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Interview

Interview mit Dissimulation (08.08.2005)

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Manchmal geschehen seltsame Dinge: Man schickt Fragen für ein Interview per Mail Richtung Litauen los und erhält Wochen später einen Brief per Snail Mail aus Norwegen mit den zugehörigen Antworten, weil der Interviewpartner sich dort in der Abgeschiedenheit der Berge in einer kleinen Hütte ohne Strom und permanenter Adresse aufhält und seine Zeit damit verbringt, bei Kerzenlicht mit Zettel und Papier Interviews zu beantworten. Dinge geschehen.

HH: Hallo und herzlichen Glückwunsch zu eurem zweitem Album Prakeikimas. Wie geht's dir, nachdem das Album nun doch schon ein paar Wochen erhältlich ist.

Stabmeldys: Hell! Wir sind völlig zufrieden mit Prakeikimas - davon haben wir immer geträumt, aber das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. So bald wie möglich werden wir etwas noch Giftigeres veröffentlichen.

HH: Das Album ist ziemlich gut und hat keine Hochglanzproduktion aber auch keine dieser Rumpelproduktionen. Passt einfach perfekt. Seid ihr immer noch zufrieden damit?

Stabmeldys: Wie ich schon sagte, wir sind rund herum zufrieden mit Prakeikimas - dem Sound, der Produktion, dem Konzept usw. Das einzige wichtige Detail, das ich gerne ändern würde, ist die Übersetzung des letzten Liedes "Karo Ugnys / I Dausas". Das müsste "To Heaven But To Dausos" heißen, weil Dausos für uns der Platz ist, wo die Seelen der Krieger sich nach dem Tod versammeln. Dieser Ort unterscheidet sich gänzlich vom Himmel der Christen. Der litauische Dausos ist dem skandinavischen Valhalla sehr ähnlich, deshalb muss es eigentlich nicht übersetzt werden.

HH: Im Promozettel werdet ihr als "Blasphemous Thrashing Black Metal Team" bezeichnet. Für mich klingt eure Musik aber mehr nach gutem alten Thrash Metal als nach Black Metal. Erinnert mich oft an alte Sodom oder Destruction. Wie siehst du das?

Stabmeldys: Darauf sind wir sehr stolz! Wir haben schon immer Bands wie Sodom, Kreator, Destruction usw. gehört. Dies waren die Bands, die uns maßgeblich beeinflusst und dafür gesorgt haben, dass wir jetzt auch Musik machen. Ich selbst bin ein riesiger Fan der alten Kreator-Sachen, Venomous liebt Destruction. Deshalb sind wir schon stolz, wenn wir es schaffen, ähnlich wie unsere Vorbilder zu klingen. Ausserdem hat Teutonenthrash die stärkste und reinste Metaltradition aller Zeiten. Sehr schade, dass Kreator die Waffen gestreckt haben und der Mainstream-Szene beigetreten sind - ich war unglaublich enttäuscht.

HH: Die Atmosphäre auf Prakeikimas ist wirklich düster, was hat euch beeinflusst, als ihr die Songs für dieses Album geschrieben habt?

Stabmeldys: Unsere Lebenserfahrung. Das beinhaltet die Metal Kultur, christliche Erziehung und persönliche rebellische Eigenschaften.

HH: Einige der Lieder haben ein dramatisches Keyboardintro oder ein atmosphärisches Outro, die an sich sehr gut sind aber meiner Meinung nach nicht so recht zum Rest der Musik passen.

Stabmeldys: Ich denke, diese Ambient-Einschübe zwischen den Liedern schaffen eine düstere Atmosphäre, was unsere non-verbale Art ist, euch zu sagen: Memento Mori.
Wir meinen damit das Schweigen und die Ruhe, die sich nach eine A-Explosion breit macht. Das Outro war dafür gedacht, Visionen von Dausos hervor zu rufen - alte spirituelle Reinheit und Natur. Der letzte Track passt aber nicht ganz zum restlichen Album, zumindest vom Standpunkt des Konzeptes aus, weil er einer der ältesten Dissimulation-Songs ist, den wir für Prakeikimas neu aufgenommen haben und als ruhenden Pol nach einer harten blasphemischen Reise betrachten. Die Mission ist vollbracht!

HH: Die Texte wurden auf litauisch geschrieben und eingesungen. Warum habt ihr diese Ausdrucksform gewählt? Dadurch erhält eure Musik sicherlich einen außergewöhnlichen Anstrich, aber kaum jemand wird die Texte verstehen.

Stabmeldys: Die englischen Übersetzungen sind ja im Booklet enthalten. Wir können unsere Ideen einfach besser in unserer Muttersprache ausdrücken. Litauisch hat sich viel mehr archaische Eigenschaften bewahrt als sagen wir mal Englisch, Deutsch oder jede andere moderne europäische Sprache. Weil wir aber so ein kleines unscheinbares Land sind, sind wir sehr stolz darauf, unsere eigene Sprache haben.

HH: Wie wichtig sind die Texte für euch?

Stabmeldys: Die sind in der Tat sehr wichtig für uns, weil der Hörer das Wissen bekommen muss, was wir fühlen und was uns wichtig ist. Musik setzt sich nicht nur aus Fertigkeiten und Technik zusammen, Musik bedeutet auch, eine Botschaft zu überbringen, etwas aus zu drücken und einen bestimmten Geist zu transportieren. Die Vereinigung all dieser Komponenten macht eine starke Faust. Wir hoffen, dass wir eine sind, weil unsere Texte das wiederspiegeln, an was wir glauben und unsere Musik das ist, was wir leben.

HH: Euer letztes Album Maras sollte eigentlich in einem Berliner Studio aufgenommen werden, aber der Besitzer hat euch als Naziband bezeichnet und euch wieder rausgeworfen. Kannst du uns darüber ein bisschen was erzählen?

Stabmeldys: Fuck Off! Ich will mich um solche kindischen Zwischenfälle nicht kümmern. Ich hasse solche Dummköpfe nicht mal, ich verachte sie. Solche Dummköpfe nennen dich eines Tages einen Nazi, weil du eine Dokumentation über Hitler im Fernsehen gesehen hast. Ihr habt doch Hitler erschaffen, nicht ich.

HH: Ich habe im Internet zwar danach gesucht, aber keine Dissimulation Homepage gefunden. Gibt es überhaupt eine?

Stabmeldys: Nein, wir haben keine. Wir brauchen sie auch nicht wirklich. Moderne Technologien, Kybernetik, Computerwissenschaften, Internet... damit haben wir nichts am Hut. Wir kümmern uns lieber um Philosophie, die Natur und Alkohol. Alles Moderne ist kurzlebig und ohne Seele. Ich bin kein Roboter.

HH: Wie wichtig denkst du ist eine Homepage für eine Band heutzutage?

Stabmeldys: Wenn eine Band Ruhm und Berühmtheit erreichen will, ist das sicherlich wichtig. Aber nicht für uns. Wir bevorzugen den Underground: Magazine, Fanzines, Live-Kontakte - das erhält letztendlich die Metal Kultur. Homepages sind hauptsächlich was für Dumpfbacken, die nichts anderes tun, als in einen Bildschirm zu starren.

HH: Wie sieht es denn mit Live-Aktivitäten aus? Habt ihr vor, demnächst mal in Europa und auch in Deutschland zu spielen?

Stabmeldys: Sicher, es wäre mehr als großartig, irgendwann mal Deutschland zu verwüsten. Hey, ihr ex-Kreuzfahrer, seid ihr bereit, einige Komplimente aus dem letzten heidnischen Land in Europa zu hören? Ha, ha!

HH: Stell dir vor, Prakeikimas wäre ein Fahrzeug. Was für eins wäre das und warum?

Stabmeldys: Ein Panzer vom Typ Panther natürlich! Weil er kraftvoll, dynamisch und zielsicher ist!!!

HH: Hast du noch ein paar Worte zum Abschluss?

Stabmeldys: ... Schaut euch den Körper auf dem Kruzifix an, hier bei uns ist es ein Zeichen von Impotenz und masochistischen Lehren aus seinen ausgetrockneten Lippen, was für eine Freude für ein Volk von Einfältigen...

Lord Obirah

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