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Iron Maiden - Death On The Road (DVD)

Iron Maiden - Death On The Road (DVD)
Stil: Heavy Metal
VÖ: 06. Februar 2006
Zeit: DVD1 102:05 Min. - DVD2 ca. 170 Min.
Label: EMI Music
Homepage: www.ironmaiden.com

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Lange haben wir warten müssen auf diese Scheibe. Schon im August, zeitgleich mit der gleichnamigen Doppel-CD, sollte ja das optische Live-Dokument erscheinen. Die entsprechende Ankündigung verschwand dann aber irgendwie sang- und klanglos von der Maiden-Website, und man musste schon Böses ahnen: war bei Durchsicht der Aufnahmen etwa nicht Zufriedenstellendes hervorgetreten? Meister Steve Harris, der höchstselbst den Schnitt übernahm, ließ durchblicken, dass sich die Verarbeitung des Filmmaterials länger hinziehen würde als erwartet, und man vertröstete die Anhänger auf 2006. Jetzt liegt die DVD nun doch vor, und man kann eigentlich nur nur die Eröffnung der Tote-Hosen-Live-CD zitieren: "Liebe Freunde - das Warten hat sich gelohnt."
Die Frage muss natürlich erlaubt sein: braucht die Welt eine weitere Maiden-DVD? Klare Sache: wenn sie so aussieht, dann unbedingt. Auf drei fetten Scheiben kann man hier den Auftritt in der Dortmunder Westfalenhalle im Dezember 2003 in's heimische Wohnzimmer holen. Und sich damit eines der wohl letzten Hallenkonzerte der Briten gönnen - schließlich wollen die Jungs ja in Zukunft nur noch auf größeren Festivals auftreten.
Wenn die Dance Of Death-Tour wirklich der Schwanengesang der Maiden-Hallen-Gigs war, dann ist das wirklich ein würdiger Abschluss. Nach den glorreichen Tagen von Live After Death wirkten die Maiden-Konzerte zwar immer technisch brillant und professionell, aber an die Magie und den schieren Größenwahn einer World Slavery Tour hatten sie nicht mehr so recht anknüpfen können - zu sehr merkte man Bruce Dickinson bisweilen an, dass er nicht mehr voll bei der Sache war, zu oft wirkte das alles wie Malen nach Zahlen. Auf der grandiosen Metal 2000-Tour und noch mehr bei Rock In Rio präsentierten sie sich allerdings endlich wieder wie man sie kannte: mit einem frischen, unverbrauchten Sound, der selbst die 1000x gehörten Klassiker wieder erstrahlen lässt, und vor allem mit einem Dickinson, der wie aus dem Jungbrunnen entsprungen wirkt. Vielleicht war Dickinsons Auszeit und der damit verbundene drohende Niedergang das Beste, was Harris und seiner Mannschaft passieren konnte. Nur so lässt sich erklären, dass Maiden anno 2006 auf der Bühne einfach eigene Gesetze definieren.
Wie das geht, haben wir schon auf der CD-Fassung von Death On The Road gehört und für bestens befunden.

Das komplette Konzert liegt nun gleich auf zwei Discs vor - einmal in Stereo, einmal in 5.1. Dazu Meister Harris: "Ich hielt das für wichtig, weil wir uns nicht beschränken wollten. Mit zwei einzelnen Discs konnte ich mir sicher sein, dass wir weder beim Sound noch beim Bild Abstriche machen mussten. Uns ist klar, dass viele Fans noch kein 5.1-Soundsystem haben und noch die Stereo-Fassung benutzen werden, aber wenn man beide Tonspuren auf eine Disc packt, geht das aufgrund der großen Datenmenge eindeutig zu Lasten der Bildqualität." Hier kann man nur zustimmen, denn die Dance Of Death-Show stellte für ein Live-Dokument eine echte Herausforderung dar - im Gegensatz zur eher farbenfrohen Metal 2000-Show, die auf Rock In Rio gebannt wurde, präsentierten sich Maiden entsprechend dem Thema hier endlich wieder extrem düster, stilisiert und theatralisch.
Genau das macht aber den Reiz dieser Scheibe aus: das Bühnenbild, eine Burg mit diversen Sensenmännern, thront finster über dem Geschehen, und vom eher schwachen Opener "Wildest Dreams" und dem deplatzierten "Can I Play With Madness" geht es hier atmosphärisch zentnerdick zur Sache.
Zunächst sticht wie immer die extreme Agilität von Fronter Dickinson ins Auge, der wie vom Trampolin geschnellt über die Bühne springt - und dabei ganz nebenbei noch singt, als ob er sich gerade für den Job bewerben würde. Beeindruckend. Dann spielen Maiden ihre große Stärke aus: immer wieder findet sich die mächtige Gitarrenfraktion zur geordneten Rudelbildung zusammen und demonstriert, warum drei Gitarren den Maiden-Sound komlexer, fetter und mitreißender denn je machen. Ein erstes Highlight setzt in dieser Hinsicht die grimmige Krim-Krieg-Ballade "The Trooper", die nicht nur durch Dickinsons bekanntes Fähnleinschwenken, sondern durch die dreistimmigen Melodieläufe alles plattmacht und dabei doch filigran wirkt. Auch "Hallowed Be Thy Name", das live schon oft eher lustlos unter dem Motto "Spiel mer wieder ahn, dass d'Zeit vergeht" abgehakt wurde, wirkt endlich wieder kraftvoll, dynamisch und hochdramatisch.

Die echten Kracher liefern aber die Stücke neueren Datums, auf die die Show ja auch optisch abgestellt ist. Bei "Dance Of Death" versinkt die Bühne im blutroten Schimmern, Janick Gers zupft das Intro auf der Akustischen, und dann erscheint Dickinson mit venezianischen Masken als diabolischer Zeremonienmeister. Selbst beim Melodiepart, der in seiner Jethro-Tull-Manier wahrlich nicht zum Mähnenschütteln einlädt, ist im Westfalenhallenrund der sprichtwörtliche Teufel los. Gegen Ende macht uns Dickinson im schwarzen Überwurf noch den tanzenden Derwisch. Ganz, ganz großes Kino. Absolutes Mund-und-Augen-Aufsperren ist dann bei "Paschendale" angesagt, mit dem Harris (mit freundlicher Unterstützung von Adrian Smith) endlich wieder mal ein ganz großes Werk gelungen ist. Durch viele Melodiewechsel, Breaks und die schiere Länge scheinbar gänzlich ungeeignet für die Bühne, verwandeln Maiden diesen Song in die klar besten Momente des ganzen Konzerts. Während Dickinson einige Zeilen aus Wilfred Owens beklemmendem Weltkriegs-Gedicht "Anthem For Doomed Youth" vorträgt, entsteht auf der Bühne eine gespenstische Landschaft aus Stacheldraht, Schützengraben, toten Soldaten. Granaten explodieren, grelle Lichtblitze zucken, Maschinengewehre rattern - und mittendrin eine Gestalt in Feldmantel und Stahlhelm, die uns das Epos um Paschendale nahe bringt, eine der grausamsten Schlachten des Ersten Weltkriegs. Wenn die letzten Töne verklingen, wenn Dickinson mit "Friends and Foes will meet again, those who died at Paschendale" endet, ist klar: bessser geht's nicht. Weder musikalisch noch optisch. Dieser Song allein ist die Anschaffung der Scheibe wert.

Und im Zugabenteil wartet dann noch eine handfeste Überraschung: zum ersten Mal überhaupt präsentieren uns Maiden mit "Journeyman" einen Song komplett in akustischem Gewand. Auch das ist mutig - als erste Zugabe etwas Bedächtiges, Ungewöhnliches zu bringen. Aber sie dürfen das nicht nur, es funktioniert auch noch bestens. Das ist edle Einfalt und stille Größe, Freunde.

Und wisst ihr was? Auf DVD Nr. drei wird's noch viel schöner. In einer 70-minütigen (!) exklusiven Dokumentation von Matthew Amos, der auch schon die erstklassige "Early Days"-Doku zurechtzimmerte, erleben wir hier erstmals einen Blick hinter die Kulissen eines Maiden-Albums und zugehöriger Tour. Manager Rod Smallwood erklärt, wie wir zu der Ehre kommen: "Diese Dokumentation ist etwas ganz Besonderes für die Fans, weil sie ein sehr offenes Bild davon zeigt, wie die Band im Studio zusammenarbeitet. Ich habe wochenlang auf die Jungs eingeredet, damit sie Kameras im Studio zuließen. Bislang hatten sie nie zugestimmt, dass irgendetwas in der Art gefilmt wurde, aber dieses Mal wollten wir eine Kamera dabei haben, um den Aufnahme-Prozess der Band einzufangen. Ich glaube, das gibt ein sehr gutes Bild vom Talent, der Anstrengung und dem Humor einer Maiden-Aufnahme-Session." In der Tat hat man hier jede Menge Spaß, Spiel und Spannung: man erlebt, wie einzelne Parts gemeinsam ausgearbeitet werden, man erfährt, dass Produzent Kevin Shirley auf eine Live-Atmosphäre setzt, in der alle zusammenspielen, und vor allem hört man Gesangstracks ohne musikalische Unterlegung. Faszinierend, Captain.
Weiter geht's dann, als man die ganze Tour Huckepack nimmt auf die sprichwörtliche Straße bringt: Bühnendesigner, Bühnentechniker und auch die Band selbst kommen zu Wort und geben jede Menge Infos zum Mammut-Unternehmen einer Maiden-Tour. Rückkehrer Zwei Adrian Smith erklärt, was auf der Bühne augenfällig ist: "Die Band klingt besser denn je. Wir sind alle älter und klüger geworden, jeder lässt dem anderen mehr Raum. Es macht deutlich mehr Spaß als beim ersten Mal." Oberkomiker Dickinson erzählt, wo er die Venedig-Masken her hat, dass sein bedächtiges Schreiten in erster Linie davon geprägt war, dass er ständig in seinem Mantel hängen blieb, und dass er bei der Auswahl seiner Beinkleider in Richtung Shakespeare-Punk gehen wollte. Besonderes Schmankerl: einige Szenen aus einer südamerikanischen Nachrichtensendung, die von der Ankunft der Band in Sao Paulo berichtet. Köstlich!
Und wenn man am Ende der Doku angekommen ist, kann man sich noch an sämtlichen Videos zum Album sowie Artwork-Gallerien und weiteren Interviews laben.

Alles in allem kommt man also auf ein sattes Paket, das jeden Penny wert ist.
Insgesamt unterstreicht diese Scheibe eindrucksvoll, wer im Metal das Sagen hat. Nach einigen Irrungen und Wirrungen sind Maiden zu dem avanciert, was man nur noch als Klassiker bezeichnen kann, der durch schiere Qualität über alle Diskussionen erhaben ist.
Wer sonst könnte bei Rock Am Ring und anderen Festivals als Headliner nur Stücke von den ersten vier Alben spielen, die also älter als 20 Jahre sind - und damit Kids restlos aus dem Häuschen bringen, die damals noch gar nicht auf der Welt waren? Im Gegensatz zu Metallica, den einzigen, die ihnen irgendwie das Wasser reichen können, finden Maiden im Mainstream nach wie vor nicht statt, vom Musik-TV werden sie ignoriert, und dennoch sind sie populärer denn je. Und das ist auch gut so.
Ganz zum Schluss machen sie uns dann auch noch den Mund auf die nächste Runde wässrig: "If you missed Eddie and the boys ripping up the festivals in '05 - you'll just have to wait for the next DVD!" Schweinebacken.

Holgi

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