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Festival-Bericht

Summer Breeze

mit Amon Amarth, Haggard, In Extremo, Lacuna Coil, Midnattsol, Final Breath, Born From Pain, Anorexia Nervosa, The Bones, Impious, Pink Cream 69, Macabre, Schandmaul, God Dethroned, Therion, Ektomorf, Emil Bulls, Norther, Die Apokalyptischen Reiter, Behemoth, Dark Tranquillity, Atrocity, Wintersun & The Vision Bleak

Festivalgelände Abtsgmünd, Abtsgmünd 18. - 20.08.2005

Donnerstag, 18.08.2005

Nicht Lärm, sondern Kälte weckte uns am nächsten Morgen. Zwar hatten einige feierfreudige Zeitgenossen recht ordentlich Krach gemacht, doch das war nichts im Vergleich zum Eisschrankeffekt des Zeltes, der die kühle Nacht noch verstärkte. Ein herzhaftes Frühstück mit reichlich starkem Kaffee weckte wieder die Lebensgeister der zwei Reisenden, die ab 12:00 Uhr mittags die Soundchecks der verschiedenen Bands, darunter des Openers Midnattsol gut mitverfolgen konnten.
Die enorm lange Warteschlange vor dem Festivalgelände konnten wir dank des doch noch geöffneten Gästeeingangs umgehen; hätten wir die Kontrollen in vollem Umfang passieren müssen, wären sicher ein oder zwei Gigs an uns vorüber gegangen. Diesen Eingang musste man aber erst einige Zeit lang suchen, da es keinerlei Kennzeichnung gab. Auch die genaue Position des Festivaleingangs war keineswegs genau ersichtlich. Das Gelände an sich besteht aus einem sehr langgezogenen Areal am Rande von Abtsgmünd, das zwei Bühnen beinhaltet, die "Main-Stage" und die "Pain-Stage". An den vorderen Seiten des "Schlauchs" befinden sich zahlreiche Merchandise-Stände verschiedenster Anbieter, im hinteren Bereich wird für das leibliche Wohl gesorgt. Auf beiden Bühnen wird jeweils abwechselnd gespielt, so kann man theoretisch jede einzelne Band hören. Die Pausen zwischen den einzelnen Auftritten betragen in der Regel fünf bis zehn Minuten, Soundchecks werden leise während den Auftritten der jeweiligen Vorgängerband durchgeführt.

Die Nordic Folk Metaller von Midnattsol waren wie schon beim Feuertanz Festival dazu auserkoren, den Reigen der zahllosen hochkarätigen Bands zu eröffnen. Zwei Monate nach dem Feuertanz präsentierte sich die junge Band um Sängerin Carmen Espanaes spielfreudig und entspannt. Im Vergleich zum vorherigen Auftritt hatte nicht nur die gesamte Live-Performance deutlich mehr Pep, die Band wirkte auch weniger nervös und abgeklärter. Anfangs erschien der Sound etwas knacksig, dieser Eindruck wurde jedoch widerlegt, als man sich in die hinteren Areale des Festivalgeländes begab. Erst aus einiger Entfernung konnte man richtig die schöne klare Stimme der sehr attraktiven Sängerin und die Musik ihrer Band genießen, die sich mit Sicherheit viele Sympathien und neue Fans durch diesen Gig erworben hat. Innerhalb der halbstündigen Spielzeit wurden vor allem die flotteren Stücke des Debütalbums Where Twilight Dwells gespielt, die von der versammelten Zuhörerschaft wohlwollend aufgenommen wurden. Ein Auftritt, bei dem man gemerkt hat, dass eine Band sich auch in kurzer Zeit weiter entwickeln kann. Fans von melodischem, knackigen Folk Metal sollten einmal eine Hörprobe riskieren.

Wenige Minuten später gabs von der deutschen Thrash Metal Band Final Breath kräftig eins auf die Ohren. Der harte, kompromisslose und schnelle Thrash der Deutschen erfreute nicht nur uns, sondern auch die haarkreisende Zuhörerschaft vor der Bühne. Die Truppe hatte mächtig Spaß und ließ das auch jedermann spüren. Dankbar wurden die Abrissbirnen im Stile des Thrash Metals Ende der 80er Jahre von der kräftig mitmoshenden Menge angenommen. Wie man sich denken kann, ließ das Publikum die Truppe nach einer halben Stunde Spielzeit nur ungern von dannen ziehen.
Zehn Minuten vor Ende des Auftritts nutzten wir die Zeit, um einen Überblick über die Preise auf dem Festivalgelände zu gewinnen. Generell bewegten sich die Preise für Nahrungsmittel und Getränke in moderatem Rahmen, Unterschiede bestanden nur bei verschiedenen Anbietern. Löblicherweise wurden Antialkoholika billiger als Bier angeboten, das in der Regel mit 2,50 € pro 0,5 Liter zu Buche schlug. Bei der Verpflegung waren Langos und Pommes Frites besonders günstig. Prinzipiell konnte man das Festivalgelände also weitgehend ungeschröpft verlassen...
Das Bier an sich schmeckte seltsamerweise mehr als nur wässrig, ob das ein Zufall war, möchte ich lieber nicht beschwören.

Ersetzt wurde Final Breath von der holländischen Thrashcore-Combo Born From Pain, die einen engagierten, aber trotzdem weitgehend konventionellen Gig ablieferten. Die Show war gut, die Musik beschränkte sich jedoch weitgehend auf wildes Geknüppel, welches sich live schnell abnutzte. Bleibt wohl wie immer Geschmackssache.

Die Black Metaller von Anorexia Nervosa hatten ihre Hausaufgaben hingegen etwas besser gemacht; die in wildem schwarz-weiß bemalten Franzosen servierten dem Publikum symphonischen Black Metal, der stark von Keyboard-Intros und Outros geprägt war. Ein gelungener Auftritt, der unverständlicherweise nach 20 Minuten ein jähes Ende fand. Für eine schlüssige Erklärung wäre man sehr dankbar gewesen...

Um halb vier erwiesen sich The Bones die Ehre. Das ungewöhnliche Intro aus mexikanischer Folklore und mexikanischer Gitarre sicherte den Schweden schnell die Aufmerksamkeit aller Festivalbesucher. Drei bestens gelaunte Sänger fetzten wie Hummeln über die Bühne und präsentierten eine flotte Mischung aus Hard Rock, Punk und US-amerikanischer Countrymusik. Der älteste Gitarrist der Truppe lobte unentweg die "Tatsache", wie toll er es fände in Bayern zu spielen, was einige badener Lokalpatrioten leicht irritierte. Die echten Bayern amüsierte es hingegen sehr.

Impious zeigte einen vollkommen anderen Musikstil; Todesmetall wurde diesmal dem Zuhörer um die Ohren gehauen. Sicher ganz nett, allerdings blieb bei all dem Geballer kaum was in den Ohrmuscheln hängen, was unser Interesse schnell abkühlen ließ. Dauernd das Gaspedal voll durchzudrücken, langweilt live irgendwann fürchterlich. Hatten wir das nicht bereits?

Aus diesem Grunde waren wir auch recht froh, als Pink Cream 69 ihre Vorstellung begannen und das erste Highlight des Tages setzten. Der lockere, melodische Hard Rock der Jungs kam außerordentlich gut an, was vor allem Frontmann David Readman zuzuschreiben ist. Der Brite agierte als erster Sänger des Tages intensiv mit dem Publikum und ließ jedermann spüren, dass er mit viel Spaß bei der Sache war. Mit freundlichem Applaus würdigten die Metalheads den Auftritt der deutsch-britischen Combo, der von einer Coverversion des Klassikers "So Lonely" abgeschlossen wurde.

Im starken Gegensatz dazu stand die Musik von Macabre, falls man denn das als Musik bezeichnen kann. Wirre Stakkatoriffs und ein Sänger im Blaumann der mit keifendem Gesang nervte, erfreuten das Gehör nicht gerade. Auch die alles andere als innovative Bühnenshow lockt heutzutage keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor... Die Bezeichnung "Mördermetal" mag vielleicht nachvollziehbar sein, sollte aber jeden mit Aversionen gegen wildes Gebolze warnen. Die Schwarzmetaller unterm Publikum mochten den Auftritt der Amerikaner hingegen sehr und das ist immerhin die Hauptsache.

Um 18:30 Uhr sollte eine der ersten Hauptbands das Publikum erfreuen: Schandmaul aus München.
Die Band präsentierte sich diesmal in absoluter Bestform und zeigte mit glasklarem und differenziertem Sound wie man guten Mittelalter Rock macht. Wohlwollend begutachteten die männlichen Zuschauer das äußerst gewagt geschlitzte Kleid Annas, das bei einigen den Wunsch nach mehr zu wecken schien. *hust* Gespielt wurde die übliche kleine Setlist, die sich in etwa wie folgt zusammensetzte:

Setlist Schandmaul:
Teufelsweib
Vogelfrei
Dein Anblick
Gebt acht!
Herren der Winde
Der Tyrann
Der letzte Tanz
---
Walpurgisnacht
Das Tuch

Im Unterschied zu den bisherigen Konzerten wurden die Vocals der beiden Damen diesmal stärker betont, was dem gesamten Klangbild zu gute kam.
Sehr störend hingegen war während des gesamten Auftritts der Soundcheck von God Dethroned; die Niederländer begannen von ihren Fans unermüdlich animiert Schlagzeug, Bass und Leadgitarre betont lautstark zu testen. So wurde für die Zuschauer auf der linken Seite des Platzes der Gig Schandmauls zur echten Qual, da sich andauernd die Instrumente der Death Metaller störend einmischten. Alle anderen Bands waren durchaus zu dezenten Soundchecks im Stande, ergo ist es naheliegend zu vermuten, dass Absicht vorlag. Nach drei Schandmaul Gigs kann man unumwunden fest stellen, dass der Auftritt auf dem Summer Breeze definitiv einer der stärksten der Münchner bisher gewesen ist. Kompliment.

Die drückende Hitze war mittlerweile durch einige Wolken verscheucht worden, was den niederländischen Death Metallern von God Dethroned zu gute kam. Trotzdem verfolgten wir aus Gründen der Nahrungsaufnahme den Gig der Holländer nur am Rande. Durch das unmögliche Verhalten beim Schandmaul Auftritt blieb trotz der souveränen Vorstellung der Band ein gewisser übler Beigeschmack erhalten.

Als besonders interessant entpuppte sich der Auftritt von Therion; der hymnische Metal der Schweden begeisterte das Publikum durchweg durch seine imposante Bühnenshow und die abwechslungsreichen Songs. Bei diesem Gig traten neben der Stammcrew auch ein Chor angeführt von einer Opernsängerin auf, die den ganz eigenen Metal der Truppe stimmig inszenierten. Das Gemisch der zahllosen Stilrichtungen wie Death-, Thrash-, Power- oder Folk-Metal wirkte zu aller Zeit ausgewogen und wie aus einem Guss. Eine Band mit einzigartigem Stil, die sich auf dem Summer Breeze viele neue Fans erspielte.

Härter zur Sache gings bei der nachfolgenden Band Ektomorf. Die Ungarn ließen ein brachiales Death Metal Gewitter vom Feinsten über die ausgelassene Menge fegen; der engagierte Einsatz der Farkas Brüder wurde sogleich mit dem ersten größeren Moshpit des Tages honoriert. Selbst aus der Ferne konnte man sich der Energie der Band kaum entziehen. Für zartere Naturen sei jedoch fest gestellt: Melodielinien sollte man in der Musik der Truppe besser nicht suchen...

22:00 Uhr, endlich! Die erste richtig geile Band betrat die Bühne - Amon Amarth. Nach den zahllosen Fan Shirts zu urteilen, hatte auch ein guter Teil der anwesenden Musikfreunde den Auftritt der Schweden herbeigesehnt, und sie wurden nicht enttäuscht. Nahezu jeden publikumstauglichen Klassiker kredenzten die hünenhaften Schweden. Untermalt von eindrucksvoller Beleuchtung spielten die Jungs um Johan Hegg ihre übliche Setlist, die bei den Zuschauern außerordentlich gut ankam. Tausende von hochgestreckten Händen, fliegende Mähnen und textsicheres Mitsingen gestaltete den Gig der Viking Metaller zu einem echten Erlebnis. "Versus The World", "Death In Fire", "Victorious March" oder "An Ancient Sign Of Coming Storm" waren nur einige der Hits, die dem dankbaren Publikum serviert wurden. Ein Auftritt wie ein Orkan, alle Achtung.

Den ersten Festivaltag zu beschließen lag nunmehr an den Münchnern von Haggard. Leute, die mit klassischer Musik kombiniert mit Death Metal Growls nichts anfangen können, sollten einen Bogen um die Band machen, alle anderen bekommen hier Metal auf höchstem Niveau geboten. Glasklarer Sound, ein charismatischer Sänger und durchdachte Bühnenarrangements zeigten den Fans, wie man gute Musik machen muss. Gespielt wurde neben "Per Aspera Ad Astra" auch "Herr Mannelig", bzw das obligatorische "Awakening The Centuries", welches unbegreiflicherweise um Punkt Mitternacht von irgendeinem Wichtigtuer abgewürgt wurde. Mitten im Lied sprang ein uns unbekannter Herr auf die Bühne, zog den Stecker und verweigerte Haggard den nötigen Strom zum weiter spielen. Obwohl das Publikum lautstark forderte, unplugged zu spielen, mussten die konsternierten Münchner schließlich unverrichterter Dinge von dannen ziehen. Hier muss man auch noch einmal lobende Worte für das Publikum finden, das in rührender Weise versuchte, die fassungslose Band mit Sprechchören und Applaus zu trösten. So fand ein bis jetzt schöner erster Festivaltag ein jähes und absolut indiskutables Ende. So kann man definitiv nicht mit den Leuten umgehen.. Note 6!

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