anschluss noch eine längere Pause ein.

Am Zeltplatz, wo man dank Sonnenschirm und Pavillon ein wenig Schatten erzeugt, ist die Situation jedoch auch nicht viel besser als vor der Bühne, die Luft steht so heiß und dick zwischen den Zelten, dass man glaubt sie anfassen zu können. Am Himmel kreisen Bussarde über dem Zeltplatz und erinnern an Geier, die geduldig darauf warten, dass die Hitze erste Opfer unter den apathisch vor sich hin saufenden Metalheads fordert.

Erst um halb sieben wird die Temperatur endlich etwas erträglich und wir schleichen zurück vor die Mainstage, wo sich die Schweizer Band Eluveitie mit ihrem Mix aus Melodic Death und Folklore austobt. Dass sich die sympathische Truppe mit der Zeit eine große Fanbasis bauen konnte, zeigt das mittlerweile prall gefüllte Gelände. Immer wieder suchen Crowdsurfer ihren Weg über die Köpfe in Richtung Bühne und zum Band-Hit "Inis Mona" kommt so richtig Bewegung ins Publikum!

Dark Fortress

Quasi als Kontrastprogramm zum fröhlichen Treiben vor der Mainstage bringen die Landshuter Black Metaller Dark Fortress im Anschluss die Finsternis auf die 2nd Stage. Dumm nur, dass durch die Türen doch noch recht viel Sonne in die Halle scheint, aber davon lassen sich die Niederbayern nicht irritieren und gehen mit mörderischem Sound gleich richtig in die Vollen. Die Jungs kann man mittlerweile getrost zur Speerspitze der hiesigen Szene rechnen, weswegen sich die Halle auch mehr und mehr füllt. Zu standesgemäßem Posing demonstrieren Dark Fortress, dass sie nicht nur wild drauf los knüppeln können, sondern sorgen im Midtempo immer wieder für boshafte Atmosphäre. Bestes Beispiel: der Song "Baphomet", in dem die Band alle Register ihres Könnens zieht und vom Publikum mit ordentlichem Beifall und erhobenen Pommesgabeln entlohnt wird.

J.B.O.

Noch mehr Kontrast steht sogleich auf dem Programm - wir wechseln von Schwarz nach Rosa, von Black Metal zu ur-fränkischer Blödelei. J.B.O. feiern heute das 20-jährige Jubiläum ihres 1995er Erfolgsalbums Explizite Lyrik und hauen mit ihrem "Kuschelmetal"-Medley und dem folgenden "Walk With An Erection" gleich ordentlich auf den Putz. Die Stimmung im Publikum könnte besser nicht sein, was auch nicht anders zu erwarten war. Schließlich feiern die Erlanger hier einen Heimsieg und die Spaßvögel Hannes und Vito wissen nur zu genau, dass ihr Gschmarri zwischen den Songs auf fruchtbaden Boden fällt. Um das ohnehin schon lustige Liedgut auch optisch aufzupäppeln, haben J.B.O. zwei Jungs im Gepäck, die passend zu dem jeweiligen Song eine clownmäßige Show abziehen und immer wieder Lacher provozieren. "Ein Guter Tag Zum Sterben" sorgt, angestimmt und beinahe ausschließlich von den Fans gesungen, für fast schon nachdenkliche Momente. Natürlich darf in der fröhlichen Runde auch das "Fränkische Bier" nicht fehlen und mit "Vier Finger Für Ein Halleluja" wird schließlich auch ein Stück vom aktuellen Klamauk Nur Die Besten Werden Alt auf die Bühne gebracht. Herrlich! Oder wie der euphorisch feiernde Franke zu sagen pflegt: Bassd scho!

Hammerfall

Wir begeben uns zur Nahrungsaufnahme, schließlich braucht es noch eine Grundlage für das energiefressende Finale. Neben besagten Fast-Food-Ketten und den obligatorischen Lebensmittelständen vor Ort hat die Eventhalle übrigens auch eine kleine Kantine zu bieten, in der es zu fairen Preisen gar kein übles Fresschen gibt. So stehen wir randvoll mit Leberkaas und Currywurst um Punkt zehn Uhr erneut vor der Mainstage, wo sich schließlich Hammerfall einfinden, um dort weiterzumachen, wo Helloween gestern aufgehört haben. Das hat ja schon beinahe etwas Rock-Historisches. Schließlich standen die Schweden inmitten der Grunge- und Crossover-verseuchten Neunziger auf der Matte und hauten mit Glory To The Brave einen True-Metal-Killer raus, als alle anderen, so auch Helloween, in einer tiefen Identitätskrise steckten. Allerdings haben sich Helloween längst erholt, wie man gestern sehen konnte, und so stehen sich beide Bands Anno 2015 auf gleicher Augenhöhe gegenüber. Mit Klassikern im Gepäck wie "Renegade", "Blood Bound" oder der Bandhymne "Hammerfall" kommen die Herren um Fronter Joacim Cans beim Publikum ebenso gut an, wie ihre Kollegen am gestrigen Abend. "Let The Hammer Fall" bietet Anlass zu ausgiebigen, aber nicht überzogenen Singspielchen mit den Fans und das goldene Finale markiert einmal mehr "Hearts On Fire" - Metalherz, was willst du mehr?

Blues Pills

Vielleicht eine ordentliche Schippe Psychedelic Blues Rock? Den gibt's nämlich gleich im Anschluss von den schwedischen Senkrechtstartern Blues Pills, die mit ihrer intensiven Retromucke sicherlich zu den Exoten des diesjährigen Out & Loud gerechnet werden dürfen. Sängerin Elin Larsson tanzt sich gleich zum Opener "High Class Woman" regelrecht in Ekstase, wenn sie die Audienz nicht gerade mit ihrer schieren Stimmgewalt verblüfft. Die Band ist bekannt für ihre ellenlangen, in den 1970ern wurzelnden Instrumentalpassagen und so bleibt für die Dame viel Zeit zum Tanzen, während die Halle immer voller wird. Man merkt zwar schon dass diese Mucke für die meisten anwesenden Metalheads, die eben noch zu Hammerfalls eingängigen Hymnen das Hauptharr kreisten, ziemliches Neuland ist, der Zuspruch schwillt aber mit jeder Nummer an. Schließlich lässt sich die kompositorische und handwerkliche Klasse der Band nicht wegdiskutieren. Eine willkommene Abwechslung zwischen all dem Schwermetall!

Testament

Der Tag neigt sich allmählich seinem Ende, zumindest was die Live-Darbietungen betrifft, und da wurde für das heutige Finale ein richtig dicker Brocken aufgespart. Direkt aus der Bay Area angereist haben die Thrash-Veteranen Testament ein Best-Of-Programm durch den Zoll geschmuggelt, das sich gewaschen hat! Das beginnt gleich fulminant mit "Over The Wall" und speist sich im Folgenden aus Hits der langen Band-Discografie. "Rise Up", "More Than Meets The Eye", "Native Blood" und natürlich "Practice What You Preach" heißen nur einige der Stationen im heutigen Set. Chuck Billy und seinen Mannen erstrahlen abwechseln in blauem und rotem Bühnenlicht, während immer wieder Rauchfontänen gegen die Bühnendecke geworfen werden. Eine tolle Atmosphäre bei der gerade die anwesenden Thrash-Lunatics noch einmal alles geben! Der Circle-Pit, der sich ab der ersten Nummer mittig vor der Bühne entfesselt hat, kommt bis zum letzten Stück nicht mehr zu Ruhe!

Nach dieser feinen Darbietung geht es für uns ab in den Schlafsack - das Feiern überlassen wir den jüngeren Generationen. Tatsächlich bleibt es auf dem Zeltplatz aber erstaunlich ruhig, auch unsere Terroristen-Nachbarn mit der Monster-Soundanlage und der beschissenen Musik geben gegen zwei Uhr Ruhe, so dass die Chancen gut stehen, heute tatsächlich einmal etwas Schlaf abzubekommen.

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