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Konzert-Bericht

Kamelot, ReVamp & Tellus Requiem

Backstage, München 19.11.2013

(Fotogalerie)

Vorgruppen sind genauso erforderlich wie Sockentrenner, Katzen oder Schlagzeugsolos (ja, ich weiß, es heißt Soli, aber wenn man das weiß, darf man Solos sagen, weil das logischer ist, genauso wie es natürlich eigentlich Atlässe heißen muss, Atlanten, so ein Quatsch, kommen die vielleicht aus Atlantis, oder was?) - nämlich gar nicht. Üblicherweise stellen diese Kombos (Kombis) Zeitverschwendungen dar, die vor der eigentlichen Attraktion des Abends durchlitten werden müssen. Kleinere Ausnahmen mag es immer geben, zuletzt die hinreißenden Battle Beast im Vorprogramm von Powerwolf.
Selten, ganz selten begibt es sich jedoch, dass man von der Formation namens Support, Friends, More oder wie immer sie auch heißen animiert wird, sich auch die Hauptnummer anzusehen. Vor Jahren war das schon der Fall, als wir das Justice For All-Konzert von Metallica nur besuchten, um die (damals noch) göttlichen Queensryche live mit dem frischen Operation: Mindcrime zu erleben. Nachdem das aber wirklich ganz selten ist, dauerte es bis gestern, bis sich die gleiche Konstellation ergab. Und zwar wegen Floor. Floor Jansen. Diese Vertreterin der holländischen Female Fronted Front begeisterte uns schon als Sängerin bei After Forever (den Scherz über den Bandnamen spare ich mir jetzt) und um so mehr als nunmehr etatmäßige Tarja-Nachnachfolgerin beim Schlachtschiff Nightwish. So ganz nebenher betätigt sich die Gute seit einiger Zeit auch bei ihren Landsleuten ReVamp - und wenn sie in dieser Eigenschaft unsere hübsche Stadt beehrt, dann sind wir dabei, auch wenn das "nur" im Vorprogramm von Kamelot erfolgt. Die sind ja schließlich auch nicht schlecht.

ReVamp

Geschätzte 500 Nasen sehen das genauso und füllen den Backstage-Club ansehnlich trotz Dienstag und Schmuddelkälte. Bevor wir allerdings Floor huldigen können, ist es an Tellus Requiem, den Abend einzuleiten. Die Norweger fabrizieren klanglich zum restlichen Abend passenden, epischen und progressiven Metal, den sie auch auf ihrer aktuellen Scheibe Invictus kredenzen. Gesegnet mit flotten Riffs und heftigen Keyboards, läuft das Material wie etwa "Oblivion" gut runter und liefert, mal abgesehen von dem scheppernden Bass, der aus den Boxen dröhnt, einen passenden Einstieg.

ReVamp

Aber jetzt kommt (zumindest für mich) the main event of the evening und dann steigen die Kollegen auch schon mit "The Anatomy Of A Nervous Breakdown - On The Sideline" ein. Das ist alles andere als leichte Kost, teilweise sperrige Riffs und Strukturen, weit weg von Trällerelsen-Chart-Sound, sozusagen Bombastmetal für den denkenden Menschen. Aber spätestens als eine wie stets bestens aufgelegte Frau Jansen die Szene bzw. Bühne betritt, geht hier alles in wunderbarste Ordnung. Mein angereister Mitstreiter Sebbes kommentiert das Geschehen wiederholt mit einem "Hach, ist das schön!" und genau so ist es auch: Floor schwingt sich durch unterschiedlichste Stimmlagen, von cleanem Gesang über aggressive Parts bis hin zu ausgewachsenen Growls, wirft permanent den Haar-Rotor an (und empfiehlt uns Headbanging als äußerst gesund!) und zeigt eine jederzeit faszinierende Präsenz. Mit den ersten Songs steigt die Stimmung sichtlich, bis die Menge zu "Distorted Lullabies" und "Wild Card", dem Titeltrack der zweiten Revamp-Scheibe, endgültig entzückt ist. "Head Up High" und "Sweet Curse" lassen den Pegel weiter steigen, ruhige Momente wechseln sich mit ruppigen Ausritten ab, bis schließlich "Precibus" und "Wolf And Dog" den Reigen beschließen. Floor verspricht, dass man in dieser Formation wiederkommen wolle - wir melden uns brav bei der Abfrage, wer wieder dabei ist. Um den selbst erkorenen Titan Ollie zu zitieren: "Was kann da jetzt noch kommen?"

Kamelot

Und es kommt - Kamelot! Die Band, die ihren Sänger austauschen kann, ohne dass jemand etwas davon mitbekommt. Was erstaunlich ist, da Kamelots vorheriges Goldkehlchen Roy Khan durchaus ein nicht so einfach zu ersetzendes Ausnahmetalent ist. Aber stimmlich, visuell und auch vom sonstigen Stageacting her ist Tommy Karevik, der Neue am Mikro, tatsächlich kaum von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Davon kann man sich direkt beim ersten Song "Torn" vom aktuellen Album Silverthorn, bei dem er adrett und schwarzgekleidet vor die applaudierende Menge tritt, überzeugen. Überhaupt hat sich das, was die Amerikaner hier abliefern, echt gewaschen: Große Melodien, fette Solos, perfekte Stimmung, düstere Keyboardeinlagen und das mystische Charisma von Herrn Karevik reißen das Publikum sofort mit. Das Beste dabei ist, wenn ich schon mal vorgreifen darf, dass das auch den restlichen Abend so bleiben wird. Mit zehn Alben (Albums oder Albi, Holgi?) in der Hinterhand können Kamelot natürlich auch aus dem Vollen schöpfen und einen unglaublichen Gassenhauer an den anderen reihen. So manch andere Band wäre froh, auch nur einen Song von einem Kaliber wie "Ghost Opera", "Center Of The Universe", "Rule The World", "Forever" oder "Karma" in ihrem Repertoire zu haben. Schon alleine die Ansage dieser Perlen treibt dem Publikum Freudentränen in die Augen. Ganz zu schweigen von dem aktuellen Reißer "My Confessions", der sich wohl ebenfalls als Meilenstein in die lange Geschichte Kamelots einreihen wird. Die Ballade "Song For Jolee" sorgt dann bei den eh schon feuchten Augen noch für die entsprechende Gänsehaut. Aber selbst damit geben sich Kamelot noch nicht zufrieden. Um zu zeigen, was sie alles drauf haben, darf jeder, vom Keyboarder über den mit langen, blonden, meterlangen Zöpfchen behangenen Bassisten bis hin zum ausgezeichneten Drummer Casey Grillo, ein Solo kredenzen, das weit mehr als nur ein Lückenfüller ist. Viel Spaß scheinen die Protagonisten auf der Bühne auch damit zu haben, sich mit verschiedenen Handys aus dem Publikum selbst zu filmen. Das freut sicherlich auch die Besitzer dieser Geräte, die ein wahrlich einmaliges Stück Pixelvideo mit nach Hause nehmen dürfen. Ein weiterer Hingucker ist die in wechselnden Kostümchen gekleidete Sängerin Alissa White-Gluz, die eigentlich bei den Melodic-Deathern The Agonist zu Hause ist, durchaus aber auch mit einer starken Stimme überzeugen kann. Auch das Münchner Publikum, das sich an diesem Abend als lautstark und textsicher zeigt, darf bei diversen Singspielchen alles geben. Das gefällt dann wieder den Jungs von Kamelot, die sich daraufhin mehrfach dafür bedanken, dass man hier an einem Dienstag Abend ein so waches und aufgewecktes Volk vorfindet. Natürlich verabschiedet sich die Band des Tages heutzutage auch nicht mehr ohne Zugabe und die startet dann in Form von "The Haunting" und mit Unterstützung der wunderbaren Floor Jansen von ReVamp nochmal voll durch. Toll!

Kamelot

Summasummarum haben wir heute wieder ein wunderbares Konzert erleben dürfen, das alles zu bieten hatte, was das Rockerherz begehrt: harte Gitarren, tolle Stimmen, überaus schöne Frauen, gut gelaunte Bands (Banden?), kaltes Bier, gefühlvolle Balladen und zumindest bei Kamelot eine eindrucksvolle Lichtshow. Was will man mehr?!

Die Setlist findet ihr bei Setlist.fm.

Holgi & Sebbes

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