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Konzert-Bericht

Obituary, Grave, Pathology & Dust Bolt

The European Metal Chainsaw Massacre Tour 2011

Backstage, München 29.03.2011

Schlappe drei Jahre ist es nun schon her, dass sich Obituary zu einer Headliner-Tour nach München verirrt hat, die Zeit war also reif dafür. Und wie schon 2008 fand dieses Stelldichein in der Backstage-Halle statt, auch wenn es sich mittlerweile um die neue Halle handelt. Diesmal hatten die Florida-Deather Unterstützung in Form der Brutalos von Pathology und der Old School-Elchtöter von Grave. Hochklassige Besetzung also und das sogar zu einem günstigeren Eintrittspreis als noch vor drei Jahren. Weniger günstig aber waren da die Merch-Preise, 20 Teuronen für ein Tour-Shirt sind schon recht happig. Na gut, investiere ich das so gesparte Geld halt in fünfprozentige Hopfenanleihen, der Veranstalter wird's mir schon danken.

Im Unterschied zum Gig 2008 gab es an diesem Abend einen lokalen Opener, der allerdings nicht wirklich angekündigt war. Dust Bolt war (und ist) der Name dieser jungen Münchner Band, die derzeit relativ häufig als Opener anzutreffen ist. Ihr Soundcheck machte mir anfangs beinahe Angst, brachte er doch die Blechhütte, welche die Halle nun mal ist, doch bedenklich zum Vibrieren und vor allem Dröhnen. Wenn schon die Proben so klingen, wie mag die Halle dann erst beim richtigen Konzert klingen? Um es kurz zu machen: Richtig gut! Der Sound war bei weitem nicht so scheppernd, wie man befürchten musste. Und so konnten Dust Bolt, die ihren eigenen Fanclub mit dabei hatten, auch einen recht soliden Job als Appetizer machen. Der mit ein paar Blicken gen Göteborg angereicherte Thrash der Bajuwaren profitierte von der jugendlichen Unbekümmertheit und Energie der Band, die damit locker über ein paar Holperer in der Darbietung hinwegsehen ließ. Das Songmaterial war zwar nicht wirklich weltbewegend, machte aber dennoch Laune, auch wenn außer bei der treuen Fanschar nur wenig Bewegung im Publikum zu erkennen war. Ihrer Aufgabe als Anheizer jedenfalls wurden die vier Jungs durchaus gerecht.

Kleine Umbaupause, großer Stilwechsel. Denn mit Pathology betrat nun die zweifellos härteste Band des Abends die Bretter, die für manche die Welt bedeuten. Ausgestattet mit einem ziemlichen Brett von aktuellem Album, metzgerte sich die US-Combo durch ein Brutal-Death Set, das an technisch versiertem Geknüppel nichts zu wünschen übrig ließ. John Tardy ist wohl eher selten passiert, dass er nicht der unverständlichste Sänger des Abends war, aber wie sich Jonathan Huber durch den Gig grunz-quiekte, war schon sehr beachtenswert. Gut, diese Musik hat nur eine sehr begrenzte Zielgruppe und nicht wenigen der Anwesenden war anfangs anzumerken, dass sie sich etwas überfordert fühlten, aber selbst das legte sich im Laufe des Auftrittes der Krawallos. Zwar war der von der Band geforderte Pit mangels entsprechender Teilnehmeranzahl nur von kurzer Dauer, aber das Quintett überzeugte mit einer absolut hochklassigen technischen Darbietung, die für die ein oder andere heruntergeklappte Kinnlade sorgte. Und so konnten sie mit fortschreitender Spielzeit auch immer mehr Anwesende auf ihre Seite ziehen, was den Auftritt von Pathology im Endeffekt zu einem Erfolg werden ließ.

Allerdings geht es ja immer noch ein wenig besser und erfolgreicher und wer hätte daran gezweifelt, dass mit Grave eine weitere Steigerung zu verzeichnen wäre? Niemand, war ja klar. So hatten die Mannen um Ola Lindgren von Anfang an leichtes Spiel mit dem Publikum, die Anwesenden fraßen den Schweden sprichwörtlich aus der Hand. Die Band ging locker-flockig an den Auftritt heran und strahlte unverkennbar die Professionalität von 23 Jahren Bandgeschichte aus, die sie zu einer verlässlichen Live-Band werden ließ. Mit dem Sound bei Grave war ich zwar nicht ganz so glücklich, zu leise waren Gitarre und Bass für mich abgemischt, der Klasse des Auftrittes aber tat dies nur geringfügig Abbruch. So konnten die Schweden das Publikum recht lange bei Laune halten, erst nach etwa zwei Dritteln der Show ging der Enthusiasmus der Anwesenden etwas zurück, was wohl hauptsächlich der Erschöpfung der Besucher geschuldet war. Ein sehr befriedigender Auftritt, der aber gegen Ende ein klein wenig an Spannung verlor.

Diese war aber beim Auftritt des Headliners richtiggehend greifbar, die Menge wollte Obituary, deswegen war sie hier. Und als würde die Band dies spüren, gaben die Herren um die Tardy-Brüder alles. Das Quintett war an diesem Abend sichtlich gut gelaunt, Spielfreude pur, so gut habe ich Obituary bisher noch nie gesehen und da waren wirklich exzellente Auftritte mit dabei. Die Death Metal-Institution zockte sich arschtight durch ein Best Of-Set und bewies einmal mehr, wie viel Spaß man mit zwei Akkorden haben kann. Für Obi-Verhältnisse war sogar richtig Bewegung auf der Bühne, so agil habe ich die Herren Musiker bisher noch nicht gesehen. Sogar Ralph Santolla konnte seine sonst meist steinerne Miene nicht durchgehend beibehalten und musste ein ums andere Mal grinsen. Jeder im Saal merke deutlich, wie viel Spaß die Band an diesem Gig hatte und honorierte dies mit der an diesem Abend intensivsten Begeisterung, das komplette Backstage kochte während des ganzen Gigs. Selbst während der mit dem üblichen Drum-Duett der Tardys zu "Slow Death" eingeleiteten Zugabensektion zeigte die Zuhörerschaft keinerlei Ermüdungserscheinungen und so wurden All-Time-Klassiker wie "Slowly We Rot" mit der angemessenen Begeisterung abgefeiert.

Irgendwann ist aber mal Schluss und sei es auch noch so schön gewesen und so konnte man nach dem Abgang des Headliners nur glückliche und zufriedene Gesichter im engen Rund der Halle erblicken. Ein Konzertabend ging zu Ende, bei dem es keine schlechte Band gab und der dennoch ständig besser wurde. Mit diesem Auftritt haben sich Obituary im meiner persönlichen Live-Rangliste problemlos auf Rang zwei vorgeschoben, vorbei an Hochkarätern wie beispielsweise Kataklysm; und Bolt Thrower müssen sich auf dem Summer Breeze ganz schön ins Zeug legen, um den ersten Platz zu behaupten. Florida regelt halt...

Hannes

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