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Interview

Interview mit Fist In Face (13.07.2004)

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Wer das Review gelesen hat, der weiß, dass mich 'Schattenspringer' der Münchner Formation "Fist in Face" durchaus zu begeistern wusste. Grund genug, um die Jungs per E-Mail mit ein paar Fragen zu nerven.

HH: Meine erste Frage bezieht sich auf die Band. Das Info und auch eure Homepage geben dazu nicht viel her. Nur in der Linkliste der Hinweis, dass einige Bandmitglieder in anderen Bands involviert sind. Ist Fist In Face nur ein Projekt oder ein festes Bandgefüge? Warum stehen im CD-Booklet nur Pseudonyme und in welchen Bands sind die Bandmitglieder noch anzutreffen?

Feicht: Hi Andreas, die Band ist mit Sicherheit eine eigenständige Formation und kein Projekt. Es gibt ein Eigenleben, wenn auch die Einflüsse die Stefan und Michl von Promise Broken bzw. den Riders mitbringen nicht zu überhören sind und sich m.E. auch gut in die Idee einfügen.

Michl: Was ein bischen Projektcharakter hat, ist DJ mikEE, der ab und zu bei uns scratcht als Bonus bei so manchem Auftritt.

HH: Interessant fand ich auch das Cover, speziell die Rückseite mit dem Bügeleisen. Eine Anspielung auf das Machoprollgehabe einiger Hardcorebands?

Feicht: Ich mag das Hardcore Klischee. Ich mag Klischees im allgemeinen ganz gerne und vor allem liebe ich es, wenn ein bestimmtes Detail nicht ganz reinpasst in's perfekte Bild. Du weisst schon... der Bilderbuchpunk schwitzt über seiner Diplomarbeit, die biedere Professorin verbringt ihre Sonntage im Swinger Club, u.s.w... unser Tattoowunder bügelt seine Hemden. Im übrigen hat er vor drei Tagen ein Kind geboren. (Der Typ? - Red.)

HH: Glückwunsch von meiner Seite!

Rakete: Ich find's in erster Linie witzig. Viele Bands nehmen Image und Style etwas zu wichtig.

Michl: Für mich hat es noch die Bedeutung, dass man Dinge "sowohl-als-auch" tun kann, d.h. das eine das andere nicht ausschliessen muss.

HH: Die Fotostory auf euerer Homepage deutet darauf hin, dass ihr dem Ableben von Refused noch immer hinterher trauert. Was bedeutet diese Band für Fist In Face?

Feicht: Refused hat mich sehr stark beeinflusst. Für mich war's ein Tor zu einer neuen Welt, eine bahnbrechende Idee. Vor einiger Zeit war ich über die Auflösung sehr unglücklich. Aber mittlerweile denke ich mir, dass es für sie eigentlich auch nicht mehr viel zu tun gab. sie wussten, dass sie sich selbst nicht mehr toppen können. zudem kommt natürlich noch die Tatsache, dass in Schweden momentan ehedem ein anderer Wind weht.

Michl: "Intelligenter Hardcore" fällt mir zu Refused ein

HH: Schön finde ich, dass trotz zum Teil deutscher Texte, textliche Peinlichkeiten aussen vor bleiben. Fällt es euch schwerer deutsche oder englische Texte zu schreiben? Wer schreibt die Texte?

Rakete: Ich habe vor Fist In Face eigentlich alle meine Texte auf Englisch geschrieben. Doch die Jungs meinten, dass ihnen das wichtig sei und so hab ich halt ein, zwei Songs in Deutsch verfasst. Mittlerweile finde ich es so gut, dass ich fast alle Texte auf Deutsch schreibe. Es hat Vor- und Nachteile: Mein Englisch ist zwar recht simpel und lückenhaft, aber Deutsch ist furchtbar eckig und hart. Außerdem hören wir täglich zu viel englischsprachige Musik und Deutsch klingt deshalb wohl fast schon wieder befremdlich, erst recht, weil man den Scheiß plötzlich richtig versteht. Nein, im Ernst, ich weiß nicht woran es liegt. Ob meine Texte peinlich oder voller Klischees sind kann ich auch nicht beurteilen. Sie sind einfach, ehrlich, und ohne viel tiefsinniges Philosophieren.

Das können andere wohl besser.

HH: Von der schwedischen Hardcore-Szene habt ihr euch ja nicht so begeistert gezeigt. Wie ist euere Einschätzung der deutschen Hardcore-Szene?

Feicht: Ich kann was die deutsch HC-Szene angeht eigentlich nur von München sprechen. Ich habe nur wenige Menschen aus anderen Städten kennengelernt. In München haben wir eine mittelgrosse, sehr feine und liebenswerte HC-Szene. Wer will kann sich alle zehn Tage ein schönes Hardcorekonzert ansehen. Grosse und kleine Bands, aus der ganzen Welt, machen hier halt und es gibt auch ein Dutzend Münchner Hardcorebands die sich nicht verstecken müssen.

Rakete: Also meine Erfahrung ist eigentlich immer dieselbe:
Überall gibt es Gruppierungen und Cliquen, die sich abgrenzen oder untereinander konkurrieren. Das kann ganz schön anstrengend sein, wenn man man immer darauf achten muss, ob man sich mit den "richtigen" Leuten abgibt. Eigentlich albern, aber warum sollte das im Hardcore anders als im Alltag sein. Es gibt immer coole Leute, die vernetzen und alles zusammenhalten und natürlich auch immer Wichser, die nur ihren eigenen Vorteil suchen, auch auf Kosten anderer. Die Münchner Szene ist nur schwer unter einen Hut zu bringen, insgesamt sehr vielseitig doch da geht einiges. Über die "deutsche Hardcoreszene" kann ich eigentlich nix sagen, die Münchner Szene ist auf jeden Fall sehr vielseitig.

HH: Wollt ihr mit euerer Musik etwas erreichen? Wenn ja, was?

Michl: Ich will erreichen, dass ich mich gut fühle. Gut wenn ich aus dem Ü-Raum komme, gut wenn wir einen Gig gespielt haben, gut wenn die CD fertig ist. Wenn es dann noch den Leuten gefällt und Begeisterung aufkommt, dann habe ich schon das Wichtigste erreicht.

Rakete: Was mich betrifft, brauche ich in erster Linie ein Ventil für die Dinge, die mich bewegen. Aber es macht mehr Spaß, das mit anderen zu teilen. Ich wollte nie origineller als andere Bands sein, aber als ich Warzone 98 im Ballroom gesehen habe, wusste ich, dass das mein Ding ist. Keine "Rockstar im Rampenlicht" Scheiße, sondern runter von der Bühne und mit den Leuten feiern. So muß das sein! Bei promise.broken verhält sich das zwar etwas anders, aber prinzipiell gilt: Es ist toll Musik zumachen und es ist noch toller, wenn andere Anteil nehmen.

HH: Glaubt ihr, dass andere aus euerer Musik nutzen ziehen? Wenn ja, welchen?

Rakete: Was heißt schon "Nutzen"? Wenn sich jemand in den Texten wiedererkennt, kann das sicherlich hilfreich sein, aber wenn er einfach nur harte Mucke braucht, damit der Haushaltsputz besser von der Hand geht, ist das auch okay. Musik spart manchmal teure Therapiestunden und kann das Leben lebenswerter machen. Wir sind keine Revolutionäre oder Weltverbesserer. Wir haben einfach nur Spaß an unserer Musik, Moralpredigten werden in der Kirche gehalten. Wenn wir den Leuten helfen eine gute Zeit zu haben, oder Frust abzulassen, ist das ohne Frage etwas Positives und Wünschenswertes.
Ich hoffe, dass Sie nicht als Hintergrundmusik zu irgendwelchen satanistischen Ritualen läuft, da wäre ich dann doch beleidigt. Ansonsten, siehe oben.

HH: Habt ihr meinem Review noch etwas hinzuzufügen (oder zu bemängeln)?

Feicht: Dein Review hat uns gut gefallen. Wir arbeiten gerade an neuen Liedern für die nächste CD und sind sehr gespannt, was du dazu sagen wirst. Es hat sich ein bisschen was verändert. Wir sind zufrieden.

Rakete: Mir sind zwei Dinge aufgefallen: 1.) Du bist recht unvoreingenommen vorgegangen und 2.) Du hast dir die CD genau angehört und die Texte gelesen... so gehört sich das für ein CD Review. Respekt dafür an dieser Stelle.

HH: Und weil ich so ein eitler Mensch bin, schliesse ich mit dieser Aussage das Interview, bedanke mich ganz herzlich bei der Band und kann allen toleranten Lesern, die bei dem Wort "Hardcore" nicht gleich schreiend davon laufen, die CD nochmals wärmstens ans Herz legen.

Andreas

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