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Konzert-Bericht

Matt Roehr

Metropolis, München 08.01.2008

(Fotogalerie)

Über zwei Jahre hat es gedauert, ehe sich der ehemalige Gitarrist der Böhsen Onkelz nach dem grandiosen Abschied am Lausitzring wieder auf deutschen Bühnen zeigen konnte. Und die Erwartungen an diesem Abend waren groß. Von beiden Seiten aus, von den Fans und von der Band selbst. Ob und wie die Erwartungen auf Seiten der Fans befriedigt wurden an diesem Abend muss jeder für sich allein entscheiden. Die Erwartungen seitens der Band wurden wohl nicht erfüllt, denn das Konzert wurde recht kurzfristig von der Tonhalle in das wesentlich kleinere Metropolis verlegt. Und selbst das wurde nicht annähernd richtig voll.

Als ich um kurz vor 19:00 Uhr vor der Halle eintraf, waren schon ein paar Fans vor Ort, die geduldig auf den Einlass warteten. Doch von den eigentlich erwarteten "Massen" war nichts zu sehen, obwohl es sich eigentlich um einen Pflichtgig für jeden Onkelz-Fan handeln müsste. Naja, drinnen wurden die letzten Hände an den Soundcheck gelegt und einige Takte von "Ein Langer Weg" und "Mexiko" drangen nach draußen, ehe um kurz nach 19:00 Uhr die Tür geöffnet wurde und die Fans ins warme Innere strömten. Nach einiger Zeit noch vor der Halle bot sich mir beim Betreten des Metropolis ein etwas seltsamer Anblick: der Raum vor der Bühne war bis auf eine Handvoll Fans, die die erste Reihe belegten, komplett leer. Dafür hatten es sich die Anwesenden schön am Rand der Halle an den Bars gemütlich gemacht und harrten der Dinge, die da kommen mögen. Und die Frage, ob ein Support-Act mit an Bord war, beantwortete sich dann von selbst, als um kurz nach 20:00 Uhr die Lichter ausgingen und ein grinsender Gonzo ins Mikro fragte: "Was ist los hier, ihr seid so still?" Sofort machten sich alle auf, den leeren Raum vor der Bühne zu füllen. Zumindest so gut es ging, denn voll war es leider nicht, man(n) konnte jederzeit in die erste Reihe marschieren und weiter hinten hatte jeder Fan mehr als ausreichend Platz für sich.

Charlie HuhnDer Set wurde mit den beiden Songs "Just Be Yourself" und "Best Day Of My Life" eröffnet, die auch am Anfang des aktuellen Albums stehen. Gonzo hatte eine illustre Truppe um sich versammelt. Neben Keyboarder Stephan Weiler, der die Onkelz schon lange Jahre begleitete und jedem bekannt sein dürfte, hatte sich Gonzo die Dienste von Charlie Huhn gesichert, der bereit bei Größen wie Ted Nugent, Gary Moore oder Victory hinter dem Mikro stand. Daneben waren noch drei Musiker aus Gonzos südamerikanischer Wahlheimat mit dabei am Bass, den Drums und ein zusätzlicher an den Percussions. Somit war der Raum auf der Bühne auch schon voll. Die Musik, die Gonzo nun spielt, unterscheidet sich gänzlich von seinem alten Brötchengeber. Was aber jetzt nicht heißt, dass die Musik "schlecht" ist, bei weitem nicht. Die Mischung aus Funk, Groove, Blues, lateinamerikanischen Klängen und einer schönen Portion Heavy Rock lief ordentlich gut rein und animierte gerade ab der zweiten Hälfte des Sets den/die ein oder andere zum Tanzen im Publikum, Platz hierfür war ja genug. Zwar war während der Songs wenig Stimmung zu vernehmen, doch nach jedem Song gab es ordentlichen Beifall, den die Band dankbar aufnahm. Dass man es hier mit sechs Vollblutmusikern zu tun hatte, braucht eigentlich nicht separat erwähnt zu werden, alle waren mit sichtlicher Hingabe bei der Sache. Doch das Hauptaugenmerk der Anwesenden war klar Matt "Gonzo" Roehr. Dieser Mann zog alles auf seine Seite. Und das darf hier ruhig wörtlich genommen werden. Denn während auf der rechten Bühnenseite, auf der Stephan Weiler postiert war, noch reichlich Platz vor der Bühne war, tummelten sich ca. 80% der Anwesenden vor der linken Bühnenhälfte, wo Gonzo stand. Lautstarke "Gonzo"-Rufe ließen auch keinen Zweifel daran, warum man an diesem Abend gekommen war, auch wenn die Spitzenleistung von Charlie Huhn mit entsprechenden "Charlie"-Rufen quittiert wurde. Bevor es dann mit "Pawn Shop" eher lateinamerikanisch zuging, wurde bei "Master Of Destruction" noch mal die Ramones-Keule ausgepackt, bei der einige mitgingen. Hut ab vor Charlie Huhn (der nicht nur ein begnadeter Sänger ist) der "Hasta Un Cualquier Dia" in Spanisch vortrug, wozu ihn Gonzo wohl genötigt hatte. Neben dem kompletten Album Barra Da Tijuca wurden mit "You Had To Be There" und "All Along The Watchtower" auch Songs der anderen Musiker mit in den Set integriert.

GonzoBeim instrumentalen Titelstück der neuen Scheibe wurde den Musikern ausreichend Platz gegeben, um sich auf ihren Instrumenten so richtig auszutoben, für jeden wurde hier ein kleiner Solopart eingebaut, der auch reichlich genutzt wurde. Kurz vor Ende des regulären Sets wurde dann zwischen den Songs immer wieder "Mexico" seitens der Fans angestimmt, was von Gonzo mit "Danke für den geilsten Chor der Welt" quittiert wurde. "Sarcastic Gutter Blues" markierte dann vorerst den Schlusspunkt hinter 90 Minuten gute Unterhaltung. Doch damit gaben sich die Fans nicht zufrieden, auch wenn schon die ersten wieder den Heimweg antraten. "Mexico"-Gesänge wurden immer wieder angestimmt, bis sich die Band schließlich wieder blicken ließ. Und dann war es Zeit für das erste Onkelz-Stück, "Ein Langer Weg" wurde lautstark mitgesungen, während Gonzo den Gesang auf der Bühne übernahm. "Weekend Warrior" und "I Don't Need No Doctor" folgten, wobei bei letzterem eine sehr ausgiebige Jamsession in den Song eingebaut wurde, was zwar nicht jedermanns Geschmack war, trotzdem aber mit reichlich Beifall bedacht wurde. Den Schluss des Zugabenteils markierte dann der Song, der jedes Onkelz-Konzert abgeschlossen hatte, "Erinnerung". Und hier wurde der erste Moshpit des Abends ins Leben gerufen. Danach war wieder Schluss, doch auch damit wollten sich die Verbliebenen nicht zufrieden geben. "Mexico" wurde wieder von den Fans eingestimmt, die von den zurück kehrenden Musikern weiter angestachelt wurden. Es dauerte nicht lange, und die ersten Takte von "Mexico" kamen aus der P.A. und die Fans waren aus dem Häuschen. Dann war aber nach insgesamt 120 Minuten wirklich Schicht im Schacht und die Band verabschiedete sich ein letztes Mal unter viel Beifall.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Songs der Onkelz nach wie vor eine Gänsehaut erzeugen, auch wenn das Organ von Kevin gefehlt hat. Und dass dieser Abend weit mehr Besucher verdient gehabt hätte. Aber da haben sich wohl einige am zugegeben sehr stattlichen Eintrittspreis von 35 Euro abschrecken lassen.

Setlist:
Just Be Yourself
Best Day Of My Life
Garbage Man
I Ain't Around No More
Master Of Destruction
Pawn Shop
Hasta Un Cualquier Dia
You Had To Be There
Barra Da Tijuca
Come Back (Another Time)
Made To Last
All Along The Watchtower
Wheel OF Fortune
Sarcastic Gutter Blues
---
Ein Langer Weg
Weekend Warrior
I Don't Need No Doctor
Erinnerung
---
Mexico

Ray

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