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Festival-Bericht

Wacken Open Air

mit Iron Maiden, Slayer, Mötley Crüe, Alice Cooper, Skyline, Red Hot Chilli Pipers, Mambo Kurt, Dew-Scented, Amorphis, Orphaned Land, Mad Max, The BossHoss, The Other, Frei.Wild, Lizzy Borden, Kamelot, Tarja Turunen, Arch Enemy, Broilers, Grave Digger, Slayer, Ihsahn, Atrocity, Raven, Corvus Corax, Ektomorf, The New Black, W:O:A Firefighters, Caliban, Degradead, Kampfar, Crucified Barbara, Overkill, Die Kassierer, Delain, W.A.S.P., Varg, Tyr, Cannibal Corpse, Solstafir, Edguy, Immortal, Orden Ogan, Fear Factory, Tiamat & U.D.O.

Festivalgelände Wacken, Wacken 05.-07.08.2010

(Fotogalerien: Wacken2010 Donnerstag, Wacken2010 Freitag, Wacken2010 Samstag)

Donnerstag, 05.08.2010

A Night To Remember

Wie jedes Jahr lassen wir auch 2010 den Donnerstag eher ruhig angehen. Während sich unser Ray zum Geo Caching begibt, weil irgendwo am Ortsrand ein kleines Schatzkästchen mit einem Logbuch vergraben liegt, und Sebbes auf die Zeltplätze steuert, besuchen Jason und ich - wie jedes Jahr - einen Bekannten im Ort. Zufällig bekommen wir dabei mit, dass Uli Jon Roth gerade einige Video-Aufnahmen in der Wackener Friedhofskirche absolviert, nachdem uns die ungewohnten Gitarrensounds, die zu früher Stunde in dem Gotteshaus erschallen, aufgefallen sind. (Dagger)

Den Donnerstagnachmittag nutze ich, um mir das Wackinger Village genauer anzusehen, in dem unter anderem auch die Wackinger Stage untergebracht ist. Umsäumt wird diese von allerlei Ständen, wo man sich kulinarisch oder textiltechnisch mittelalterlich eindecken kann. Auch gibt der eine oder andere Künstler auf dem "Marktplatz" seine Darbietungen zum Besten wie zum Beispiel jonglieren mit brennenden Fackeln und dergleichen. Dieser Platz sollte im Laufe des Festivals ein ums andere Mal überlaufen werden (ja, das ist wörtlich gemeint), denn bei Equilibrium oder Tyr platzt dieses Areal aus allen Nähten. Hier muss für das nächste Jahr noch dringend nachgebessert werden. Gleich nebenan befindet sich das Veranstaltungszelt Bullhead City, in dem vor allem drei Veranstaltungen ablaufen: Wrestling, Oil Catching Girls und der Wet T-Shirt-Contest. Und da ich schon mal da bin - was für ein Zufall - schau ich mir doch gleich mal das Ende des Wrestlings und den folgenden Wet T-Shirt-Contest an. Das Wrestling kennt man ja aus dem Fernsehen, auch hier in Wacken gibt es einen guten und einen bösen Wrestler, die mit allerlei Action den Gegner zu Fall bringen. Das Zelt ist sehr gut gefüllt und die Luft kann man schneiden. Danach bitten zwei nicht gerade unansehnliche Damen in Bikini fünf freiwillige weibliche Fans aus dem Publikum zum anstehenden Wet-Bewerb auf die Bühne. Nach anfänglichem Zögern bekommt man doch noch die Runde voll und unter lautem Beifall werden die Mädels dann gewässert. Per Beifall wird die Gewinnerin gekürt und als Prämie gibt es ein Wacken-Shirt. Allerdings sollte man meiner Meinung nach nur volljährige Mädels mitmachen lassen, denn unter den fünf ausgewählten Teilnehmerinnen befanden sich doch zwei (nach eigener Aussage) Minderjährige. Hier wäre etwas mehr Verantwortung seitens der Veranstalter wünschenswert.
(Ray)

Schnell sind sie dann vorüber, die wenigen Stunden der Erholung. Auf der W.E.T. Stage im Zelt ist der Nachwuchs im Rahmen des Metal Battle zwar schon seit 12:00 Uhr fleißig am Musizieren, doch um 16:00 Uhr startet das Programm auf den beiden Hauptbühnen, der Black Stage und der True Metal Stage. Für diesen ersten Festivaltag konnten die Veranstalter in der Vergangenheit ja stets namhafte Bands engagieren, das diesjährige Billing lässt jedoch alles bislang da gewesene weit hinter sich. Alice Cooper, Mötley Crüe und schließlich Iron Maiden - da bleibt einem glatt die Spucke weg, was sicherlich nicht nur am knochentrockenen Festivalareal liegt, dessen Staub einem allmählich in alle Ritzen kriecht.

Doch zunächst betreten Skyline, quasi als kleiner Aperitif, die Black Stage. Skyline ist die Band, mit der vor vielen vielen Jahren auch Veranstalter Thomas Jensen anlässlich des ersten W:O:A 1990 auf einer selbst gezimmerten Bühne in der so genannten Sandkuhle auftrat. Heute steht er zwar nicht mehr auf der Bühne, dafür begrüßt uns Doro Pesch in gewohnt euphorischer Manier und schmettert die offizielle Wackenhymne "We Are The Metalheads" durch die Boxen. Danach gibt sie noch "All We Are", ihre eigene Hymne an den Spirit des Heavy Metal, zum Besten - wenn das mal kein gelungener Einstieg in das Showprogramm ist. Die Band widmet sich nun einigen Coversongs, nämlich "Breaking The Law" von Judas Priest, "Shot Down In Flames" von AC/DC und natürlich darf auch eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Ronnie James Dio nicht fehlen: "Holy Diver". Schließlich betritt mit Udo Dirkschneider ein weiteres Urgestein des deutschen Heavy Metal die Bühne, präsentiert uns die Wackenhymne 2010 "Heavy Metal W:O:A" und anschließend den großen Accept-Klassiker "Balls To The Wall" - was für ein Auftakt!

Jason und ich nutzen nun die Umbauzeit und begeben uns mit der Jägermeister-Gondel in luftige 40 Meter Höhe, wo einem das Ausmaß des Festivals erst so richtig bewusst wird. Zum Glück steht ein eisgekühlter Jägermeister bereit, um den großartigen Ausblick gebührend zu begießen. Also nich' lang schnacken, Kopp in Nacken! Zur gleichen Zeit können wir beobachten, wie unter uns die Massen ins Gelände und vor die True Metal Stage strömen.

Das hat natürlich seinen Grund, denn dieses Podium beansprucht nun der Großmeister des Schock-Rock, Mr. Vincent Damon Furnier alias Alice Cooper. Im klassischen Rocker-Outfit mit Lederjacke eröffnet er seinen Gig mit drei ganz großen Nummern, nämlich "School's Out" (passend zum Ferienbeginn in vielen Bundesländern), "No More Mr. Nice Guy" und "I'm Eighteen". Grandios! Was nun folgt ist eine lange Reise durch seine Diskografie, in der die meisten seiner bislang 25 Studioalben Berücksichtigung finden. Währenddessen verwandelt er nicht nur mehrmals sich selbst, tritt in Uniform, Zwangsjacke oder im Spinnenkostüm auf, sondern auch die True Metal Stage in eine Theaterbühne, in den Schauplatz eines Horror-Musicals. Dort bringt er verschiedene Protagonisten eigenhändig und auf spektakuläre Weise um die Ecke, wird aber auch selbst gerichtet - gleich dreimal: mit der Guillotine, am Galgen und in einer Art eisernen Jungfrau. Die Musiker, die er für den Auftritt um sich geschart hat, leisten ausgezeichnete Arbeit und servieren uns die makaberen Stories mit jeder Menge Power. Alice Cooper Schon bald findet der Gig und auch das gesamte Festival mit dem allseits bekannten "Poison" einen ersten Hochpunkt, zu dessen Anlass Alice Cooper von einer Krankenschwester mit einer gewaltigen Giftspritze ein weiteres Mal getötet wird. Währenddessen stimmen Tausende Fans den bekannten Refrain an und Gänsehaut ist garantiert. Balladesk ertönen kurz darauf "Only Women Bleed" und "I Never Cry". Schließlich wirft sich Cooper im Sinne seines aktuellen Albums Along Came A Spider in bereits erwähntes Spinnenkostüm, lässt sich mit der Hebebühne etwa fünf Meter in die Höhe befördern und erzählt uns von dieser symbolisierten Mitte eines Spinnennetzes aus in "Vengeance Is Mine" seine jüngst ersonnene Geschichte eines Serienmörders. Gegen Ende jagt schließlich ein Klassiker den nächsten: "Billion Dollar Babies", "Killer", "I Love The Dead", "Under My Wheels" und "Feed My Frankenstein". Zu Letztem gesellt sich ein übergroßer und gar hässlicher Zyklop zu den Musikern und scheucht sie einmal quer über die Bühne. Dann ist erstmal Schluss. Nach kurzer Pause kehrt der Meister aber zurück und serviert uns "Elected" und ein zweites Mal "School's Out". So endet nach 90 Minuten und 24 Songs das beeindruckende und unterhaltsame Schauspiel eines Künstlers in Topform. Mit seinen 62 Jahren hat uns Alice Cooper noch einmal gezeigt, was in ihm steckt - Golf, Drogen und Rock 'n' Roll scheinen eben doch auf ewig jung zu halten.
(Dagger)

Noch völlig vercoopert versuchen wir uns an einem Standortwechsel, um für den nächsten Act ein Plätzchen möglichst nah am Geschehen zu ergattern, müssen aber feststellen, dass the Alice das Areal sozusagen "voll gespielt" hat und es einiges an Energie kostet, sich diagonal einen Weg bis vor die Black Stage zu bahnen. Unsere 12-köpfige Crew schrumpft dabei auf drei Headbanger zusammen, aber wir schaffen es letztlich bis in die ca. zehnte Reihe. Gerade rechtzeitig: Dragcar-Sound... "Kickstart My Heart". Das kann nur eines bedeuten: Mick Mars, Vince Neil, Tommy Lee und Nikki Sixx. Die echten Mötley Crüe. Wogen gehen durchs Publikum, wie ich es lange nicht mehr erlebt habe, und nachdem ein weiteres Mal Motorengeräusche ertönen und Mick Mars das Riff von "Wild Side" vom Stapel lässt ist klar, dass die Crüe mehr als gewillt ist, den Höchst-Level der Cooper-Show zu halten. Mötley CrüeWer "Shout At the Devil" im Repertoire hat, dem sollte das auch nicht sonderlich schwer fallen. Von einem Moment auf den anderen springen die Menschen wie Gummibälle auf und nieder und zeigen die obligatorischen Hörnchen. In diesem Moment shouten alle! Vince erweist sich als recht agil und nutzt die Bühne vollends aus, Tommy verausgabt sich wie gewöhnlich hinter seinem Monster-Kit, Mick sieht besser aus als zuletzt und da ist ja auch einer der letzten Rockstars schlechthin. Alle Augen auf Nikki Sixx! Überraschenderweise gehen die mittlerweile sicher 65.000 bei "Saints Of Los Angeles" genauso steil wie bei den ersten drei Nummern, als es aber danach heißt "She's got the Looks That Kill" kommt noch eine Nuance mehr an Bewegung in die ohnehin elektrifizierten ersten Reihen. Kurzes Hendrix-Zwischenspiel seitens Herrn Mars und weiter im Mötley-Text mit "Live Wire". Logisch, dass die Menge aus dem Bangen, Moshen, sich um die eigene Achse drehen oder Luft-Gitarre-Spielen nicht mehr raus kommt. Aha, Vince holt die Akustische raus und ich schrei meinen australischen Kumpel Wilson an: "Girl, Don't Go Away Mad"! Oh ja, eine meiner Jugend-Hymnen und noch nie live gehört. Ganz spezieller Moment; erst beim ersten Refrain habe ich mich wieder einigermaßen gefasst. Genial! Die Mötley-Party nimmt ihren Fortgang weiterhin im "Dr. Feelgood-Dress" und die Hollywood-Ikonen zocken "Same Ol' Situation", bevor mit "Motherfucker Of The Year" der zweite Track vom letzten Output zu Ehren kommt. Eventuell gemünzt auf die Steel Panther-Einspielungen, die das ganze Festival über auf den Screens zu sehen sind, erklärt uns Mr. Sixx: "This ist the real shit. Mötley f***in Crüe!", als ob wir das nicht längst wissen. Für die langjährigen Die Hard-Fans greifen die Jungs tief in die Sleaze-Schatzkiste und kramen "Ten Seconds To Love" hervor, so dass erst gar kein Gedanke daran verschwendet werden kann, unsere zappelnden Glieder in Ruhepositionen zu bringen. "Primal Scream" wird danach gern genommen, aber erst beim nächsten Song kommt es zu einer weiteren Explosion: "Dr. Feelgood". 1675-mal gehört und keine Verschleißerscheinungen. Manche mögen sich immer noch an Vince' exklusivem Gesang stören, aber hey, das ist Vince Neil! Micks Gitarre hatte schon vorher im Ace-Stil zu rauchen angefangen und als es da heißt "Everybody put your right fist in the air and do it like this" (Motorrad-Anlasser-Pose) wird allen deutlich vorgeführt, dass Mötley zum Grande Finale ausholen und mit der Stripper-Hymne schlechthin ein denkwürdiger Auftritt ans Ende gelangt: "Girls, Girls, Girls"! In den Tagen vorher zigmal gesungen, jetzt live und wahrhaftig. Noch mal eine letzte Band-Vorstellung und die vier L.A.-Rocker räumen die Bühne. "Home Sweet Home" fällt dabei Mr. Cooper zum Opfer, der ein wenig überzogen hatte, aber was für ein Start ins Festival. Ein Package aus Alice Cooper und Mötley Crüe. Besser geht es kaum.
(Fuxx)

Nass geschwitzt. Staublunge. Bierstand. "Wilson, it's your turn." "Of corpse!" Wir beschließen, uns nach der erlebten Extravaganza die nächste Band aus der Ferne anzusehen, haben aber von der Cocktail-Bar aus einen vorzüglichen Blick auf das Geschehen, das sich auf der True Stage ankündigt, und auf der Eddie bereits um die Ecke zu grinsen scheint. Wie gewöhnlich aufwendige Bühnenaufbauten, heute im "Final Frontier"-Look. Schon im Vorfeld war klar, dass das Gelände beim nächsten Act voll, und ich meine voll, werden würde, denn, es genügen hierzu nur zwei Worte: Iron Maiden! Nach dem bekannten UFO-Intro legen die Eisernen mit "The Wicker Man" los. Top-Sound, auch von unserem Platz aus. Da haben die Veranstalter und die verantwortlichen Ton-Techniker im Gegensatz zu früheren Jahren ganze Arbeit geleistet. Schon beim Opener die typischen Oh-Oh-Oh-Maiden-Publikumschöre und ich freue mich, dass die Band gleich an zweiter Stelle genau den Song spielt, der mir in den Tagen zwischen HOA und WOA ständig im Kopf herum spukte: "The Ghost Of Navigator". An den Reaktionen der Menge ist abzulesen, dass das Brave New World-Album längst einen Logen-Platz in der Maiden-Klassiker-Reihe inne hat, als jedoch Mr. Steve Harris das Bass-Intro zu "Wrathchild" intoniert, herrscht für mehrere Augenblicke selbst hier im Rückraum komplettes Chaos. Nur glückliche, völlig austickende Menschen und ich muss tatsächlich meinen "Pin-Hat" festhalten, dass er mir nicht vom Kopf gefegt wird. Aber: mit der neuen, sicher hörenswerten Single "El Dorado" und dem in meinen Augen ein wenig überflüssigen "Dance Of Death" gibt es danach zwei Nummern die das Ganze, sagen wir mal, beruhigen. Maiden setzen also nach dem vor zwei Jahren präsentierten Klassiker-Set heute vornehmlich auf neueres Material. Daran werden sich die Geister scheiden. Für eingefleischte Fanatiker, die bei jeder Tour Gewehr bei Fuß stehen, ist das Dargebotene eine höchst interessante Geschichte, da es im Anschluss "The Reincarnation Of Benjamin Breeg" und das großartige "These Colours Don't Run" gibt. Für den, der Maiden noch nicht so oft oder noch nie sehen durfte, könnte die Set-List eine kleine Enttäuschung darstellen. Da wir uns zur ersten Gruppe zählen dürfen, feiern wir zusammen mit einem hyperaktiven Bruce Dickinson, der wieder einmal nachdrücklich unter Beweis stellt, dass es nur eine Hand voll Sänger gibt, die ihm annähernd das Wasser reichen können, dem immer zu Späßen aufgelegten Nicko McBrain, Janick Gers im Final Frontier-Shirt, einem ultra-lässigen Dave Murray, einem Adrian Smith in absoluter Top-Form (Gott, wie froh waren wir damals über seinen Wieder-Einstieg) und Meister Harris himself, an dem der Zahn der Zeit einfach nicht zu nagen scheint, eine "moderne" Maiden-Party. "Dedicated to our beloved brother we lost this year. His spirit is everywhere among you. Among us. The spirit of one Ronnie James Dio. He's everywhere." Die Band gibt der Menge "Blood Brothers" und mir läuft es den ganzen Song über kalt den Rücken herunter. Das ist einer der Momente für die Ewigkeit und selbst die Hartgesottensten unter den Anwesenden können nicht umhin, eine Träne zu verdrücken. Um uns herum liegen sich alle in den Armen. Überragend. Mit "Wildest Dreams" und "No More Lies" nimmt die Band danach die Emotionen wieder ein Stück weit heraus; vielleicht ganz gut so... der Versuch zu verschnaufen, zu verarbeiten. Cheerz! Maiden schleudern uns aber schon "Brave New World", vielleicht einen der stärksten Songs aus neuen Zeiten, entgegen (exzellent!) und blasen anschließend zur Mega-Party. Ich denke, dass selbst im Gasthof "Zur Post", in Wacken Stadt, das Intro - ach was - der ganze Song, inklusive Gitarren-Soli mitgegrölt wird: "Fear Of The Dark". Es wird Zeit Eddie von der Leine zu lassen: "When you come into my room, well, I'll show you all the wares..." Wie schon seit gut dreißig Jahren liefert sich Eddie in neuen Final Frontier-Kleidern sein privates Duell mit Bruce und Janick zum zeitlosen "Iron Maiden", bevor die Band zusammen mit ihrem Maskottchen kurzzeitig verschwindet. Jedoch nur um mit dem legendären Intro "... It's a human number. It's number is sixhundredandsixtysix" glorreich zurückzukehren. "Number Of The Beast" gefolgt von "Hallowed Be Thy Name". Da braucht man nicht viel Worte verlieren, nur einfach mitsingen und gleichzeitig dem Chor aus bestimmt 80.000 Kehlen lauschen. Da es mit "Running Free" am Schluss des Sets noch eine kleine Überraschung gibt, die uns dazu verleitet nochmals alle Energien zu mobilisieren, werden wir mehr als zufrieden entlassen. Wie erwartet sorgt das Set sogleich für Diskussionen, uns lief es jedoch, vielleicht mit Ausnahme der Dance Of Death-Nummern runter wie das sprichwörtliche Öl. An Spielfreude, Bühnenpräsenz und musikalischer Perfektion macht Maiden auch anno 2010 keiner was vor. Up the Irons!
(Fuxx)

Nach diesem Auftakt der Superlative gilt es, den Abend sachte ausklingen zu lassen. Und was wäre dafür besser geeignet, als das Moviefield, wo ab 24:00 Uhr die Ronnie James Dio Memorial Movienight beginnt? Im Jahr 2004 wurde er hier in Wacken mit einer Trophäe für sein Lebenswerk und das Engagement in den Bands Elf, Rainbow, Black Sabbath und natürlich Dio geehrt. Letztes Jahr durfte man den Ausnahmesänger im Rahmen des Heaven And Hell-Konzerts in der Night To Remember noch livehaftig auf der True Metal Stage erleben, schon heute wird sein Vermächtnis auf Leinwand projiziert. Ja, so ein Jahr ist eben wirklich wie eine Schachtel Pralinen. Den Anfang der Vorführung bildet eine Videobotschaft von Ronnies Ehefrau Wendy an die Fans, die viele, viele zu Tränen rührt. "Ronnie would have loved it." Dem Anlass entsprechend finden Hunderte von Metal Heads den Weg hierher, um die "Dio-Night" nicht zu verpassen. Los geht's mit "Stand Up And Shout", welchem wir selbstredend Folge leisten. Emotion pur als des Meisters Gesicht über die Leinwand flimmert. Wir sind uns einig, einen historischen Moment zu erleben. Der Spirit, der zwischen allen Anwesenden herrscht, ist geradezu greifbar. Es mag pathetisch klingen, aber ich denke, genau dieser Spirit ist eben letztlich nur im Metal zu finden. Ein Band. Einen Geist, den Ronnie James Dio zu einem großen Teil mitkreiert hat; und so erzählen wir uns gegenseitig endlose Dio-Anekdoten aus den letzten 20 Jahren, bangen zu "Rainbow In The Dark", "Bible Black" oder "Night People" und singen lauthals "Man On The Silver Mountain", "Don't Talk To Strangers" oder "Heaven And Hell" mit. Als Ronnie während "Holy Diver" auf einmal "WHAT!?" brüllt, genauso wie wir es die ganzen Tage in jedem zweiten Satz gemacht hatten, ist das Wunder perfekt. Wir wussten um die Magie, aber dass sie selbst über den Tod hinaus so stark sein würde, können wir kaum fassen. "There's a crack in the rainbow. There's a hole in the sky..." Wir schwören uns, den Spirit an die nächste Generation weiterzureichen und lassen uns selbst durch einen technischen Defekt, der den Film jäh unterbricht, nicht die Laune nehmen. Nach diesem Intermezzo gibt es noch "Die Young" und "Time Machine" und als sich die Ebene vor der Leinwand langsam leert, schlurfen wir (fast) geschlossen ins Party-Zelt zur Metal Hammer Chose. A night to remember indeed. The Alice, Mötley, Maiden, Dio. Es war alles da. Wie Poison es schon früh in Worte fassten: "No, it can't get better than this."
Oder vielleicht doch? Zu später Stunde verschlägt es einen einsamen kleinen Redakteur, der den Luxus der V.I.P.-Lounge gewohnt ist, dann doch noch in die Weiten der Campingplätze. Davon sei jedoch ein anderes Mal erzählt. Viel Schlaf wird er in dieser Nacht jedenfalls nicht abbekommen.
(Fuxx / Dagger)

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