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Festival-Bericht

Rage - The Contest - Halbfinale 1

mit Infernation, Bomb Shop, Deep Down The Soul, Drowned In Dreams, Yeah What The Captain Said & Sulphor

Hansa 39, München 24.10.2008

Der Rage-Bandcontest geht ins Halbfinale. Langsam wird's ernst und höchste Zeit, dass sich mal ein heavyhardes-Redakteur da blicken lässt.

Am ersten Halbfinalstag stehen fünf Bands zur Auswahl. Als ich um kurz nach halb acht ankomme, stehen jedoch grad die Live-Matadoren Sulphor auf der Bühne. Was geht? Die machen hier den Anheizer. Allzuviel anzuheizen gibt es allerdings nicht, da sich momentan grad mal vielleicht zehn Nasen vor der Bühne befinden. Sulphor lassen sich jedoch davon nicht beirren und spielen trotz beklagten Unterbiers eine engagierte Performance. Sehr angenehm: toller Sound und auch nicht zu laut. Da kommen Klassiker wie "Sandmann" gleich doppelt gut.

Kurz nach 20:00 Uhr sind Sulphor fertig, die zehn Nasen trollen sich und es betreten den mit Vorhängen abgetrennten Bereich vor der Bühne geschätzte 60 junge Menschen zwischen 14 und 17. Was ist denn hier los? Ich komm mir vor wie beim Schulausflug. Das Rätsel löst sich schnell: Yeah What The Captain Said sind quasi Bestandteil des Kindergartens, fünf blutjunge Burschen steigen auf die Bühne und beginnen gegen 20:15 Uhr, ähm, naja, Musik zu machen. Mir persönlich läuft der Melodic Death Hardcore so gar nicht gut rein. Es schallen unzusammenhängende Songfragmente von der Bühne, rote Fäden gibt's überhaupt nicht, ständig wird gebreakt und das Tempo gewechselt und von sowas wie Strophen und Refrains haben die Jungs auch noch nie gehört. Das ist mir alles zu zerfahren und konfus. Ich will gar nicht das Können an den Instrumenten bestreiten, sie haben sicher was drauf, aber songwriterisch liegt hier meiner Meinung nach noch ziemlich viel im Argen.
Das ist dem Kindergarten jedoch völlig egal. Vor der Bühne geht mit dem ersten Ton ein wildes Gezappel los, einige Nachwuchs-Kickboxer üben öffentlich Tritte und wildes Mit-dem-Armen-Gefuchtel, die Leute gehen völlig steil. Richtigen Applaus gibt es zwar nicht, aber den Leuten gefällt das anscheinend wirklich gut, was da serviert wird. Und das obwohl es wirklich schwierig ist, mit der Musik mitzugehen. Dafür klappt die Kommunikation zwischen Band und Publikum ganz prächtig, alles amüsiert sich wie verrückt. Um 20:50 Uhr sind Yeah What The Captain Said dann fertig.
Sofort wird per Handzeichen abgestimmt, wer dafür ist, dass Yeah What The Captain Said ins Finale am 15. November einziehen dürfen. Es werden 40 Stimmen gezählt.

Danach, es ist zehn nach neun, sind Drowned In Dreams dran. Die Moosburger führen erstmal zu einem Elektro-Intro einen irren Tanz auf der Bühne auf, bevor sie richtig loslegen. Ihr melodischer Metalcore fährt gut ein und brät einen Mördergroove von der Bühne. Die Songs sind nachvollziehbar und logisch aufgebaut, eine wahre Wohltat ist das! Schön auch die Optik, die fünf jungen Herren sind einheitlich in weiße Unterhemden und schwarze kurze Hosen gekleidet und können das auch alle tragen.
Das Publikum ist nicht ganz so groß wie bei Yeah What The Captain Said, dafür sind es komplett andere Leute. Dieses Muster zieht sich durch den ganzen Abend; bei jeder Band wechselt fast die gesamte Hallenbesetzung. Sänger Gerdi gibt jedenfalls alles, er fetzt über die recht große Bühne wie ein Derwisch und springt und tritt so hoch, dass er dafür im Fußball mindestens die gelbe Karte wegen gefährlichen Spiels sehen müsste. Aber auch die restliche Band posiert, was das Zeug hält. Insgesamt ein sehr positiver Auftritt, der leider nur mit 34 Stimmen honoriert wird.

Jetzt sind Deep Down The Soul an der Reihe, die übrigens vorher ausgelost worden war. Die Ingolstädter fallen als erstes mit einem viel lauteren Geräuschpegel auf als die beiden vorhergehenden Bands, schade das. War sehr angenehm vorher. Deep Down The Souls Metalcore kann anfangs zwar einige Banger vor die Bühne locken, trotzdem springt der Funke auf das der Band entsprechend ältere Publikum nicht so richtig über. Der Applaus ist eher verhalten. Wie groß das Publikum ist, kann ich im Übrigen immer ziemlich schwer abschätzen, da der Platz vor der Bühne für Tänzer und Zappler freigehalten wird. Meine entsprechenden Angaben bitte ich daher mit Vorsicht zu genießen. Deep Down The Soul können ihr Publikum jedenfalls bis auf fünf, sechs Tänzer nicht zu mehr als beifälligem Fußwippen und Kopfnicken animieren. Je mehr Sprechgesang eingesetzt wird, desto langweiliger wird das Ganze. Dies schlägt sich auch in der Wertung von nur 29 Stimmen nieder.

Um 22:52 Uhr platzt eine Bombe. Aus dem Laden. Bomb Shop sind nur zu viert, blasen ihr Publikum aber dermaßen geil an, dass es eine wahre Freude ist. Ihr Alternative Hardcore zwischen Rage Against The Machine und System Of A Down mit einer Prise Jazz (?) ist sehr gut gespielt, abwechslungsreich, ohne zerfahren zu wirken, irgendwie fallen mir die Worte intelligent und interessant dazu ein. Die vier Fürstenfeldbrucker können ihr Publikum richtig fesseln. Vor allem Sänger Enzo Faltin ist ein richtiger Hingucker: der barfüßige drahtige Kerl entledigt sich im Laufe des Gigs seines Achselhemds und bringt ein sehenswertes Sixpack samt Tattoo zum Vorschein. Optik und Musik verbinden sich aufs Angenehmste, und so sind Bomb Shop auch die ersten, die Zugabe-Rufe ihres Publikums für sich verbuchen dürfen. Allerdings werden diese nicht erhört und so müssen die vier um halb zwölf mit satten 43 Stimmen die Bühne verlassen.

Um zehn vor zwölf betreten als letzte die Murnauer Infernation die Bühne und fahren das metallischste Brett des Abends ab. Ungefähr 50 Leute haben so lange durchgehalten und feiern mit den Jungs eine Riesenparty. Die vier Jungs zocken eine hörbar von Metallica beeinflusste metallische Rockschiene, die teilweise sogar einen Schuss Punk drin hat. Das Ganze macht unheimlich Spaß, nicht nur der Band, sondern auch den (wieder etwas jünger gewordenen) Leuten, die trotz der späten Stunde noch fleißig mitgehen. Für mich definitiv eine der besten Bands. Das finden auch 37 Menschen, die ihre Hände für Infernation heben.

Spielen können sie alle, auf der Bühne haben sie sich auch alle gut bewegt, nirgendwo war eine Spur Nervosität oder Steifheit zu finden. Für mich haben sich die Bands lediglich im Stil und im Songmaterial unterschieden, hier jedoch teilweise erheblich.

Wer jetzt gut aufgepasst hat, weiß, wer die meisten Stimmen bekommen hat. Die beiden oben Platzierten sind am 15. November dabei und es sind Bomb Shop und Yeah What The Captain Said!

Ich bin gespannt auf morgen und natürlich auch auf das Finale am 15. November!

Kara

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