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Konzert-Bericht

Zoo Army

Ampere, München 08.03.2006

Da waren wir nun. In diesem kleinen Club namens Ampere, Teil des Muffatwerks. Schon beim Eintreten fiel mir eine seltsame Stimmung auf, die mitteilte, dass wir uns hier auf einem Szene-Ereignis befanden, nicht auf einem normalen Konzert. Lag es an der diffusen blau-roten Beleuchtung? Lag es am Publikum? Außer uns waren ungefähr 250 normale Leute gekommen, die den Club schön füllten. Zu 90 Prozent waren es junge Mädchen knapp über oder doch eher unter der Volljährigkeitsgrenze. Manche von denen waren so dünn angezogen, dass es mich schon beim Hinschauen gefroren hat. Außerdem trieben sich fast ebensoviele Journalisten und andere Sehr Wichtige Leute im Ampere rum, meist auf der Empore, wo nur die Sehr Wichtigen Leute rauf durften, um sich gegenseitig zu sehen und gesehen zu werden. Definitiv ein Szene-Ereignis. Das Ampere war vollgekleistert mit Plakaten mit dem Covermotiv von 507, dem Album, dessen Release Party heute gefeiert wurde. Die Bühne mit einem recht kleinen Schlagzeug stand erwartungsvoll und schweigend da, bis um 21:00 Uhr.

Dann ging es los: Gil und Tal Ofarim, Roland Söns und Dominik Scholz erklommen die Bühne recht unspektakulär und stiegen gleich mit "Tell Me Something", dem Opener des vorzustellenden Albums, in ihr Set ein. Gils Stimme, die so gar nicht zu seinem trotz Bart immer noch Babygesicht passen will, ist auch live überraschend tief, natürlich und gut. Die Musik von Zoo Army lässt sich live gut präsentieren, viele Anwesende wurde sogar zu leichtem Mitwippen angeregt. Das Publikum reagierte komischerweise sehr unaufgeregt. Lag es daran, dass das Album nicht bekannt war, nicht bekannt sein konnte? Bis auf ein paar vereinzelte Kreischer und eher mäßigen Applaus zwischendrin reagierte das Publikum nicht die Bohne auf die Anwesenheit der Band auf der Bühne. Stand da wie betoniert und glotzte den Frontbuben an. Wissen die Mädels denn nicht, wie man klatscht? Dass man sich auf einem Konzert auch bewegen darf?
Gils Ansagen zwischen den Liedern waren leider dermaßen genuschelt, dass man kaum ein Wort verstanden hat, aber wenigstens diese konnten den Mädchen ab und zu etwas enthusiastischere Reaktionen entlocken als die Musik. Die spülte mehr oder minder unbeachtet über die gebannt an den wohlgeformten Lippen Gils hängenden Kinder hinweg. Was schade war, weil Zoo Army einen sehr engagierten Auftritt hinlegten. Gil hat keinen Mangel an Selbstvertrauen und poste, was das Zeug hielt. Die Bühne gab ihm zwar nicht allzu viel Platz, aber er bewegte sich so gut es ging. Tal am Bass war ähnlich agil und lieferte als Backgroundsänger eine astreine Vorstellung ab. Er zwickte beim Singen immer die Augen zusammen, als ob er gerade in eine Zitrone gebissen hätte, süß. Auch optisch sehr süß: Bartwuchs auf Babybacken. Gitarrist Roland Söns bewegte sich dagegen so gut wie gar nicht, sondern konzentrierte sich auf's Gitarrespielen. Dominik Scholz, das einzige Mitglied von Zoo Army das ausschaut als wäre es älter als 20, klopfte souverän auf sein kleines Kit ein und hatte dabei sichtlich Spaß.
Zoo Army spielten schnelle Lieder und langsame Lieder, der Großteil natürlich vom Debüt 507, aber auch anderes wurde geboten: Beispielsweise "My Way" von Gils Soloalbum On My Own aus dem Jahr 2003 oder "Beautiful", das auf keiner CD erhältlich ist, weil es für den RTL-Film "Die Sturmflut" geschrieben wurde. Jedoch passen alle Lieder, auch die unterschiedlichen Alters, perfekt zusammen, da merkt man keine Unterschiede. Ist halt guter radiotauglicher Ami-Rock ohne große Überraschungen.

In Szene gesetzt wurde vor allem Gil: zu fast allen Zeiten war ein unbeweglicher Spot auf ihn gerichtet. Der Rest der Band wurde bei weitem nicht so gut ausgeleuchtet; oft - viel zu oft - standen bzw. saßen Tal, Roland und Dominik im Dunkeln, nur Gil war in seinem Lichtstrahl sichtbar. Eine Band sieht anders aus - oder wird anders präsentiert.

Wenn man sich diese Veranstaltung ansieht, ist klar, wohin die Reise geht: Zoo Army sind keine Band. Sie sind das neue Projekt des hübschen Gil. Dass da noch drei andere gute Musiker mit auf der Bühne stehen, ist nur Nebensache. Genauso wie die Musik. Hauptsache das Image stimmt und die Mädels kreischen. Und berappen die völlig unverschämten 19 Euro für ein schwarzes T-Shirt mit Zoo Army-Aufdruck oder die 12 Euro für ein Käppi. Schade. Die Musik ist auf CD nämlich wirklich gut. Aber live, und so präsentiert... mich gruselt. Und noch mehr gruselt mich, weil ich Gil durchaus abnehme, dass er das Ganze als Band sieht, die sich auf dem "altmodischen" Weg nach oben rockt. Nur... welche Band, die sich erst nach oben rocken muss, hat bereits auf der Release Party des Debüts Typen mit Videokameras rumrennen?

Setlist:
Tell Me Something
Change
Selfish Box
Never
My Way
I'm Alive
Take Me Away
Fading
Feel
Beautiful
Where I Belong
Broken
Like I Do
Stop Lying
---
Down
Left Or Right

Lord Obirah & Kara

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