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Konzert-Bericht

Dio

Elserhalle, München 30.05.2006

Bei einem Dio-Konzert lernt man drei Dinge.
1.: Vorgruppen sind unnötig.
2.: Musikalische Weiterenwicklung ist unnötig.
3.: Solo-Einlagen sind unnötig.
Warum? Eins nach dem anderen! Zunächst einmal beobachten wir Punkt 2. Im Gegensatz zu anderen Koryphäen benötigt Ronnie James Dio kein neues Album, das auf Tour "präsentiert" werden muss, das im Grunde genommen aber doch eh keiner braucht (wer hat sich Angel Of Retribution noch mal angehört?). Der Back-Katalog des kleinen Mannes mit der großen Stimme ist so umfassend, dass er ohnehin nimmermehr alle Klassiker in ein einziges Set hineinpacken könnte. Doch damit nicht genug, Dio hat nach einigen wirren Experimenten (Strange Highways, Angry Machines) erkannt, dass seine Anhänger genau den Stil haben wollen, den er Ende der 70er bis Mitte der 80er zur Perfektion brachte - eben den melodischen, aber immer brettharten Metal der klassischen Schule. Und vor allem wollen wir nicht nur diesen Stil, sondern auch eben jenes Material aus dieser Phase - und das bedeutet, dass nach Dream Evil, der vierten Solo-Scheibe, Schluss ist. Dio, das ist und bleibt Heaven And Hell, Holy Diver, The Last In Line. Und warum auch nicht, wenn diese Nummern so genial sind? Dieser Wahrheit trägt er bei seinen Live-Gigs und auch bei seinen Live-Mitschnitten (z.B. Dio's Inferno - The Last In Live) schon seit geraumer Zeit Rechnung. Noch Zweifel an Punkt 2? Dann fragt mal, wer anstelle des "Man On The Silver Mountain" lieber ein Stück von Master Of The Moon hören will. Meldungen? Keine. Danke.

So, kommen wir zur These 1. Als wir um kurz vor acht in die bewährte Arena der Georg-Elser-Halle wandern, pilgern wir erst mal zum Merchandise-Stand - "wie heißt denn die Vorgruppe heute abend", wollen wir wissen, denn Infos waren keine zu finden. "Gibt's keine - nur Dio! Gestern hat er zwei Stunden gespielt - wenn ihr gut drauf seid, heute auch!" Ha - wie schön! Ein Abend nur mit dem Meister. Keine qualvolle halbe Stunde schlecht gemixtes Geschepper, keine Umbaupause, keine nachtschlafene Ansetzung - keine Knete, kein Vorschuss, der Anwalt zahlt sofort.

Als um Schlag halb neun das Licht ausgeht, ist die Spannung in der mittlerweile gut gefüllten Halle denn auch groß. Ein riesiges Holy Diver-Backdrop ziert die Bühne - gibt's etwa wieder die komplette Darbietung des Debuts, wie schon im letzten Jahr? Nein! Gitarrist Craig Goldie - ziemlich beleibt im Vergleich zum Auftritt bei den Monsters 1987 in Nürnberg, wo ich ihn zum ersten mal verfolgen konnte - zupft das unverwechselbare Intro zu "Children Of The Sea" aus den Saiten. Und schon schlendert auch Herr Padavena hervor: ein kleines, dünnes, runzliges Männlein, gekleidet in Batik-Hose, Fantasy-Schlabber-Hemd und fettem Kruzifix um den Hals. Den optisch gefühlten 100 Lebensjahren setzt er sogleich seine Stimme entgegen, die den ganzen Abend über für offene Münder sorgt. Genau dort, wo fast alle alten Helden scheitern - an den anspruchsvollen Passagen, wo die hohen Töne angemahnt wären - da brilliert er und liegt nicht einen Millimeter daneben. "In the misty morning, on the edge of time", bei diesem elfenhaft hingehauchten Anfang müssten die Herren Gillan, Coverdale und Halford passen, und man verzeiht es ihnen ja auch. Aber hier steht dieser kleine Mann und zaubert eine Darbietung, an der die Zeit vorbeigegangen zu sein scheint. In dieser wohligen Gewissheit zeigen wir mit ihm gerne die Hörnchen, die nicht zuletzt er ja populär gemacht hat. "Wir haben mal gedacht, wir sind dieses Jahr ein bisschen netter zu euch am Anfang. Aber jetzt gibt's was Schnelles!", grinst der gut aufgelegte Meister und leitet so zu "I Speed At Night" über. Danach setzt es mit "One Night In The City" schon das erste echte Highlight des Abends - dieses Material ist einfach unzerstörbar, und ich fühle mich zurückversetzt in mein Dachzimmer mit dem Märchenplattenspieler, wo ich anno 1983 diese Scheibe so lange gehört habe, bis sie außer Knischtern nicht mehr viel hervorbrachte. Gottlob ist der da oben auf der Bühne noch älter als ich. Spätestens jetzt setzt es fette "Dio"-Sprechchöre, an denen sich der Meister sichtlich erfreut - "you never let us down", lobt er uns und lässt eine familiäre Atmosphäre aufkommen.
"Letztes Jahr haben wir euch ja Holy Diver komplett gespielt", plaudert er fröhlich weiter. "Das machen wir dieses Jahr zwar nicht - aber trotzdem bringen wir natürlich ein paar Songs von diesem Album. Viel Spaß!" Den haben wir mit einem bretternden "Stand Up And Shout", das zu Mitgröl-Attacken genutzt wird, und bei einem sich unmittelbar anschließenden "Holy Diver". Es gibt kaum Nummern, an denen man sich wohl nie satthört, aber dieser Song mit den wunderbaren Zeilen "Between the velvet lies, there's a truth that's hard as steel" gehört dazu.
Danach gibt's noch das etwas schwächere "Gypsy", dann ist die Taucherrunde erst mal vorbei.

Jetzt zu These 3, die bislang unbelegt ist: denn auch bei Dio gilt leider, dass ich nach wie vor auf die erste wirklich hörenswerte Soloeinlage warte. Das Drumsolo des alten Recken Simon Wright ist zwar nicht schlecht, aber ein Song mehr wäre trotzdem besser. Abhaken, wenigstens ist's nicht zu lang.
Nach dem "Sunset Superman" schließt sich ein Stück an, bei dem uns Dio wieder als alte Bekannte anredet: "This is a song you've always appreciated." Recht hat er: "Don't Talk To Strangers" behauptet sich wieder als unverwüstlicher Klassiker, und auch das eigentlich schon zu Tode genudelte "Rainbow In The Dark" macht live immer noch Laune. Womit der Holy Diver dann doch wieder fast in Gänze zu Ehren gekommen ist. Nachdem auch Craig Goldie ein wenig solo fiedeln darf (siehe These 3), läuten die Jungs nach der ausschweifenden Halbballade "All The Fools Sailed Away" die letzte Runde ein. Die alten Rainbow-Gassenhauer "Man On The Silver Mountain" und "Long Live Rock'n'Roll" rahmen ein kurz angerissenes "Catch The Rainbow" ein, dann ist erst mal Sense.

Aber wir lassen sie natürlich nicht so gehen, und die Herren lassen sich auch nicht lumpen. "This is one of my all-time favourite songs, from a very valuable period in my life. It is called "Heaven And Hell"." Wir bekommen natürlich die Komplettversion mit ausgedehnten Mittelteil und einem von einem blutroten Bodenlicht angestrahlten Frontmann. Leider gibt es nun einige technische Hindernisse, die den Cheffe ärgern, vor allem ein Spotlight, das ihn offensichtlich blendet. Er ist aber Profi genug, den Leuten dennoch freundlich und verbindlich gegenüber zu treten - immer wieder springt er an die vorderen Reihen und schüttelt diverse Hände.
Natürlich folgt noch "We Rock", und als wir sie dann immer noch nicht auslassen, gibt es mit "The Last In Line" noch den zumindest für mich besten Song seiner Solokarriere. Dann ist's endgültig aus - auf die zwei Stunden sind wir zumindest beinahe gekommen, und die Meute ist aus dem Häuschen. Auf der Playlist, die am Mischpult zu erspähen ist, wären noch "Mob Rules" und "Neon Knights" gestanden. Aber die holen wir uns nächstes Jahr. Denn so etwas verpasst man nicht.

Setlist:
Children Of The Sea
I Speed At Night
One Night In The City
Stand Up And Shout
Holy Diver
Gypsy
Drumsolo
Sunset Superman
Don't Talk To Strangers
Rainbow In The Dark
Gitarrensolo
All The Fools Sailed Away
Man On The Silver Mountain
Catch The Rainbow
Long Live Rock'n'Roll
---
Heaven And Hell
We Rock
The Last In Line

Holgi

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