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Interview

Interview mit Arch Enemy (26.09.2004)

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Arch Enemy konnten sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern und sich von Album zu Album verbessern. Wir sprachen mit Basser Sharlee D'Angelo über CD-Verkäufe, Künstler, Touren und vieles mehr.

HH: Ok, dann erzählt doch mal, wie war die Tour denn bisher, wieviele Leute kamen und seid ihr mit dem jetzigen Ablauf zufrieden?

Sharlee: Äh, sehr gut, 365 und ja! Na gut, im Ernst, wir haben bisher zwei Shows gespielt und es lief ziemlich gut. In Deutschland ist es heutzutage ein wenig schwierig geworden, denn jeder tourt zur gleichen Zeit hier und somit ist es schwer, die Hallen vollzukriegen. Aber bisher waren doch einige Leute da und wir haben gute Resonanzen erhalten. Wir sind also sehr zuversichtlich und wir genießen unsere Zeit.

HH: Habt ihr bisher nur in Deutschland gespielt?

Sharlee: Ja, wir haben jetzt Köln und Stuttgart hinter uns. Heute ist unser drittes Konzert und morgen geht's dann nach Italien.

HH: Werdet ihr im Sommer auch bei Festivals auftreten?

Sharlee: Bisher ist nur Wacken bestätigt, ob wir noch woanders spielen werden, weiß ich noch nicht.

HH: Spielt du eigentlich lieber auf so großen Festivalbühnen oder sind dir kleine Clubs lieber?

Sharlee: Nun, beides hat natürlich Vor- und Nachteile. Festivals sind irgendwo stressiger, du gehst raus, hast keinen Soundcheck, nichts, und dann musst du vor so vielen Leuten spielen. Aber auf Festivals ist die Atmosphäre natürlich toll. Wenn du aber vor deinem Publikum spielst, kannst du dein eigenes Set zusammenstellen und das spielen was du willst und solange du willst. Die Leute kennen dann auch die Songs. Ich mag beides. In den Clubs bist du näher an den Leuten dran, auf Festivals ist immer eine gewisse Distanz. Aber es ist natürlich cool, eine große Bühne zu haben.

HH: Habt ihr eigentlich die Zeit, euch nach den Gigs um eure Fans zu kümmern und mit ihnen zu quatschen?

Sharlee: Normalerweise schon. Wenn du aber als Headliner unterwegs bist und dein Set gespielt hast, wird normalerweise die Halle geräumt und jeder rausgeschmissen. Anders ist das natürlich als Support-Act, da hast du nach der Show mehr Zeit rumzuhängen. Das ist das coole daran, wenn du andere Bands supportest. Das sind jetzt unsere ersten Headlinerauftritte seit einem halben Jahr, bisher waren wir nur Support und du hast das dann so drin, dass du dich erstmal wieder daran gewöhnen musst, ein längeres Set zu spielen.

HH: Ok, lass uns noch kurz über's Album reden. Was denkst du über die Kritiken, die ihr bisher bekommen habt?

Sharlee: Die meisten Reviews, die ich bisher gelesen habe, waren richtig, richtig gut, vor allem in den USA, da lief es wirklich gut. Aber auch in Deutschland lief es verdammt gut, ich weiß jetzt gar nicht, wieviele Einheiten wir davon verkauft haben, aber ich habe jemanden sagen hören, dass wir die Verkäufe im Vergleich zum letzten Album verdreifachen konnten. Wir sind also auf dem richtigen Weg. Die Reviews waren insgesamt wirklich sehr gut, abgesehen von Schweden, wo wir nicht sonderlich gut abschnitten. Einige Magazine dort haben das Album total niedergemacht und gesagt, es wäre das Langweiligste, was wir je gemacht haben. Andere Magazine haben aber das Gegenteil behauptet. Du weißt also nicht, auf was du dich verlassen sollst. Aber solange die Leute das Album mögen... Die Kritiker bekommen das Album eh umsonst mit der Post zugeschickt, also interessiert dich eher die Meinung der Leute, die ihr hart verdientes Geld dafür ausgeben. Es ist wichtig, dass sie es mögen.

HH: Und wie waren die Reaktionen eben dieser Leute bisher?

Sharlee: Nun, du siehst natürlich, wie die Leute reagieren, wenn du einen bestimmten Song spielst, welche Reaktionen ein bestimmter Song bekommt. Auf die Art und Weise kannst du ganz gut bestimmen, ob die Leute das Lied mögen oder nicht. Im Moment schaut es so aus, dass die Songs, die am besten beim Publikum ankommen, diejenigen sind, die auch auf dem neuen Album sind. Das ist immer ein gutes Zeichen. Es wäre natürlich schlecht, wenn du ein Album nach dem anderen veröffentlichst und die Leute nur nach Liedern vom ersten Album rufen würden.

HH: Kommen zu euren Shows eigentlich immer noch mehr Death Metal Fans oder sind es inzwischen mehr normale Metal Heads, die z.B. auch auf Power Metal stehen?

Sharlee: Ich glaube, das ist inzwischen eine gute Mischung. Es gibt immer noch viele Hardcore-Fans, die immer noch am besten auf die alten Songs reagieren. Aber es gibt auch viele Leute, die von uns bis zu diesem oder dem letzten Album noch nichts gehört hatten, es sind also viele neue Fans da. Die kommen dann auch aus den verschiedenen Lagern, Power Metal, Death Metal, was auch immer...

HH: Es gibt ja immer noch jede Menge eingesessener Death Metal Fans, die behaupten, eure Art von Musik ist zu melodisch und erbärmlich, die eben nur auf den harten Underground-Sound stehen...

Sharlee: Ja, das stimmt schon, die wollen sich einfach nicht entwickeln. Aber das ist ok, es gibt ja genügend Sachen da draussen, die sie sich kaufen können, z.B. Cannibal Corpse... Wenn sie was nicht mögen, müssen sie es ja nicht kaufen. Aber ich weiß schon, dass viele Leute sagen, sobald du ein wenig Melodie in deine Musik reinbringst, ist sie total schwul. Aber was sie mögen und wir machen ist unterschiedlich. Beim Death Metal geht's oft nur darum, im Proberaum zu stehen, sobald du ein Demo aufgenommen hast, ist das Ausverkauf. Aber verschiedene Leute mögen verschiedene Sachen und das ist ok. Du musst unsere Musik nicht mögen, aber es freut mich natürlich, wenn du sie magst.

HH: Du hast vorhin gesagt, dass ihr eure CD-Verkäufe verdreifachen konntet. Zur Zeit beschweren sich aber viele Leute in der Musikindustrie, dass CD-Verkäufe wegbrechen und immer weniger Musik gekauft wird. Schuld daran seien mp3 und das ganze Filesharing-Gedöns. Aber ihr habt ja das Gegenteil bewiesen, dass Bands auch ihren Umsatz steigern können.

Sharlee: Ja, das stimmt schon. Das kommt aber auch immer drauf an, wer was sagt. Einige Leute sagen, wenn es mp3 nicht gäbe, hätten wir unsere CD-Verkäufe vielleicht vervierfacht. Aber das Internet hat natürlich auch Vorteile. Metal Fans sind meiner Meinung nach anders als Leute, die Mainstream Musik hören. Wenn ein Metal Fan ein mp3 hört und ihm das gefällt, will er das ganze Album. Selbst wenn sie es sich nicht sofort leisten können, machen sie sich sofort auf die Socken und suchen danach, wenn sie wieder Geld haben. Die Leute, die Mainstream Musik hören, mögen zwar Musik, aber sie interessieren sich nicht so sehr dafür. Wenn solche Leute in ein Musikgeschäft gehen und ein Album kaufen wollen, von dem sie ein Lied im Radio gehört haben, kaufen sie es auch, wenn es gerade auf Lager ist. Wenn nicht, kaufen sie halt was anderes, das sie zufällig sehen. Für sie ist das nicht so wichtig. Metal Fans sind da anders.

HH: Kurz zu den Texten auf dem Album. Beinhalten die eine Botschaft, wollt ihr damit was aussagen oder sind die Texte nur da, damit etwas gesungen werden kann?

Sharlee: Es wäre doch Verschwengung, wenn du die Möglichkeit hast, etwas rüberzubringen und diese ungenutzt lässt. Es geht generell gegen Etablierung. Rebellion heißt ja nicht unbedingt, dass du Unruhen anfangen und die Regierung stürzen musst. Es geht um die kleinen Dinge im Leben, die dir nicht passen und die du ändern kannst, wenn du nur willst. Ich habe jetzt selbst keinen Text zum Album geschrieben, da solltest du dich an Michael und Angela wenden. Aber sie sind ziemlich offen für Interpretationen. Es geht um die Dinge, über die wir uns aufregen, sei es persönlich oder generell, aber es sind keine politischen Aussagen.

HH: Kannst du dir vorstellen, Arch Enemy für politische Aussagen zu "missbrauchen"?

Sharlee: Nun, dafür sind wir nicht die richtige Band. Das sollten andere tun und manche machen das ja auch richtig gut. Diese Bands haben eine Botschaft und das ist die Hauptsache und sie benutzen die Band als Plattform für das, was sie zu sagen haben. Wir wollen den Leuten nichts in den Mund legen.

HH: Ihr seid also keine Prediger wie Mike Muir von den Suicidal Tendencies?

Sharlee: Nein, nein, sicher nicht.

HH: Habt ihr euch schon Gedanken gemacht, wie's mit Arch Enemy weitergeht?

Sharlee: Nicht wirklich. Wir müssen ja noch einiges an Tourarbeit für dieses Album verrichten und danach werden wir wahrscheinlich anfangen, neue Songs zu schreiben. Wir schreiben zwar immer ein bisschen und sammeln Ideen, aber wir müssen uns dafür immer Zeit nehmen, uns zusammensetzen und schauen, was wir in der Hinterhand haben.

HH: Hast du schon eine Vorstellung, in welche Richtung euer neues Material gehen wird?

Sharlee: Wer weiß, keine Ahnung. Ich denke, jedes Album ist ein Reaktion auf das vorherige. Wages Of Sin war schon ein sehr melodisches Album und dieses ist kaum weniger melodisch, aber es kommt schneller auf den Punkt. Und wer weiß, vielleicht ist das nächste Album das komplette Gegenteil, vielleicht sind darauf nur Balladen zu hören.

HH: Oh, bitte nicht!!

Sharlee: Naja, ich glaube auch nicht wirklich daran!

HH: Wie wichtig sind die Meinung von Fans für euch, wie sehr beeinflussen die Meinungen der Leute euer Songwriting? Wenn z.B. jetzt jemand sagt, euer letztes Album war nicht hart genug oder da waren zu viele Melodien drauf oder was auch immer.

Sharlee: Wenn die Fans was sagen, bekommst du natürlich einen bestimmten Eindruck und bewusst oder unbewusst machst du dir darüber Gedanken, wenn du an neuem Material schreibst. Egal, ob es das ist, was sie dir sagen oder ob es das ist, was du mitbekommst, wenn du die Lieder live spielst, da spielt beides ein wenig rein. Natürlich ist es irgendwo wichtig, was die Leute denken, die das Album kaufen. Aber du kannst nicht einfach was für andere Leute schreiben, du musst es schon selber mögen. Aber selbst wenn du das tust, was du willst, hast du immer im Hinterkopf, was die Leute über die letzten Sachen denken, die du gemacht hast. Da spielt vieles mit rein.

HH: Warum ich das gefragt habe, ist folgendes: Ich habe mal gelesen, dass ein Musiker Musik für sich selbst schreibt. Wenn er mal anfängt, Musik für das Publikum zu schreiben, dann ist er kein Musiker mehr, sondern ein Handwerker.

Sharlee: Ich weiß genau, was du meinst, du schreibst Musik, um deinen Drang danach zu befriedigen. Aber ich glaube, es ist ein nicht sehr respektvoll gegenüber den Fans, sowas zu sagen, weil du schliesslich für sie spielst. Und auch wenn sie keine persönlichen Freunde von dir sind, so ist ihre Meinung für uns doch von großem Wert. Natürlich werden wir nicht mehr Keyboards in unseren Sound aufnehmen, weil jemand sagt, dass er gerne mehr Keyboards hören möchte. Du denkst zwar drüber nach, aber es ist kein sonderlich bewusstes Ding. Die Reaktionen, die du bekommst, haben einen Einfluss auf dich. Wir schreiben Musik für unsere Fans in gleichem Maße wie für uns selber. Wir sind schließlich selber Metal Fans und schreiben das Album, das wir selber gern aus der Sicht des Metal Fans hören möchten. Wir versuchen also nicht, das abgedrehteste Album zu schreiben, das möglich ist und geben dabei keinen Pfifferling auf die Meinung anderer. Wenn du nämlich überhaupt nicht auf andere Leute hörst, wirst du immer daheim im Proberaum bleiben. Du spielst für die Leute, was aber nicht heißt, dass wir deswegen kommerziell sein wollen. Wenn wir das wollten, würden wir total andere Musik spielen, das kannst du mir glauben. Wenn ich wüsste, wie ich kommerziell erfolgreich sein könnte, würde ich das probieren. Du kannst natürlich bei anderen abkupfern, die gerade in den Charts sind, aber wenn du das machst, ist das musikalischer Selbstmord, weil bis du dein Produkt auf den Markt bringst, kann der Trend schon lange wieder vorbei sein. Und wir folgen keinem, wir folgen nicht den Charts, sondern unserem Herzen.

HH: Die Leute merken das auch, wenn du nur deswegen diese Art von Musik machst, weil es gerade ein Trend ist. Im Nu-Metal Bereich ist das ja zur Zeit schwer der Fall.

Sharlee: Das ist immer so, wenn irgendwas gut läuft, wie Nu-Metal z.B., ist das natürlich populär, aber es bleiben am Ende immer nur ein paar wirklich gute Bands übrig, die den Trend überleben. Schau dir doch nur die Grunge Welle an oder irgendeinen anderen Trend. Die klassischen Bands werden weiterleben, weil sie das Original sind. Oder schau dir z.B. Korn an, die entwickeln sich weiter, haben das alles erfunden und waren die ersten, die diese Art Musik gemacht haben. Und dann kommen natürlich die ganzen Trittbrettfahrer. Schuld daran trägt aber auch die Musikindustrie, die sich wirklich auf alles stürzt, was sich für den Moment verkaufen lässt. Da wird dann jede Band unter Vertrag genommen, die auch nur irgendwie eine Platte verkaufen kann.

HH: Ok, letzte Frage. Ihr habt ja schon einiges an Touren mitgemacht, kannst du uns was besonders witziges erzählen, irgendwas aussergewöhnliches, irgendwas typisches für Arch Enemy oder einen großen Skandal?

Sharlee: Nun, es gab bisher noch keinen Skandal und ich kann dir auch nichts Delikates erzählen. Es ist bisher noch nichts superpeinliches oder extrem witziges vorgefallen, zumindest nichts, was mir gerade einfällt, sorry! Wir sind eine langweilige Band. Das einzige, was mir jetzt einfällt, ist unser Auftritt beim With Full Force vor zwei Jahren, als auf der Bühne meine Hosen aufrissen, das ist ein Klassiker. Ein typischer Spinal Tap Moment. Ansonsten... nun wir haben kaum Groupies und Koks, wir sind nicht Mötley Crue.

HH: Na zum Glück nicht!! Vielen Dank für das Interview!

Sharlee: Ich hab' zu danken!

Lord Obirah

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