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Festival-Bericht

Wolfszeit Festival

mit Helrunar, Finntroll, Skyforger, Belphegor, Thyrfing, Urgehal, Darkened Nocturn Slaughtercult, Imperium Decadenz, Creature, Zarathustra, Helfahrt, Finsterforst, Vrankenforde & Dryathor

Ferienland Crispendorf, Crispendorf 27. - 29.08.2009

(Fotogalerien: Wolfszeit2009 )

Samstag, 29.08.2009

BockerlbahnAuch am Samstag hält das Wetter, die Sonnenstrahlen sind angenehm und viele Festivalbesucher vertreiben sich die Zeit mit obligatorischen Saufspielen oder gönnen sich eine Rundfahrt mit der kleinen Bockerlbahn durch die nähere Umgebung. Die Stunden bis zum ersten Konzert vergehen schneller als gedacht. Jedoch wiederholt sich das Drama des gestrigen Tages während der ersten vier Bands, die teilweise auf ein stoisches Publikum blicken müssen. Der Auftritt der jungen Truppe Vrankenvorde - wie der Name verrät aus Frankfurt an der Oder - ist auch nicht der Rede wert. Der Sänger versucht zwischen den Stücken durch ach so witzige Ansagen das Publikum zu beleben, scheitert bei diesem Unterfangen aber kläglich.

Eigentlich hätten im Anschluss Orlog spielen sollen. Da diese aber kurzfristig abgesagt haben, stehen nun noch einmal Finsterforst auf den Brettern und machen da weiter, wo sie gestern aufgehört haben. Ob das wohl auch noch der gleiche Dreck von gestern an ihren Leibern ist oder haben sie sich zwischenzeitlich tatsächlich mal gewaschen? Na, egal.

HelfahrtSehr positiv überrascht bin ich etwas später von der bayerischen Mannschaft Helfahrt. Obwohl mich deren Einstandsalbum Wiedergang wenig überzeugen konnte, macht der flotte Pagan/Black Metal live so richtig Laune. Da neben mir noch ein paar andere Besucher eine ähnliche Feierlaune verspüren, wird es schließlich ein ausgesprochen unterhaltsames Erlebnis.

CreatureEine halbe Stunde und zwei Thüringer Rostbratwürste später ist es wieder an der Zeit für Schwarzmetall. 19:00 Uhr dürfte die Turmuhr irgendwo in der nächsten Ortschaft gerade schlagen, als Creature fein zurechtgeschminkt ein Quäntchen Hölle auf die Erde holen. Nach elfjähriger Existenz fristen die Schwaben noch immer ihr Dasein im Untergrund. Das Songmaterial, meist rasend schnell und manchmal episch, ist zwar gut aber eben nicht außergewöhnlich. Gegen Ende kann der Sänger noch mal die Blicke der Anwesenden durch Feuerspucken auf sich ziehen, die Reaktionen im Publikum bleiben aber zurückhaltend.

Einen Wendepunkt erreicht das Festival, als Schwedens alt gediente Wikinger Thyrfing auf der Bühne erscheinen. Sänger Jens Ryden, bekannt durch sein früheres Wirken bei Naglfar, zeigt sich überaus enthusiastisch und begeistert, verrät uns mehrmals, wie stolz er ist, hier auftreten zu dürfen und hat das Publikum schnell im Griff. Der Schwerpunkt des Sets liegt eindeutig auf dem theatralischen Material des aktuellen Albums Hels Vite. Und obwohl es sich dabei um schwere Kost handelt, werden überall fleißig die Haare in schleppender Taktung gekreist. Von allen anderen Alben geben die Musiker jeweils einen Song zum Besten, darunter auch die grandiose Hymne "Storms Of Asgard" und die Schunkelnummer "Mjölner".

FinntrollDas waren richtig feine 70 Minuten, doch es kommt noch besser: wo auch immer Finntroll auftreten, gerät alles aus dem Häuschen, so auch auf dem Wolfszeit Festival. Das Gelände ist nun prall gefüllt und kaum erklingen die ersten Noten aus den Boxen sieht man überall fliegende Haare, empor gestreckte Pommesgabeln, im Humppa-Takt tanzende und springende Menschen, ja sogar ein kleiner aber feiner Moshpit kann sich vor der Bühne etablieren. Das macht richtig Spaß und während einer abermals 70 Minuten langen Show bekommt man allerhand altes und neues Material zu hören. Dass die Stimmung beim allseits beliebten "Trollhammaren" ihren Siedepunkt erreicht, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Auf die Trolle, sie leben hoch!

UrgehalBei soviel Bewegung merkt man zunächst gar nicht wie kalt es mittlerweile geworden ist. Sagte ich kalt? Ich meinte klirrend kalt. Die Quecksilbersäule ist spürbar unter die 10°C-Marke gesunken, man kann seinen Atem sehen und die Zehen beginnen allmählich taub zu werden. Dessen unbeeindruckt marschieren die Norweger Urgehal um 23:40 Uhr leicht bekleidet auf die Bühne. Im Falle des Sängers Nefas muss ich mich korrigieren, denn der stolpert mal wieder sturzbetrunken auf sein Mikro zu und bechert auch während des Auftritts noch einige Halbe hinterher. Zwischen den Nummern bringt er das Publikum durch sein unglaublich dummes, besoffenes Geschwätz wiederholt zum Lachen, kann sich kaum noch auf den Füßen halten, zeigt an der Gitarre und selbst während seiner Soloeinlagen aber nicht die geringste Schwäche - unfassbar. Der erdig rockende Old-School-Black Metal kommt zu dieser späten Stunde richtig gut, doch lichten sich die Reihen allmählich, vermutlich wegen der grausigen Kälte. Nach 60 Minuten Spielzeit ist Nefas derart betrunken, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten kann, sein Kumpane Enzifer mit skurriler Kopfbekleidung hat inzwischen die Ansagen übernommen. Kaum sind die letzten Noten verklungen, wird den Herren der Saft abgedreht, was Nefas nicht davon abhält, noch etwa fünf Minuten lang in ein abgeschaltetes Mikro zu reden, ohne dass ihn irgendjemand gehört hätte.

Wer hätte gedacht, dass es nun noch kälter werden kann? Aber es gibt ja bekanntermaßen kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Also schnell zum Zelt, eine Jacke geholt und wieder zurück zur Bühne! Darkend Nocturnal Slaughtercult stehen als letzte Band auf dem Programm. Und der einzige Grund, warum man sich diese Ausgeburt des Bösen einmal ansehen sollte, ist hinter dem Mikro zu finden. Denn dort steht eine Blut spuckende Dame mit Corpsepaint, engelsgleichem Haar, das bis in die Kniekehle reicht, und einer Stimme, die einem wahrlich das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nur wenige Schaulustige stehen zu dieser späten Stunde noch auf der Matte und nach einer halben Stunde habe auch ich genug gesehen und gehört.

Am Zeltplatz ist es verdächtig ruhig, die meisten haben sich bereits in ihren Zelten verkrochen. Lediglich in meiner unmittelbaren Nachbarschaft finden noch rege Unterhaltungen statt. Während ich im Schlafsack mit der Kälte kämpfe, muss ich mir mit anhören, wie die Herrschaften von nebenan ihre Anekdoten vom letzten Konzert der rechtsextremen Band Totenburg zum Besten geben und wie sie dort die israelische Flagge verbrannt haben. In den frühen Morgenstunden - die Sonne ist bereits aufgegangen - sind sie immer noch am Schwätzen. Jetzt wird über die Veranstalter gelästert, über Juden geschimpft und im Einvernehmen aller festgestellt, dass es den Holocaust nie gegeben hat.

Das reicht - nichts, wie weg hier. Wer glaubt, dass Dummheit eine Grenze kennt, kann sich auf diesem Festival an jeder Ecke eines Besseren belehren lassen. Um sieben stehe ich auf und um acht verlasse ich das Gelände. Dummerweise finde ich zu diesem Zeitpunkt noch niemanden, der mir die zwei Taler für einen gefüllten Müllsack zurückgeben könnte - war ja klar. Aber hier hält mich nun wirklich nichts mehr. Aus musikalischer Sicht werde ich das Wolfszeit sicher in guter Erinnerung behalten, und die Location war einfach genial. Wegen der Musik bin ich dieses Mal gekommen, wegen der Gesellschaft, in der man sich hier befindet, werde ich im nächsten Jahr aber sicher nicht dabei sein.

Dagger

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