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Orpheus (NOR) - Orpheus

Orpheus (NOR) - Orpheus
Stil: Heavy Metal
VÖ: 13. Juni 2009
Zeit: 40:23
Label: Sidehorn Records
Homepage: -

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"Ich wollte wie Orpheus singen, / Dem es einst gelang, / Felsen selbst zum Weinen zu bringen / Durch seinen Gesang. / Wilde Tiere scharten sich / Friedlich um ihn her. / Wenn er über die / Saiten strich, / Schwieg der Wind und das Meer. / Meine Lieder, die klingen nach Wein / Und meine Stimme nach Rauch, / Mag mein Name nicht Orpheus sein, / Mein Name gefällt mir auch!" Ach ja, der gute alte Reinhard Mey mit einem seiner ersten Erfolge. Ob die Norway-Metaller mit eben jenem Namen der Gestalt aus der griechischen Mythologie je in Kontakt mit dem allseits beliebten Barden gekommen sind, muss stark angezweifelt werden. Das mit den weingeschwängerten Liedern und der rauchigen Stimme kommt aber in Bezug auf die Kompositionen und das Organ Ingrid Galadriels schon hin. Und die Sache mit den Felsen und vor allem den wilden Tieren (aber friedlich?) ... wer weiß.
Seit 2002 in Sachen Metal unterwegs legten die Sängerin, Kristian Drivenes (Git.), Sivert Skaaren (Git.), Rune Engesaeter (Bass) und Torgeir Nilsen (Drums) diesen Sommer ihr nach der Band betiteltes Debut vor. Die darauf zu findenden Einflüsse reichen von Warlock über Accept und Maiden bis hin zu Cathedral, so dass ein lustiges Potpourri entsteht, was jedoch für die Einheitlichkeit, Kompaktheit oder Stringenz des Albums eher abträglich wirkt. Die Produktion hätte insgesamt mehr Höhen und Mitten vertragen, denn so bleibt der Gesamt-Sound bisweilen ein wenig dumpf. Dennoch sind den Norwegern ein paar schmucke Nummern gelungen.
Der Opener "Fuck Me Over" (well...) gehört sicherlich dazu. Schleppend beginnend denkt der Rezensent zuerst, es mit einer Doom-Combo zu tun zu haben, was sich jedoch mit einsetzendem Uptempo-Refrain als Irrtum herausstellt und im Solopart vollends widerlegt wird. Very old-school indeed. Überhaupt darf gesagt werden, dass man selten eine solch umfangreiche Ansammlung feiner Melodie-Soli findet, wie sie sich auf Orpheus präsentiert. Allerdings - und hier liegt der Haken - sind diese nicht immer fehlerfrei vorgetragen. Des Öfteren sind Unebenheiten vor allem bei den Tappings herauszuhören.
"Constructing" klingt wirklich verdammt nach alten Warlock, denn Mrs. Galadriel trällert irgendwo im Bereich zwischen Doro Pesch und Cristina Scabbia von Lacuna Coil, was durchaus als Auszeichnung zu verstehen ist. Straighter, ordentlich nach vorn los gehender Metal-Song mit reichlich 80er-Zitaten und einem gelungenen Singalong-Chorus.
In "Bygones" werden Accept zu Metal Heart-Zeiten mit Life Of Agony-Lehngütern ("I Regret"/ "Lost At 22") und zweistimmigen Maiden-Soli zu einem ordentlich groovenden flotten Rocker gekreuzt. Auch hier kommt ein respektables Ergebnis bei raus.
Danach wäre jedoch Schluss mit lustig. "Mr. Manipulative" verstört zunächst durch ein reinrassiges Black Metal-Riff, was an sich ja kein Negativum darstellt, jedoch in Kombination mit einer etwas holprigen 'Jump up an down-Strophe' und Kreischgesang bzw. Vocals, die eher zur Geräuschkulisse einer überfüllten Kneipe (also atonal) beitragen könnten, kaum funktioniert. Leider wird es in "Peepin' Tom" nicht wirklich besser. Zwar beginnt die ruhige Nummer schön akustisch, es dauert jedoch viel zu lang bis der Gesang einsetzt, so dass man zuerst an ein Instrumental denkt. Hier macht vor allem die saft- und kraftlose Produktion der Band einen Strich durch die Rechnung. Außerdem wirken Melodielinien und das vorgetragene Über-die-Saiten-Streichen ziemlich einfallslos.
Das anschließende "Repay" könnte auch aus eingangs zitierter Kathedrale stammen, ruft aber im Refrain zum kollektiven Reigentanz im "Burning The Witches"-Gewand auf. Erneut lässt das Melodie-Solo aufhorchen, an die ersten drei Songs der Scheibe reicht "Repay" jedoch keinesfalls heran. Mit "Bloodflow" gibt es danach eine weitere eher unscheinbare Nummer, die im Midtempo-Bereich mit einigen Pagan-Versatzstücken aufwartet. Im Ohr bleibt hier aber eigentlich nix. Zum Ende hin wird mit "The Plan" noch mal Gas gegeben und die Vocals, die zwischen Zerbrechlichkeit in den Strophen und Power in Bridge und Chorus schwanken, sowie (zum letzten Mal) die zweistimmige Doppel-Axt und ein akustisch-düsterer, klimaktisch arrangierter Zwischenpart beweisen, dass die Band auch Glanztaten vollbringen kann.
Da solches auf Orpheus jedoch selten geschieht, kann kaum die Rede davon sein, dass Meer und Wind mit der Scheibe zum andächtigen Schweigen gebracht werden. Ab und an kann man sich einen Moshpit in aller nötigen Wildheit zwar vorstellen (v.a. bei den ersten Tracks), da aber das Album in seinem Fortgang sukzessive abbaut (Ausnahme: "The Plan") und besagte Unstimmigkeiten schon beim ersten Hör-Durchlauf auffallen, sind nicht mehr als drei Pünktchen drin.

Fuxx

3 von 6 Punkten

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