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Iron Maiden - A Matter Of Life And Death

Iron Maiden - A Matter Of Life And Death
Stil: Heavy Metal
VÖ: 25. August 2006
Zeit: CD 72:04 - DVD ca. 80 Min.
Label: EMI Music
Homepage: www.ironmaiden.com

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Zu den ganz wenigen wirklich mit Spannung erwarteten Releases gehört zweifelsohne jeweils die neue Scheibe der wahren Könige des Reiches Britannien. Kaum eine andere Metal-Kombo dürfte das Kunststück schaffen, von 0 auf 1 in den deutschen Album-Charts zu schießen - sieht man mal von der mächtigen Konkurrenz ab, die Slayer mit ihrem ersten Album seit fünf Jahren derzeit liefern. Kann man neues Material von AC/DC, Motörhead und anderen Altersgenossen oft getrost unter "nicht schlecht, aber einfach die nächste im Schrank" abhaken (ich muss immer wieder fragen, wann habt ihr das letzte Mal Angel Of Retribution gehört?), sorgt Neues aus dem Hause Harris regelmäßig für frohgemute Spannung.
Die Ausgangssituation für das erste Maiden-Studio-Album seit drei Jahren ist durchaus zwiespältig: nach dem brillanten Dickinson-Combeback Brave New World, das 2000 einschlug wie ein Tailgunner und eindeutig die beste Leistung der Jungs seit Jahren lieferte, folgte 2003 Dance Of Death, das Harris selbst wohl eher als "a mixed bag" sehen muss: neben einigen extrem starken Songs (der Titeltrack, das berauschende "Paschendale") stand viel Durchschnittsware, und leider auch einige Langweiler waren zu finden.
Im Vorfeld des neuen Albums munkelte man viel von mehr Komplexität, Progressivität. Dass das nicht schlimm ist, sondern ein Riesenschritt nach vorne, zeigte schon die Single-Auskopplung "The Reincarnation Of Benjamin Breeg" - lang, ausladend, gar nicht Maiden-typisch, mit einem zentnerschweren Riff kam der Song daher. Wenn die Scheibe dieses Versprechen hält, dann kann man sie auf der Haben-Seite des Maiden-Kanons verbuchen. Und, ums kurz zu machen: ja. Ja!!

A Matter Of Life And Death ist gut. Verdammt gut. Endlich wieder ein Maiden-Album, das zu den ganz großen Würfen der Jungfrauen gehört - und gleichzeitig die viel geforderte musikalische Weiterentwicklung derart konsequent umsetzt, dass selbst der letzte nimmermüde Mäkler verstummen muss. Maiden schaffen hier den schwierigen Sprung ins neue Metal-Jahrtausend, ohne sich zu wiederholen, ohne aber auch ihre musikalischen Grundfesten zu verlassen. Ganz großes Kino, das die Mischung zwischen Sperrigkeit, Herausforderung und Eingängigkeit mit einigen wenigen Ausnahmen genau trifft. Diese wenigen Schwachstellen sind allerdings dünn gesät: der Opener "Different World" überzeugt zunächst mit flotten Strophen, geht dann aber in einen belanglosen Lala-Refrain über und darin unter. Komisch, dass sie seit dem "Wicker Man" keinen gescheiten Einstieg mehr gefunden haben.
Aber dann beginnt das Staunen über die Vielseitigkeit, die Vielschichtigkeit der Songs: "These Colours Don't Run" reißt durch einen typischen Maiden-Refrain mit, über dem erhaben Dickinsons göttlicher Gesang thront. "Brighter Than A Thousand Suns", der erste Song jenseits der 7 Minuten Marke, zeigt die progressiven Maiden am Werk: kein Hoppel-Rhythmus, sondern wie schon auf der Single ein schleppendes Riff, das sich wie ein stampfender T-Rex durchs Unterholz prügelt. Im Refrain kein High-Speed-Chor, sondern verhalten, melodisch, verspielt. Anders, frisch, genial. "The Pilgrim" wandelt wieder auf eher traditionellen Maiden-Pfaden, flott unterwegs, mit gewohnt starker Melodieführung und schönem Kehrreim. Mit "The Longest Day" widmen sich Maiden wieder Mal dem Thema Zweiter Weltkrieg, aber dieser Song weicht mit seinem im Mid-Tempo swingenden, düsteren Grundrhythmus wieder vom üblichen Maiden-Strickmuster ab, wobei auch hier allerhöchste Qualität regiert.
Große Überraschung dann bei "Out Of The Shadows": nach einigen Riffs, die astreines "Revelations"-Feeling aufkommen lassen, kommt hier eine echte Ballade an den Start, die das schafft, was schon "Navigate The Seas Of The Sun" für Dickinson vollbrachte: einen der Highlights des gesamten Albums zu setzen. Freunde, das ist ganz großer Sport. Gefühlvolle Strophen, hervorragender Refrain. Gänsehaut ist angesagt. Dass ich bei "The Reincarnation Of Benjamin Breeg" komplett aus dem Häuschen war, konnte man hier ja schon zur Kenntnis nehmen, und meine Begeisterung lässt auch nach dem 15. Durchlauf nicht nach. Wuchtig, massiv.
Kommen wir zum großen Schlussblock mit drei Songs, die jeweils weit über der 7-Minuten-Grenze verharren, zwei davon sogar mehr als 9 Minuten dauern. "For The Greater Good Of God", das einzige Stück, das Mastermind Steve Harris im Alleingang beigesteuert hat, beginnt bedächtig, fast folkloristisch, und geht dann in einen Song über, der unverkennbar seine Handschrift trägt. Das geht so weit, dass im Hauptmelodieteil ganz klar die Hüpf-Partie von "Sign Of The Cross" durchkommt - naja, sich selbst zitieren darf man ja. "Lord Of Light" kann dann als zweites Opus Grande ebenfalls überzeugen - wobei die Qualität hier nicht auf der obersten Maiden-Höhe angesiedelt ist. Aber im Vergleich zu anderen Kombos regieren Maiden immer noch, auch wenn sie nur 90% ihres Könnens erreichen. Ganz an die wirklich großen Maiden-Schluss-Nummern vom Schlage eines "Rhyme Of The Ancient Mariner", "To Tame A Land" oder "Fear Of The Dark" kann dann auch "The Legacy" nicht anknüpfen, obwohl hier wieder schöne Passagen und Melodien zu Hauf zu finden sind.
Was kann man noch als Fazit ziehen? Dickinson singt wie ein junger Donnergott - seine Spitzenleistung konnte er von Tyranny Of Souls nahtlos auch auf seine Maiden-Arbeit übertragen. Man hört endlich teilweise deutlich heraus, dass hier drei Gitarren am Werke sind - und über Bass und Drums muss man bei Maiden ohnehin kein Wort verlieren.
Mit dem eigenwilligen Sound von Kevin Shirley habe ich nach wie vor so meine Probleme, an die Inszenierungen von Martin Birch kommt er nicht heran.

Unterm Strich bleibt ein herausragendes Album, das so facettenreich, spannend und komplex wie schon lange nicht mehr ist. Die Vergleiche zu Seventh Son Of A Seventh Son, die oft gezogen werden dürften, greifen aber nur teilweise: klar war diese Scheibe auch experimentell und ein Versuch, aus den üblichen Mustern auszubrechen - aber vor lauter Verspieltheit haben sie seinerzeit vergessen, heavy zu sein. Und das ist A Matter Of Life And Death: die Rübe wird einem hier zwar sehr gepflegt, aber doch entschieden abmontiert. Und genau so muss es sein.
Die Special Edition kommt in schönem Pappschuber noch mit einer Extra-DVD, die neben Videos zu "Different World" und "Benjamin Breeg" noch ein einstündiges Making Of enthält, wo man die Jungs im Studio verfolgen kann. Für Fans an absolute must. Wie sagt Thor immer so schön, wenn er seinen Uru-Hammer schwingt: so sei es!!

Holgi

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