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Konzert-Bericht

Thunderstone, Crystal Ball & Tempesta

Backstage, München 01.12.2005

Doppelt genäht rockt besser: das dachten sich wohl die umtriebigen Mannen von Nuclear Blast und spannten kurzerhand in Form von Crystal Ball und Thunderstone zwei Zugpferde zusammen. Beide konnten jeweils mit ihren letzten Studio-Scheiben (Timewalker und Tools Of Destruction) einiges reißen, haben selbst aber noch nicht genug Strahlkraft für eine Tour unter eigener Flagge. Also packt man das Ganze zusammen und schickt die Kombos auf Co-Headliner-Tour, bei der München die erste Station bildet.

Was auf dem Papier einleuchtend wirkt, krankt in der Umsetzung leider dann doch am Publikumsinteresse: im New Backstage versammelt man sich nicht in der Halle, sondern im Club, was ja eine nette Umschreibung für ein etwas größeres Wohnzimmer ist. Liegts am ungünstigen Tag (Donnerstag), oder an der späten Uhrzeit, zu der Ansetzungen im Backstage zu steigen pflegen? Schwer zu sagen, auf jeden Fall müssen sich die Supporter Tempesta mit vielleicht mal 40 Nasen begnügen. Die Schweizer Jungs, die Crystal Ball-Shouter Mark Sweeney höchstselbst entdeckt hat und in seinem eigenen Studio produziert, lassen sich davon allerdings nicht verdrießen, sondern werfen sich mit Elan in ihren Set. Das Material kracht ordentlich, die Purschen bedienen ihre Instrumente kompetent, und vor allem Fronter Reto Thalmann macht uns stimmlich und mit flottem Posing einen astreinen Hetfield. Kein Wunder also, dass sie mit "Cowboy" eine umgetextete Referenz an "Sad But True" im Gepäck haben. Gute Leistung, die wir gerne mit einem CD-Kauf am Merchandise-Stand der sympathischen Eidgenossen honorieren.

Auch als gegen 21 Uhr die Mannen von Crystal Ball die Bühne entern, hat sich das Backstage nicht maßgeblich gefüllt: mit viel Phantasie lassen sich vielleicht 80 Leutchen ausmachen, die die Schweizer sehen wollen. Die nehmen's mit Humor: man habe sich eigens ein großes Backdrop anfertigen lassen, das auf diese kleine Theaterbühne gar nicht passe, so berichtet ein launiger Mark Sweeney. Aber wenigstens ihre große Uhr haben sie uns mitgebracht, die braucht man schließlich, um die Thematik des aktuellen Albums Timewalker ordentlich in Szene zu setzen. Hier geht's um nichts Geringeres als die Weltgeschichte, dargestellt anhand verschiedener epochaler Persönlichkeiten oder Ereignisse. Zur Illustration haben Crystal Ball für die Scheibe ein wahrlich aufwändiges Booklet produzieren lassen, das der Künstler Thomas Ewerhard gekonnt in optische Eindrücke umsetzte. Das Teil lohnt sich - und wurde dem armen Schreiberling, der natürlich nur ein Promo-Exemplar in der Papphülle zur Hand hatte, nach dem Interview von Mark dankenswerterweise in die Hand gedrückt...
Die Highlights des Sets stammen denn auch nicht zuletzt vom neuen Werk, insbesondere bei "Tear Down The Walls" und "He Came To Change The World" kommt so viel Stimmung auf, wie bei lichten Reihen halt möglich ist. Aber Gitarrist Scott Leach und seine Instrumental-Kollegen lassen sich nicht beirren und hauen fröhlich rein. Auch Mark macht das Beste draus und tritt in regen Dialog mit den Anwesenden: "Du da, mit dem Weißwurst-T-Shirt, Du bist doch bestimmt Metzger, oder?" - "Naa, I verkaf Autos." - "OK, dann schenk ich Dir danach wenigstens ein Crystal Ball Shirt". So geht das munter weiter, zwischen den flotten Power- und Speed-Nummern parliert Mark mit den Zuschauern, so dass der Gig eine familiäre Atmosphäre bekommt, die auch wieder irgendwie anheimelnd ist. Gut kommt noch die Lindbergh-Hommage "Powerflight", dann stellt Mark wiederholt fest, dass die Schweiz völlig berechtigterweise die Türkei aus der WM-Quali geworfen hat. So geht das munter weiter, so mancher musikalischer Geburtstagswunsch wird erfüllt, bevor sich Crystal Ball von den paar Münchnern verabschieden.

Gottlob dauert es nicht allzu lange, bis die Finnen von Thunderstone loslegen. Immerhin rückt der Zeiger bedrohlich nahe auf die elf zu - vielleicht auch ein Grund, warum sich das Gedränge in Grenzen hält? Aber die Jungs um Sangesmeister Pasi Rautanen, der sichtlich gerne dem leiblichen Wohl frönt, und Bandgründer Nino Laurenne an der Guitarre lassen sich davon ebenso wenig den Spaß verderben wie ihre Vorgänger. Basser Titus Hjelm, der uns beim Interview im Tourbus eben noch gut sortiert gegenübersaß, wirft sofort den Haarrotor an, was schon mal fast die halbe Bühne einnimmt. Gleich zu Beginn feuern sie die erste Single des aktuellen Albums ab: "Tool Of The Devil", das in Finnland locker in die Charts kletterte und auch hierzulande auf so manchem Sampler zu finden war. Insgesamt ist ihr Sound düsterer, komplexer und dichter als die eingängigen Nummern von Crystal Ball, aber gerade deshalb macht das Paket musikalisch ja durchaus Sinn. Schließlich hätten die Fans ja wohl kaum Lust, vier Stunden die gleiche Mucke zu hören, stellte schon Mark fest, und das hat seine Richtigkeit. Thunderstone mörteln sich derweil mit bewundernswerter Spielfreude durch ihren Set, der neben Stücken vom neuen Album auch reichlich Material vom Erstling "Thunderstone" und dem Folgewerk "The Burning" enthält. Auch hier gibt's eine beachtliche Leistung zu konstatieren, die allerdings ebenfalls vor nur wenigen Sympathisanten mit Stehvermögen abläuft. Gute Show - aber nur für ein paar Gestalten.

Also: gute Grundidee, reife Leistung der beteiligten Kombos, die definitiv nicht verdient haben, dass nur so wenige Anhänger da waren, die Darbietung zu bestaunen. Bleibt zu hoffen, dass dies den Jungs nicht die Lust an weiteren Headliner-Tours vergällt. Wäre schade. Denn schließlich gabs jede Menge gute Musik zum haben. Und wir wissen, dass der Weißwurst-Shirt-Mensch eigentlich Autos verkauft.

Holgi

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