18 Headbänga online
Reviews (10078)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Vanishing Point

Interview:
Astral Doors

Live-Bericht:
Coppelius

Video:
Loudrage
RSS RSS
Atom Atom
In eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Festival-Bericht

Out & Loud

mit Helloween, Testament, Hammerfall, Arch Enemy, Subway To Sally, Moonspell, J.B.O., Grave Digger, Orchid, Eluveitie, Blues Pills, Dark Fortress, The Vision Bleak, Feuerschwanz, Insomnium, Alestorm, Majesty, Civil War, Diablo Blvd, Battle Beast, Accuser, Finsterforst, Godsized, Bloodbound, Dimeless & Dvalin

Eventhalle Strohofer Geiselwind, Geiselwind 03. - 06.06.2015

(Fotogalerien: OutAndLoud2015 )

Donnerstag, 04.06.2015

Zeltplatz

Wann und wie wir gestern wieder unseren Weg zurück zum Zeltplatz gefunden haben, kann ich zwar nicht mehr hundertprozentig rekonstruieren, als ich gegen 7:00 Uhr von lauter Schlagermusik geweckt werde, kann ich mich aber zumindest schemenhaft daran erinnern, dass mir gewisses Gesindel aus der Nachbarschaft schon vor ein paar Stunden ausgesprochen lästig war. Zeichnet sich hier etwa ein Schema ab? Haben alle Typen, die mit ausrangierten Militärfahrzeugen und -zelten anreisen, eine gewaltige Soundanlage im Gepäck, mit der sie dann zu früher Morgenstunde den gesamten Zeltplatz terrorisieren? Zumindest kommt es einem so vor. Aber egal. Schließlich ist es zu so früher Stunde schon dermaßen heiß im Zelt, dass man es eh nicht mehr länger darin aushält. Wenn die Festivalterroristen doch nur was anderes spielen würden, als Heino oder irgendwelche dämlichen Kinderlieder!

Accu§er

Die Vormittagsstunden ziehen sich wie Kaugummi, während die Quecksilbersäule im Thermometer stetig Richtung 30°C steigt. Wir nutzen die Zeit und drehen ein paar Runden übers Gelände, gönnen uns ein Mittagessen in einem der klimatisierten Fast-Food-Restaurants und stehen um kurz nach 14:00 Uhr zum ersten Mal vor der Mainstage, um uns die Old-School-Thrasher von Accu§er anzusehen. Die Jungs aus Nordrhein-Westfalen, die schon Mitte der 1980er aktiv waren und somit zu den Szene-Urgesteinen gerechnet werden dürfen, liefern ein knackiges Set, das Genre-Freunden schnell auf die Sprünge hilft. Die sengende Hitze zu dieser Stunde hält die meisten Menschen aber von der Bühne fern. Schließlich steht die Sonne gerade im Zenit und der Asphaltbelag des Bühnenareals ist dermaßen aufgeheizt, dass einem regelrecht die Schuhsolen unter den Füßen davon schmelzen. Kein Witz - man fühlt sich hier wie in einem Backofen mit Ober- und Unterhitze und beschattete Plätze sind absolute Mangelware.

Also steuern wir nach einigen Songs in die Halle, die zu dieser Stunde noch ein vergleichbar angenehmes Klima bietet, und geben uns die schwedischen Powermetaller von Bloodbound, die tatsächlich schon eine respektable Anzahl Fans vor ihrer Bühne versammeln können und eine ordentliche Show bieten. Die Newcomer Stage wird übrigens immer zeitgleich mit der 2nd Stage bespielt, während Mainstage und 2nd Stage immer im Wechsel belegt sind. Aufgrund des durchwegs ansprechenden Programms der beiden Hauptbühnen haben es die Bands auf der Newcomer Stage nicht gerade einfach und auch ich werde in den kommenden Tagen dort nur selten kurz vorbei sehen.

Apropos ansprechendes Programm: für die Mainstage stehen nun die Finnen von Insomnium auf dem Plan und deren zahlreiche Anhänger scheren sich einen Dreck um die brütende Hitze und feiern melodische Death-Metal-Hymnen wie "Revelation", "Black Heart Rebellion" oder "One Of Sorrow" mit lautem Beifall. Die Stimmung vor der Bühne steigt sogar noch weiter an, als sich um 16:40 Uhr Feuerschwanz mitsamt ihrer mittelalterlichen Instrumente in Position bringen. Unfassbar, wie sich dieser komödiantische Sechser mit der Zeit nach oben gearbeitet hat! Man muss natürlich sagen, dass die Truppe aus Erlangen hier ein Heimspiel hinlegt und schon deswegen auf solch euphorisches Gesinde trifft. Während zwei leicht bekleidete Damen, links und rechts an den Bühnenrändern positioniert, die Fans immer weiter anheizen, steigt mittig vor dem Podium eine große Party, wo zu "Hurra Hurra Die Pest Ist Da", "Zuckerbrot Und Peitsche" oder "Metnotstand Im Märchenland" ausgelassen, getanzt, gesprungen und mitgeklatscht wird.

The Vision Bleak

Dass sich bei dieser hitzigen Sause das Gros der Audienz ordentlich verausgabt hat, bekommen The Vision Bleak auf der 2nd Stage nun zu spüren. Freilich liefern die Herrn Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz mit ihrer finsteren Grabesmusik grundsätzlich nicht die klangliche Grundlage für das nächste Saufgelage, die Schaulustigen vor der Bühne halten sich mit ihren Reaktionen auf die Band aber doch arg zurück. Zumindest ist Allen B. Konstanz mit seinem mimisch ausgefeilten Vortragsstil mal wieder ein Hingucker und zum Bandhit "Kutulu!" lassen sich dann doch etliche Fans dazu mitreißen, in den beschwörenden Chorus einzusteigen.

Zurück vor die Mainstage, wo es irgendwie noch immer unerträglich heiß ist. Auf den spärlich vorhandenen Fleckchen mit etwas Schatten drängen sich die Menschen wie Vieh dicht zusammen. Das Banner "Hot Wok" über einem der Essenstände könnte die Situation auf der örtlichen Asphaltplatte nicht besser beschreiben.

Grave Digger

Da wundert es auch nicht, dass selbst für eine Band wie Grave Digger nicht sonderlich viele Menschen den Weg hierher gefunden haben. Womöglich liegt es aber auch daran, dass die Truppe um Chris Boltendahl unermüdlich unterwegs ist und an gefühlt jeder Straßenecke für ein Ständchen verweilt. Tatsächlich gibt es wenig Überraschendes zu vernehmen - man weiß im Grunde, was einen erwartet. Los geht's mit dem Opener der aktuellen Scheibe "Hell Funeral", dicht gefolgt von den älteren Hits "The Round Table" und "The Dark Of The Sun". Ja, so eine Sonnenfinsternis, die wär jetzt was! Das Gladbecker Metal-Urgestein hat aber eine Fanbasis, die stark genug ist, die widrigen Wetterumstände zu ignorieren. An den Stimmungspegel von Feuerschwanz können Grave Digger aber trotz obligatorischem Best-Of-Programm nicht ganz anknüpfen, bis dann endlich zum Finale aus "Rebellion" und "Heavy Metal Breakdown" der Knoten platzt und der Lärmpegel vor der Mainstage einen ersten Höhepunkt erreicht.

Irgendwann muss mal eine Pause sein, der Tag hat schließlich noch etliche Stunden vor sich. Drum begeben wir uns auf den Zeltplatz. Hier werden alte Freundschaften gepflegt, neue Bekanntschaften geschlossen und sogleich mit ordentlich Bier begossen. Leider hören wir auf diese Weise das brachiale Riffgewitter von Carcass, die sich gerade auf der Mainstage austoben, nur aus der Ferne. Aber etwas Stärkung tut gerade dringend Not.

Subway To Sally

Schließlich stehen wir um 21:40 Uhr wieder vor der Mainstage, wo Subway To Sally während der ersten Songs so einiges an Pyromaterial abfackelen, während Frontmann Eric Fish aus einem Käfig heraus singt. Dennoch bleiben die Publikumsreaktionen relativ zurückhaltend und das, obwohl es mittlerweile wirklich angenehm auf dem Gelände geworden ist. Die Potsdamer Veteranen des Mittelalter-Rock sind eben auch - wie vorhin Grave Digger - Jahr für Jahr auf unermüdlicher Reise von Festival zu Festival unterwegs, so dass selbst Gassenhauer wie "Kleid Aus Rosen" oder "Wenn Engel Hassen" sich irgendwann einmal abgenutzt haben. Selbst Erics Aufruf zum Mitmachen bei "Besser Du Rennst" findet nur kurzes Gehör vor der Bühne. Das Finale mit der "Henkersbraut" wird dank Feuersäulen noch einmal optisch aufgemöbelt, dennoch steht nach gut einer Stunde Spielzeit die Frage im Raum, ob die Genrekollegen von Feuerschwanz zu dieser Primetime nicht eine ganz andere Party vor der Bühne provoziert hätten.

Orchid

Auch die Eventhalle mit der 2nd Stage ist mittlerweile proppenvoll. Schließlich stehen mit Orchid nun die wohl angesagtesten Occult-Rocker der gegenwärtigen Retrowelle auf dem Plan. Mit diesen Herren aus dem sonnigen Kalifornien erlebt ein jeder Anhänger der ersten Black-Sabbath-Dekade nun ein einstündiges Deja Vu! Jedes einzelne Riff könnte von Tony Iommi stammen und Frontmann Theo Mindell klingt sogar wie der junge Ozzy Osbourne. Orchid hieß ja auch eine Nummer auf Black Sabbaths Master Of Reality! Dazu noch das Outfit im Look der 1960er / 70er Jahre und fertig ist die perfekte Kopie, die - und das muss man hier einfach einräumen - ausgezeichnete Songs schreiben kann. Dem mächtigen Groove der finsteren Stücke können sich an diesem Abend in Geiselwind jedenfalls nur wenige entziehen.

Helloween

Zeit für den Headliner des heutigen Tages, von dem man weitaus fröhlichere Noten erwarten darf! Das Gelände vor der Mainstage ist prallgefüllt, als mit Helloween einer von Deutschlands Metal-Exportschlagern der 1980er Jahre die Bühne erobert und mit den Mega-Hits "Dr. Stein" und "Eagle Fly Free" die Fans gleich aus den Latschen hebelt. Die Bühne ist komplett im Style des vor wenigen Tagen erschienen Albums My God-Given Right ausgekleidet und dessen prächtigen Titeltrack studiert Frontmann Andi Deris nun solange mit uns ein, bis er richtig sitzt. Mit "Mr. Torture" geht es vorerst wieder etwas weiter zurück in die glorreiche Vergangenheit, ehe die jüngeren Alben am Zug sind, die von der Audienz aber nicht weniger euphorisch gefeiert werden, als die alten Klassiker. Von denen fassen Helloween nun einen ganzen Schwung zu einem ausgiebigen Medley zusammen, ehe mit den unsterblichen "Future World" und "I Want Out" eine ausgelassenen Metal-Party ihr Ende findet.

Arch Enemy

Geschlossen strömen die Massen nun von der Mainstage ins Event Zentrum, wo mit Arch Enemy eines der gegenwärtig heißesten Melodic-Death-Geschwader einen weiteren Triumphzug antritt. Die vom ehemaligen Carcass-Gitarristen Michael Amott Mitte der 1990er gegründete Truppe war ja von Anfang an Garant für hochmelodischen Schwedenstahl, erlebte dann mit der deutschen Sängerin Angela Gossow einen unglaublichen Hype, der seit Kurzem aber noch getoppt werden kann. Grund dafür ist ein kleiner, blauhaariger Derwisch namens Alissa White-Gluz, der frischen Wind in die Band brachte. Welch schiere Energie die kleine Kanadierin auch an diesem Abend wieder auf der Bühne entfesselt ist einfach unglaublich! Keine Sekunde steht sie still, springt und hetzt von einer Ecke in die andere, verteilt Luftkicks und röhrt dabei dermaßen brachial ins Mikro, dass es eine wahre Pracht ist. Der riesige Saal vor der 2nd Stage platzt nun aus allen Nähten. "As The Pages Burn" vom aktuellen War Eternal provoziert den ersten Pit im Saal und zu "Dead Eyes See No Future" werden die ersten Crowdsurfer in Richtung Bühne geschwemmt. Die Stimmung kocht trotz später Stunde, trotz alle bisherigen Strapazen und trotz der stickigen Hitze, die nun auch die Eventhalle erfüllt. Ein klasse Finale für den heutigen Tag!

Vorherige Seite1234Nächste Seite

Zur Übersicht
Zur Hauptseite
Werbung:

© www.heavyhardes.de