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Konzert-Bericht

Satyricon & Zonaria

Szene Wien, Wien 06.12.2008

Am 6. Dezember war es wieder soweit: Nikolaustag !
Alle Kinder weit und breit sind voller Erwartungen und gespannt darauf, was ihnen der rauschebärtige Mann...
Schluss damit, schließlich geht's hier um Satyricon!
Satyr, Frost und Konsorten haben am Nikolotag die Szene in Wien beehrt und ca. 300 Besuchern bewiesen, dass man keinen Nikolaus braucht, um glücklich zu sein.
Die Veranstaltung startete inclusive einer halben Stunde Verspätung - was kein Problem war, schließlich gab's ja eine Bar - mit der Vorgruppe Zonaria aus Schweden, die musikalisch gleich mal die Richtung des Abends einschlugen : Black Metal.
Ziehmlich thrashig, mit vielen Groove-Parts und intelligenten Struktur-Wechseln versehen, die richtige Prise Melodie oder Eskalation an der richtigen Stelle, und das Ganze nicht zuu old-school... alles in allem ein sehr würdiger Auftakt.
Zwar hatten noch nicht alle Gäste ihre Plätze vor der Bühne eingenommen, aber die Stimmung war bei Zonaria bereits spürbar angeheizt und voller Erwartung, der Merch-Verkäufer routierte verzweifelt zwischen Satyricon-Westen (verdammt, es gab sogar Satyricon-Stringtangas!) und Zonaria-CDs.
Gegen 22:00 Uhr war es dann soweit: der Monitor-Techniker gab dem Hallen-Techniker per Taschenlampe das Zeichen, mit dem Intro zu beginnen, die Soundkulisse schwoll vom pausenfüllenden "Plänkelton" zum spürbaren Intro-Pegel... und es kam "Highway To Hell" von AC/DC.
Ok, verwunderte Blicke zwar, aber es war dem Audiotrium bewusst, dass Satyricon in den letzten Jahren einen dezenten Image-Wechsel vollzogen haben, eher weg von CorpsePaint und dem damit verbundenen "bösen Gehabe", hin zu einer zugänglichen Band, die das Bad in der Menge genauso zu genießen scheinen wie das Provozieren mit BlackMetal-untypischen Intros.
Und ehrlich, "Highway To Hell" war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, der danach losbrach.
Die nächsten 80 Minuten waren ein gutes Beispiel dafür, wie man zwar einerseits Black Metal spielt, das Ganze sogar bier-ernst meint und auch so rüberbringt, andererseits aber gänzlich auf schwarz-weiße Gesichtsmaskerade, Nieten und sonstige Black Metal-Klischees verzichtet (einzig Frost trug einen Patronengürtel, aber den hat man eh nicht gesehen...).
Ein sichtlich gut aufgelegter Satyr repräsentierte die Band durch das Programm, das eine gute Mischung der letzten fünf Alben darbot. Faszinierend die Tatsache, dass sich Songs wie "Forhekset" oder "Du Som Hater Gud" live ohne Probleme zwischen "Havoc Vulture", "K.I.N.G" oder "Black Crow On A Tombstone" einfügen können und alle in Summe eine äqualente Stimmung transportieren.
Und Satyricon haben es tatsächlich geschafft, Black Metal tanzbar zu machen!
Nicht nur auf der Bühne war ständig Bewegung angesagt (Frost gebärdete sich die meiste Zeit wie das Tier von den Muppets, und die Keyboarderin bangte dermaßen heftig, dass man oft in der Versuchung war, sich zu bücken, "weil der doch sicher gleich der Schädl wegfliegt!!")
Die permanenten "Go go go"-Anfeuerungen von Satyr an das Publikum zeigten von Anfang an die Wirkung, dass nirgends ruhig zu stehen war. Das lag sicher auch an der Tatsache, dass geschätzt die Hälte der Zuhörerschaft aus Frauen bestand, die teilweise derart ausgelassen tanzten, dass sich rundherum alles angesteckt fühlte und man dann und wann den Eindruck hatte, bei einem Rock-Konzert a la Nickelback zu sein. Am Ende gab's noch u.a. "Mother North" als Zugabe, bei dem die ganze Halle das Riff gesungen hat (unglaublich mächtig!!) und Satyricon entließen ein erschöpftes und staunendes, aber auch polarisiertes Publikum.
Manche Besucher waren der Meinung, Satyr würde sich und die Band zu sehr als Kommerz und zu wenig als Black Metal verkaufen. Das Ganze gipfelte dann in dem Aufruf zu einem Moshpit, der die durchaus berechtigt-ausgelassene Stimmung zusätzlich ankurbelte, einige wenige andere aber zum empörten Verlassen des Konzerts trieb.
Zugegeben, Satyricon bewegen sich mit ihrer publikums-animierenden Bühnenshow und mit einem RockStar-Satyr als Frontsau weit abseits von allen anderen Bands in diesem Genre, und es würde nicht verwundern, wenn bald mal ein Artikel in der BRAVO zu lesen ist über die einstig bösartig geschminkten und wild wütenden Schwarzmetall-Norweger, die eine ganze Szene mittrieben und weitertreiben. Aber das ganze Konzept hinter dieser Band ist musikalisch hohe Schule und die Selbstinszenierung Satyrs passt im Kontext zumindest live sehr gut ins Bild.
Und schließlich hat ja der Frontmann auch selbst ein wenig über seinen Erfolg an diesem Abend geschmunzelt, da waren die Schmunzler im Publikum, die Satyrs Auftreten galten, fast wie eine Antwort.
Und transportierten trotz der grimmigen Musik sehr viel Sympathie.
Und das hat irgendwie gepasst.

Pica

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