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China - The Very Best Of

China - The Very Best Of
Stil: Hard Rock
VÖ: 30. Mai 2008
Zeit: 69:26
Label: Universal Records
Homepage: www.chinamusic.ch

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Den 27. September dieses Jahres sollten sich alle AOR-, Sleaze- und Melodic-Metal-Fanatiker mit rotem Edding dick im Kalender anstreichen. Denn den Machern der Rofa- Ludwigsburg ist es gelungen, für das an diesem Tag stattfindende H.E.A.T.-Festival neben solch klangvollen Namen wie den Crazy Lixx, H.E.A.T., Blackrain, Dark Sky und Pump die Schweizer Hardrock-Pioniere China nach 15 Jahren Abstinenz auf deutschen Bühnen zu verpflichten. Grund genug in Form einer Besprechung des aktuellen Outputs der Band The Very Best Of China eine kleine oder, wie der Schweizer sagt, "minime" Zeitreise in die späten 80er und frühen 90er zu unternehmen.

1987 fanden Drummer John Dommen und Gitarrist Freddie Laurence in Ex-Bloody Six-Gitarrenhexer Claudio Matteo, dem früheren Stormbringer-Viersaiter Marc Lynn und Gesangsakrobat Math Shiverow geeignete Mitstreiter, um ihren originären Mix aus frühem Glamrock, AOR-Anleihen und erdigem Hardrock auf ihrem schlicht China betitelten Debutalbum (Phonogram, 1988) zu verewigen. Der Tatsache, dass die Scheibe seinerzeit in der Hardrock-Gemeinde enthusiastisch abgefeiert wurde, ist die Präsenz von fünf Titeln auf The Very Best Of geschuldet. Der Uptempo-Rocker "Shout It Out", der Having-A-Good-Time-Singalong "The Fight Is On", das an Whitesnake zu 1987-Zeiten erinnernde "Rock City" und "Living On The Stage", das in der Folge zur aus keinem China-Gig wegzudenkenden Bandhymne avancierte, repräsentieren die Band nicht nur auf technisch höchstem Niveau, sondern können aus heutiger Sicht als Prototypen des späten 80s-Hardrock durchgehen. Catchy Hooklines kombiniert mit Straßencharme versprühenden Sleazerock-Zitaten und klassischen Songstrukturen, die kaum die Abfolge Strophe-Bridge-Refrain, plus Gitarren-Solo durchbrechen, definierten den frühen China-Sound, der in solcher Kompaktheit auf keinem der Nachfolge-Alben mehr erreicht wurde. Mit "Wild Jealousy" ist auf The Very Best Of eine kuschelrock-verdächtige Ballade vom Erstlingswerk vertreten, bei der vor allem Matteos stimmungsvariable Gitarrenarbeit ein ums andere Mal aufzublitzen weiß.
Vor den Aufnahmen zum Nachfolger Sign In The Sky (Phonogram, 1989) wurde Lynn durch Brian Kofmehl ersetzt. Außerdem konnte für den nach dem Ausstieg von Shiverow vakanten Posten am Mikro Patrick Mason verpflichtet werden. Vor allem die klangfarbliche Veränderung der Lead-Vocals trug neben dem Produzentenwechsel von Dirk Steffens zu Stephan Gallas dazu bei, dass die Ecken und Kanten im China-Sound verschwanden oder glatt gebügelt wurden. Dennoch bescherte Sign In The Sky der Band in Form der beiden Hitsingles "In The Middle Of The Night" und "Sign In The Sky" den lang erhofften kommerziellen Durchbruch. Die beiden eingängigen Midtemporocker, die jedem, der in den späten 80ern je eine Heavy Metal Disco besuchte, im Gehörgang kleben blieben, sind selbstredend auch auf The Very Best Of zu finden. Dazu fiel die Wahl auf den 89er Opener "Dead Lights", der am ehesten noch in Sleaze-Metal-Gefilden anzusiedeln und dort in der Nachbarschaft von Warrant oder Autograph zu suchen wäre. Mit "Don't Ever Say Goodbye", hinter dem sich kein Schmusesong, sondern die flotteste Nummer von "Sign In The Sky" verbirgt, hat es ferner der Track auf die Best Of-Zusammenstellung geschafft, der außer den Singles als Referenztitel für den Entwicklungsprozess gelten kann, den die Band damals innerhalb nur eines Jahres durchmachte. Mehrstimmige Chöre eingefasst von Doppel-Axt-Attacken, bei denen sich herauskristallisierte, dass Matteo den Kompositionen immer mehr seinen eigenen Stempel aufzudrücken vermochte, verleihen "Don't Ever Say Goodbye" die China-typische Note. Den balladesken Vertreter von "Sign" spielt auf The Very Best Of "So Long". Wetten am 29. wird die alte Tradition Feuerzeuge in der Luft zu schwenken und sich dabei Brandblasen zu holen aufgefrischt.
Der Fokus der Auswahl liegt folglich eindeutig auf den ersten beiden Studioalben. Trotzdem erstaunt es, dass die superbe Go All The Way-LP (Phonogram, 1991) nur durch "Medicine Man" gewürdig wird. Der Sänger-Verschleiß setzte sich Anfang der 90er fort und U.S.-Boy Eric St. Michaels, der seine Talente vorher den Motherfolkers bzw. Criminal Minds lieh, schaffte es dabei die Fülle von Mason und die extrem hohe Stimmlage von Shiverow in Personalunion einzufangen.
Es überrascht kaum, dass auf Chinas bis dato letztem Opus Natural Groove (EMI, 1995) erneut ein frischer Mann die Vocals übernahm: Douglas McCowan. Dazu verließ der langjährige Schlagzeuger und Bandgründer John Dommen die Combo. Seinen Hocker vererbte er Johnny Giorgi. Der Grunge-Overkill machte auch vor den Schweizern nicht Halt und so schlichen sich auf Natural Groove zwischen die immer noch dominanten Dur-Harmonien und -Melodiebögen bisweilen schräge Töne, gepaart mit einem etwas räudigeren Gitarrensound. Nachzuhören auf "All I Do Is Wait" und "Lay Down For Me", die durch McCowans Reibeisen-Organ in Passagen gar an die Black Crowes oder die ersten Slash's Snakepit-Alben erinnern.

Der Silberling wird abgerundet in Gestalt drei brandneuer Tracks und hier kann der einzige Schwachpunkt von The Very Best Of ausgemacht werden. "Girl On The Screen" kommt zwar im rockigen Gewand und wieder mit St. Michaels hinterm Mikrophon daher, wirkt aber voraussehbar und ein wenig uninspiriert. Lediglich Matteos Solo weiß zu überzeugen. Gleiches gilt für "Trapped In The City". Stattdessen hätte der Überflieger der ersten Langrille "Back To You" (mit Fernando von Arp und Mark Storace von Krokus), genauso wie ein weiterer Titel von "Go All The Way" den Greatest Hits gut zu Gesicht gestanden. Allerdings macht die Band diesen minimalen Makel durch die Neukomposition "Stay" wett, denn hier gelingt es, dem 80s-China-Sound einen neuen Anstrich zu verpassen und erfreulicherweise mit einem der altbekannten Singalong-Refrains aufzuwarten.
2003 trennte sich Laurence von seinen Weggefährten, um bei den Schweizer Kollegen Gotthard anzuheuern und erst 2007 gelang es Matteo, Kofmehl und St. Michaels für den Gedanken einer Reunion zu begeistern und Billy La Pietra dafür als Drummer zu engagieren. Einer ausverkauften Minitour folgte The Very Best Of China, das in seiner Gänze jedem Hardrock-Fan den Einstieg ins Gesamtwerk der Band leicht macht, da letztlich alle Hits vertreten sind. Dem Interessierten sind vorrangig die ersten drei Alben ans Herz zu legen und vor allem ein Besuch des H.E.A.T.-Festivals zu empfehlen, wenn es dann heißt "Zurück in die Zukunft", "Living On The Stage".

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