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Slash - Die Autobiographie

Biografien von Künstlern der Heavy-Metal-Szene stehen derweil hoch im Kurs. Egal, ob der immer mit einem Glas Whiskey bewaffnete Lemmy aus dem Nähkästchen plaudert oder die mit Lippenstift und Spandexhosen ausgestatteten Skandalnudeln von Mötley Crüe von der guten, alten Zeit erzählen, das wilde Leben der Rocker bringt Abwechslung in den grauen Alltag und gibt selbst dem konservativstem Hinterhöfler die Möglichkeit, sich wieder einmal an die eigene Sturm-und-Drang-Zeit zurück zu erinnern.

Cover von Slash - Die AutobiographieIn meiner Hand befindet sich der aktuelle Wurf des Ex-Guns'N'Roses-Saitenhexers Slash. Die 512 Seiten lange Geschichte des kleinen Saul Hudson beginnt im Jahre 1965 recht unspektakulär mit einer befremdlich normalen Geburt im malerischen England. Von da an darf man den jungen Slash, aus dem später einmal einer der bekanntesten Gitarristen dieses Planeten werden soll, auf seinem Weg begleiten. Nach der frühen Trennung der Eltern wächst er mit seiner sehr liberalen Mutter im Hollywood der 80er Jahre auf, wo er schon recht bald anfängt, sich auf den Straßen herumzutreiben und mit allem zu experimentieren, was man in diesem Alter eigentlich verboten bekommen sollte. Klar, dass sich viele von Slashs Erinnerungen aus dieser Zeit, wie auch aus seinem restlichen Leben, um Alkohol, Drogen und Sex drehen. Man muss dem Leser ja auch was bieten.

Bei der Lektüre des Werkes drängt sich dem Leser immer mehr das Gefühl auf, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass dieser Typ überhaupt noch lebt. Das Buch von und über Slash liest sich, als würde man die Biografie eines komplett verkorksten Junkies lesen, der es aber irgendwie immer wieder hinbekommen hat, im letzten Moment das Ruder herumzureißen, um nicht komplett abzustürzen. Der Aufstieg seiner Band Guns'N'Roses von den Slums in L.A. bis an die Spitze der Charts gerät oft durch die langatmigen Beschreibungen von Slashs Drogen- und Alkoholexzessen in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz bekommt man einen Eindruck von den Spannungen, die es unbestreitbar in der Band gab. Besonders auf die Beziehung zwischen dem cholerischen Bandleader und Zu-Spät-zum-Auftritt-Kommer Axl Rose und dem Rest der Band wird ausgiebig eingegangen. Aber auch die ein oder andere nette Anekdote, die die Entstehungsgeschichte der allseits bekannten Guns-Hymnnen betrifft, hat Platz in der Biografie gefunden. Meistens jedoch darf der Leser sich durch den üblichen Tagesablauf des Herrn Hudson kämpfen, der in etwa so aussieht: Nach quasi keinem Schlaf aufstehen, den bereit gestellten Wodka kippen, wahlweise Experimente mit Heroin, Kokain oder beidem anstellen, danach 'ne Flasche Jack, eine oder mehrere Frauen flachlegen und irgendwie für den Auftritt am Abend fit bleiben. Danach wird im Normalfall bis in den Morgen gefeiert. Dabei kommt es auch schon mal vor, dass Slash splitternackt, blutüberströmt und auf der Flucht vor imaginären bewaffneten Zwergen durch eine Luxushotelanlage spurtet. Ja, so ist es, das Leben als Rockstar! Das hinterlässt natürlich seine Spuren, was sich im Falle von Slash in mehreren Defibrillatoranwendungen und einem Herzschrittmacher manifestiert.

Unaufhaltbar steuert das Buch dem fast zwingenden Split von Slash und Guns'N'Roses im Jahre 1996 entgegen. Für Slash-Fans bleibt der charismatische Klampfer aber durch die Geburt von Slash's Snakepit und Velvet Revolver, mit denen Slash wiederum beachtliche Erfolge feiern konnte, erhalten. Die Post-Guns-Zeit ist für Slash vor allem durch die Beziehung zu seiner Frau Perla (die natürlich auch betrogen wird) und seinen beiden Söhnen geprägt. Wobei man eventuell auch die Aufenthalte in der Entzugsklinik erwähnen sollte. Dort passiert dann tatsächlich die Wandlung des heruntergekommenen Junkies in ein halbwegs verantwortungsbewusstes Mitglied der Gesellschaft. Aber so richtig vernünftig wird er wohl auch in Zukunft nicht werden, unser Slash. Da müssen wir uns keine Sorgen machen.

Als Co-Autor konnte Slash für die Verfassung seiner Memoiren auf Anthony Bozza zurückgreifen. Angesichts der Erfahrung, die Bozza im Biografienbusiness (INXS, Eminem, Thommy Lee) hat, sicherlich keine schlechte Wahl, so dass die beiden im Großen und Ganzen ein ziemlich unterhaltsames Büchlein zusammengezimmert haben. Befremdlich dürfte vielen Lesern allerdings die unglaublich lieblose deutsche Übersetzung, die dem Lesefluss des Öfteren alles andere als zuträglich ist, vorkommen. Wer kann, sollte hier eventuell auf das englische Original zurückgreifen. Die abgedruckten Fotos sind dafür aber allererste Sahne und auch die in Hochglanz gestaltete Hardcover-Ausgabe macht sich sehr gut im Regal eines jeden Slash-Fans. Zu erstehen gibt's das mächtige Teil im Rockbuch-Verlag für knappe 25 Euro.

"It's just telling the story as I knew it" (Slash)

Sebbes

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