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Special

Bericht Zur Popkomm 2006 In Berlin

Aus reinem Interesse, die (Metal) Musikszene mal von der anderen Seite zu erleben, folgte ich dem Aufruf der zum 18. Mal stattfindenden Musikerfachmesse Popkomm in Berlin vom 20-22 September.
Da ich erst Donnerstags Abend in Berlin - Schönefeld gelandet bin konnte ich den ersten Tag der Messe nicht miterleben, was sich als nicht weiter tragisch erwies.

Tag 1

Freitag früh in der Presse-Akkreditierung angekommen, bekam ich auch rasch meinen Ausweis, der mir den Eintritt für den restlichen Messebetrieb autorisierte. Der erste Schreck meines Ausfluges war der teure Ticketpreis für Fachbesucher und Fans, der für drei Tage 270 Euro und als Tagespass mit 145 Euro zur Buche schlug. Hoppala, dachte ich mir, wer kann sich denn das leisten? Hoffentlich begegne ich nicht nur reichen Plattenbonzen ;-)

Was mir ebenfalls sofort auffiel waren die grimmig drein schauenden Securities, die einheitlich im schwarzen Anzug und schwarzer Sonnenbrille wie Agent Smith gekleidet auf dem gesamten Gelände für Zucht und Ordnung sorgten. Auf mich wirkte dies eher wie ein mittelmäßiger Film mit bösen FBI Agenten - ha ha ha. Aber alles hat eben seine Ordnung. Ebenso wie die Scan-Kontrollen der Ausweise an den Eingängen. Sehr professionell.

Erfolgreich reingekommen empfing mich sofort ein Meer aus (wichtigen) Menschen und imposanten Ständen, die sich zu übertrumpfen versuchten. Gleich am Haupteingang stand ein alter Hippie Doppeldecker Bus des lokalen Radiosenders Fritz, der live Bericht erstattete. Super Sache!

Vertreten waren, neben den Major Labels wie Universial und Sony, besonders Promotion Firmen aller Welt, die ihr Land musikalisch repräsentierten. Eben jedes Land versuchte mit ihren typisch landesspezifischen Sachen (meistens Alkohol) die Sympathien der Besucher auf sich zu lenken. Je nach Stand gab es mal mehr mal weniger originelle Giveaways. Besonders angetan hat mir das Ale am Finnen Stand und die freien Absinth Cocktails am ....hab's vergessen an welchem Stand es die gab. Prost!! ;-) Aber was auf mich mehr Eindruck machte, waren die vielen Hostessen, die meist knapp bekleidet auf Kundenfang gingen. Puhhhh. Egal ob vor oder hinter jedem Stand, hübsche Frauen wo hin man blickte. Da durchschaut man sofort die Strategie. Sex sells!!! Nun ja, ich war ja nicht zum spannen da, daher machte ich mich wieder auf den Weg zur Halle zwei und drei, um endlich die Repräsentanten unserer geliebten Musik zu finden.

Weiter die Gänge entlang stolperte ich auch gleich über den großen Nuclear Blast Stand, der mit Plakaten seiner Zugpferde wie Nightwish, Therion und Dimmu Borgir das Interesse der Kunden weckte. Um ein Gespräch führen zu können, steuerte ich zum nächsten freien Platz, um Hallo zu sagen und um zu erfahren, was der neuste Stand der Dinge ist. Wie zu erwarten, kamen die ersten Infos aus dem Nuclear Blast Lager sehr "cool" rüber, was sich im späteren Dialog und Messerverlauf bessern sollte. Schließlich ist man doch eine große Familie. Erfahren habe ich von einem immer stärker werdenden Interesse des Produktes Heavy Metal, gerade von kommerziellen Managern, was u.a. auf die hohen Chartplatzierungen harter Bands der letzten Zeit zurück zu führen ist. Das hat mich gefreut. Man stelle sich vor, das gesamte Spektrum an Metal-Neuerscheinungen in jedem Laden vor zu finden. Sortiert nach Art und Stil! Oder verschiedene Funk oder Fernsehsendungen?! Aus dem Gespräch erfuhr ich auch, dass Earache Records ebenso vertreten sind, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen hatte. Daher machte ich mich auf die Suche und entdeckte die Briten auch ganz klein versteckt zwischen zwei Popbaracken. Nun ja, bei diesen Standpreisen war es ja auch kein Wunder.
Stellt euch vor, das ein Stand so groß wie ein Tapetentisch um die 5000 - 7000 Euro kostet!
Ganz klar, dass Earache mit Ihrem Hauptact Deicide am Start waren und so war ihr Platz auch voll von Postern dieser Band. Schnell mit einer reizenden Dame ins Gespräch gekommen, erkundigte ich mich über das Portfolio des Labels. Neben bekannten Namen wunderte ich mich, dass sogar Earache den Zahn der Zeit erkannten und auch Hard/Metalcore Bands am Start hatten. Anschließend stieß auch Labelchef Digby hinzu und dann wurde der Smalltalk auch sehr kultig. Denn dieser Mann entdeckte und verpflichtete damals u.a. Entombed, Carcass, Napalm Death und viele andere meiner Götter.
Und so ging der erste Tag auf der Popkomm zu Ende und ich machte mich mit meinem Kumpel Tobi von Metal-Blast-Records auf, um das Berliner Nachtleben abzuchecken.

Tag 2

Mit einem kleinen Kater wach geworden und nach zwei Kaffeetöpfen ging's los zur S-Bahn, um rechtzeitig um 10 Uhr am Eingang der Messehallen zu sein. Schließlich hatte ich eine Menge vor und wollte die Pressekonferenz vom Motor TV nicht verpassen. Dieses Format versprach ein visuelles Forum für speziell unbekannten Bands und Independent Acts härterer Gangart zu sein.
Ganz euphorisch setzte ich mich auch ganz vorne hin, um auch nichts zur verpassen. Neben den Managern von i-d Media und des Senders saßen auch nahmhafte Fürsprecher wie Steve Blame von ehemals MTV, der Erfinder von Formel Eins (ARD) und noch so ein TV-Typ (den ich vom sehen her kannte aber mir seinen Namen nicht gemerkt habe) da, um ihr "Produkt" zu präsentieren. Nach einem imposanten Intro durch Ton und Bild ging es los. Jeder der Beteiligten stellte sich vor und beschrieb seine Funktion. Schließlich kam auch Steve Blame dran und erzählte von den Anfangstagen von MTV Europa und was für ein tolles Konzept jetzt Motor TV ist. Immer wieder wurde die Sendung "Headbangers Ball" erwähnt und meine Hoffnung wuchs stetig. Es wird doch kein neuer Sender an den Start gehen, der nur harte Mucke im Repertoire hat?
Im weiteren Verlauf präsentierte sich jeder der Beteiligten noch von der besten Seite (wie es auch immer so ist) und erklärte, dass man bewusst kritisch als Konkurrent zu Viva und MTV an den Start gegangen ist um das stark kommerzielle Programm von Viva und MTV abzulösen. Hier wird ganz bewusst mit denselben Argumenten geworben wie einst Viva zu MTV! Bloß wie sich Viva entwickelt hat, weiß jeder von uns. Daher sehe ich in Motor TV auch keine große Zukunft für uns Metaller. Die Sendungen können "noch" lokal über einen digital Receiver oder per Internet (motortv.de) empfangen werden.
Im Anschluss wurde für die Presse eine Konferenz eröffnet, bei der man öffentlich Fragen stellen konnte. Dazu wurde ein Mikro durch die Reihen gereicht. Natürlich konnte ich mir nicht verkneifen die Programmchefin zu fragen, ob es eine Sendung vergleichbar zu Headbangers Ball geben wird? Die Antwort könnt ihr euch denken. Unter Schulternzucken wurde mir eine billige Ausrede verkauft "Man wird erst sehen müssen, wie sich der Geschmack unserer Klientel entwickelt." Suuuper!! Also bestimmt wieder der Kommerz-Mainstream das Programm! So, und wie ich kritisch nachfragen wollte, was das soll wurde mein Mikro stumm geschaltet.

Etwas angepisst ging ich wieder zu den Hallen zurück, um Stefan und Christoph von Prophecy Records zu besuchen. Schließlich sind mit Prophecy heuer lediglich nur drei Metal Labels vertreten. Das enttäuschte mich sehr. Nichts desto trotz waren die Jungs umso besser gut gelaunt und man traf sich oft an ihrem Stand, um Fach zu simpeln und um das kostenlose Becks von der nah angrenzenden Bar zu vernichten. Im Laufe der Tage mutierte der Stand zum Anlaufpunkt sämtlicher Metaller der Messe. So saßen schließlich ein paar Nuclear Blast Leute mit uns familiär da, um mit stärker werdenden Pegel unseren Smalltalk zu vertiefen. Lag wohl doch am kurzen Weg zur Bar ;-)

Später am Abend ging es sichtlich angefeuert in die Kulturbrauerei, um im Zuge der Popkomm unsere ersten Metal Bands live zu sehen. Und schon wieder wurde ich von dem Angebot zutiefst enttäuscht. Neben Subsconcious (D), Sabaton (S), Diablo (FIN), Shade Empire (FIN) und The Gathering (NL) waren an der Messe keine weiteren nennenswerten härteren Acts am Start. Na ja, nach klarmachen der VIP Bändchen kamen wir im Club 23 an, wo bereits die ersten beiden Bands gespielt hatten und Diablo gerade für sehr gute Stimmung sorgten. Der Sound hielt sich im Midtempo Bereich und walzte nicht schlecht daher. Unter tobenden Applaus zogen die Finnen schließlich von der Bühne und machten Platz für ihre Landesbrüder Shade Empire, die nach einer kleinen Umbaupause loslegten. Hmmm, dachte ich mir, was 'n das für eine komische/schlecht gemachte Mischung aus Kalmah und Dimmu Borgir? Der Sänger kam sichtlich steif und aufgesetzt rüber und der Rest der Kapelle wirkte eher wie eine Schülercombo. Demnach gelang es Shade Empire auch nicht, den noch wenigen anwesenden Maniacs die Freudentränen zu klauen. Und wieder der Beweis, dass nicht alles gut sein muss, was aus Finnland kommt. Sorry Jungs, aber vielleicht ist eure Debut-CD besser als der Auftritt.
Deshalb verließen wir auch frühzeitig den Club, um nebenan The Gathering zu sehen. Ich war sehr gespannt auf die Formation, die länger nicht mehr Live gespielt hatte. Aber nix da. Der Ansturm war so immens, dass trotz unserer VIP-Bänder kein reinkommen möglich war. Selbst meine rhetorischen Künste am Seiteneingang halfen nicht weiter. Schade, so blieb uns nichts weiter übrig als die nächste Bar anzusteuern. Und nach weiteren Alk-Flaschen ging's auch wieder zurück ins Hotel, um sich zu regenerieren.

Tag 3

Am dritten Tag des Happenings passierte nicht mehr so viel. Man traf sich und stieß wieder auf etliche bekannte Gesichter wie z.B. Thomas Stein, Mike Leon Grosch (beide von "Deutschland sucht den Superstar"), Leslie Mandoki, Sabina Clasen und andere Musiker. Die Gespräche waren sehr aufschlussreich, die Atmosphäre super, die Getränke kostenlos, die Frauen hübsch und mein Trip lohnenswert. Das alles tat aber nichts zur Tatsache, dass mein Fazit über die Popkomm eher nüchtern ausfällt. Der Metal an sich wird geduldet und beobachtet, aber die Standpreise trugen bestimmt dazu bei, dass bis auf die drei genannten Labels kein weiteres vertreten war, so wie in den letzten Jahren auf der Popkomm in Köln. Aber eben durch die hohen Charterfolge unserer Helden in letzter Zeit, hatte ich mir viel mehr harten Stoff erhofft.
Berlin ist die Hauptstadt der BRD, aber nicht die Hauptstadt des Heavy Metals!

Daniel K. für Heavyhardes unterwegs auf der Popkomm 20.-22.09.06 in Berlin.

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