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Festival-Bericht

Wolfszeit Festival

mit Helrunar, Finntroll, Skyforger, Belphegor, Thyrfing, Urgehal, Darkened Nocturn Slaughtercult, Imperium Decadenz, Creature, Zarathustra, Helfahrt, Finsterforst, Vrankenforde & Dryathor

Ferienland Crispendorf, Crispendorf 27. - 29.08.2009

(Fotogalerien: Wolfszeit2009 )

Freitag, 28.08.2009

BühneLeicht verkatert komme ich am Freitagmorgen zu mir, die Temperaturen steigen zügig auf ca. 27°C. Den vielen Wolken am Himmel verdanken wir ein nahezu optimales Festivalwetter. Bis die erste Band am späten Nachmittag die kleine Bühne betritt, ziehen sich die Stunden wie Kaugummi in die Länge und die Biervorräte am Zelt schmelzen dahin wie Softeis in der Sonne. Um 16:20 Uhr ist es dann soweit: Die noch junge deutsche Pagan Band Dryathor lässt ihre Instrumente erklingen, wird von den wenigen Anwesenden, die sich mittlerweile vor der Bühne eingefunden haben, aber weitgehend ignoriert. Das Gebotene klingt auch noch recht unausgegoren, gerade die klaren Gesangseinlagen und die Violine stellen mir regelrecht die Nackenhaare auf.

FinsterforstEine ganze Ecke professioneller agieren im Anschluss Finsterforst aus dem Schwarzwald. Die dreckbeschmierten Musiker bewegen sich doch deutlich im Fahrwasser finnischer Kapellen, spielen tanzbare Melodien, angetrieben von einem Akkordeon und dem sonst üblichen Repertoire des Pagan Metal. Klar hat jede Band auch ein paar treue Fans im Gepäck, die Stimmung steigt allerdings kaum wahrnehmbar. Ein einsamer Crowdsurfer wird unterdessen in den Fotograben geworfen, wo sich nicht nur keine Pressemenschen, sondern auch keine Security befinden.

Zarathustra18:40 Uhr: die Sonne beginnt allmählich hinter den Wipfeln der Fichten zu verschwinden - die richtige Zeit für die erste Black Metal-Band des Abends. Zarathustra aus Weißenthurm bei Koblenz können mich mit ihren knochentrockenen Midtempo-Nummern schnell überzeugen. Allesamt im obligatorischen Corpsepaint zeigen die Musiker eine ordentliche Routine in Sachen Liveperformance. Dennoch setzt sich das Trauerspiel im Publikum für eine weitere Runde fort. Abgesehen von einigen Headbangern, will einfach keine Stimmung aufkommen. Also schauen wir mal, was das Festival an Kulinarischem zu bieten hat! Nicht viel, wie ich schnell feststelle. Da gäbe es Steaks und natürlich die Thüringer Rostbratwurst und... naja, eigentlich war es das auch schon. Vegetarier haben hier also ein echtes Problem, will ich meinen.

Die Sonne ist bereits untergegangen, als die Bayern von Imperium Dekadenz das Podium betreten. Mit einigen Pyroeffekten im Gepäck schaffen es die Herren mit ihrem majestätischen Schwarzmetall endlich den Bann zu brechen und die ersten Fans aus der Reserve zu locken. Somit funktionieren sie als die richtigen Wegbereiter des ersten internationalen Gastes.

SkyforgerAls die lettische Folk Metal-Band Skyforger eineinhalb Stunden später auf der Bildfläche erscheint, ist der Raum zwischen Bühne und Technikturm prall gefüllt und die älteren Herren haben das Publikum mit ihrer Mixtur aus Heavy, Black und Folk fest im Griff. Zum Klang von Dudelsack, Flöte und anderen traditionellen Instrumenten stellt sich nun endlich eine Partystimmung ein, wie man sie sich auf einem Festival erhofft: es wird fröhlich gefeiert, alle zeigen sich von guter Laune.

Doch böse und brutal soll es nun werden. Die Bühne erstrahlt in höllischem Rot. Mit Belphegor aus dem Salzburger Land steht ab 23:00 Uhr eine der brachialsten Kapellen der aktuellen Death/Black-Gemeinschaft auf dem Programm. Musikalisch sind die Jungs um Frontmann Helmuth eine echte Wucht, nicht ohne Grund befinden sie sich mittlerweile auf der Gehaltsliste des Majorlabels Nuclear Blast. Viel Kunstblut wird nun auf der Bühne vergossen, während ein Blastgewitter nach dem anderen durch die Membrane fegt. Die Techniker haben der Band einen feinen Sound gezimmert und so strapazieren Hunderte Fans im Takt ihre Nackenmuskulatur. Ausgezeichnet! Auf einem anderen Blatt Papier stehen die Ansagen von Sänger/Gitarrist Helmuth geschrieben. Die strotzen nur so vor Primitivität und bringen der Band sogar einige "Scheiß Ausländer"-Rufe aus den hinteren Reihen ein. Immer dran denken: ich bin wegen der Musik hier und nicht wegen der Menschen.

Und weil wir schon beim Thema sind: ausschlaggebender Faktor für meine Reise in den Osten war sicherlich die 80-Minuten-Headlinershow von Helrunar an diesem Abend. Die Pagan/Black Metal-Band aus Münster zählt meiner Meinung nach zur deutschen Speerspitze in ihrer Zunft, glänzt nicht nur durch ausgezeichnetes Songwriting im Geiste der frühen Neunziger, sondern auch durch intelligente Lyrik, die alte Sagen und Bräuche in einen zeitgemäßen Kontext rückt. Sänger Skald Draugir entpuppt sich schnell als absoluter Gegenpart zu seinem Vorgänger Helmuth, glänzt durch sympathische und kluge Konversation mit dem Publikum, wird aber ebenfalls aus den hinteren Reihen zurecht gewiesen, als er einige norwegische Verse zum Besten gibt. "Red deutsch!" kann sich einer der geistigen Tiefflieger zwei Reihen hinter mir nicht verkneifen. Langsam gehen mir die Jungs ausgesprochen auf den Senkel! Aber ich lasse mir die Stimmung nicht vermiesen. Während der 80 Minuten bekomme ich einen perfekten Querschnitt durch alle drei Alben Helrunars zu hören, einschließlich großer Momente wie "Schwarzer Frost", "...Bis Die Seele Gefriert", "Gratr" und natürlich "Älter Als Das Kreuz". Mein Nacken ist nun auch ordentlich mitgenommen, noch ein kleiner Streifzug übers Gelände, im Haus der Aftershow-Party herrscht gähnende Langweile, also ab in die Heia. Schließlich ist morgen auch noch ein Tag.

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