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Festival-Bericht

Wacken Open Air

mit Iron Maiden, Slayer, Mötley Crüe, Alice Cooper, Skyline, Red Hot Chilli Pipers, Mambo Kurt, Dew-Scented, Amorphis, Orphaned Land, Mad Max, The BossHoss, The Other, Frei.Wild, Lizzy Borden, Kamelot, Tarja Turunen, Arch Enemy, Broilers, Grave Digger, Slayer, Ihsahn, Atrocity, Raven, Corvus Corax, Ektomorf, The New Black, W:O:A Firefighters, Caliban, Degradead, Kampfar, Crucified Barbara, Overkill, Die Kassierer, Delain, W.A.S.P., Varg, Tyr, Cannibal Corpse, Solstafir, Edguy, Immortal, Orden Ogan, Fear Factory, Tiamat & U.D.O.

Festivalgelände Wacken, Wacken 05.-07.08.2010

(Fotogalerien: Wacken2010 Donnerstag, Wacken2010 Freitag, Wacken2010 Samstag)

Samstag, 07.08.2010

Gesagt, getan! Am Morgen ist die Kälte verflogen, Tante Klara klettert immer höher und mit ihr auch die Temperatur. Ein lecker Egger - eisgekühlt - hilft beim Munterwerden und ehe man sich versieht, ist es auch schon wieder Mittagszeit und die ersten Kapellen warten auf unsere Gesellschaft. (Dagger)

EktomorfDie Aufgabe des Openers an diesem zweiten Festivaltag fällt den Ungarn Ektomorf zu. Und soviel kann schon mal verraten werden: die Jungs wirbeln mächtig Staub auf. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Denn vor der Black Stage haben sich zur Mittagsstunde schon einige Tausende versammelt, um mächtig steil zu gehen. Da braucht es eigentlich keine Aufforderungen von Fronter Zoltan Farkas (Vocals, Guitars) zum Springen - Circle Pits sind ja dieses Jahr verboten - das macht die Meute vor der Bühne von ganz allein. Was aber auch angesichts von Songs wie "Show Your Fist", "Gypsy", "Outcast", "Fuck You All" oder dem finalen "I Know Them" kein Wunder ist. Es wird gehüpft, bis der aufgewirbelte Staub wie eine Dunstglocke vor der Bühne hängt. Ein schöner Einstieg in den zweiten Festivaltag.
(Ray)

The New BlackSo, jetzt schnell den letzten Staub, den Ektomorf vor der Bühne aufgewirbelt hat, aus den Klamotten schütteln und ab in das Zelt, das die W.E.T. Stage beinhaltet, um den Beginn der Durchstarter aus Würzburg, The New Black, mitzuerleben. Nach dem allseits bekannten Colt-Seavers-Intro kommt eine Handvoll adrett in schwarz gekleideter Männer auf die Bühne, unter denen Sänger Fludid mit einer sauberen Ladung Pomade in den Haaren gehörig hervorsticht. Auf die Ohren bekommt man von den Jungs aus Franken sauber gespielten Biker- und Stoner-Rock, der irgendwo zwischen Zakk Wylde und Monster Magnet angesiedelt ist, manchmal aber auch deutliche Nickelback-Anleihen durchscheinen lässt. Den offensichtlich extra für diesen Gig zahlreich erschienenen Damen vor der Bühne scheint der treibende und groovende Sound sehr zu munden. Aber auch die restliche Hörerschaft vertreibt sich mit leichten Tanzbewegungen und dem Mitsingen diverser Refrains, wie beispielsweise bei "Welcome To Point Black", die Zeit, die dank vorbildlicher Bühnenpräsenz von The New Black deutlich zu schnell vergeht. Ach ja, falls jemand denkt, den Typen da links an der Gitarre, den hab ich doch schon mal irgendwo gesehen, dann hat er damit wahrscheinlich Recht, denn Herr Cristoph Leim schwingt nicht nur ebenfalls bei den Schwaben von Sinner die Axt, sondern ist inzwischen zum Chefredakteur bei unserem kleinen Konkurrenzmagazin Metal Hammer aufgestiegen und somit der beste Beweis dafür, dass man es auch heutzutage im Metallbusiness doch noch zu was bringen kann.
(Sebbes)

Während Sebbes, Ray und Jason noch den Tönen von The New Black lauschen, zieht es mich zum Biergarten, wo die W:O:A Firefighter, so nennt sich die Blaskapelle der Wackener Feuerwehr, mit zünftiger Musik die Metalheads zum Singen, Schunkeln und natürlich Aufgießen ihres gestrigen Rausches animieren - ein Spektakel, dessen Bilder im Fernsehen regelmäßig weite Verbreitung finden, und ohne das man sich das W:O:A mittlerweile gar nicht mehr so recht vorstellen kann. Von hier aus geht's weiter in den weitläufigen Metalmarkt, wo man wirklich seine ganze hart verdiente Kohle lassen kann, denn hier gibt es schlicht und ergreifend alles, was das schwarze Herz begehrt. Ein Hut muss her, schließlich gilt es auch heute noch einmal, der Sonne zu trotzen!
(Dagger)

Neben Heaven Shall Burn bilden Caliban sicher die deutsche Speerspitze des in der Szene nach wie vor so populären Metalcore und versetzen bei ihren Live-Auftritten ihre Anhänger regelmäßig "in Bewegung". Dies war als Wachmacher zur früher Stunde nach Ektomorf auch sicher wieder so geplant. Dumm nur, dass die Wacken-Veranstalter in diesem Jahr ausdrücklich Mosh Pits, Circle Pits und vor allem die berühmt-berüchtigte Wall of Death kategorisch untersagt haben. Ich denke die Verantwortlichen wollten einfach so kurz nach den tragischen Ereignissen bei der Loveparade - auch wenn man diese beiden Events von der Organisation, der Menschenmenge und der zur Verfügung stehenden Fläche her sicher nicht miteinander vergleichen kann - mit aller Gewalt vermeiden, dass etwas passiert, was dem Festival in der Öffentlichkeit schlechte Publicity bereiten könnte. Da ist man doch gleich doppelt gespannt, was sich dann bei den Jungs aus dem Ruhrpott so vor der Bühne tun wird. Bereits nach dem dritten Song, als sich die Vorboten zur zitierten "Todeswand" bilden, muss Sänger Andreas Dörner - sichtlich widerwillig - auf das auferlegte Verbot hinweisen und die Menge um deren Einhaltung bitten. Es gehe eben um die Sicherheit und man könne ja noch Springen und der "gute alte Pogo" sei ja schließlich auch erlaubt. Passend dazu schließt der Song "No One Is Safe" an, gefolgt von Hits wie "I Will Never Let You Down", "I've Sold Myself" und "Caliban's Revenge". Insgesamt bringen Caliban einen Querschnitt durch ihre letzten fünf Alben und schaffen es schließlich trotz aller Verbote, eine gute Stimmung im schon zu dieser Uhrzeit zahlreich erschienen Publikum zu erzeugen.
(Jason)

Degradead
Gegen Caliban auf der True Metal Stage treten auf der W.E.T. Stage nun Degradead aus Schweden an, um den Nachmittag hier im Zelt etwas sportlicher zu gestalten. Warm genug ist es dank genügend Stauluft unter dem Zeltdach zwar ohnehin, aber das hindert die hochmotivierte Melo-Death-Kapelle auf der Bühne nicht im Geringsten daran, die Temperatur noch etwas weiter in die Höhe zu treiben. Man muss schon zugeben, die Songs der Jungs ballern live gewaltig und grooven wie Sau. Kein Wunder, dass sich vor der Bühne in Windeseile allerlei verbotene Sachen wie Circle Pits und Mini-Wall-of-Deaths bilden. Die Growls des mit langen, braunen Haaren gesegneten Sängers Mikael Sehlin passen genauso gut in das Gesamtkonzept der Songs wie die fast immer vorhandenen melodischen Refrains und die fetten Zementgitarrenriffs, die mit den typischen Schweden-Death-Licks aufgefrischt werden. Wenn man sich das Ganze so ansieht und -hört, kann man durchaus verstehen, wieso In Flames' Jesper Strömblad die Werbetrommel für Degradead mit so viel Hingabe rührt. Zwar ist auch bei diesem Auftritt das Zelt noch nicht bis in die letzten Reihen gefüllt, aber man darf Degradead durchaus konstatieren, dass sie eine sehr solide, schweißtreibende und angenehme Wackennachmittagsunterhaltung auf die Bretter legen. (Sebbes)

KampfarBegleitet von einer wirklich unangenehmen Hitze geht es gleich im Anschluss hinüber zur Party Stage, wo die Norweger Kampfar beweisen können, dass ein echter Wikinger auch der Sonne gewachsen ist. Der dürfte es zumindest zu verdanken sein, dass noch nicht allzu viele Schaulustige den Weg hierher gefunden haben. Die gelichteten Reihen können aber auch durchaus darauf zurückzuführen sein, dass Unleashed zeitgleich die Black Stage zerlegen. Nach Introitus mit Gjallarhorn vom Song "Valgalderkvad" starten die Nordmänner mit "Inferno" gleich mächtig durch. Wie so oft, wenn Black Metal in Wacken gespielt wird, ist auch hier der Sound nicht gerade optimal und viele der Gitarrenmelodien werden von den zu lauten Bass-Drums verschlungen. Sänger Dolk nörgelt zwar ein wenig über die Sonne, die ja gar nicht zur Atmosphäre seiner Songs passen will, kämpft sich aber wacker durch ein Set aus "Norse", "Dodens Vee" und den alten Klassikern "Bukkeferd" und "Hymne". Am Ende steht das obligatorische "Ravenheart", zu dem ein eigenes Banner gelüftet wird. Nun geben alle Fans noch einmal ordentlich Gas, ehe sie in den Nachmittag entlassen werden.
(Dagger)

Crucified BarbaraUnd schon geht's wieder zurück zur W.E.T. Stage. Huch - jetzt ist es aber voll geworden hier im Zelt! Woran liegt's? Nix los auf den großen Bühnen draußen? Davon kann eigentlich keine Rede sein, denn auf der Black Stage toben sich gerade Unleashed aus. Nein, nein, Grund dafür, dass man sich jetzt hier gegenseitig auf den Füßen steht, sind vier Damen aus Stockholm, die punkigen 80er-Jahre-Rock im Stile von Vixen und Co. - aber durchaus noch 'ne Ecke härter - präsentieren und dazu noch recht nett anzusehen sind. Nachdem die Mädels von Crucified Barbara Songs wie "Sex Action" oder "Play Me Hard" angestimmt haben, haben sie die versammelte Männerschaft natürlich komplett in der Hand. Jeder, der im Publikum ein videofähiges Handy sein Eigen nennt, kann, zum Unmut derer in der Reihe dahinter, nicht davon lassen, diese Funktion einmal ausgiebig zu testen. Aber man sollte sich definitiv davor hüten, Crucified Barabara alleine auf die visuellen Reize zu reduzieren, denn der schwedische Rock'n'Roll tritt durchaus in den Arsch, geht straight nach vorne und Sängerin Mia Coldheart weiß ihre Stimme extrem gut einzusetzen, ohne dabei eine der Nightwish-Trällerelfen zu kopieren. Die wilden, punkigen Stücke werden dabei von ihrer inbrünstigen, rauen Stimme genauso gut getragen wie die melodischeren Sachen, in denen sie das Mikro mit zartem Hauchen liebkost. Daneben post Miss Klara Force in Hot Pants und Leopardenstrumpfhose mit ihrer roten Gibson-Explorer-Axt wie Poisons C.C. DeVille in seinen besten Tagen. Mit Sicherheit ist dieser Auftritt einer der gelungensten Stimmungsaufheller an diesem Tag und eine nicht weniger perfekte Vorbereitung auf eine knappe Stunde Thrash mit Overkill, der in Kürze auf der True Metal Stage folgt.
(Sebbes)

OverkillVor dem Hintergrund, dass diese nächste Combo auf der Speisekarte vor drei Jahren am Donnerstag auf der Party-Stage ein wahres Inferno entfachte, zieht es uns dann doch bis weit vor die Bühne, wo wir ungeduldig auf Bobby Blitz samt Mannschaft, Overkill, warten. Nicht lange. Ich hatte mir schon im Vorfeld gedacht, dass dieses wild werden würde, aber dass die ganze Crew noch mal so in die Gänge kommen würde, hatte ich nicht erwartet. Aber es braucht eben nun mal nur ein wenig guten, lauten Thrash Metal, um das metallische Feuer von neuem zu entfachen. Der Opener "The Green And The Black" geht noch als Aufwärmphase durch, damit ist es aber beim zweiten Song schlagartig vorbei: "Rotten To The Core" so früh im Set und das ganze Areal steht wie auf Kommando auf, während um uns herum in den ersten Reihen die Thrash Metal-Hölle losbricht. Wow, kann vor Staub kaum was sehen, finde mich aber in einem von meinen australischen Kumpanen, die Overkill noch nie live gesehen haben, angeleierten Mosh-Pit wieder, aus dem es so schnell kein Entrinnen gibt. Warum? "'Cause we are the wrecking crew!" "Wrecking Crew" - Overkill tun aber auch alles dazu, dass einem Hören und Sehen vergeht. Bobby, der ein ums andere Mal sein ganzes Charisma ausspielt und ein kaum vom Winde verwehter Sound tragen ihren Teil dazu bei, dass der Gig schon früh zur nächsten Party avanciert. Wie kann es auch anders sein, wenn einem da nacheinander "Hello From The Gutter" und "Coma" verabreicht werden. Auch Overkill kramen fast ausschließlich die alten Hymnen hervor, was uns natürlich taugt ohne Ende. Ein Extra-Goodie aus den Anfangstagen bietet uns die Band in Form des Feel The Fire-Klassikers "Hammerhead" gefolgt von "Ironbound" an. Aber gern doch! Bei "In Union We Stand" umarmen wir uns alle geschlossen und stehen wie die "rotten" Nationalelf da und bei "Bring Me The Night" wird flugs ein Bierchen für die malträtierte Staublunge ersteigert. Ein Bild während der Overkill-Sause fräst sich besonders in mein Gehirn ein: mein Freund Paul, der bei den ersten Akkorden des nächsten Tracks wie von der Tarantel (oder doch dem Skorpion?) gestochen, die Beine angezogen bestimmt 1,5 Meter in die Höhe springt und sich noch im Sprung um die eigene Achse dreht. Der Song hört auf den Namen "Elimination"! Danach heißt es dann "We don't care what you say...", 80.000: "Fuck You!" Extra-coolerweise flechten Overkill in die Schlussnummer "Overkill" von Motörhead als Special-Gimmick ein und so verabschieden sich Bobby Blitz und Co. stilecht. Junge, Junge, rotten to the core. Zwar nicht ganz so over the top wie vor drei Jahren, aber immer noch in einer Liga für sich spielend.
(Fuxx)

Samstagnachmittag, die Sonne brennt. Als Zufluchtsort scheint die W.E.T. Stage als ideales Ziel, u.a. auch um sich dort Die Kassierer anzusehen. Sehen kann ich sie auch, hören jedoch nur kurzzeitig. Warum? Nun, das Zelt ist brechend voll und auch vor dem Zelt hat sich eine nicht ganz unbeträchtliche Menge an Fans versammelt, die wohl alle die gleiche Idee haben wie ich. Es ist absolut kein Durchkommen machbar. Einige versuchen, crowdsurfender Weise ins Zelt zu gelangen, ein paar haben es sich auf dem Dach der Mobiltoiletten bequem gemacht, werden jedoch nach kürzester Zeit von den Securitys wieder nach unten befördert. Nachdem auf den beiden Hauptbühnen gerade kurzzeitig Pause ist, kann man den "tiefgreifenden" Texten der Songs "Blumenkohl Am Pillemann", "Mach Die Titten Frei" und "Im Sauerland Kann Man Teleportieren" lauschen. Warum erinnert mich das ganze an A.O.K.??? Vielleicht liegt es auch am Adamskostüm von Sänger Wölfi, der so wie Gott (oder wer auch immer) ihn schuf über die Bühne fegt. Den Grund werde ich nicht mehr erfahren, denn inzwischen haben Lock Up auf der Black Stage ihren Set eröffnet und überdröhnen alles, was aus der W.E.T Stage nach draußen kommen könnte. (Ray)

DelainNach alternden Punk-Rockern braucht's nun wieder etwas Balsam für die Augen. Die Quelle niederländischer Female Fronted Gothic/Symphonic Metal-Bands scheint ja schier unerschöpflich. Im Fall von Delain liegt die Begründung jedoch recht nahe, zeichnet doch Martijn Westerholt (Ex Within Temptation) für die meisten Songs verantwortlich. Mir fällt in erster Linie natürlich wieder einmal die hübsche Frontfrau Charlotte Wessels auf, nicht nur optisch mit ihren langen dauergewellten roten Haaren, sondern auch sangestechnisch. Die Newcomer, wenn man eine Band nach zwei veröffentlichten Alben überhaupt noch so bezeichnen darf, bewegen sich musikalisch in etwa bei alten The Gathering und Within Temptation, nur noch einen Tick härter. Mit überwiegend Stücken ihres Erstlings Lucidity wie "Sever", "The Gathering" und "Sleepwalker's Dream" im Gepäck rocken die Holländer bei ihrem ersten Wacken-Auftritt richtig die Stage. Zu den Songs "A Day For A Ghost", "Silhouette Of A Dancer" und dem abschließenden "Pristine" erhält die schöne Charlotte dann noch tatkräftige Unterstützung von George Oosterhoek (Ex-Orphanage), der mit seinen Grunts die nötige Härte ins Spiel bringt. Natürlich darf auch "April Rain" vom gleichnamigen aktuellen Album sowie das extrem melodische "Virtue And Vice" nicht fehlen. Auch wenn der Sound nicht ganz optimal ist, da Charlottes Gesang sowie die Keyboards und somit die Hauptbestandteile der Melodie leider etwas hinter Bass und Drums zurückstehen, ist dieser Gig für mich als Liebhaber dieses Genres einer der Höhepunkte beim diesjährigen W:O:A.
(Jason)

Es ist schon Klasse, wenn man vier seiner fünf Lieblingsbands auf einem Festival sehen darf, denn nach Cooper, Mötley und Maiden ist die Zeit gekommen Herrn Lawless meine alljährliche Aufwartung zu machen. Zeit für W.A.S.P.! Neues Intro: eine Überlagerung der größten Hits der Band, plus Video-Zusammenschnitte, was im totalen Lärm- und Bilder-Chaos endet. Kein schlechter Einfall. Mit einem Schlag stürmen Mike Duda und Doug Blair auf die Bühne.
W.A.S.P. Double-Bass-Attacke, "On Your Knees" und Blackie kommt in Wacken an. Ganz in schwarz, Spiegel-Brille und die lässigen Achtziger-Fransen-Stiefel. "Dancin' with danger right until dawn...". Eben. Viel Bewegung auf der Bühne und auch im Publikum. Wir stehen etwa in der zwanzigsten Reihe und haben, wenn wir uns auf die Zehenspitzen stellen, einen überragenden Blick auf die Menge vor der True Stage. Dass Blackie ein Faible für Medleys hat, ist bekannt und so wird die im Ursprung von The Whos Quadrophenia stammende Nummer, "The Real Me", ohne Bruch angeschlossen. Sehr fein. Irgendwie befinden wir uns jetzt schon quasi "in the zone", dabei hat Mr. Lawless doch gerade erst angefangen. "I don't need no doctor, all I need is my love machine." Yep, genau so habe ich mir das vorgestellt und es geht ein Ruck durch die Menge, ein Aufbäumen und 80.000 Metal Heads schreien um die Wette "L. O. V. E. all I need's my Love Machine". Sagenhafterweise hat sich Blackie vom neuen Album den stärksten Song heraus gepickt und wir zelebrieren mit einer Gruppe Mexikanern "Babylon's Burning", das durchaus das Zeug zum zukünftigen Klassiker hat. Einen solchen Status hat "Wild Child" längst inne und ich schwelge in Erinnerungen, wie ich einst Herrn Lawless bei meinem ersten W.A.S.P.-Gig (früher, ganz ganz früher) während des Solos von "Wild Child" einen seiner Fransen vom Stiefel abgerissen habe. Der böse Blick war mir damals gewiss. Ha! Das ist lange her, aber nach einer kurzen Durststrecke Anfang des vergangenen Jahrzehnts präsentiert sich die Band nun schon seit dem Dominator-Album in Höchstform, was auch für den Frontmann selbst gilt, der sogar den "Wild Child"-Schrei in der Mitte der Nummer wieder gepackt hat. Die nächste Explosion steht an, als die Band "Hellion" zum Besten gibt, das lange nicht mehr im Set gestanden hat und über das sich wohl jeder langjährige Fan mehr als freut. Gleiches gilt für "I Don't Need No Doctor", das wieder innerhalb eines Medleys mit "Hellion" verknüpft wird und auf das die letzte Strophe samt Refrain von "Scream Until You Like It" folgt. Danach kurze Stille, bevor kreischendes Kettensägengeratter das Areal überflutet. Siebeneinhalb Minuten Chainsaw Massacre. Siebeneinhalb Minuten "Chainsaw Charlie", also die lange Album-Version mit allen Mitsing- und Abgeh-Parts. Immer wieder großartig. Emotion pur als die ersten gezupften Töne von "The Idol" angespielt werden. Als Blackie dann "If I could only stare, stare in the mirror, would I see, a fallen hero with a face like me." zu singen beginnt, stellt sich auch Ruck Zuck die voraussehbare, aber gern erlebte Gänsehaut ein. Man fällt sich in die Arme und holt trotz Tageslicht die Feuerzeuge (Handy-Verbot!) raus. Doug Blair übertrifft sich mit dem Schluss-Solo selbst. Sackerdi, was ein Gitarren-Hexer. Wie erwähnt können wir die Szenerie gut überblicken und ich habe nur darauf gewartet 80.000 bei der letzten Nummer völlig außer Rand und Band zu sehen. "I Wanna Be Somebody", inklusive "Audience Participation", bei der das Publikum in zwei Hälften geteilt wird und gegeneinander ansingt. Ganz wie anno 1984. Gut, dass sich manche Dinge nie ändern. Sehr gut sogar. Danach ist Schicht im Schacht. Ganz starke Performance, vielleicht ein bisschen zu kurz, aber in dieser Besetzung ist mit W.A.S.P. in den nächsten Jahren auf alle Fälle zu rechnen. "Live... in the Raw" eben.
(Fuxx)

Etwa zur selben Zeit im Zelt der W.E.T. Stage: Dort spielen nun Varg und die sind ja inzwischen in aller Munde, vor allem aufgrund der Hetzkampagne der Antifa. Wo genau man die Band nun einzuordnen hat, ist meiner Meinung nach noch nicht abschließend geklärt. Den Anwesenden vor der Bühne ist das jedoch egal. Denen geht es nur ums Feiern und die Zahl der Fans spiegelt sich in all den Varg-Shirts wider, die im Publikum zu sehen sind, als die Band loslegt. "Viel Feind Viel Ehr", "Skal", "Blutaar" und "Schildfront" werden nun durch die PA gejagt und von den Fans vor der Bühne begeistert aufgenommen. Respekt an dieser Stelle an den Schlagzeuger Fenrier, der ständig seinen Haarpropeller eingeschaltet hat und dauerrotierend sein Schlagzeug bearbeitet. Im Publikum wird ebenfalls viel gebangt oder sich im Moshpit vergnügt. Zum Abschluss folgt "Wolfzeit", bevor die Band unter viel Beifall die Bühne verlässt. Was ich an diesem Auftritt vermisse, ist, dass man die Gelegenheit, sich noch einmal klar und deutlich zu den vorgebrachten Nazi-Vorwürfen zu äußern bzw. Stellung zu beziehen, nicht genutzt hat. Wo, wenn nicht auf Wacken, kann man als Band so viele gleichzeitig erreichen? Schade, Chance verpasst.
(Ray)

Inmitten des Zirkeltrainings, das man absolviert, um von A nach B zukommen, vergisst man glatt, dass sich auch im Wackinger Village noch eine Bühne befindet. Ich erinnere mich noch gut an den Auftritt von Tyr anno 2007, damals noch auf der W.E.T. Stage. Nun stehen die Färöer Jungs zwar auf der viel kleineren Wackinger Stage, jedoch vor definitiv mehr Leuten. Dicht drängen sich die Fans schon gute 45 Minuten vor Beginn der Show. Gut, wer schon so früh da ist, denn die Spätankömmlinge hinten müssen sich aufgrund des unebenen Geländes nur mit der Musik begnügen, zu sehen gibt es von den hinteren Reihen leider nicht mehr viel. Auch optisch hat sich einiges getan, trat man 2007 noch mit nacktem Oberkörper auf, so hat man sich für heute in den feinen Zwirn begeben, mit Kettenhemd und aufwändiger Panzerung betritt man die Bühne und legt gleich mit "By The Sword In My Hand" mächtig los.
TyrDer Song wird begeistert mitgesungen und eine riesige Welle der Euphorie brandet den sympathischen Jungs entgegen. Nach "Trondur I Gotu" muss ich den Fotograben verlassen und schnell wird mir klar, dass das Wackinger Village definitiv zu klein ist für eine Band wie Tyr. Diese Band gehört mindestens auf die Party Stage, wenn nicht sogar auf die Black Stage. Und so bleibt mir nichts anderes über, als mir die restlichen Songs nur anzuhören, von sehen kann nur noch sporadisch die Rede sein. "Regin Smidur" und "Olavur Riddararos" folgen, ehe es dann beim allseits erwarteten "Hail To The Hammer" ein Mitsingspielchen gibt, dem wohl alle Folge leisten. Über das flotte "Hold The Heathen Hammer High", bei dem sich einige Surfer auf den Weg in Richtung Bühne begeben, geht es weiter bis zum "Northern Gate", bei dem die Fans ebenfalls mächtig abgehen. Eines bleibt fest zu halten: Wacken 2010 ist für Tyr ein wahrer Triumphzug und wie schon erwähnt: diese Band gehört auf eine größere Bühne. Hail to the Hammer!!!
(Ray)

Es ist nun 19:30 Uhr, die Hitze der Nachmittagsstunden ist angenehmen Temperaturen gewichen und vor der Black Stage beginnen sich die Massen immer dichter zu drängen. Der Grund: Floridas Old-School-Institution in Sachen Todesblei, Cannibal Corpse, ist nach Wacken zurückgekehrt und wird gleich mit der Wucht einer 100-Tonnen-Dampflok auf der Bühne wüten. Dabei ist es gar nicht weiter schlimm, wenn man nicht jeden einzelnen Titel kennt - die hören sich für ungeschulte Lauscher eh alle gleich an - aber schon diesem halslosen Hünen namens George "Corpsegrinder" Fisher beim Röhren und Hochgeschwindigkeitspropellern zuzusehen bereitet mächtig Freude. Die Fans gehen steil zu Titeln, wie "I Will Kill You", "Death Walking Terror", "Make Them Suffer" oder "Priests Of Sodom", das allen weiblichen Fans gewidmet wird. An mehreren Stellen entbrennen Circle Pits, die von Herrn Fisher noch angefeuert werden. Nach "Staring Through The Eyes Of The Dead" und "Hammer Smashed Face", quasi der Visitenkarte der Kannibalen, die hierzulande lange Zeit nicht gespielt werden durfte, ist vorerst mal Schluss. Als Zugabe wird uns schließlich "Stripped, Raped And Strangled" serviert - heiß und fettig!
(Dagger)

Zu dieser Nummer kämpfe ich mich allerdings schon durch die Reihen in Richtung W.E.T. Stage. Dort schlagen nun die Isländer Solstafir deutlich ruhigere, aber dennoch ausgesprochen intensive Töne an. Diese genrefreie Mixtur aus elegischem Black Metal, Rock und Ambiente ist nicht geschaffen, die breite Masse zu erreichen. So ist im Zelt auch herzlich wenig los. In der Spielzeit schaffen es die Ausnahmekünstler, nur drei ihrer überlangen Songs voller Hingabe zu zelebrieren: "Köld", "Pale Rider" und "Ritual Of Fire". Man muss vermutlich Fan sein und mit dem Material vertraut, um hier auf seine Kosten zu kommen. Ich für meinen Teil behalte diesen schwermütigen, fast schon meditativen Auftritt in bester Erinnerung.
(Dagger)

Doch hinfort mit all der Schwermut, schließlich spielen nun Edguy auf der True Metal Stage. Und der Name Edguy ist ja gewissermaßen gleichzusetzen mit Party! Auch wenn ich von der Kollegenschaft dafür verpönt werde, mache ich mich nun auf den Weg zur Bühne, um mir die Vorzeige-Brave-Buben-Metal-Kapelle reinzuziehen. Immerhin belustigt die Videoleinwand die Zuschauer schon mal mit dem Hinweis, bei der nun folgenden Band keine Circle-Pits zu organisieren. Verglichen mit Maiden am Donnerstag ist fast bis kurz vor den Bühnenrand noch genügend Platz, um gemütlich herumzustehen und gleichzeitig einen guten Blick auf das Geschehen zu bekommen. Als Opener liefern Tobias Sammet - fröhlich as ever - und seine Jungs "Dead Or Rock" vom aktuellen Tinnitus Sanctus-Album ab, um die noch zaghaften Gäste vor der Bühne so langsam auf Tour zu bringen. Während "Speedhoven" und des bombastischen "Tears Of A Mandrake" sieht man zwar so langsam immer mehr Leute mit den Füßen wippen, aber so richtig will das Eis erst brechen, als Toby das obergeniale "Vain Glory Opera" vom gleichnamigen Album anstimmt. Auch nach über zehn Jahren ist dies immer noch eine unglaubliche Stadion-Hymne, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Weiter geht es mit dem Gute-Laune-Rocker "Lavatory Love Machine", bei dem eine circa 400-Mann-starke Polonaise vor meinen Füßen vorbeizieht. Ich sag's euch, Metaller darf man an diesem Wochenende nicht ernst nehmen! Jetzt tut sich aber auf der Bühne auch was... Markus Großkopf, seines Zeichens Helloween-Basser, übernimmt den Platz am Bass (was sonst?) und schäkert mit Toby, oder besser gesagt Toby mit Markus. In dieser Besetzung wird "Superheroes" zum Besten gegeben, was natürlich auch wieder herrlich zum Mitsingen einlädt, bevor mit "Save Me" die Ballade des Abends auf dem Programm steht. Also, alle Mann Feuerzeuge raus und ab in die Luft damit. Auch wenn "Save Me" lange nicht an die emotionalen Qualitäten eines "Scarlet Rose" heranreicht, ist die Stimmung im Publikum, wenn Edguy Balladen anstimmen, durchaus beeindruckend. Inzwischen hat Tobias auch das Geheimnis gelüftet, warum Herr Großkopf heute auf der Bühne aufgetaucht ist: Edguy-Basser Tobias Exxel hatte seinen Lümmel nicht unter Kontrolle (O-Ton Tobias Sammet) und sorgt somit dafür, dass irgendwann in diesen Tagen Edguy-Nachwuchs auf die Welt kommt. Markus Großkopf ist quasi als Ersatzmann hier angestellt, falls Toby II plötzlich unabkömmlich werden sollte. Mit "Sacrifice" und dem Rauswerfer "King Of Fools" nehmen Edguy nochmal etwas Fahrt auf, bevor ein richtig gelungener Gig viel zu früh zu Ende geht. Ja, ich hätte der Musik von Edguy tatsächlich noch etwas länger lauschen können, aber dafür sind die vereinzelten Zugaberufe dann doch etwas zu zurückhaltend.
(Sebbes)

O.K. - nun reicht es auch wieder mit Jux und Tollerei. Die Sonne ist verschwunden, die Dunkelheit heraufgezogen - Bühne frei für Immortal! Nach ihrer Reunion-Show im Jahr 2007 kehren die drei Düsterheimer mit Abbath an ihrer Spitze zurück auf die Bretter der Black Stage und haben ein neues Album im Gepäck: All Shall Fall. Mit dessen Titeltrack steigen die Norweger sogleich in ihr Set ein. Doch was da viel zu leise und unausgewogen aus den Boxen kriecht, ist alles andere als zufrieden stellend. Erst zur Halbzeit der zweiten Nummer "Sons Of Northern Darkness" kann der Klang verbessert werden und die Stücke entfalten ihre eigentlich grimmige, wie erhabene Atmosphäre. Es ist wirklich beeindruckend, wie Abbath und Apollyon den großen Raum der Black Stage nutzen - Drummer Horgh ist ja an seinem Platz fixiert - und sich ständig in Bewegung befinden, posen was das Zeug hält, Grimassen in die Kameras schneiden oder synchron headbangen. Gerade Abbath scheint sich so einiges von Gene Simmons abgeschaut zu haben und züngelt, wie der Kiss-Bassist zu seinen besten Zeiten. Mit "The Rise Of Darkness", "Hordes Of War" und "Norden On Fire" ist die aktuelle Scheibe bestens repräsentiert. Es reiht sich Hymne an Hymne. So folgt auf "Damned In Black" und "Withstand The Fall Of Time" das erhabene "Beyond The Northwaves", das dank massivem Einsatz von Pyrotechnik zum absoluten Highlight des Konzerts avanciert. Den Schlusspunkt setzt das infernale Trio mit "One By One", zu dem noch einmal jeder seine Matte kreisen lassen kann. Ein starker und routinierter Auftritt! Leider kamen nur die letzten vier Alben zum Zug, älteres Material wurde dieses Mal völlig außen vor gelassen.
(Dagger)

Wer nun nicht unbedingt der Dunkelkunst frönt, für den steht eine attraktive Alternative parat: Orden Ogan auf der Wackinger Stage. Dumm nur, dass diese sich außerhalb des Hauptgeländes befindet und gerade circa 40.000 Edguy-Fans ebenfalls das Areal verlassen wollen. Also lässt man sich halt gemächlich zu den Toren des W:O:A hinausspülen, wobei ich, während ich gerade so an der W.E.T. Stage vorbeigedrückt werde, überraschenderweise ein paar bekannte Töne vernehme: "Raven Land - Misteltoe". Ach, wie geil, Lake Of Tears haben die alten Songs von der III-Platte ausgegraben. Eigentlich würde ich mir das gerne anschauen, aber Orden Ogan ruft und das darf ich erst recht nicht verpassen.
Den ersten Song habe ich dann, als ich endlich vor der brutal vollen Wackinger Stage angespült werde, doch schon verpasst. Sofort fällt auf, dass ein beißender Knoblauchgeruch in der Luft liegt. Was machen die eigentlich hier den ganzen Tag? Hexen verbrennen? Vampire jagen? Keine Ahnung! Trotzdem ist die Stimmung, die von Sänger Seeb mit diversen Blödel-Spielen immer weiter angefeuert wird, auf und vor der kleinen Bühne erstaunlich ausgelassen. Überhaupt ist die stark bebartete Melodic-Metal-Truppe recht lustig anzuschauen und kann auch musikalisch voll überzeugen. Wer die aktuelle Platte Easton Hope kennt, weiß, dass man diese Songs nicht mal so einfach aus dem Ärmel schüttelt, und so brauche ich einige Zeit, bis sich in meinem Kopf ein stimmiges Bild aus den rauen Gesellen auf der Bühne und der filigranen Musik in meinen Ohren bildet. Einer der Höhepunkte des Auftritts ist mit Sicherheit der an Blind Guardian'sche Epen erinnernde Titelsong des aktuellen Albums, "Easton Hope", der aus den angeblich 10.000 Kehlen vor der Wackinger Stage mit Inbrunst mitgesungen wird. Auch wenn Orden Ogan felsenfest behaupten, dass sie nicht mit Blind Guardian verglichen werden wollen - wenn man Songs mit gefühlten 400.000 Spuren und Begriffen wie Nightfall im Refrain macht, muss man sich das wohl gefallen lassen. Auch mit Running Wild wollen sie nicht verglichen werden, die Ogans, deswegen holen sie für den Song "We Are Pirates" gleich mal Ex-Running-Wild-Klampfer Majk Moti und X-Wild-Sänger Frank Knight auf die Bühne. Na, ob das mal hinhaut?! Egal, stimmungsmäßig trifft der Song jedoch voll ins Schwarze, denn wieder bemüht sich wirklich jeder, so laut wie möglich den Ohrwurmrefrain "We are pirates! And we are free!" mitzusingen. Und dann passiert noch etwas, was ich dieses Jahr in Wacken noch überhaupt nicht erlebt habe: Zugabe-Gesänge, die man einfach nicht ignorieren kann. Fast melancholisch fühle ich mich um sieben, acht Jahre zurückversetzt, als in Wacken alles noch kleiner, aber dafür der Geist des Publikums noch konzentrierter und fordernder war. Die kleine Bühne, der Heißhunger von Orden Ogan nach Erfolg, der volle Platz, die überglückliche Menge - das alles macht diesen Abend unvergesslich und irgendwie viel schöner als viele der ausgelutschten Auftritte auf den großen Bühnen des W:O:A. Als Dank für den tollen Abend wird noch der Song "Mystical Symphony" als Bonus für das Re-Release des vergriffenen Orden Ogan-Erstlingswerkes Vale live aufgenommen, auf dem ihr dann auch den Redakteur klatschen hören könnt. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, wie toll mir, und mit Sicherheit auch den 10.000 anderen Piraten um mich herum, diese Vorstellung gefallen hat.
(Sebbes)

Doch nicht nur vor der Wackinger Stage herrscht einiges an Bewegung. Als wenig später die sphärischen Klänge und die Bassdrum von Fear Factory den Beginn der Show einläuten, ist der Bereich vor der Black Stage brechend voll und die Stimmung steigt schlagartig an. Man eröffnet das Spektakel direkt mit "Mechanize", gefolgt von "Shock". Rechtzeitig zum "Edgecrusher" ist der Sound schön ausgehfertig gemacht, sodass dieser auch so saftet wie er saften soll. Was folgt ist ein gelungenes Potpourri aus alten und neuen Songs. Einige Stücke von Mechanize sind zu hören und so Klassiker wie "Demanufacture", "Resurrection", "Linchpin", welcher meines Erachtens ja Pflicht bei jeder Setlist sein sollte, "No One", "Replica" oder "Acres of Skin". Musikalisch sind die vier wieder auf sehr hohem Niveau unterwegs und besonders vor Gene Hoglan und seinem anscheinend grenzenlosen Talent muss man ehrfürchtig den Hut ziehen. Dennoch gibt es auch Schattenseiten während des Abends. Das immer wiederkehrende Problem mit Mr. Bells klarem Gesang, der live einfach nicht sauber ist und einem gerade bei solchen Stücken wie "Linchpin" ordentlich in die Suppe spuckt. Generell können die Herren auch etwas mehr Bühnenpräsenz zeigen, aber das ist alles Meckern auf hohem Niveau, wenn man an solch einem Abend nach Fehlern suchen muss. Es bleibt ein genialer musikalischer Vortrag von Fear Factory, der mir und vielen verschwitzten Moshern wohl in Erinnerung bleiben wird.
(Alex)

Zur selben Zeit auf der Party Stage werden doch deutlich ruhigere Töne angeschlagen. Meine persönlich letzte Band beim W:O:A 2010 sind Tiamat, zumal es am nächsten Tag schon um halb acht Uhr morgens heißen sollte: Zelte abbauen, um dem großen Rückreiseverkehr zu entgehen. Die Mannen um Johan Edlund sind nach 1995 erst zum zweiten Mal beim größten Metal-Festival der Welt vertreten und auch ich habe sie eine Zeit lang nicht mehr gesehen. Entsprechend neugierig bin ich noch mal zum Abschluss. Inmitten sich deutlich gelichteter Reihen - bei der Konkurrenz Fear Factory auf der Black Stage auch nicht verwunderlich - erkenne ich mit Freude die ersten Klänge des Wildhoney-Albums mit dem gleichnamigen Intro und den beiden Hammer-Nummern "Whatever That Hurts" und "The Ar". Wenn das kein Auftakt nach Maß ist?! Was ich allerdings zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: die Schweden planen - ähnlich wie bereits am Vortag Grave Digger - ein komplettes Album - in diesem Fall eben Wildhoney - von A bis Z durchzuspielen. Wer das Album kennt, weiß natürlich, dass es hierbei auch viele Längen mit diversen Soli und Keyboard-Instrumentals gibt. Ob dieser Tatsache dann doch etwas enttäuscht, zumal ich mir zu dieser späten Stunde ein paar mehr Hits zum Wachbleiben erhofft habe, verlasse ich die Party Stage nach den Songs "25th Floor", "Gaia" und "Visionaire" und schleppe mich in mein Zelt. Da hatte sich das Aufbleiben wohl nicht ganz gelohnt - leider.
(Jason)

Es stünde nun noch U.D.O. auf dem Betriebsplan der True Metal Stage, und der Boandlkramer sei mein Zeuge - nur zu gern würde ich das Festival mit dem "German Tank" beenden. Der Geist ist willig, aber der Körper ist schwach. Und meine Füße zitieren mich zum Zelt, wo ich zumindest aus der Ferne den Nummern des Herrn Dirkschneider lauschen kann. Dass ich mich gründlich in den Allerwertesten beiße, wenn der Wind die Noten von "Balls To The Wall" in mein Refugium trägt, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Aber, wie schon erwähnt, ist morgen ein früher Aufbruch geplant. Es ist also besser so, und ich bin mir sicher, dass sich U.D.O. nicht zum letzten Mal die Ehre auf den Brettern der Wacken-Bühne gegeben hat.
(Dagger)

Erinnerungen

So sind, ehe man sich versieht, die Tage im Land der Wackinger auch schon wieder gezählt. Es bedarf ja bekanntlich nur ein wenig Spaß und Beschäftigung und die Stunden verfliegen geradezu. Obwohl wir heuer zu sechst unterwegs waren, um euch werten Lesern einen möglichst ausführlichen Bericht zu liefern, haben wir längst nicht alles sehen und beschreiben können. Aber wer schon einmal ins Land der Wackinger gereist ist, der weiß eh, was man hier alles erleben kann. Und wer noch nicht hier war muss sich sputen, wenn es an den Vorverkauf für 2011 geht, denn die Tickets sind bekannter Maßen schnell vergriffen. Mit Blind Guardian, Apocalytica, Avantasia und Suicidal Tendencies sind bereits die ersten Bands für Runde 22 bestätigt. Es dürfte allerdings ein schwerer Job für die Firma werden, an das diesjährige Billing, vor allem an den grandiosen Donnerstag, anzuknüpfen. Aber lassen wir uns überraschen.

Pünktlich zum Ende des Festivals verlässt uns das gute Wetter. Sonntagmorgen stehen wir sehr bald auf, verzichten auf ein Frühstück und versuchen, auf dem schnellsten Weg die Autobahn Richtung Hamburg zu erreichen. Und siehe da, in diesem Jahr entgehen wir sogar dem obligatorischen Stau vor dem Elbtunnel. Ausgezeichnet! Als wir uns schließlich kurz nach Hamburg in einer Raststätte zum ausgiebigen Frühstück einfinden, ereilen uns dank einer Mattscheibe über dem Tresen Bilder von reißenden Fluten in Sachsen, Tschechien und Polen, wo die Neiße über ihre Ufer getreten ist und dort das schlimmste Hochwasser seit 2002 verursacht hat. Wenn die Leute also künftig über das Jahr 2010 sprechen, werden sie sich mit Sicherheit auch an diese Naturkatastrophe erinnern. Der Wackinger hat davon nur wenig mitbekommen. Er wird sich daneben an ein wunderbares Wochenende im Schleswig-Holstein'schen erinnern, an ein tadellos organisiertes "Familientreffen", an viele wunderbare Bands und all die individuellen Eindrücke, die einem niemand wieder nehmen kann.
Wir berichteten live vom Wacken Open Air 2010, Faster Harder Louder, Rain Or Shine - bis zum nächsten Mal! (Dagger)

Mötley Crüe

Alex, Sebbes, Fuxx, Dagger & Ray

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