10 Headbänga online
Reviews (10075)
Navigation
Artikel des Tages
Review:
Marduk

Interview:
Thunder

Live-Bericht:
Xandria

Video:
Thurisaz
RSS RSS
Atom Atom
In eigener Sache

Valid XHTML 1.0 Transitional

Valid CSS!

Valid RSS

Valid Atom 1.0

 

Konzert-Bericht

The Butterfly Effect & Takida

59 To 1, München 13.12.2009

(Fotogalerie)

Das dritte Adventwochenende ist fast vorüber, der erste Schnee ist gerade vom Himmel gefallen und der Winter beschert uns Temperaturen, die ganz knapp um den Nullpunkt herum zittern. Guter Zeitpunkt also, um neben dem typischen Gemetzel auch mal was Besinnlicheres zu konsumieren. Wenn das aber nun mal wieder so einfach wäre - denn entscheiden muss man sich zwischen Ex-Kiss-Axemaster Ace Frehley, der heute die Tonhalle rocken wird, und den australischen - aber hier recht unbekannten - Überfliegern The Butterfly Effect. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile fällt meine Wahl auf The Butterfly Effect, die sich heute im 59:1 in der Sonnenstraße einfinden werden. Warum? Wegen deren aktuellem Album Final Coversation Of Kings natürlich.

Einlass 20:30 Uhr - pünktlich bin ich zur Stelle, um vor Beginn des Konzertes noch das ein oder andere Bier vernichten zu können. Dies gestaltet sich jedoch als eine recht einsame Beschäftigung, da in den Hallen des 59:1 noch gähnende Leere herrscht und ich ein bisschen Angst bekomme, wieder mal mit meinen Kumpanen die erste Reihe komplett alleine auszufüllen. Diese Angst stellt sich glücklicherweise als unbegründet heraus, da sich bis 21:30 Uhr, als die schwedischen Rocker von Takida die Bühne betreten, doch noch so circa siebzig bis achtzig Mann und natürlich auch Damen auf der Fläche vor der Bühne eingefunden haben. Damit ist das 59:1 zwar nicht wirklich übervoll, aber immerhin ist das schon eine recht ansehnliche Anzahl für diesen vielversprechenden Konzertabend.

TakidaWährend Takida mit dem Opener "Losing", dem Song, der den Schweden 2006 den Durchbruch in Skandinavien beschert hat, schon mal kräftig losrocken, werden die Alternative-Rocker vom Publikum erstmal wohlwollend inspiziert. Es dauert jedoch nicht lange, bis die sympathischen Jungs das Eis, das eigentlich nur unmerklich vorhanden ist, zum Bersten bringen und die vorderen Reihen in fröhliche Bewegung versetzen. Spätestens mit dem Hit "Curly Sue", der ganz nebenbei in allen skandinavischen Ländern in die Charts eingestiegen ist, haben Takida das Publikum, bei dem die rockige und straighte Mischung aus Nickelback und Coldplay ganz vorzüglich ankommt, komplett auf ihre Seite gezogen. Dies führt sogar soweit, dass die ein oder andere Mähne im Publikum in Rotation versetzt wird. Sänger Robert Petterson merkt man die Routine, die man von einer hier quasi unbekannten Vorband so nicht hätte erwarten können, deutlich an. Dank seiner kraftvollen Stimme, der charmanten Ansagen und der ehrlichen Rocksongs dürften Takida mit diesem Auftritt den ein oder andern neuen Fan gewonnen haben. Das beweist auch der Applaus, den die Schweden nach dem düsteren letzten Song "Evil Eye" einheimsen können.

The Butterfly EffectNach kurzer Umbaupause ist die Zeit für die Headliner des Abends gekommen. Aus dem australischen Brisbane sind die Prog-Rocker von The Butterfly Effect angereist, um hier und heute für uns ihr neues Album Final Conversation Of Kings zu zelebrieren. Und die Herren lassen sich nicht lange bitten! Nach einem kurzen Intro, das mich lustigerweise an Miami Vice erinnert, legen die Australier direkt mit dem göttlichen Stampfer "Window And The Watcher" los. Wie soll das bloß enden, wenn hier solche Knaller schon gleich zu Beginn verfeuert werden?! Leider ist der Sound stellenweise deutlich schlechter als bei Takida, besonders der Gesang geht oft hinter der Gitarre unter und ist teilweise gar nicht mehr zu hören. Sehr schade! Nichtsdestotrotz passiert langsam, aber sicher das, was mir auch schon beim Hören der CD passiert ist: Man wird in die melancholische Welt von The Butterfly Effect hineingezogen. Ob es nun die hypnotischen Gitarrenlicks sind, die Kurt Goedhart seinem Instrument entlockt, die vertrackten Rhythmen, die Ben Hall aus dem Hintergrund präzise und unausweichlich aus seinen Fellen treibt, oder ob es der souveräne und variable Gesang des charismatischen Frontmannes Clint Boge ist? Ich weiß es nicht. Aber die magische Anziehungskraft der Songs ist im ganzen Saal spürbar. Dabei ist die Musik der Australier kein einfacher Tobak. Die Stimmung ist deutlich düsterer und die komplexen Strukturen der Songs sind weit weniger greifbar als bei der Vorband Takida. Noch dazu zwingt Clint Boge seine Stimme in Höhen, in denen er locker mit der nächsten Walherde kommunizieren könnte. Das mag anstrengend klingen, ist aber nicht negativ gemeint. Musik lebt von Emotionen und wenn man Clint Boge bei seiner Performance beobachtet, dann sieht man, wie er in seinen Songs aufgeht und mit ihnen leidet. Gerade bei den wehmütigen Juwelen des aktuellen Albums wie etwa "Room Without A View" oder "Worlds On Fire" kann man hier ganz großes Kino auf der Bühne erleben. Ganz nebenbei darf man aber auch wieder souveränes und professionelles Stageacting erleben. Immerhin haben The Butterfly Effect in Australien ihre Alben inzwischen vergoldet und spielen in den größten Hallen des Landes. Dennoch schaffen sie es, den Gästen im 59:1 das Gefühl zu geben, dass dies ein ganz besonderer Abend ist. Dementsprechend lässt das Publikum die Band, die den ganzen Gig hindurch mit euphorischem Applaus bedacht wird, nicht ohne Zugabe ziehen, was auf der Bühne sichtlich gut ankommt und welche in Form der recht harten und älteren Nummern "Aisles Of White" und "Perception Twins" gewährt wird.

The Butterfly EffectBeim Verlassen der Halle kann ich nicht widerstehen, das mit einer fetten, goldenen Krone bedruckte Butterfly-Effect-T-Shirt für angemessene zehn Taler in mein Eigentum übergehen zu lassen. Keine fünf Sekunden später teilt mir meine Freundin mit, wie hässlich sie dieses Stück Stoff findet. Na denn, Prost! Egal, ich finde es trotzdem prima und das 59:1 hat sich wieder mal als hervorragender Veranstaltungsort für Bands erwiesen, die es, verdient oder auch nicht, in München nicht schaffen, das Backstage oder andere Hallen zu füllen. Ich bin mir ganz sicher, dass keiner, der diesen Abend miterlebt hat, der Meinung war, die fairen 16 Euro Eintrittsgeld falsch investiert zu haben.

Setlist Takita:
Losing
Jaded
Poisoned
Feeble Pride
Curly Sue
The Dread
Evil Eyes

Setlist The Butterfly Effect:
Window And The Watcher
A Slow Descent
Reach
Final Conversation
Room Without A View
Everybody Runs
Always
Sum Of 1
Gone
In A Memory
Crave
Worlds On Fire
---
Aisles Of White
Perception Twins

Sebbes

Zur Übersicht
Zur Hauptseite

Werbung:

© www.heavyhardes.de