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Konzert-Bericht

Doro, Blaze Bayley, Saeko & Leaf

TonHalle, München 23.10.2004

Als Support angekündigt war eigentlich nur Blaze ¬– doch der Samstagabend, der ganz unter dem Motto "Rock meets Classic" stand, bot noch so einige Überraschungen, bevor die Queen Of Rock die Bühne höchstpersönlich betrat...

Überraschung Nummer eins: Leaf, vier Jungs aus dem württemberger Raum. Mit ihrem leicht vom New Metal angehauchten, aber dafür erstaunlich sanften Sound konnten die Briten das Publikum schon nach dem ersten Song für sich gewinnen. Glauben konnten die vier das anscheinend trotz ermutigendem Beifall wohl nicht ganz, denn die Übergänge zwischen den Liedern nützten die Jungs immer wieder mit charmanten Hinweisen auf den baldigen Auftritt Doros: "Jaa, ich weiß, ihr wollt Doro sehen, wir haben nur noch drei Songs für euch..." Leaf brauchen ihr Licht wirklich nicht unter den Scheffel stellen. Geballten Intros folgten ruhigere, einprägsame Passagen, die sich der pauschalen Einteilung in ein bestimmtes Genre entziehen. Insgesamt eine angenehme Abwechslung während der Wartezeit auf Doro...

... die sich dann trotzdem noch eine Weile bitten ließ, und zwar zu Gunsten einer ganz zauberhaften Erscheinung. Im violetten Dimmerlicht räkelte sich die zarte Japanerin Saeko zu den einleitenden Klängen des schon für Doro bereit stehenden Classic Night Orchestras, das sich durch diverse Kooperationen mit anderen Rockbands einen Namen machen konnte.
Das Publikum schien zunächst ein wenig verwirrt: Was zum Teufel...?
Als dann aber die japanische Lady in Netzstrümpfen und ornamentbesticktem, offenen Rock ihre Stimmgewalt ins Mikro losließ, herrschte pure Begeisterung in der Tonhalle. Saekos Stil lässt sich nur schwer beschreiben, näherungsweise könnte man ihren Gesang bei Singery oder Lullacry ansiedeln, aber sie zu vergleichen, würde ihr nicht gerecht werden. Die Musik ist mehr ein Mix aus Epic-Power-Metal. Ein wenig ungewöhnlich der Bühnenauftritt: Wie eine schwarze Elfe wand sich Saeko zu ihren eigenen Tönen, sank mal theatralisch in sich zusammen, um zwei Akkorde weiter aufrecht das ebenholzfarbene Haar fliegen zu lassen. Mit ihren drei dargebotenen Songs gelang es der Heavy Metal-Hoffnung aus Japan, glaubhaft das zu verkörpern, was sie mit ihrer Musik ausdrücken will: "Manchmal vergessen wir, auf die Stimme des Herzens zu hören, die uns durch die Dunkelheit führt." Wenn die übrigen Songs auf Saekos erstem Album Above Heaven ¬– Below Heaven genauso stark sind, wie die gestrige Kostprobe, dann könnte sich die Dame bald großer Beliebtheit erfreuen.

Ein paar Warteminuten länger: Immer noch keine Doro, dafür heizt Blaze schon mal weiter ein.
Dies macht sich etwa dadurch bemerkbar, dass sich hysterisches weibliches Publikum nach vorne quetscht und hoffnungsfroh die Arme in Richtung Bühne reckt. Die kreischenden Damen werden gestraft, indem der Angebete unerreichbar in einem halben Meter Entfernung auf den Boxen post.

Schließlich und endlich betritt die Queen Of Metal Doro herself die Bühne und legt zum Einstieg ein feuriges "Do You Feel It" aufs Parkett. Was die nächsten gefühlten zwei Stunden folgt, ist ein unglaublich gelungenes Konzert, das wie ein Sturm über die gut besuchte Tonhalle hinwegfegt. Die Show ist wie eine Zeitreise: Von den Ursprüngen der Band, damals noch unter dem Erfolg versprechenden Namen Warlock, geht es bis ins Jahr 2004, in dem Doro auf eine mehr als zwanzigjährige Karriere zurückblickt und sich getrost eine "Best Of" leisten kann. Das Classic Night Orchestra begleitet Doros fetzige Heavy-Metal-Darbietung dezent vom Hintergrund der Bühne aus, fast so, als gäbe es die Violinen und Celli gar nicht. Hier hätte ruhig ein bisschen mehr geklotzt werden dürfen, was dem Ganzen aber keinen Abbruch tat. Wer rechts vor der Bühne steht, tut sich schwer daran, Doro im Auge zu behalten: Lead-Gitarrist Joe Taylor verdreht wie ein Clown die Augen und ist der heimliche Star, der sich zwischendurch mal ein Bierchen reinzischt und ansonsten nur schwer von seinem Stuhl weg zu bewegen ist. Weibliches Publikum, das sich auf der linken Seite befindet, darf sich indes an Bassist Nick Douglas satt sehen, wahlweise an Keyboarder/Gitarrist Oliver Palotai. Drummer Johnny Dee zieht derweil auf seinem Spitzenplatz über dem Orchester seine eigene Show durch.

Doch zurück zu Frau Pesch, die ihre Fans mit "Metal Tango" zurück ins Jahr 1987 versetzt, als die Band in Amerika mit dem Triumph And Agony - Album einen sagenhaften großen Erfolg unter neuem Namen hinlegte. Sogar zu "Burning The Witches" vom gleichnamigen allerersten Album aus dem Jahr 1984 schwingt Doro ihr platinblondes Haupt. Von den älteren Alben, Force Majeure und Love Me In Black kommen "Hellraiser" und "Love Me In Black". "White Wedding" ist wohl einer der Klassiker, den man sich am meisten von Doro wünscht. Überhaupt erfüllt die in hautenges schwarzes Leder gehüllte Powerfrau gerne Publikumswünsche, wie "Stay Hard To Your Steel" und bekommt zum Dank einen Strauss nachtblauer Rosen von ein paar männlichen Verehrern. Ihre Freude an solchen Gesten kann Doro ungekünstelt zeigen und es ist schön, dass sie dem durchgebangten, glücklichen Publikum das Gefühl vermittelt, ohne ihre Fans ein Nichts zu sein. Das stimmt natürlich nicht ganz, denn was das Gesamtkunstwerk - oder Naturwunder ¬– Doro auszeichnet, sind schier unendliche Energie, enorme Willensstärke und eine gehörige Portion Charme. Diesem zollt Bassist Nick Tribut, indem er ihr beim Konzert kurzzeitig zu Füßen kniet.
Was mich erstaunt, ist, dass Doro immer wieder vom tragischen und unerwarteten Tod ihres früheren Bandkollegen Mario erzählen kann, dem das hoffnungsvolle "Undying" auf Fight gewidmet ist und das auch an diesem Abend nicht fehlt. Zwischendurch dann ein paar Schmunzeleinheiten beim Duett mit Blaze, "Fear Of The Dark". Hier scheinen sich zwei ziemlich gut zu verstehen. Doro nützt auch die Chance, mit dem Titelsong "Let Love Rain On Me", das sie zusätzlich in Spanisch und Französisch aufgenommen hat, ihre neue EP vorzustellen. Dass nicht nur das Publikum Doros energiegeladenen Auftritt (auch den letzten Song nach mehreren Zugaben meistert die zarte Metalkönigin, ohne anscheinend auch nur ein Fünkchen k.o. zu sein) begeistert aufnimmt, sondern auch Doro ihr eigenes Konzert sichtlich genießt, kann man jede Sekunde am strahlenden Gesicht der scheinbar alterslosen Bandleaderin ablesen. Doro singt nicht nur, sie fordert ihr Publikum, feuert es an, mit zu klatschen und bangt mit der ersten Reihe, wo die Haare fast bei jedem Song fliegen. Typisch auch für sie die auffordernde Handbewegung, mit der sie ¬– vielleicht unbewusst ¬– sich und dem Publikum den Takt vorgibt. Es sieht aus, als würde Doro mit dem Mikro in der Hand winken und allen bedeuten: kommt, schneller, härter, mehr davon!

PS: Doro hat sich doch tatsächlich beim Publikum dafür bedankt, "Das Experiment" mit dem Classic Night Orchestra erduldet zu haben ¬– Mensch, Doro: Wann verstehst du endlich, dass sowieso alles zu Gold wird, das du anfasst?!

Setlist Doro:
Do You Feel It
Metal Tango
White Wedding
She's Like Thunder
Rheinfire
Undying
Für Immer
Let Love Rain On Me
Hellraiser
A Touch Of Evil
Breaking The Law
Always Live To Win
Burning Witches
Stay Hard To Your Steel
Fear Of The Dark (mit Blaze)
All We Are
Tausendmal Gelebt
Love Me In Black
Beast

Liz

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