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Festival-Bericht

Rumpsteak Festival

mit Suidakra, Hämatom, Winterstorm, Justice, I Spit Ashes, Serpent Sin, Defy The Laws Of Tradition, Strange Days & Black Daffodils

Leups, Leups 25.08.2012

(Fotogalerien: 2012 )

Eine Veranstaltung für Menschen, die Rindfleisch lieben und Metal leben. Na das ist doch mal eine Ansage! Das Rumpsteak Festival entstand vor einiger Zeit in kleiner Runde aus Jux und Tollerei, wird jedoch erstmals zu einem Open-Air-Event expandiert, zu dem darüber hinaus noch zahlreiche Metalbands geladen wurden. Auf die Weise erhält der feierliche Rindsverzehr auch eine angemessene musikalische Untermalung. Ort des Geschehens ist ein idyllisch von Wald und Wiesen gesäumter Bolzplatz am Rande der Ortschaft Leups. Leups ist hier in der Fränkischen Schweiz den meisten Leuten bislang aus zwei Gründen ein Begriff. Zum einen liegt sie direkt neben der oberfränkischen Metal-Hochburg Trockau, zum anderen stammt aus einer kleinen Leupser Privatbrauerei ein gar vortreffliches dunkles und würziges Landbier. Doch das nur am Rande.

Festivalgelände

Nun also hat Leups auch noch ein Open Air zu bieten. Alle diejenigen, für die ein ordentliches Festival mit einer Übernachtung im Zelt verbandelt sein muss, konnten natürlich bereits gestern anreisen und ihr mobiles Zuhause auf der Wiese gleich nebenan errichten. Ein kleines abendliches Programm mit zwei Bands gab es ebenfalls. Wie viele dieses Angebot aber tatsächlich wahrgenommen haben, kann man heute nur schwer einschätzen. Viel mehr als 50 Camper haben sich auf dem Zeltplatz jedenfalls nicht eingefunden. Auch auf dem Festivalgelände selbst ist gegenwärtig - es ist nun 16:30 Uhr - noch nicht viel los. Etwas Zeit bleibt auch noch bis zum ersten Gig und so erkundet man am besten die Situation. Auf dem einen Ende des Bolzplatzes wurde eine schnuckelige Open-Air-Bühne errichtet, am Ende gegenüber steht ein großes Zelt, das eine Bar beinhaltet. Vor diesem stehen zahlreiche Bierzeltgarnituren unter Sonnenschirmen bereit und die Flanken des Areals werden von Merchandise-, Getränke und Essensständen geschlossen. Natürlich weht vom Grillstand, der übrigens von einem Grillmeister aus dem nahe gelegenen Betzenstein betrieben wird, ein angenehmer Duft über das Gelände und lässt dem Passanten das Wasser im Maul zusammenlaufen. Gleich daneben wird bereits erwähntes, würziges Landbier aus der lokalen Brauerei ausgeschenkt. Also nichts wie ran, solange man noch nicht anstehen muss.

Black Daffodils

Dreißig Minuten später steht auch schon die erste Band auf der Agenda, und zwar Black Daffodils. Wie? D-A-F-F-O-D-I-L-S. Das ist die englische Bezeichnung der Narzisse. Ach so! Wieder was dazugelernt. Diese Schwarzen Narzissen haben ein Mädel an ihrer Spitze und verdingten sich früher als reine Coverband diverser Female-Fronted-Kapellen. Heute bieten sie uns aber ihre eigenen Songs, die man als Gothic Metal bezeichnen könnte. Dazu wird der weibliche Gesang gelegentlich von den harscheren Tönen der männlichen Kollegen kontrastiert, ebenso wie auch der Synthesizer einen Gegenpol zu den verzerrten Gitarren bietet. Man kennt ja diese Rezeptur. Die so arrangierten, angenehmen Songs können sich hören lassen und die Musiker zeigen trotz der wenigen Anwesenden zu so früher Stunde einiges an Aktivität auf den Brettern. Besonders Sängerin und Frontfrau Andrea weiß ihre Reize schon recht gut zu nutzen. So macht sie die Ermangelung einer wirklich herausragenden Stimme durch ihr unerschütterliches Selbstbewusstsein wieder wett. Eine gute Band als Einstieg will man meinen! Und der Sound vor der Bühne ist absolut in Ordnung. Das bleibt im Grunde auch den Rest des Abends so.

Strange Days

Weiter geht es mit den schon etwas älteren Herren von Strange Days, die (wie schon ihre Vorgänger) auch aus oberfränkischen Landen kommen, wie sich unschwer an der Feststellung des Bassisten erkennen lässt: "A Mikro brauch i bloß zum waafm, singa konn i eh ned". Hätte man es ihm nur nicht gegeben, besagtes Mikro, dann hätte man uns von seinen saublöden Kommentaren verschont. Aber da muss man durch. Dazwischen bieten Strange Days Coverversionen von zumeist älteren Rock-Klassikern a la "Rockin' In The Free World" von Neil Young oder Deep Purples "Child In Time". Das macht schon richtig Laune, wenn man denn auf diese Mucke steht. Die meisten Anwesenden hocken jedoch noch auf den Bierbänken und halten respektvollen Abstand zur Bühne. Man wird das Gefühl einfach nicht los, dass die vorwiegend sehr junge Metallerschaft, die sich hier gegenwärtig bewegt, nicht unbedingt zum idealen Zielpublikum dieser Herren gehört.

Rumpsteak

18:40 Uhr. Zumindest für meine Wenigkeit ist es nun an der Zeit für den Headliner des Festivals, der in Marinade eingelegt schon darauf wartet, seinem Endzweck zugeführt zu werden. Die Rede ist natürlich vom Rumpsteak, das sogleich für mich aufs heiße Eisen gelegt wird. Man hätte sich natürlich auch ein T-Bone oder Hüftsteak vom Rind gönnen können. Ich präferiere jedoch den Namensgeber dieser Veranstaltung, garniert mit Kartoffelsalat und Kräuterbutter, und werde auch mit einem zarten Stück Fleisch, noch etwas rosa und vorzüglich im Geschmack, entlohnt. Nur das Besteck aus dünnem Holz erschwert den Verzehr doch erheblich. Und ich bin nicht der einzige, dem die Gabel bricht und das Messer bei Halbzeit seine Schneidekraft verweigert. Wo man auch hinsieht fechten hungrige Rindsliebhaber denselben Kampf mit dem saftigen Leckerbissen. Manche kapitulieren, holen sich ein Wäggla, also eine Semmel, und zwicken ihr Fleisch zum Essen dort hinein. Und übrigens: wer's dann doch nicht so mit Rindfleisch hat, dem stehen natürlich auch Schweinesteak und die in dieser Gegend obligatorischen "Brahdwöschdd" zu Verfügung. Exoten können es nebenan mit einer heißen und ausgesprochen scharfen Gurke auf sich nehmen, die es auf 150.000 Scoville bringt. Runterfleihen kann man das Ganze dann mit einem kalten Glas Kaba.

Defy

Doch zurück zur musikalischen Seite des Rumpsteak Festivals! Defy The Laws Of Tradition aus Cadolzburg schlagen mit ihrem hoch technischen, aber dennoch (irgendwie) melodischen Metalcore nun deutlich härtere Töne an. Besonders der Mann am Mikro ist kaum zu bremsen und springt auf der Bühne mit derartiger Geschwindigkeit herum, dass ich doch glatt Schwierigkeiten habe, mit meiner Kamera ein scharfes Foto von dem Typen hinzukriegen. Dazu schreit und kreischt sich der Junge regelrecht die Seele aus dem Leib, während sein Kollege am Tieftöner mit klar gesungenen Passagen dagegenhält. Optisch gestützt wird das hektische Treiben von einem Blitzgewitter der Stroboskoplampen. Auf der Bühne wird also einiges geboten. Auch vor der Bühne oder zumindest in deren Nähe finden sich nun allmählich ein paar Leute ein. Und siehe da! Sogar ein paar erste Headbanger lassen sich von den Mittelfranken infizieren...

Serpent Sin

Kurze Umbaupause und schon haben sich Serpent Sin aus Nürnberg auf dem Podest versammelt. Um ein wenig das Eis zu brechen zwischen Künstlern und Audienz kommt sogleich das Sprachrohr des Festivals, ein pummeliger Kerl, auf die Bühne und verspricht jedem einen Gratis-Schnaps, der nun brav ein wenig näher kommt. Gut gemacht! Die Leute, die sich mit Hochprozentigen haben kaufen lassen, bleiben auch gleich vor der Bühne stehen, nicht aus Anstand, sondern weil Serpent Sin mit ihrem hoch melodischen Progressive Metal eine richtig gute Show abliefern. Obwohl die Musiker noch recht jung zu sein scheinen, machen sie doch eine absolut routinierte Figur an ihren Instrumenten, posen und headbangen was das Zeug hält. Und mehr noch: sie haben einige richtig, richtig gute Songs in ihrem Repertoire. Alle, die auf überraschenden, progressiven Melodic Metal stehen, sollten die Band daher unbedingt einmal im Netz besuchen. Zumindest mich konnten Serpent Sin an diesem Abend positiv überrumpeln.

Winterstorm

Es bleibt melodisch, und zwar mit den Bayreuther Lokalmatadoren Winterstorm, deren neues Album Kings Will Fall am kommenden Wochenende erscheint und die als erste Band des heutigen Abends vom Publikum lauthals auf die Bühne gefordert und mit entsprechendem Applaus empfangen werden. Eigentlich wollte ich mir Winterstorm ja schon vor drei Wochen in Wacken ansehen. Aber dort kann man sich ja vieles vornehmen. Was man dann tatsächlich abhaken kann, steht auf einem anderen Blatt. Zum Glück kann ich das Versäumte nun nachholen. Die Bayreuther stehen nicht ohne Grund in der Gunst der Fachpresse. Mit dem richtigen Gespür für eingängiges und mitreißendes Songwriting und mit der tadellosen handwerklichen Performance steckt doch ein enormes Potential in dieser Truppe. Dazu haben Winterstorm den Zeitgeist richtig erkannt und wissen, mit welcher Mucke man heutzutage erfolgreich durchstarten kann. Ihr Melodic Metal, angereichert mit allerhand Epik und cineastischem Bombast, der vom Band abgespielt wird, weckt Erinnerungen mal an Edguy, mal an Sabaton und mal an Turisas. Dem entsprechend ist auch ihre Anhängerschaft von etwas niedrigerem Durchschnittsalter. Die ersten Reihen werden vornehmlich von jungen, klein gewachsenen Mädels bevölkert und geben mir glatt den Eindruck, ich würde auf einem Berg stehen. Immerhin ist nun richtig was los vor der Bühne, als Leadsänger Alex auffordert - nicht zur Wall Of Death, sondern zur Wall Of Love, bei der alle in gewohnter Manier auf einander zu rennen, sich dann aber in die Arme nehmen und knuddeln sollen. Natürlich gerät das Ganze am Ende dann doch zu einem Moshpit. War ja nicht anders zu erwarten. Eine Zugabe gibt es schließlich auch noch und nach 50 Minuten verlässt die heutige Band der Herzen das Szenario und mischt sich unters Volk. Ein starker Auftritt von einer Band, die sicher noch einiges vor sich hat.

Hämatom

Auf dem Plan stünden nun eigentlich Orden Ogan, auf die ich mich auch richtig gefreut hatte. Leider musste die Band aber ihre Teilnahme am Festival aufgrund einer Erkrankung des Gitarristen absagen. Kurzfristig eingesprungen sind nun Hämatom. Wenn man aber auf eine Band wie Orden Ogan wartet und stattdessen Hämatom bekommt, so ist das, also würde man am Grill an Stelle eines saftigen Rumpsteaks ein paar trockene Chicken Wings erhalten. Aber tatsächlich soll es Leute geben, die dem Rind ein Hendl vorziehen. Und genauso verhält sich das auch mit Hämatom, die zumindest hier, in ihrer Fränkischen Heimat über eine verlässliche Fanbasis verfügen. Trotz einiger lichter Momente kann ich mit der Mucke des maskierten bzw. bemalten Vierers, die man wohl am ehesten als Neue Deutsche Härte klassifizieren kann, nicht viel anfangen. Auf Dauer werden die groben Klänge zwischen Ernst und Blödelei - zwischendurch springt sogar ein Typ im Affenkostüm auf der Bühne herum - doch ganz schön anstrengend. Grund genug, sich einem Paar fränkischer Bratwürste, Entschuldigung - Brahdwöschdd natürlich, zu widmen und die Szene den Fans zu überlassen.

Suidakra

23:30 Uhr - Zeit für den Headliner des heutigen Abends. Und der ist zugleich die einzige auswärtige, also nicht-fränkische, Band dieses Festivals. Suidakra aus Düsseldorf treiben schon seit vielen, vielen Jahren ihr Unwesen in der eher heidnisch gesinnten Fraktion der Metallindustrie und schmieden aus Heavy, Death und Pagan Metal einen scharfen Stahl, den sie am Ende treffend als Celtic Metal bezeichnen. Leider müssen wir noch etwas auf Frontmann Arkadius und seine Mann warten, da es beim Soundcheck einige Probleme mit der Technik gibt. Doch dann startet die Truppe mit dem Klassiker "Pendragon" in ihr ausgesprochen feines Set, das sich vorwiegend aus Titeln der letzten paar Platten rekrutiert. "The IXth Legion" und das mitreißende, von irischer Folklore durchsetzte Instrumentalstück "Dead Man's Reel" bringen das Volk vor der Bühne schnell in Stimmung und natürlich zum Mähnekreisen. Arkadius tut das Seine, um den Pegel oben zu halten und animiert die Fans unaufhörlich zum Mitmachen. Zu "Birog's Oath", einer sehr stimmungsvollen Folk-Power-Ballade, übernimmt Gastsängerin Tina das Mikro und Arkadius verrät uns nicht nur, dass seine Kollegin auch auf dem neuen Album zu hören sein wird, sondern dass sie sogar eine Landsfrau von uns ist, Mittelfränkin um genau zu sein, und daher gar vortrefflich das rollende "R" beherrrrscht. Es folgen noch "Isle Of Skye" und "Stone Of The Seven Sons", ehe der Klassiker "Wartunes" auch schon den Schlusspunkt markiert. Nach getaner Arbeit steigt der Bandchef in den Fotograben und schüttelt jedem einzelnen Fan in der ersten Reihe die Hand zum Abschied. Eine schöne Geste, die Suidakra nur noch sympathischer werden lässt.

Es ist nun etwa ein Uhr, der Headliner ist vorbei, das Festival aber noch lange nicht! Schließlich ist für die Pegnitzer Band I Spit Ashes heute ein ganz besonderer Tag: sie feiert die Veröffentlichung ihres ersten Albums Inhaling Blackness - Refelcting Light, das gestern via Massacre Records in die Läden kam. Man merkt schnell, dass I Spit Ashes eine ambitionierte Band ist, die es zu etwas bringen will. So wird die Bühne neben dem obligatorischen Backdrop mit allerhand zusätzlichen Lichtquellen ausgestattet, sogar im Mikro-Ständer ist eine Neonröhre verbaut, und die Musiker selbst betreten in eigens entworfener Uniform den Schauplatz. Das macht schon mal was her! Auch musikalisch will man sich eine eigene Nische zimmern und überzieht seine melodische Mixtur aus Modern Thrash und Deathcore mit allerhand technoiden, synthetischen bis hin zu poppigen Klängen aus der Konserve, was am Ende natürlich wieder mit der Lichtshow harmoniert. Dank vergangener Live-Präsenz hier in der Gegend haben die fünf Jungspunde etliche Fans am Start, die gemeinsam mit der Band diesen wichtigen Schritt in ihre künftige Musikerkarriere feiern. Schließlich schaffen es nicht viele, einen Plattenvertrag bei einem namhaften Label an Land zu ziehen. Da kann man für die Zukunft nur die Daumen drücken!

Auf der Running Order stünden nun noch die Lokalmatadoren Justice, um dem Event ein ordentliches Ende zu bereiten. Ich verlasse jedoch den Schauplatz. Schließlich kann man sich Justice nahezu jeden Monat im benachbarten Musiccenter Trockau reinziehen und Bruderherz muss morgen früh aus den Federn, um die Heimreise anzutreten.

Es bleiben ein paar wirklich positive Eindrücke von einem Festival in seinen Kinderschuhen. Mit etwa 500 Gästen, so schätze ich deren Anzahl, war der Event auch ordentlich besucht. Zumindest der Veranstalter ließ uns zwischenzeitig wissen, dass er mit so guter Resonanz beim ersten Mal gar nicht gerechnet hätte. Aber die Franken sind nun mal ein metal-affines Volk und wenn man ihnen gibt, was sie begehren, dann kommen sie in der Regel auch. Bleibt zu hoffen, dass die erste Auflage des Rumpsteak Festivals nicht auch die letzte war. An dieses gemütliche Beisammensein zu guter Musik und feinem Rindfleisch könnte man sich nämlich gut gewöhnen.

Dagger

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