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Festival-Bericht

Rock im Park

mit Metallica, Die Toten Hosen, Linkin Park, Motörhead, Machine Head, Killswitch Engage, The Offspring, Evanescence, Marilyn Manson, Soundgarden, Linkin Park, Trivium, Anthrax, Steel Panther, The Stranglers, Enter Shikari, Refused, Tenacious D, Billy Talent, Donots, Dropkick Murphys, Dick Brave And The Backbeats, Steel Panther, Lamb Of God & Guano Apes

Zeppelinfeld, Nürnberg 01. - 03.06.2012

"Nürnberg, was ist los? Es ist Rock im Park, und es regnet gar nicht!" Diese launige Aussage eines über die Bühne tollenden Bayern3-Ansagers fasst es treffend: die Tradition, dass man in Matsch und Schlamm versinkt, traf - zumindest die meiste Zeit - nicht ein, dieses Jahr auf dem so genannten Zeppelinfeld. Dort traf sich, wie allpfingstlich, eine illustre Schar an Musikanten, um auf eine nicht weniger illustre Menge zu treffen - genauer gesagt um die 70.000, die erstmals seit 2008 wieder alle vorhandenen Karten im Vorfeld weggeschnappt hatten. Ob es daran liegen mag, dass man 2012 im Park und parallel auch am Ring wie fast gewohnt nicht zuletzt auf Kombos der härteren Gangart gesetzt hat? Dass hauptsächlich die die Wurst vom Brot zerren, zeigte schon das Highlight des ersten Abends: Metallica hatten sich nach 2008 erneut angesagt und eine Komplettdarbietung des "schwarzen" Albums angekündigt. Dazu noch Musikanten von Weltgeltung wie The Offspring, Motörhead, Die Toten Hosen und Linkin Park - und fertig sind die Voraussetzungen für ein berauschendes Wochenende.

Nun, frohgemut machen wir uns somit auf in Richtung Gelände, das in einer gewissen Zeit ja durchaus anderen Zwecken als musikalischer Belustigung diente, was an den umliegenden Bauwerken architektonisch sehr gut abzulesen ist. Wir wollen uns aber weniger mit Zeitgeschichte befassen als mit der Logistik: wie immer gibt es im Park drei Bühnen, die überschaubare Clubstage in der Halle, auf der die kleineren Acts spielen, die Alternastage, die der (vermeintlich) zweiten Garnitur eine Heimstatt bietet, und die Center-Stage, auf der sich die Megastars die Ehre geben. Die bei über 80 Bands unvermeidlichen Überschneidungen halten sich in Grenzen, so dass man bei einigermaßen durchgängigem Geschmack vieles erwischen kann - wobei sich der Standortwechsel im Verlauf als zunehmend schwierig herausstellt, aber dazu später mehr. Bemerkenswert die Organisation, die es tatsächlich schafft, dass das Programm fast im Sekundentakt abschnurrt und keine nennenswerten Verzögerungen auftreten. Die Security ist so forsch wie erforderlich, aber durchgängig sympathisch und auch für einen Scherz zu haben. Obwohl schon für Freitag wettertechnische Unbill vermeldet war, zeigt sich ein Gang über das Festivalgelände als ergiebig, weil trocken und durchaus erhellend. Das Publikum ist bunt gemischt, über Bayern 3-Gelegenheits-Gänger bis hin zu dem uns eher bekannten dunkel gekleideten Völkchen ist alles geboten. Unter anderem auch durchaus heftige Preise, bei einem Pappbecherchen Espresso für 1,90 (nur mal zur Info, in echtem Geld sind das um die 4 Mark) und einem Bier für 4,30 ist man schon froh um den einen oder anderen mitgebrachten alimentären Hilfsgegenstand. Aber nun ja, man lebt nur einmal...

Freitag, 01.06.2012

Also, zur Sache, Schätzchen: als wir einlaufen, liefern vor noch sehr lichter Menge die Stranglers ihre als Hintergrundmusik ja durchaus hörbaren Stückchen wie etwa "Always The Sun" ab. Als Erkundungsmusik ok.

Interessanter wird es für uns dann schon bei Enter Shikari: der selbst so betitelte Trancecore der Engländer liefert sauberes Geballer, versetzt mit Technik-Einsprengseln und Rap-Elementen, die vor der Centerstage eine schon durchaus ansehnliche Menge zum Hüpfen animiert.

Die schwedischen Hardcore-Punker Refused treten nach ihrer Auflösung 1998 nunmehr neugegründet an und kredenzen einen groovigen Sound, der durchaus für Reaktionen zu sorgen vermag. Bei mittlerweile unverschämt gutem Wetter machen Songs wie "Breakout" durchaus Laune, wobei einige Stücke auch ein wenig an den Nerven zerren. Aber nach der wohlmeinenden Aussage von Fronter Dennis Lyxzen, "Always stay curious, always stay wild and hungry" (ok machen wir) und dem abschließenden "Boredom Won't Get Me Tonight" passt die Sache wieder.

Was für Frangggen JBO, das sind für LA die Albernheiten von Tenacious D. Sänger und Schauspieler Jack Black und Kyle Gass ziehen spätestens seit ihrer Filminkarnation in The Pick Of Destiny die Massen, und die versammeln sich denn auch vor der Bühne, um dem "Fenix" des neuen Albums zu huldigen, der dann auch gleich als durchaus eindeutig geformte Aufblaspuppe erscheint. Zuerst aber marschieren die Herren mehr oder weniger würdevoll im Bademantel auf die Bühne und intonieren auf Akustik-Gitarren den Titeltrack "Rize Of The Fenix". Beachtlich guter Gesang krönt das Kabinettstückchen, das nun folgt: Black und Gass mimen versteinert die arroganten Rock-Götter, mit herrischem Gebieten über Roadies und alles was dazugehört, und feuern dabei die eine oder anderen veritable Hymne ins Publikum. "Low Hanging Fruit" macht Spaß und kommt sehr gut an, während Jack Black immer versucht auf Deutsch zu schwadronieren ("Danke schön guten Abend!"), irgendwann aufgibt und feststellt: "Bruce Springsteen is like reciting poetry in German!" Bewaffnet mit weißen Tennissocken, folgt nun "Death Star" (angekündigt als "a song for our earth!"), zu dem ein Monster auf die Bühne springt, das aussieht wie das Gummiwesen aus Roger Cormans Billigschocker It Conquered The World, bevor Black dann ein Kindersaxofon auspackt und rumtrötet. In einer durchaus beeindruckenden Vorstellung ziehen die Jungs dann sogar den Rock-Off aus dem Film Pick Of Destiny ab, in dem sie den Leibhaftigen operettenhaft bezwingen. Hut ab! "Fuck You Gently" bietet eine feine Balladen-Parodie, und natürlich beschließt ihr erster Hit "Tribute" das Set. Lustig, kultig, und auch musikalisch mehr als brauchbar. Jack Black gibt uns noch einen Tipp: "Oh, please go and see Metallica. They have potential, I think they might go places - just give them a chance". Ok, Jackie.

Aber erst gilt es, den entsprechenden Standort zu sichern - denn immerhin kommen sie in zwei Stunden schon, und obwohl ganz offenkundig noch nicht alle Schlachtenbummler angereist sind, zeigt sich: der frühe Steher fängt den Platz, wenigstens noch am Rand des ersten Wellenbrechers, denn der Raum vor der Bühne ist schon ausgefüllt, als Billy Talent die Bühne stürmen. Die kanadischen Alternative Punker blicken auf eine stattliche Fanschar, die sich unter anderem darin äußert, dass mir mein Nebenmann erläutert, dass man nun eine "stylishe" Band zu sehen bekomme. Nun denn, die aufgestellten Haare des Gitarrero Ian D'Sa sind in der Tat ein Fashion-Statement, und auch der Sound kracht ordentlich: ordentliches Geballer, schwarze Bühne, ebenso gekleidete Herren, und Attacke geht's mit "Rebel In The Midnight Mass", und schau an, der Nebenmann hat Recht: das macht tatsächlich Laune. Der melodiöse Punk fährt ins Tanzbein und entfacht berechtigte Begeisterungsbekundungen. "Turn Your Back" feuert die Stimmung weiter an, und auf entsprechende Aufforderungen erntet Sangesmeister Benjamin Kowalewicz den ersten Circle Pit des Tages. "What You See Is What You Get", "Rusted From The Rain" und der brandneue "Viking Death March" setzen das Programm fort, bevor mit "Fallen Leaves" und "Red Flag" die von meinem bereits erwähnten Reihennachbarn begeistert herbeigerufenen Hits folgen. Aus. Und nun dreht sich besagter Nachbar um, schau mich an und meint: "Boah!! Du bist ja voll alt! Du bist---mindestens 30!! [ähem, sehr schmeichelhaft, aber da kannst Du noch ein bissi was drauflegen...] He! Jungs, schaut mal! Der ist cool, der ist alt und trotzdem voll vorne hier! Der will zu Metallica!!"

Und nachdem mich die Altersschwäche dahinrafft, empfehle ich den Kindern ein wenig zurückzutreten - nicht ohne sie vorher mit Fruchtgummis versorgt zu haben - und kette mich zumindest händisch an der Absperrung fest. Wird es wohl so unfassbar genial wie das Konzert im Olympiastadion 2003, das passenderweise auch den Beginn meiner Schreiberling-Karriere für unsere illustren Seiten markierte? Leinwände an, und los geht's, Zwei glorreiche Banditen, besserer Titel The Good, The Bad And The Ugly, Teil 3 der Dollar-Trilogie von Sergio Leone, und dazu Ennio Morricones berauschendes "The Ecstasy Of Gold" (worauf ich die Umstehenden hinweisen muss, die verirrterweise hier schon "The Unforgiven" zu entdecken glauben. Alt? In your face sucker!!), und dann sind sie auf einmal da, Herr Ulrich springt hinter das sparsame Drumkit, James Hetfield in Kutte (!) platziert sich vorne, Kirk Hammett wie immer rechts und Bassungeheuer Rob links. So auf geht's, "Enter Sandman", auf geht's - ja denkste! Ein Riff wie ein Rasiermesser, das kann doch nicht, oh doch das ist - "no life till leather, let's kick some ass tonight". Und da dreht man dann kollegial komplett durch, denn der Opener vom schroffen Erstling planiert alles in Grund und Boden. "Hit The Lights" - Auftakt nach Maß ist untertrieben. Das ist Metallica, wie wir sie wollen, die Thrash-Band von Format, knüppelhart. Die Band wirkt präsent wie immer, Hetfield nach einigen Unsicherheiten ganz zu Anfang auch stimmlich trittsicher - wunderbar. Und offenbar kennen sie Stromberg, denn ganz getreu dem Motto "komm jetzt MACH aber auch" hauen sie gleich als zweites ein krasses "Master Of Puppets" ins Rund. Schon wieder so ein Kracher, da bleibt kein Auge trocken, und leider gibt es dann einen hässlichen Vorfall: ein Crowdsurfer entgleitet beim Hereinreichen den Security-Leuten und kracht kopfüber auf den Boden, bleibt dort liegen und macht erst mal keinen Zucker mehr. Leute, wenn der sich jetzt nicht bewegt wars das für mich. Tut er dann aber gottlob, Beine inklusive, also worst case nicht eingetreten, und wird dann von herbeieilenden Sanis abtransportiert. Es kann also durchaus was passieren bei diesen Eskapaden, die auch irgendwie nervig sind da permanent irgendwelche Nasenbären vom Musikgenuss abhalten. So können wir uns dann glücklicherweise einem ebenso aggressiven "No Remorse" widmen. "Metallica is with you", stellt ein grinsender Hetfield nun fest, "are you with Metallica?" Ja, sind wir, und hören gerne "This is my friend Lars", der dann einen midtempo-Rhythmus stampft, der stante pede in "For Whom The Bell Tolls" übergeht, womit die Eröffnung aus dem Himmel (oder der Hölle?) gewährleistet wäre. Wer braucht bei solchen Reißern das schwarze Zeugs? Jetzt bitte noch "Battery", "Welcome Home" und "Creeping Death", dann wäre die Welt perfekt. Ist sie aber nicht. Denn nach "No Remorse" weist uns ein kleines Filmchen darauf hin, dass 1991 das Metallica-Jahr schlechthin war, sie alle Rekorde brachen und neues kommerzielles Territorium für den Metal erschlossen. Fünf Hit-Singles, massive MTV-Rotation, eine gefeierte Welttournee - und für uns damals die erstaunliche Erkenntnis, dass die von uns so geliebte Härtner-Truppe plötzlich aus allen Lautsprechern und Kassettenrekordern tönte, die vorher Ride The Lightning als Inbegriff des "unhörbaren Geschrubbes" gesehen hatten. Kurzum, das war nicht mehr so extrem, progressiv und kantig, sondern eingängig und kürzer und sogar mit einem singenden Hetfield versehen - und interessanterweise spürt man nun, all die Jahre später, genau diesen Kontrast. Wieder warten wir auf "Enter Sandman", und wieder werden wir enttäuscht, denn mit "The Struggle Within" kommt zuerst das letzte Lied des Albums zum Vorschein. Ja, natürlich ist das gut, aber kein Klassiker. Weiter im Text mit "My Friend Of Misery", und jetzt kapieren wir: sie spielen das Album rückwärts! Auch mal eine Idee. Mit schönen Harmonien versehen, gefällt die einzige Jason Newsted-Komposition durchaus, aber gegen "Hit The Lights" fällt das ab und deutlich auf, dass neben den vielen Killern auch einige Füller auf der Scheibe sind. "The God That Failed" geht ok, bevor "Of Wolf And Man" dann endlich mal richtig kracht - "Shape shift - nose to the wind!" Jawoll. Dann das Unikum des Albums, die erste und bislang einzige reinrassige Metallica-Ballade, und obwohl tausend mal zu Tode genudelt, entfaltet "Nothing Else Matters" seine ganz eigene Magie, die trotz der blödsinnigen Feuerzeugschwenker funktioniert. Im Gegensatz zu den 90ern kriegt Meister Hetfield den Gesang mehr als ordentlich auf die Kette, so dass ein erstes Highlight der Darbietung markiert ist. Hand aufs Herz, wann habt ihr zum letzten Mal "Through The Never" und "Don't Tread On Me" gehört? Ja genau, die waren nämlich auch drauf auf dem kleinen schwarzen, und wenn die Erinnerung nicht trügt haben wir das seinerzeit gar nicht auf Kassette aufgenommen. Lohnte sich nicht, auch heute abend nicht. Hm. "Wherever I May Roam" überzeugt natürlich durch den schleppenden Rhythmus und die feine Steigerung, aber "The Unforgiven" funktioniert heute um Klassen besser - Hetfield platziert sich ganz oben auf der Bühne, bewaffnet mit einer akustischen und einer elektrischen Gitarre, und intoniert die Halbballade eindrucksvoll. Das ist unverwüstbar, das ist wirklich groß. "Holier Than Thou" ballert zwar, gehört aber definitiv auch nicht zum A-Material der Band, und - man mag es kaum glauben, auch das mächtige "Sad But True" kracht nicht so wie es eigentlich sollte. Nun kommt dann also doch noch unser aller Lieblingsschlaflied an die Reihe - "exit light, enter night", ja sooo muss das sein, hier raucht die Temperaturanzeige, das ist gut gebracht, Rob watschelt, Kirk brilliert, und Hetfield grinst teuflisch. Aus, Schluss, das wars. Aber natürlich kommen sie noch mal, und ich danke euch, liebe Freunde, dass ihr noch mal die Axt kreisen lasst. Denn das kleine, eigentlich nicht zur ersten Garnitur gehörende "Fight Fire With Fire" stellt so einen Kontrast zum Vorangegangenen dar, dass es eine Art hat. Eben noch hohe Qualität, aber kalkulierter Effekt, fast schon ein wenig routiniertes Abspulen, salbungsvolle Reden von der "Metallica-Family" - und jetzt dieser Tritt in den Hintern. Da sind sie wieder, die Rabauken die wir eigentlich wollen. Das unvermeidliche "One" ist wie immer groß, und "Seek And Destroy" erreicht dann wirklich den letzten Winkel des Areals. Was man hier und heute erleben durfte, war vielerlei: eine Demonstration, dass das bis heute meistverkaufte Metal-Album aller Zeiten auch einige Schwachpunkte enthält, dass es eine stilistische Neuorientierung einer Kombo markierte, die von den ruppigen Tagen hin in den Bombast wechselte - und dass es Stücke wie "Through The Never" und "Holier Than Thou" nicht wert sind, "The Four Horsemen", "Fade To Black" oder "Ride The Lightning" (das einen Tag später am Ring für "No Remorse" ins Set rutschte - hmpf!) überhaupt ins Gesicht zu sehen. Dazu kommt eine immer ausgezeichnete, aber doch nicht inspirierte Leistung der Herren, die sich mittlerweile ein festes Terrain gezimmert haben, auf dem sie sich bewegen, von dem sie aber auch keinen Millimeter abweichen. Gut, aber nicht groß. Ach ja, aus für heute. Gute Nacht.

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