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Anthrax - Music Of Mass Destruction

Anthrax - Music Of Mass Destruction
Stil: Modern Metal
VÖ: 26. Juli 2004
Zeit: CD 61:41 - DVD ca. 97 Min.
Label: Nuclear Blast
Homepage: www.anthrax.com
MySpace: www.myspace.com/Anthrax

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Sie sind gekommen, um uns zu holen. Und zwar alle miteinander. Das machen wir gerne mit, denn was Anthrax seit ihrem Comback-Album We've Come For You All abziehen, ist ein Traum in Mosh. Jahrelang waren sie abgemeldet, Opfer des generellen Desinteresses an klassischem Metal Mitte der 90er und ihrem Pech mit den Label-Entscheidungen. Aber dass sich bei den Moshmeistern aus New York im neuen Jahrtausend ordentlich was zusammenbraut, konnte ich schon beim Motörhead-Konzert im Oktober 2002 erleben. Statt einer müden Rentnertruppe, die man ja hätte befürchten müssen, mähten Anthrax vom Opener "Among The Living" weg mit spürbar wieder erwachtem Feuer alles nieder. Dieses Versprechen konnte We've Come For You All im Folgejahr dann voll einhalten. Klar eines der Highlights des Metal-Jahrgangs 2003, lieferte das Album endlich wieder schmissige Songs ("Safe Home"!, "What Doesn't Die"!!), Mörderriffs statt verspieltem Gehoppel und einen bestens aufgelegten Vokalisten. Das alles verpackt in einen Sound, gegen den ein Pfund Butter mager wirkt. Ein gutes Album macht allerdings noch keinen Sommer, die wahre Renaissance erspielten sich Anthrax dann mit den folgenden Live-Shows, wo sie neues Material und alte Hits in einer derart mitreißenden Form darboten, dass man nur noch den Kopf einziehen konnte. Seit der "Music Of Mass Destruction"-Tour sind Anthrax wieder eine Macht im Thrash, und das ist verdammt gut so.

Für alle Unglückseligen, die die Auftritte der Tour verpassten (arme Schweine), oder für alle, die so umsichtig waren hinzugehen (so wie ich, ha! jetzt habt ihr's), gibt es jetzt die entsprechende Dokumentation in Bild und Ton. In einem starken Doppelpack kann man auf der DVD/CD Music Of Mass Destruction ein Konzert der gleichnamigen Tour erleben, das am 05.12.2003 im Metro in Chicago aufgezeichnet wurde. Dieses Package bietet, so sagt das Cover, die "First Live DVD Ever + Live CD" - stimmt, die bisherigen Anthrax-Live-Dokumente sind dünn gesät. Allen voran ist da das Video Oidivnikufesin (für alle nicht-Mosher: rückwärts lesen), das sie knapp vor dem Höhepunkt ihres Ruhms im Londoner Hammersmith während der Among The Living-Tour 1987 zeigt. Da sieht man lange Haare, kurze Hosen (damals revolutionär!) und Joey Belladonna zu "Indians" im Federschmuck herumspringen. 1992 folgte dann mit Live Noize das zweite reine Live-Video, auf dem man Anthrax während der Tour mit den Rappern von Public Enemy bestaunt. Album-technisch kann man sich noch an der 94er-Scheibe Live - The Island Years laben, aber dann ist livemäßig auch schon Schluss.

Und hier? Im Geleitwort von Obermosher Scott Ian lernen wir, dass der Chicaco-Auftritt wohl einer besten der gesamten Tour war, einer der Sorte, die ihn geistig auf die "magical plane of existence" bringt, auf der Gandalf und Spider-Man gemeinsam bangen. Da will ich auch mal hin! Also, schauen wir mal rein. Wohl dem, der gute Hardware hat: wie schon Iron Maidens Live-DVD Rock In Rio kommt der Sound auch hier in brachialem 5.1 aus den Surround-Boxen - wenn man denn solche sein eigen nennt. Das Metro ist keine große Arena, eher ein Club, was aber der Atmosphäre gut zustatten kommt: die diversen Kameras sind immer nah am Geschehen, auch wenn Frank Bello manchmal wohl am liebsten von der winzigen Bühne in die Leute gehüpft wäre. Wurscht, die fünf zeigen sich in bester Laune. Weitere Unterschiede zum 87er-Video? Die langen Haare sind weg (zumindest auf dem Kopf, Scott Ian hat wenigstens noch seinen Bart, der aussieht wie eine Stahlbürste), die kurzen Hosen sind immer noch da, man trägt Fußball-Shirts mit Namensschriftzug auf dem Rücken (geschlossene Mannschaftsleistung), aber eines ins unverändert: wo Anthrax hinhauen, wächst kein Gras mehr. Maximum mosh. Schon beim Opener, der Zombie-Nummer "What Doesn't Die", geht die Meute steil, und bei der folgenden Ansammlung von neuen und alten Reißern kocht die Stimmung zusehends weiter hoch. Regelrecht abgefeiert wird zu Recht das krasse "Caught In A Mosh" (diese Basslinie allein ist den Eintrittspreis wert) und der Gassenhauer "Antisocial", aber auch neuere Songs wie das hervorragende "Safe Home" werden begeistert aufgenommen. Bei "Refuse To Be Denied" verlagert John Bush seine Sangespflichten kurzerhand in die Menge und animiert die Anwesenden zu einem brachialen Anfangs-Schrei. Bestens.

"This is the way you should remember this, not the shitty version Sylvester Stallone did", so kündigt John Bush die Judge Dredd-Hymne "I Am The Law" an, mit der sich die Jungs erstmals als Comic-Fans outeten. Auch dieses Stück kommt rund um das heftige Anfangsriff bretthart rüber. Bei "Indians" fordert Scott Ian einen Pit "like it was 1987" - kann er haben. Und auch daran, dass Anthrax schon immer Pioniere waren, erinnert John Bush beim letzten Stück: "When it comes to this, accept no substitutes. The first time rap and metal came together was right here in Anthrax!" Recht hat er, 1987 brachten Anthrax mit der EP "I'm The Man" als erste überhaupt Rap-Elemente in den Metal hinein ("a heavy metal band that rocks a different way, we like to be different and not cliche", stellten sie schon seinerzeit fest), bevor Run DMC einer gewissen abgehalfterten Rockertruppe erlaubten, mit ihnen "Walk This Way" aufzunehmen. Hier kommt jetzt allerdings "Bring The Noise", das knallige Crossover mit Public Enemy von 1991, aber auch dabei gibt's massiv was auf die Glocke. Ganz zum Schluss noch ein Schmankerl: ein paar Takte "Whiplash" als Hommage an die Kolleschen Hetfield & Co., die derzeit ja auch wieder groß abräumen. Und dann macht John Bush noch einen Hechtsprung in die Menge. Aus. So muss das sein.

Die CD bietet den Großteil des Konzerts nochmal einfach zum anhören, aber auf der DVD geht der Spaß noch weiter. Zwei Zusatz-Tracks gibt's mit Multi Angle-Funktion, so dass man sich bei "Metal Thrashing Mad" oder "Fuelled" beliebig auf die Bühne platzieren kann. In einem launigen Extra-Teil können wir dann noch ein paar private Szenen mit John Bush (zeigt uns seine Bar "The Burning Bush"), Charlie Benante (geht Horror-Figuren einkaufen), Scott Ian (kurze Eindrücke von der gesamten Tour, unter anderem vom With Full Force) und Rob Caggiano (hackedicht im Tourbus) erleben. Nur Frank Bello fehlt hier - wohl schon ein Vorbote seiner späteren Entscheidung, die Band zu verlassen.

Sehr schön ist auch der Besuch bei Alex Ross, dem Comic-Zeichner, der die Cover zu We've Come For You All und Music Of Mass Destruction geschaffen hat. Hier zeigt sich Charlie Benante als begeisterter kleiner Junge, der seinen Helden trifft. Ein echter Leckerbissen, diesem Mann bei der Arbeit zuzuschauen und einen Blick in seine Sammlung von Kostümen zu werfen, die er als Vorlage für seine realistischen Zeichnungen anfertigen lässt. Kleine Gags lassen sich Anthrax natürlich auch nicht nehmen: auf dem Cover erklärt uns Notman "How to be metal". Lektion 1: die richtige Haltung für die Teufelshörnchen. Übrigens - nur wer die erste Maiden oder Dio kennt, darf überhaupt die Fäuste schwingen. Alle anderen sind nur Poser. Und das ist natürlich vollkommen richtig. Next lesson: Headbanging.
Fazit: ein pralles Paket, wahrlich "A Fistful Of Metal". So muss das sein. Einlegen, Wohnzimmertisch wegschieben und losmoshen!!

Holgi

5 von 6 Punkten

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